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COMBO TITEL: OBEN SEIN KANN JEDER


combo - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 15.11.2019
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Bildquelle: combo, Ausgabe 3/2019

DAS AUSTROPOP-DUO SEILER UND SPEER IM GROSSEN COMBO-INTERVIEW

Kabarettist Christopher Seiler und Filmemacher Bernhard Speer haben 2015 einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Angefangen hat alles mit der Satire-Serie „Horvathslos“, die in Österreich Kultstatus hat. Mit ihrem ersten Hit „Ham kummst“ haben Seiler und Speer sofort die Charts erobert und Adele von Platz 1 verdrängt. Über 750.000 Tonträger haben sie von ihrem Debütalbum mittlerweile verkauft und Millionen von Streams auf Spotify und Klicks auf YouTube. Ende Juli 2019 ist mit „Für immer“ ihr drittes Album erschienen. Mit combo haben Seiler und ...

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... Speer unter anderem über ihre Musik, Höhen und Tiefen in ihrer Karriere, das Musikbusiness, Wolfgang Ambros und die neue österreichische Welle gesprochen. Am 28. März 2020 spielen sie beim Sound Everest Winterfestival am Hauser Kaibling in Haus im Ennstal.

combo: Euer Lied „Ham kummst“ hat euer Leben verändert. Habt ihr schnell gemerkt, dass das so eine riesige Geschichte wird? Geplant war das ja nicht?

Seiler: Geplant war das sicher nicht. Als es dann überall gespielt worden ist, haben wir sehr schnell gemerkt, dass das was Größeres wird. Aber in erster Linie nur, dass das Lied was Großes wird. Weil, ob dann aus dir was Großes wird, das sind zwei Paar Schuhe, sprich One-Hit-Wonder.

combo: Ihr wart ja bereits davor so etwas wie YouTube-Stars, könnte man sagen. Hat euch das anfangs geholfen?

Seiler: Naja, YouTube-Stars klingt irgendwie schiach, aber wir wissen, was du meinst. Wir hatten dadurch schon eine Basis. Dadurch war der Aspekt, dass wir hoffentlich kein One-Hit-Wonder werden, schon mal da. Unsere Fangemeinde war für damalige Verhältnisse schon gewaltig.

Speer: Vor allem war es, als die Single entstanden ist, noch gar kein Thema, dass wir daraus ein Album machen.

Seiler: Wir haben dann noch eine dritte und eine vierte Nummer gemacht.

Speer: Und irgendwann haben wir uns gedacht, das könnte doch auch ein Album werden.

combo: Das habt ihr alles schon mit eurer eigenen Produktionsfirma gemacht?

Seiler: Ganz richtig.

combo: Ihr wart nie bei einem Label oder einer Plattenfirma unter Vertrag?

Seiler: Nein, waren wir nicht. Das wäre völliger Schwachsinn gewesen, das danach noch zu tun. Wir waren durchaus immer in Gesprächen, aber wir wollten das nie.


„Eine Seiler und Speer-Platte ist eigentlich der Beweis dafür, dass Demokratie an sich funktionieren könnte.“
Christopher Seiler


combo: Jetzt habt ihr die Freiheit, zu entscheiden, wann ihr etwas herausbringt, wie und mit wem.

Seiler: Genau, das ist das Größte. Du darfst aber nicht faul sein. Also, du kannst faul sein, wenn du es willst, und kreativ sein, wann du es möchtest. Das ist auch der Nachteil, weil du dir quasi immer selbst in den Allerwertesten treten musst. Ein Major-Label kann dich in Rekordzeit irgendwohin katapultieren, wo du dir selbst vielleicht schwerer tun würdest.

Speer: Wenn du es selbst schaffst, dort hinzukommen, dann ist das aber viel nachhaltiger. Vor allem sind wir beide keine Typen, die sich eine Richtung vorgeben lassen wollen, weil irgendjemand meint, dass das gut für uns wäre. Das wollen wir nicht.

Seiler: Ich glaube, dass die große Zeit der Major-Labels ohnehin vorbei ist. Spätestens seit Instagram und Co. Wofür brauchst du ein Major-Label? Für Vermarktung. Und in Wirklichkeit vermarktet sich heutzutage sowieso jeder selbst. Jeder YouTuber, jeder drittklassige Blogger vermarktet sich selbst als Superstar. Wozu brauche ich da noch ein Major-Label?

combo: Ist es dann heute leichter?

