Lesezeit ca. 7 Min.
arrow_back

Classical Workout Koordination


Logo von guitar acoustic
guitar acoustic - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 07.10.2022

Classic Corner

Jens Müller Jens Müller studierte an der Musikhochschule Köln bei Hubert Käppel und Ansgar Krause. Er erzielte Erfolge bei Wettwerben im In- und Ausland, tritt bei internationalen Gitarrenfestivals auf und veröffentlichte zahlreiche CDs. Auf seinem aktuellen Album Sur – Gitarrenmusik des Südens spannt er einen Bogen von klassischen Tangos über spanische Gitarrenmusik bis hin zu berühmten Jazzstandards. Es wurde von der Fachpresse begeistert rezensiert für die „erstklassigen Interpretationen“, die „exzellente technische Ausführung“ sowie das „wunderbare Wechselspiel der Emotionen“. TRACK ?5-9 Wir beschäftigen uns diesmal jedoch mit der Koordination „innerhalb der Greifhand“: Oft ist es nötig, dass ein Finger auf dem Griffbrett liegen bleibt, die anderen müssen sich bewegen. Klingt kompliziert? Kein Problem, ich habe ein paar Übungen und eine schöne Etüde für Euch. Linke Hand ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von guitar acoustic. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Frischer Wind ist immer gut. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Frischer Wind ist immer gut
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von QR-Codes & Downloads. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
QR-Codes & Downloads
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von BOOKLET. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BOOKLET
Titelbild der Ausgabe 6/2022 von Korg Pitchblack X Tuner. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Korg Pitchblack X Tuner
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
A Prayer For Peace
Vorheriger Artikel
A Prayer For Peace
Wir drehen uns im Kreis – der Turnaround
Nächster Artikel
Wir drehen uns im Kreis – der Turnaround
Mehr Lesetipps

