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CMR: Bartoletti Ferrari: Alles paletti, Bartoletti!


Caramini - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 29.01.2020

Wie begehrt der Fiat Bartoletti-Renntransporter ist, zeigen die Gebrauchtpreise für das CMC-Modell. Die Modelissimo-Marke CMR schuf nun ein tolles Modell zu einem günstigen Preis – zwar mit weniger Funktionen, aber mit passenden Ferrari-Racern im Angebot.


Artikelbild für den Artikel "CMR: Bartoletti Ferrari: Alles paletti, Bartoletti!" aus der Ausgabe 2/2020 von Caramini. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Caramini, Ausgabe 2/2020

Mehr als passendes Ladegut, aber passend zum Bartoletti: Ferrari-Duo Sharknose (links) und Dino 246.


Zum Beladen fehlt eigentlich noch ein Seil oder fehlen die helfenden Hände des Rennteams, aber eine schiebende Hand des Sammlers tut es auch.


Das ist einer der Momente, die Sammler ganz besonders genießen, wenn sie ein neues, nicht gerade alltägliches ...

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... Modellauto auspacken dürfen – auch, wenn es sich um einen Lastwagen handelt. Oder gerade, weil es sich um einen Lastwagen handelt. Um einen, der nicht nur den Schriftzug von Ferrari großflächig spazieren fährt, sondern der auch Rennwagen von Ferrari spazieren fährt. Man ist geneigt, sich ein Glas guten Barolos zu genehmigen und dazu ein frisches Ciabatta samt einem Stückchen Pecorino Romana zu knabbern – das ideale Feeling, um den Anblick dieser italienischen Auto-Legenden mit italienischen Leckereien richtig zu genießen. Unsere Antipasti sind zwei historische Rennsportwagen der Königsklasse, ein Dino 246 und ein 156 Sharknose. Beide Ferrari-Rennfahrzeugminiaturen stammen aus der Küche von CMR, Classic Model Replicars, vertrieben von Modelissimo.


Getoppt wird der Ferrari Dino 246 vom „Shark nose“, der bei gleicher Qualität viel mehr Technik zeigt als der Dino.


Starten wir mit dem Ferrari Dino 246 F 1, dessen Original 1958 beim Formel-1-WMLauf in Frankreich antrat; hinterm Lenkrad saß der Engländer Mike Hawthorn. Der mit maßgeblicher Beteiligung von Vittorio Jano entwickelte V6-Motor war ein überaus kompaktes Kraftpaket mit zwei obenliegenden Nockenwellen, gedacht für die umstrukturierte Formel 2 mit 1,5 Liter Hubraum, konnte aber leicht bis auf 2,5 Liter aufgebohrt werden, also auf F 1-Größe. Der Name Dino war eine Hommage an den Ferrari-Sohn Alfredo, genannt Dino. Von diesem Motor gab es zwei Varianten, einmal mit 2,4 Liter/270 PS sowie 2,5 Liter/290 PS, die je nach Einsatzzweck eingesetzt wurden. Ein Auto, das durch die pure Motorleistung den WM-Titel mit Hawthorn nach Hause fuhr.

Beim GP von Frankreich holte der Brite einen ungefährdeten Sieg, sein Teamkollege Luigi Musso dagegen starb auf der Piste. Wolfgang Graf Berghe von Trips und Peter Collins, ebenfalls auf Ferrari, belegten die Plätze Drei und Fünf. Aber das Jahr hatte noch mehrere Schicksalsschläge für den Commendatore Enzo Ferrari bereit, denn Collins starb auf dem Nürburgring und im Januar 1959 verunglückte Hawthorn bei einem privaten Wettrennen mit dem englischen Rennstallbesitzer Rob Walker tödlich. Triumphe und Tragödien, wie so oft lagen sie auch hier so dicht beieinander.

Was man von außen sehen kann, zeigen die CMR-Modelle auch. Die Cockpiteinrichtungen und die passgenauen, klartransparenten Scheiben erzeugen einen wertigen Eindruck.


Der kleine Dino von CMR erinnert mehr an die Sonnenstunden der F1-Saison 1958, denn er ist sehr gut gelungen. Die in einem Forum lauthals vorgetragene Klage („die Reifengröße ist viel zu groß“) kann der Autor nicht teilen. Vergleicht man den Renner der Scude ria mit Originalfotos, so ist die Reifen größe durchaus im grünen Bereich. Die Reifen sitzen auf Drahtspeichenfelgen, die genau so klasse gemacht sind wie das authentische Cockpit mit seinen skalierten Armaturen, dem Vierspeichen-Lenkrad mit dem Cavallino Rampante auf der Nabe sowie dem rechts neben dem Sitz herausragenden, kurzen Schalthebel, auch die Pedale wurden bei diesem leichtgewichtigen Low-Price-Modell nicht vergessen. Das seitlich auf der linken Seite sich zum Heck hochziehende, ellenlange Auspuffrohr, der Tankdeckel, das feine Kühlergitter oder die zweite, kleine Rennscheibe – CMR hat alles berücksichtigt, was der Dino aufzubieten hat. Dazu kommen eine über jeden Zweifel erhabene Lackierung, eine komplette, sauber angebrachte Deko und das alles zu einem Preis, der aufhorchen lässt. Freunde von klassischen Rennwagen können hier unbesehen zugreifen.