Seiler: Ich finde überhaupt nicht, dass es leichter ist. Ganz im Gegenteil, die Zeit ist sehr schwer. Denn wenn du dann Typen wie uns hast, die so über-haupt keine Selbstdarsteller sind, dann macht’s das natürlich schwerer. Das ist völlig klar. Weil du da ja gar nicht mitspielen willst. Diese Selbstdarstellerei kotzt mich irrsinnig an. Diese Zeit, in der wir jetzt leben. Aber das wird sich ja auch nicht ändern, sondern es wird eher mehr. Ich glaube, alles hat seine Sonnen- und Schattenseiten, aber ich sehe für die Zukunft mehr Schattenseiten – was die gesellschaftliche Entwicklung betrifft.

combo: Allgemein?

Seiler: Weil alles viel zu viel Käse wird. Mir fehlen ganz einfach die Werte. Es ist alles Plastik.

Speer: Ziemlich pseudo.

Seiler: Es ist schon komisch. Die Gesellschaft wird immer mehr Plastik, will sich aber von Plastiksackerln trennen. Wenn aber gleichzeitig der Charakter immer mehr zu Plastik wird, rennen dann Menschen aus Plastik mit einem Stoffsackerl durch die Gegend. Da waren mir die Menschen aus Fleisch mit den Plastiksackerln lieber.

combo: Oft wurdet ihr am Anfang eurer Karriere zitiert, dass euch die Musik ziemlich egal sei. Ich habe mir unlängst einen Beitrag aus euren Anfängen angesehen, wo ihr bei „Willkommen Österreich“ zu Gast wart. Oder war euer Auftritt in der Sendung kabarettistisch gemeint?

Seiler: Nein, ich würde nicht sagen, dass das Kabarett war. Ich glaube, wir haben das alles eine Zeit lang überhaupt nicht ernst genommen. Wir haben beispielweise Interviews absolut nicht ernst genommen und das war, muss ich aus jetziger Sicht sagen, ganz einfach nicht fair. Wir können eigentlich froh sein, dass du überhaupt ein Interview mit uns machst. Du bringst uns den Menschen näher.

Speer: Damals wollten wir aus Selbstschutz cooler sein, als wir eigentlich waren, und dann passieren solche Sachen. Die Musik war uns nie egal, aber das war halt so dahergesagt. Wenn du etwas schon selbst herunterspielst, dann kann dich keiner mehr dafür kritisieren.


„Wirklich ernst genommen haben wirdas alles erst im Frühjahr 2018.“
Christopher Seiler


combo: Gerade euer neues Album „Für immer“ hat mehr Tiefgang, steckt voller Poesie, es steckt viel Persönliches darin und dennoch kommt der Humor nicht zu kurz.

Speer: Da haben wir wohl alles richtig gemacht.

Seiler: Es war einfach eine gute Phase, um ein Album zu machen. Auch vom Gemütszustand. Denn ein Album ist in Wirklichkeit ein Zeitdokument deines Wesens. Wären wir irgendwo auf Drogen in einer Ecke gelegen und hätten ein Album gemacht, dann würde es sich auch so anhören.

combo: Die Nummern sind ganz unterschiedlich, von „Herr Inspektor“ bis „Ala bin“. Und dann der Song mit Wolfgang Ambros. Ist euch das wichtig? Steckt da ein Konzept dahinter?

Seiler: Wenn du zwei verschiedene Typen hast, ist es sehr schwer ein Konzeptalbum zu machen. Das würde ja bedeuten, dass wir beide komplett gleich denken müssten. Seiler und Speer ist immer ein Kompromiss. Wir sind ja eine Gruppe.

combo: Wie entstehen eure Lieder?

Seiler: Viele Sachen entstehen in Jam-Sessions und manches fällt einem so ein. Dann muss man wiederum Kompromisse eingehen, was in einer Gruppe völlig normal ist. Ähnlich einer Fußballmannschaft. Sobald mehrere Menschen zusammenkommen, muss man Kompromisse eingehen.

Speer: Aber das ist ja auch das Schöne.