Jens Müller Jens Müller studierte an der Musikhochschule Köln bei Hubert Käppel und Ansgar Krause. Er erzielte Erfolge bei Wettwerben im In- und Ausland, tritt bei internationalen Gitarrenfestivals auf und veröffentlichte zahlreiche CDs. Auf seinem aktuellen Album Sur – Gitarrenmusik des Südens spannt er einen Bogen von klassischen Tangos über spanische Gitarrenmusik bis hin zu berühmten Jazzstandards. Es wurde von der Fachpresse begeistert rezensiert für die „erstklassigen Interpretationen“, die „exzellente technische Ausführung“ sowie das „wunderbare Wechselspiel der Emotionen“. TRACK ?5-9 Wir beschäftigen uns diesmal jedoch mit der Koordination „innerhalb der Greifhand“: Oft ist es nötig, dass ein Finger auf dem Griffbrett liegen bleibt, die anderen müssen sich bewegen. Klingt kompliziert? Kein Problem, ich habe ein paar Übungen und eine schöne Etüde für Euch. Linke Hand Zunächst eine kurze Klärung der Begriffe: Der Daumen der linken Hand greift in der Regel beim Spiel auf der klassischen Gitarre nicht. „Guitar-Wrestling“, also das Greifen von Basssaiten mit dem Daumen, überlassen wir der Stahlsaiten-Fraktion, dort sind die Griffbretter schmaler. Ansonsten nummerieren wir Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger mit den Ziffern 1 bis 4. Zum Greifen und Heben der Finger hier ein paar Tipps des renommierten Gitarrenpädagogen Jens Kienbaum aus Abenteuer Gitarre (AMA Verlag, ISBN: 978-3-89922-022- 3): Die Finger der linken Hand bewegen sich aus dem Wurzelgelenk wie Hämmerchen, sie werden in der Regel ohne die Hilfe des Armes aufgesetzt und gehoben. Die Finger sollten immer vorbereitet über ihren Bünden respektive maximal ein Zentimeter über ihrer Saite sein. Der Druck der Finger sollte nicht stärker als nötig sein. Übung 1 Die erste Übung ist gewissermaßen der Klassiker der „Unabhängigkeits-Übungen“, in verschiedenen Formen finden wir sie in vielen Gitarrenschulen: Wir spielen in der fünften Lage, das bedeutet der Zeigefinger greift auf der g3-Saite im 5. Bund, Mittel- und Ringfinger ebenso im 6. bzw. 7. Bund. Nun bewegt sich der vierte Finger im 8. Bund von der sechsten bis zur ersten Saite und wieder zurück. Die Finger 1, 2 und 3 bleiben die ganze Zeit auf ihrer ursprünglichen Position. Analog machen wir diese Übung mit allen anderen drei Fingerkombinationen, man kann diese Übung stumm oder mit Ton üben. Wer sich mit drei „fixierten“ Fingern schwertut, kann zunächst auch nur zwei Finger aufstellen und dann nur einen der beiden anderen Finger bewegen. Man wächst mit bekanntlich mit seinen Aufgaben. Übung 2 Hier spielen wir auf den Diskantsaiten eine Tonleiter in G-Dur in Achteln und begleiten diese mit Basstönen in halben Noten. Die Schwierigkeit besteht darin, die halben Noten tatsächlich ausklingen zu lassen, während in der Oberstimme Achtel-Bewegung herrscht. Ihr müsst also auch bei der Unterstimme genau zuhören. Im Unterrichtsalltag habe ich oft erlebt, dass Schülern gekürzte Bassnoten gar nicht auffallen, weil die Aufmerksamkeit im Wesentlichen bei der Oberstimme ist. Natürlich, es ist gar nicht so einfach, zum Beispiel den dritten Finger liegen zu lassen, wenn sich der zweite Finger vom Griffbrett entfernt. Aber wie wir wissen, haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Übung 3 Wer diese Übung meistert, ist in der Oberliga angekommen: Sowohl Unterals auch Oberstimme bewegen sich chromatisch in einer versetzten Viertelbewegung. Die Kunst ist auch hier wieder das „maximale Legato“, es soll in keiner Stimme auch nur die kleinste Lücke zu hören sein. Zuerst spielen wir auf der dritten und ersten Saite, danach wird der Abstand um eine Saite größer (d- und e-Saite). Wer ganz wagemutig ist, kann auch fünfte und erste Saite probieren, aber dann sind wir schon im Bereich der „horizontalen Überstreckung“. Grundsätzlich bitte bei allen Technikübungen nichts übertreiben, gelegentlich Hände und Arme ausschütteln, auch ein paar Dehnungsübungen beugen Verkrampfungen oder gar Schlimmerem vor. Ich habe für mich übrigens die Übungen von „Liebscher und Bracht“ auf You-Tube entdeckt. Wer viel sitzt, muss ab und zu etwas für sich tun, aber das ist ja common sense.Weitere gute Stücke zum Thema Koordination: Fernando Sor, op. 35, Nr. 1 – etwas leichter, als unser aktuelles Stück Mauro Giuliani, Folias Variation Nr.1 – Basstöne aushalten, zu einer Achtel-Melodie Heitor Villa-Lobos, Etüde No.5 – das Perpetuum Mobile unter den Gitarren-Etüden Etüde op. 35, Nr.13 Die Etüden des spanischen klassischen Komponisten Fernando Sor (1778- 1839) gehören zum Standardrepertoire der Konzertgitarre. In unserer Etüde bereitet für eine schlichte, aber anmutige Melodie eine Unterstimme aus sogenannten Alberti-Bässen die Begleitung. Dabei handelt es sich um ein ausgeschriebenes Arpeggio, bei dem die Töne meist in der Reihenfolge „tiefster, höchster, mittlerer und höchster Ton“ erklingen. Bei Tasteninstrumenten werden diese Figuren meist von der linken Hand übernommen, aber auch bei Kompositionen für klassische Gitarre sind sie sehr beliebt. Zwei Dinge gilt es noch zu beachten: Zum einen ist die Balance zwischen Unter- und Oberstimme wichtig, zum anderen die Koordination: Im zweiten Takt darf der dritte Finger das c in der Unterstimme nicht loslassen, wenn der vierte Finger auf der e1-Saite das g’ verlässt. Im achten Takt ist es umgekehrt, das d’ in der Oberstimme soll weiter klingen, während in der Unterstimme Bewegung herrscht. In den Abschnitten G und H befinden sich die schwersten Griffwechsel: Hier gilt es, zwei Barrégriffe zu meistern. Ich versuche bei besonders schwierigen Griffen zunächst die Finger zu greifen, die tatsächlich gebraucht werden – in diesem Fall den Barrégriff und den zweiten Finger auf der sechsten Saite. Viel Spaß! ?Hasta luego Jens Müller

