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Club der 60er


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 08.04.2022

TEST

LABORMESSUNGEN ANDERS USCHOLD

Aauch wenn man es von außen kaum sieht: Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat Leica seine M-Serie kräftig modernisiert. Ein großer Schritt war 2012 die Einführung der Live-View-Funktion. Die M11 bringt nun ebenfalls wichtige technische Neuerungen mit – nicht nur bei der Sensorauflösung. Im Kern bleibt sie aber eine klassische Messsucherkamera. Äußerlich sind auf den ersten Blick wenig Unterschiede zur M10-R aus dem Jahr 2020 zu erkennen. Hinzugekommen ist eine Funktionstaste auf der Oberseite, womit insgesamt drei individuelle konfigurierbare Tasten zur Verfügung stehen. Das Zuweisen einer Funktion ist vorbildlich einfach (wenn man weiß, wie es geht): Taste einfach länger gedrückt halten, dann erscheint eine Auswahl. Wesentliche Bedienelemente sind – neben Blenden-und Fokusring am Objektiv – die mechanischen ISO-und Zeitenräder auf der Oberseite. Das ISO-Rad ist ...

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Die Leica M11 ist in Schwarz und Silber erhältlich. Das schwarze Gehäuse besteht aus Magnesium und Aluminium und ist 110 Gramm leichter als das silberne, das Messing statt Aluminium verwendet.
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... etwas fummelig zu bedienen (rausziehen zum Aktivieren). Wen das stört, der kann entweder die ISO-Automatik einschalten oder das Rad auf M stellen; dann kann der ISO-Wert auch über eine Funktionstaste bzw. das Status-Menü und mit dem Daumenrad geändert werden. Der Vorteil dieser Methode ist auch, dass der volle Bereich bis ISO 50.000 zur Verfügung steht, während die Gravierung auf dem Rad bei 6400 endet. Ähnliches gilt für das Zeitenrad. Hier enden die Gravuren bei 1/4000 s, der kürzesten mechanischen Verschlusszeit. Wer kürzere Zeiten – oder Zwischenwerte – einstellen will, stellt das Zeitenrad auf B und wählt dann mit dem Daumenrad Werte bis zu 1/16.000 s. Bei Zeiten kürzer als 1/4000 s löst die Kamera lautlos per elektronischem Verschluss aus. Nachteil: Es können Rolling-Shutter-Effekte auftreten und ein Blitz lässt sich nicht mit dem E-Verschluss kombinieren.

Erstmals bei einer M hat Leica die Bodenplatte weggelassen, sodass der Fotograf direkten Zugriff auf den Akku hat. Die Speicherkarte lässt sich aber nur wechseln, wenn der Akku vorher entfernt wird. Da die M11 mit einem 64 GB großen internen Speicher ausgestattet ist, stellt sich allerdings die Frage, ob man überhaupt eine Speicherkarte benötigt, zumal der interne Speicher etwas schneller ist (siehe unten). In den Computer gelangen die Bilder über die neue USB-C-Schnittstelle. Über diese lässt sich auch der Akku laden, aber nicht mit Dauerstrom während des Betriebs versorgen. Anders als viele Hersteller liefert Leica trotzdem eine Ladestation mit. Kleiner Schwachpunkt: Mit montierter Stativplatte lassen sich weder der Akku noch die Speicherkarte entnehmen.

Verbessert hat Leica den 3,0 Zoll großen Touch-Monitor, der nun 2,3 Millionen Punkte auflöst. Die Touch-Bedienung schließt das Status-Menü ein, aber nicht das Hauptmenü. Das Fokussieren im Messsucher ist gewöhnungsbedürftig: Das Schnittbildfenster ist sehr klein und in der Mitte angeordnet, wer außermittig scharfstellen will, muss fokussieren und schwenken, was bei geringer Schärfentiefe schnell zu Fehlern führen kann. Besser lässt sich die Schärfe mit Peaking und Vergrößerung im Live-View finden; allerdings nur, wenn der Monitor gut erkennbar ist. In direktem Sonnenlicht hilft der optionale elektronische Aufstecksucher Visoflex 2, der eine Auflösung von 3,7 Millionen Punkten besitzt. Um die Schärfebeurteilung mit Lupenvergrößerung zu vereinfachen, hat Leica eine elektronische Stabilisierung des Sucherbildes integriert, die aber keinen Einfluss auf die Aufnahme hat.