Seiler: Dass im Endeffekt so etwas herauskommt, ist die hohe Kunst von Seiler und Speer. Eine Seiler und Speer-Platte ist eigentlich der Beweis dafür, dass Demokratie an sich funktionieren könnte (lacht).

combo: Ihr seid ursprünglich aus anderen Gründen zusammengekommen.

Seiler: Wir haben gemeinsam die Serie „Horvathslos“ entwickelt. Davor war ich so ein lustiger Vogel, der im Internet…

Speer: …und so bin ich auf ihn aufmerksam geworden, weil ich davon schon Fan war und ihn kontaktiert habe, um sein Produkt noch ein bisschen professioneller zu machen, was es aber überhaupt nicht gebraucht hat. So haben wir entschieden, etwas ganz anderes zu machen. Und das war dann „Horvathslos“.

Seiler: Und dann Seiler und Speer.

Speer: Der Soundtrack zu „Horvathslos“, das waren quasi die ersten Seiler und Speer-Gehversuche, wo wir schnell gemerkt haben, dass das funktioniert, und so haben wir weitergemacht.

combo: Wie waren die ersten Konzerte für euch? Habt ihr zuerst im kleinen Rahmen gespielt?

Speer: Das erste Konzert war im Gasometer Wien. Eigentlich war es eine Christopher Seiler Show, bei der Seiler und Speer die Showband waren. Hauptsächlich war es ein Kabarettpublikum – ein Sitzpublikum. Da ist nicht viel zurückgekommen, außer bei „Ham kummst“, da sind sie sogar aufgestanden. Das war der völlige Kontrast zu unserem ersten Seiler und Speer Konzert, das in der SIMMCity stattgefunden hat, ein Stehkonzert, bei dem die Leute gehüpft sind. Es hatte gefühlte 80 Grad und es war eine komplett andere Welt.

Seiler: Aber man muss sagen, dass das von der Performance her nur erste Gehversuche waren. Das kannst du mit jetzt nicht mehr vergleichen. Da haben wir Rockstar gespielt. Schlecht (lacht). Da war nicht wirklich viel Bühnenpräsenz.

combo: Aber ihr habt dann sehr schnell lernen müssen, euch vor großem Publikum zu behaupten.

Seiler: Haben wir aber überhaupt nicht. Wie wir schon vorher über unseren „Willkommen Österreich“ Auftritt erzählt haben… Genauso haben wir uns auf der Tour benommen. Wirklich ernst genommen haben wir das alles erst im Frühjahr 2018.

Speer: Vor allem haben wir festgestellt, dass wir dem zahlenden Zuschauer gegenüber eine Verantwortung haben.

Seiler: Als wir angefangen haben das richtig ernst zu nehmen und dementsprechend performt haben, haben wir festgestellt, dass du viel mehr vom Publikum zurückbekommst. Du wirst auf einmal als Headliner beim Donauinselfest eingeladen. Das wirst du aber nur, wenn du auch liefern kannst. Da helfen dir dein Name und deine You-Tube-Klicks überhaupt nichts und das, glaube ich, unterscheidet uns massiv von diesen Deutschrap-YouTubern, die durch Streaming einen Nummer-Eins-Hit nach dem anderen haben. Wenn du dir die dann live anschaust, fragst du dich, was das eigentlich soll? Erstens ist es nicht live, sondern Playback. Aber auch von der Körpersprache. Da merkst du halt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Was einen Musiker und einen Künstler wirklich ausmacht.


„Alles, was aus Österreich kommt, ist auf einmal hip.“
Christopher Seiler


combo: Und ihr spielt gerne und viel?

Speer: Wir spielen viel und gern. Aber es gibt natürlich auch Phasen, in denen du beispielsweise zwanzig Gigs durchspielst. Da ist der achtzehnte dann sicher nicht dein Lieblings-Gig. So viel dazu. Aber wir gehen schon sehr gerne auf Tour.

combo: Ihr tourt bald wieder, und auch sehr viel durch Deutschland. Dass man als österreichische Band auch in Deutschland ein Publikum findet, ist ja eher eine Entwicklung der letzten Jahre. Seht ihr das auch so?