Jens Müller

Jens Müller studierte an der Musikhochschule Köln bei Hubert Käppel und Ansgar Krause. Er erzielte Erfolge bei Wettwerben im In- und Ausland, tritt bei internationalen Gitarrenfestivals auf und veröffentlichte zahlreiche CDs. Auf seinem aktuellen Album Sur – Gitarrenmusik des Südens spannt er einen Bogen von klassischen Tangos über spanische Gitarrenmusik bis hin zu berühmten Jazzstandards. Es wurde von der Fachpresse begeistert rezensiert für die „erstklassigen Interpretationen“, die „exzellente technische Ausführung“ sowie das „wunderbare Wechselspiel der Emotionen“.

TRACK ?5-9

Wir beschäftigen uns diesmal jedoch mit der Koordination „innerhalb der Greifhand“: Oft ist es nötig, dass ein Finger auf dem Griffbrett liegen bleibt, die anderen müssen sich bewegen. Klingt kompliziert? Kein Problem, ich habe ein paar Übungen und eine schöne Etüde für Euch.

Linke Hand

Zunächst eine kurze Klärung der Begriffe: Der Daumen der linken Hand greift in der Regel beim Spiel auf der klassischen Gitarre nicht. „Guitar-Wrestling“, also das Greifen von Basssaiten mit dem Daumen, überlassen wir der Stahlsaiten-Fraktion, dort sind die Griffbretter schmaler. Ansonsten nummerieren wir Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger mit den Ziffern 1 bis 4. Zum Greifen und Heben der Finger hier ein paar Tipps des renommierten Gitarrenpädagogen Jens Kienbaum aus Abenteuer Gitarre (AMA Verlag, ISBN: 978-3-89922-022- 3): Die Finger der linken Hand bewegen sich aus dem Wurzelgelenk wie Hämmerchen, sie werden in der Regel ohne die Hilfe des Armes aufgesetzt und gehoben. Die Finger sollten immer vorbereitet über ihren Bünden respektive maximal ein Zentimeter über ihrer Saite sein. Der Druck der Finger sollte nicht stärker als nötig sein.

Übung 1

Die erste Übung ist gewissermaßen der Klassiker der „Unabhängigkeits-Übungen“, in verschiedenen Formen finden wir sie in vielen Gitarrenschulen: Wir spielen in der fünften Lage, das bedeutet der Zeigefinger greift auf der g3-Saite im 5. Bund, Mittel- und Ringfinger ebenso im 6. bzw. 7. Bund. Nun bewegt sich der vierte Finger im 8. Bund von der sechsten bis zur ersten Saite und wieder zurück. Die Finger 1, 2 und 3 bleiben die ganze Zeit auf ihrer ursprünglichen Position. Analog machen wir diese Übung mit allen anderen drei Fingerkombinationen, man kann diese Übung stumm oder mit Ton üben. Wer sich mit drei „fixierten“ Fingern schwertut, kann zunächst auch nur zwei Finger aufstellen und dann nur einen der beiden anderen Finger bewegen. Man wächst mit bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Übung 2