Die Karosserieform ist stimmig, die Lackierung gut, alle Decals stimmig und auch die auffällige Platzierung der Scheibenwischer (rechts ist er unten, links sitzt er oben) entspricht dem Original. Signore Bartoletti kam dank dieser Anordnung mit einer einzigen Scheibenform aus.


 Modelissimo/CMR 85402 Ferrari Dino 246 Mike Hawthorn F1, GP Frankreich 1958, Diecast, Preis 59,95 €.

Getoppt wird der Dino vom Ferrari 156 „Sharknose“. Aber nicht, weil diese Miniatur von höherer Qualität wäre, sondern einfach deshalb, weil beim Sharknose (Haifischnase) mehr Technik zu sehen ist, als beim Dino. Der einzige Fehler, den wir entdeckten, ist die Bezeichnung auf der Verpackung, nämlich Ferrari Dino 156 – dieser Racer hieß einfach nur Ferrari 156 und wurde so auch in den Meldelisten geführt. Aber, bewundern wir das Modell oder die Verpackung?

CMR hat am Modell von A bis Z alles richtig gemacht. Und gut. Super Lackierung, hochklassige Speichenräder, ein Renncockpit mit allem Drum und Dran, eine klasse Lackierung – Zutaten, die den Sammler ebenso glücklich stimmen wie die exzellente Umsetzung der Außenhaut, die peniblen Gravuren und tollen Details. Dazu zählen die sechs Ansaugtrompeten unter ihren Abdeckungen, die langen Auspuffrohre oder die Federn der hinteren Radaufhängungen. Ins gleiche Horn stößt die sehr sauber aufgebrachte Deko und die perfekt geformte Nase ist unbedingt einen zweiten Blick wert. Wir können nur hoffen, CMR tischt noch viele weitere dieser „alten Kameraden“ auf, der Appetit ist geweckt.

Das Vorbild trat 1961 beim GP von Monaco an, dem ersten Lauf in jenem Jahr. Hinterm Lenkrad saß der Amerikaner Phil Hill. Graf Berghe von Trips und Phil Hill verfügten über die 65 Grad V6-Motoren, Richie Ginther hatte einen 120 Grad V6 in seinem Sharknose. Nach hartem Fight mit Moss auf seinem Lotus Climax wurde Ginther Zweiter, während Hill und von Trips die Ränge Drei und Vier belegten. Als am Ende der Saison abgerechnet wurde, stand Hill mit 34 Punkten als Weltmeister fest, der Graf aus Deutschland kam mit nur einem Punkt Rückstand auf Rang Zwei und zusätzlich gewann Ferrari noch die Konstrukteurs-WM. Phil Hill, erster amerikanischer Weltmeister in der Formel 1-Geschichte, konnte sich aber über seinen Titelgewinn nichtausgelassen freuen, denn Wolfgang Graf Berghe von Trips war in Monza, dem siebten von acht WM-Läufen, ums Leben gekommen.

Die Haifischnase hatte jedenfalls 1961 ein leichtes Spiel in der Formel 1. In ihrem verwindungssteifen Chassis war der Motor längs hinter dem Fahrersitz samt Getriebe und Differential eingebaut, federführender Konstrukteur war Carlo Chiti. Der 1,5 Liter große Motor leistete knapp 200 PS und damit war der 156 das stärkste Auto in der damaligen 1,5 Liter-Formel 1.

 Modelissimo/CMR 85401 Ferrari 156 Shark nose Phil Hill, 3. Platz GP Monaco 1961, Fertigmodell Diecast, Preis 59,95 €.

Die seitlich stramm eingeschobenen Rampen lassen sich herausziehen, die Heckblende umlegen – und dann kann man den Rennwagen auf den Transporter rollen.


Bartoletti Renntransporter

Die Fahrerkabine ist sehr detailliert eingerichtet, die Motorabdeckung aber nicht aufklappbar.


Die Türscharniere sind etwas grob geraten, aber angesichts des für 300 € Gebotenen akzeptabel.


Die Front ist sauber gestaltet, Grill, Zierleisten und Scheiben passen exakt, scharf die Beschriftung.


Die obere Transportebene muss man per „Handlift“ beladen, aber wo sonst kommen zwei Monoposti so schön zur Geltung? Die seitlich eingesteckten Rampen sitzen allerdings sehr stramm im metallenen Gebälk.