Seiler: Wir haben uns durch die Art uns auszudrücken schon von Haus aus limitiert, da wir ja sehr an den Dialekt gebunden sind, was ein großer Teil davon ist, was Seiler und Speer ausmacht. Da hat man es natürlich in diesem Sinne viel schwerer als Wanda oder Bilderbuch, die sich ja von der Phonetik her ganz anders ausdrücken. Aber es gibt schon so etwas wie eine neue österreichische Welle. Alles, was aus Österreich kommt, ist auf einmal hip. Auf dieser Welle schwimmen wir nicht nur mit, sondern wir haben sie sicherlich mit einer Handvoll anderer Künstler in die Wege geleitet. Natürlich gibt es in Berlin oder Hamburg Sprachbarrieren, aber die gibt es bei anderen Künstlern auch. Ed Sheeran verkauft ganze Stadien aus und es wissen mit Sicherheit auch nicht alle, wovon er singt.

combo: Was war für euch der schönste bzw. größte Auftritt, an den ihr euch gern zurückerinnert?

Speer: Rock im Park in Nürnberg und unser letzter Auftritt beim Donauinselfest.

Seiler: Nova Rock.

Speer: Ja, das würde ich als drittes nennen, aber ich könnte dir jetzt eine Liste aufzählen bis zur SIMMCity zurück (lacht). Die kommt definitiv an letzter Stelle.

Seiler: Du könntest aber auch fragen, was waren die schlechtesten Konzerte?

Speer: Das war glaube ich 2016 in Kufstein, was gar kein Konzert war, sondern eher ein Experiment, überhaupt auf die Bühne zu gehen. Da ist auch mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass die Leute Geld dafür zahlen. Ich meine, ein bisschen Rock’n’Roll auf der Bühne kann schon was, aber es muss sich am Ende des Tages ausgehen. Die Leute müssen das Konzert verlassen und sagen, sie haben eine coole Show geboten bekommen. Wenn einer der Frontmänner vor der Zugabe von der Bühne getragen werden muss, ist das ein Problem. Das war keine unserer Sternstunden.

Seiler: Oben sein kann jeder. Alles schön reden und gut. Du musst aber auch einmal ganz unten ankommen. Einmal so richtig danebengreifen. Und wenn du es dann wieder rauf schaffst, dann hast du Charakter.

combo: Sind das Inspirationsquellen für eure Texte?

Speer: Verlieren?

combo: Zum Beispiel.

Seiler: Definitiv. Ich schreibe definitiv leichter, wenn ich gerade glaube, ich habe verloren. Dieses Ungerechtigkeitsgefühl. Das inspiriert einen Menschen natürlich. Aber mittlerweile brauche ich es nicht mehr. Ich kann jetzt auch als Gewinner liefern. Ich muss nicht immer alles zusammenhauen, damit ich es dann wieder aufbauen kann. Das ist ja auch keine Lebensweise. Da stehst du immer vor derselben Burg, die du schon vor zehn Jahren aufgebaut hast. Ein Reifungsprozess ist das.

combo: Auf eurem dritten Album habt ihr mit Christian Kolonovits und Wolfgang Ambros zusammengearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?

Speer: Kolonovits haben wir bei der Stadthallen Geburtstagsparty kennengelernt und wir haben schnell gespürt, dass wir mehr daraus machen könnten.

Seiler: Und Wolfgang Ambros ist einfach der Vater unseres Schlagzeugers – und natürlich des Austropop. Für uns war es immer ein No-Go, dadurch eine Verbindung zu Wolfgang herzustellen. Wolfgang ist dann aber an uns herangetreten, dass ihm das alles gefällt, und dann hatten wir viel privat miteinander zu tun. Irgendwann ist dann zur Sprache gekommen, dass es schön wäre, wenn man auch musikalisch was zusammen machen würde und etwas für die Nachwelt hinterlässt. Und das haben wir mit dem Song „Servas du“. Für mich ist der Ambros ein Großvater-Ersatz. Vom Wesen her. Aus familiärer Sicht und gar nicht so aus musikalischer. Ich kann mit ihm viele Stunden zusammensitzen und einfach nur reden und ein paar Bier trinken.


Vor allem kannst du nicht cool dastehen mit deiner Gucci-Kappe und Ambros hören.“
Christopher Seiler


combo: Euer drittes Album ist seit Juli draußen. Arbeitet ihr schon an einem vierten?

Speer: Nein. Man braucht nach so einem Prozess eine Pause.