AUSSTATTUNG UND GESCHWINDIGKEIT

Zur Leica-Philosophie gehört die Reduzierung auf das Wesentliche. So nimmt die M11 bspw. kein Video auf (anders als die M Typ 240 aus dem Jahr 2017). Aber auch sonst fehlen viele Funktionen, die bei anderen Kameras üblich sind, wie ein Bildstabilisator, eine automatische Sensorreinigung, Mehrfachbelichtungen, Modi zur Erweite-rung des Dynamikumfangs, ein Raw-Konverter, um die Bilder direkt in der Kamera zu bearbeiten, oder eine HDMI-Schnittstelle. Immerhin bringt die Kamera WLAN und Bluetooth mit, um mit Leicas „Fotos“-App zu kommunizieren. Auch Intervallaufnahmen und Belichtungsreihen gehören zum Leistungsumfang. Verbessert wurde die Belichtungsmessung, für die jetzt auch im Messsuchermodus der Bildsensor und damit eine zuverlässige Mehrfeldmessung zur Verfügung steht.

Bei der Geschwindigkeit lässt sich die M11 nicht sinnvoll mit der Alpha 7R IV vergleichen. Die Leica ist auf das entschleunigte Fotografieren ausgelegt, wozu schon der fehlende Autofokus beiträgt. Trotzdem gibt es einen Serienbildmodus. Wir haben eine Frequenz von 4,7 Bildern/s ermittelt, etwas schneller als die 4,5 Bilder/s die Leica selber angibt. Bei der Serienbildlänge zeigte sich, dass der interne Speicher etwas schneller ist als eine SD-Karte. Intern konnten wir deutlich über 100 JPEGs in Folge aufnehmen, bevor die Kamera langsamer wurde. Bei Raws fing die M11 allerdings schon nach 15 Aufnahmen an zu stottern, mit der schnellsten SD-Karte von Sony (300 MB/s) sogar schon nach 11. Im langsameren Serienbildmodus mit ca. 3 Bildern/s verlängert sich die Raw-Serie auf 20 Bilder in Folge. Längere Serien sind mit reduzierter Auflösung möglich, wobei wir bei 36 MP nur eine geringfügige Verbesserung im schnellsten Serienmodus auf 17 Raws in Folge ermittelt haben. Erst bei 18 MP waren sehr lange Serien möglich (Test nach über 250 Raws in Folge abgebrochen).

BILDQUALITÄT

Leicas neuer Bildsensor wurde nicht nur bei der Auflösung angepasst. So setzt Leica nun – wie Sony – auf eine BSI-Bauweise zur Verbesserung der Lichtausbeute, was angesichts der relativ kleinen Pixel sinnvoll ist. Für eine Verbesserung der Bildqualität soll ebenfalls der kombinierte IR-und UV-Sperrfilter aus zwei miteinander verkitteten, besonders dünnen Gläsern sorgen. Er korrigiert laut Leica extrem schräg einfallende Lichtstrahlen effektiv. Doch auch software-seitig hat Leica eine Änderung eingeführt: Die „Triple Resolution“-Technologie ermöglicht, im DNG-Raw-Modus neben der vollen Auflösung von 60 Megapixeln mit 36 oder 18 Megapixeln aufzunehmen. Hierfür hat Leica nach eigenen Aussagen einen neuen Algorithmus mit „intelligentem Re-Mapping“ entwickelt. Neben längeren Bildserien soll dabei auch das Rauschen verbessert worden sein. Im Praxistest zeigte sich allerdings: Die in Photoshop auf 36 Megapixeln runtergerechneten Variante der 60-MP-Raw-Datei rauscht sogar etwas weniger als das 36-MP-Raw aus der Kamera (siehe Bilder oben). Eine Reduzierung der Raw-Auflösung in der Kamera macht also nur Sinn, um die Datenmengen zu reduzieren, aber nicht, um das Rauschen zu verbessern.