Und nun zum Hauptgang im Ferrari-Menü. Prunk- und Glanzstück ist der zweiachsige Renntransporter von Bartoletti im Ferrari- Design. Werkteams, wie Maserati oder Ferrari, entdeckten schon in den 50er Jahren, dass Transporter gebraucht wurden, um die Wettbewerbsfahrzeuge zügig und sicher an die Rennstrecken Europas zu bringen. Mercedes-Benz hatte sein „Blaues Wunder“, Porsche griff auf verschiedene, deutsche Lkw-Typen von MAN oder Mercedes-Benz zurück, die Jungs von der Insel transportierten ihre Maseratis oder Cooper auch schon mal in umgebauten Bedford-Bussen und die Italiener bestückten ihre Renntransporter am liebsten mit Aufbauten plus Hebebühnen von Bartoletti, ansässig im italienischen Ort Forli. Bei Fiat wurde ein Bus-Chassis des Typs 642/RN2 bestellt, dessen 6650 cm3 großer Sechszylinder-Diesel Reihenmotor eine Leistung von 92 PS erbrachte, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h völlig ausreichend war, und dann ging Signore Bartoletti frisch ans Werk. Seine Ergebnisse konnten sich sehen lassen, waren ideal auf die Bedürfnisse seiner Kunden zugeschnitten und erwiesen sich in der Regel als äußerst langlebig.

Auch Ferrari ließ sich einen Fiat als Renntransporter beim feinen Italiener einkleiden. Man sprach vom „Kurier des Commendatore“, und meinte den Fiat 642 RN2 Bartoletti von 1957. Besonders fein war auch die Miniatur des 642 Bartoletti, die CMC vor gut neun Jahren auf den Markt brachte. Aufklappbare Staukästenabdeckungen, abklappbare Tritte, funktionelle Verriegelungen, ein zu öffnendes Staufach mit einzelnen Bremskeilen, ein nachgebildeter Motor mit aufklappbarer Abdeckung in der Fahrerkabine, ein detailliertes Fahrwerk mit Federung und – als Highlight – die per Seilzug absenkbare obere Fahrbühne sind Merkmale der CMC-Miniatur, die auch im Maserati-Design erhältlich war. Beide verkörperten die hohe Schule des Modellbaus, und wer als Käufer seinerzeit zu spät kam, der muss sich heutzutage auf dem Secondhand-Markt mit Preisen oder Auktionsergebnisse um die 2000 € auseinandersetzen.

So viel Geld kann oder will nicht jeder investieren, und so sah Modelissimo Spielraum für einen Renntransporter mit weniger Funktionen, der sich in einem Preisbereich um 300 Euro realisieren ließ. Und traf damit den Nerv der Rennsportfans, denn die Miniatur ist große Klasse, und das nicht nur in Relation zum kleinen Preis. Der Bartoletti ist ganz dicht am Vorbild dran, besticht mit sehr genauer Umsetzung in allen für ein sehr gutes Modell wichtigen Punkten. Hier wurde nicht geschludert, der Formenbau hat ganze Arbeit geleistet. Die Funktionalität hat darunter nicht gelitten, wie einzuhängende Rampen mit feiner Riffelung oder zu öffnende Türen deutlich belegen – wobei allerdings die Türen der Fahrerkabine etwas dichter schließen könnten, aber das geben die geschraubten Scharniere wohl nicht her.

Hoch ist der Detailreichtum des 642 RN2, toll der Innenraum mit seinem Fahrerplatz, auch gefallen die genau nachgebildeten Felgen, die vielen Türgriffe oder die fein gearbeiteten Außenspiegel. Die sehr gute Recherche im Vorfeld beweisen auch die Scheibenwischer, die auf der Fahrerseite – Original wie Modell sind Rechtslenker – am unteren, Gummi gefassten Scheibenrand befestigt sind, bei der linken Beifahrerseite Caramini 2/2020 27 ist die Befestigung am oberen Scheibenrand. Ob von vorne, von hinten oder von den Seiten betrachtet, ist festzuhalten: Hier hat man sich, salopp gesprochen, richtig Mühe gegeben, zum Preis von 299,95 Euro wird erstaunlich viel geboten, wobei die zuvor besprochenen Monoposti natürlich extra zu erwerben sind. Für deutlich unter 600 Euro kann man sich den Bartoletti samt drei Rennwagen leisten und daran erfreuen, man erhält einen sehr reellen Gegenwert, aber natürlich kein CMC-Modell. Ein solcher Vergleich wäre auch nicht angebracht.

Hier wurde ein hochinteressantes Vorbildthema super in eine sehr ansprechende Miniatur umgesetzt. Das Ergebnis ist authentisch, der Transporter hervorragend detailliert und dazu ist noch eine wichtige Funktion, zumindest das Be- und Entladen der unteren Ebene, erhalten geblieben. Das nährt der Hunger auf den Dreiachs-Transporter – nichts als Dessert, sondern als zweiten Hauptgang.

 Modelissimo/CMR 85061 Ferrari Racing Car Transporter Fiat Bartoletti Tipo 642 RN2, 1957. Fertigmodell Diecast, Preis 299,95 €.


Fotos: Hans-Joachim Gilbert