Hier spielen wir auf den Diskantsaiten eine Tonleiter in G-Dur in Achteln und begleiten diese mit Basstönen in halben Noten. Die Schwierigkeit besteht darin, die halben Noten tatsächlich ausklingen zu lassen, während in der Oberstimme Achtel-Bewegung herrscht. Ihr müsst also auch bei der Unterstimme genau zuhören. Im Unterrichtsalltag habe ich oft erlebt, dass Schülern gekürzte Bassnoten gar nicht auffallen, weil die Aufmerksamkeit im Wesentlichen bei der Oberstimme ist. Natürlich, es ist gar nicht so einfach, zum Beispiel den dritten Finger liegen zu lassen, wenn sich der zweite Finger vom Griffbrett entfernt. Aber wie wir wissen, haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt.

Übung 3

Wer diese Übung meistert, ist in der Oberliga angekommen: Sowohl Unterals auch Oberstimme bewegen sich chromatisch in einer versetzten Viertelbewegung. Die Kunst ist auch hier wieder das „maximale Legato“, es soll in keiner Stimme auch nur die kleinste Lücke zu hören sein. Zuerst spielen wir auf der dritten und ersten Saite, danach wird der Abstand um eine Saite größer (d- und e-Saite). Wer ganz wagemutig ist, kann auch fünfte und erste Saite probieren, aber dann sind wir schon im Bereich der „horizontalen Überstreckung“. Grundsätzlich bitte bei allen Technikübungen nichts übertreiben, gelegentlich Hände und Arme ausschütteln, auch ein paar Dehnungsübungen beugen Verkrampfungen oder gar Schlimmerem vor. Ich habe für mich übrigens die Übungen von „Liebscher und Bracht“ auf You-Tube entdeckt. Wer viel sitzt, muss ab und zu etwas für sich tun, aber das ist ja common sense.

Weitere gute Stücke zum Thema Koordination:

Fernando Sor, op. 35, Nr. 1 – etwas leichter, als unser aktuelles Stück

Mauro Giuliani, Folias Variation Nr.1 – Basstöne aushalten, zu einer Achtel-Melodie

Heitor Villa-Lobos, Etüde No.5 – das Perpetuum Mobile unter den Gitarren-Etüden

Etüde op. 35, Nr.13

Die Etüden des spanischen klassischen Komponisten Fernando Sor (1778- 1839) gehören zum Standardrepertoire der Konzertgitarre. In unserer Etüde bereitet für eine schlichte, aber anmutige Melodie eine Unterstimme aus sogenannten Alberti-Bässen die Begleitung. Dabei handelt es sich um ein ausgeschriebenes Arpeggio, bei dem die Töne meist in der Reihenfolge „tiefster, höchster, mittlerer und höchster Ton“ erklingen.

Bei Tasteninstrumenten werden diese Figuren meist von der linken Hand übernommen, aber auch bei Kompositionen für klassische Gitarre sind sie sehr beliebt. Zwei Dinge gilt es noch zu beachten: Zum einen ist die Balance zwischen Unter- und Oberstimme wichtig, zum anderen die Koordination: Im zweiten Takt darf der dritte Finger das c in der Unterstimme nicht loslassen, wenn der vierte Finger auf der e1-Saite das g’ verlässt. Im achten Takt ist es umgekehrt, das d’ in der Oberstimme soll weiter klingen, während in der Unterstimme Bewegung herrscht. In den Abschnitten G und H befinden sich die schwersten Griffwechsel: Hier gilt es, zwei Barrégriffe zu meistern. Ich versuche bei besonders schwierigen Griffen zunächst die Finger zu greifen, die tatsächlich gebraucht werden – in diesem Fall den Barrégriff und den zweiten Finger auf der sechsten Saite. Viel Spaß! ?

Hasta luego Jens Müller