Kamera: Leica M11 Objektiv: Leica APO-Summicron-M 2/35 mm Aufnahmedaten: f/4,8, 1/80 s, ISO 3200

FAZIT

»Für die optimale Bildqualität empfehlen wir vor allem bei der M11, im Raw-Modus zu fotografieren.«

Wer gerne mit Messsucherkameras fotografiert und über das nötige Kleingeld verfügt, erhält mit der M11 eine sehr gute Kamera. Für eine optimale Bildqualität würden wir allerdings dringend empfehlen, im Raw-Modus zu fotografieren. Die Sony Alpha 7R IV, die nicht einmal die Hälfte kostet, hat dennoch in allen Kategorien die Nase vorn.

Unser JPEG-Labortest zeigt, dass Leica die M11 auf maximale Auflösung getrimmt hat. In dieser Disziplin lässt sie tatsächlich die Sony Alpha 7R IV in allen ISO-Stufen hinter sich. Bis ISO 400 liegt der Wirkungsgrad über 99 %, bis ISO 12.500 haben wir noch knapp 84 % gemessen. Zum Vergleich: Die Alpha 7R IV fällt schon bei ISO 400 unter 90 %, bei ISO 3200 unter 80 % und bei ISO 12.800 erreicht sie gerade noch knapp 67 %. Den Preis für die außergewöhnliche Auflösung zahlt die M11 unter anderem beim Bildrauschen in den hohen Empfindlichkeiten. Dieses ist bis ISO 800 zwar niedriger und bei ISO 1600 etwa gleich hoch wie bei Sony, steigt dann allerdings kräftig an. Bei ISO 3200 und 6400 ist es deutlich höher als bei der Alpha, wobei auch diese hier den kritischen Wert von 4 überschreitet. Außerhalb unseres Wertungsbereichs sind die Unterschiede dann noch drastischer: Bei ISO 50.000 liegt der Rauschwert der M11 bei 26,7, bei Sony sind es 9,2 (hier ISO 51.200). Eine Auflösungsmessung war bei der Leica wegen des extremen Rauschens in dieser ISO-Stufe nicht mehr möglich. Visuell ist außerdem auffällig, dass Leica das Farbrauschen nur wenig unterdrückt. Die meisten aktuellen Kameras zeigen kaum Farbrauschen, sondern nur noch das weniger störende Helligkeitsrauschen. Ein Vergleich mit den Raws zeigt, dass Leica in den JPEGs nur eine geringe Rauschunterdrückung anwendet: Die in Adobe Camera Raw (ACR) mit deaktivierter Rauschunterdrückung entwickelten Raws rauschen nur weniger stärker. Mit den Standardeinstellungen von ACR (Helligkeits-und Farbrauschunterdrückung 20 % bzw. 25 %) fällt das Rauschen deutlich geringer aus als im JPEG – das ist sehr ungewöhnlich. Die geringe

Rauschunterdrückung mag man noch als Leica-typische zurückhaltende Bildaufbereitung erklären, umso mehr wundert es dann aber, dass die Kamera eine recht aggressive Scharfzeichnung verwendet (Note 3,9 gegenüber 1,9 bei Sony) und auch die Artefaktnote fällt mit 5,0 nicht gut aus. Punkten kann die M11 beim JPEG-Dynamikumfang, der vor allem in den unteren ISO-Stufen besser ausfällt als bei Sony. Unter dem Strich liegt die Alpha 7R IV in der Bildqualität aber klar vor der M11.