Seiler: Ich kann nur von mir sagen, ich schreibe gerade an Songs, aber die haben absolut nichts mit Seiler und Speer zu tun. Und du brauchst eine Pause. Sonst kommt da nur noch Mist heraus. Das Album ist ja noch gar nicht lange draußen. Jetzt kommt noch eine neue Single und dann spielen wir eine schöne Tour. Das nächste Seiler und Speer Album wird wahrscheinlich noch reifer klingen, und das ist doch das Schöne. Wenn wir jetzt gleich noch eins rauslassen, dann klingt das sicher genauso wie „Für immer“. Wir haben immer so einen Zweijahresrhythmus.

Speer: Dann macht es auch wieder Spaß.

combo: Auf deinem Speer-Instagram-Account habe ich entdeckt, dass du auch Vinyl hörst.

Speer: Ich habe einen Plattenspieler zuhause, aber eigentlich nur die Platten vom Papa bekommen. Ich glaube, wir haben alle einen Plattenspieler zuhause.

combo: Sammelt ihr Platten, oder wie konsumiert ihr selbst Musik?

Speer: Ich bin ein Spotify-Hörer.

Seiler: Ich nicht.

Speer: Hin und wieder kaufe ich mir eine Platte, von Wanda zum Beispiel. Aber das habe ich auch aus einer gewissen Unterstützung und Gemeinsamkeit heraus getan.

Seiler: Und das hat er auf Instagram raushängen lassen.

Speer: Da wollte ich den Burschen zeigen: Schauts, ich habe einen Plattenspieler. (Gelächter)

combo: Ihr habt im Oktober beim Band Fußball Cup mitgespielt und für einen guten Zweck Geld gesammelt. Der karitative Gedanke scheint euch wichtig zu sein und ich habe das Gefühl, dass es in der österreichischen Musikszene eine Gruppe von Musikern gibt, die sich trifft und befreundet ist?

Seiler: Der karitative Zweck war uns schon immer wichtig. Wir haben damals schon zu einer Zeit mehr Geld hergegeben, als wir für uns gehabt haben. Für die Kinderkrebshilfe und so, weil wir der Meinung sind, was bringt es uns, wenn wir alles haben, und neben uns jemand ist, der nichts hat. Das ist ein bisschen ein sozialistischer Gedanke, ohne Hammer und Sichel, ist eh klar. Aber sozial eben. Ich kann bei keinem Bettler vorbeigehen, ohne dass ich ihm etwas gebe. Und er (Speer) kann das auch nicht.

Speer: Wichtig bei uns ist auch immer, dass wir keine große Geschichte daraus machen. Wir geben dir jetzt eine Antwort, aber wirklich gesprochen haben wir darüber noch nie.

Seiler: Es ist ein Unterschied, ob du hilfst, weil du gerne und aus Überzeugung hilfst, oder ob du hilfst, damit du selbst einen Vorteil davon hast. Wenn man hilft, sollte man nie helfen, damit man selbst einen Vorteil hat. Es soll für die sein, denen wir helfen, und nicht damit mein Gesicht irgendwo abgelichtet wird. Das will ich sowieso nicht sehen. Und zu der Frage mit anderen Bands: Es gibt schon einen familiären Gedanken zu einigen Bands. Wanda zählt da sicherlich dazu. Mittlerweile auch Pizzera und Jaus, oder Turbobier, Voodoo Jürgens, Nino aus Wien, um ein paar zu nennen.

combo: Mit der bayerischen Band LaBrassBanda spielt ihr auch immer wieder Konzerte.

Seiler: Gerade im bayerischen Bereich ergänzen wir uns sehr gut. Auf jeden Fall. Wir sagen sicher nicht, wir sind Seiler und Speer und lasst uns bitte alle in Ruhe.

combo: Wie steht es bei euch mit der klassischen Musik.

Seiler: Ich kann dir jetzt ungelogen mein Handy zeigen. Ich habe da viel klassische Musik drauf. Ich kann dir aber nicht betiteln von wem. Ich mag das einfach. Überhaupt im Auto. Ich höre in letzter Zeit sehr viel Musik wegen der Atmosphäre. Ich höre auch viel Jazz, aber für die Stimmung. Deswegen wäre Spotify vielleicht eh nicht so schlecht für mich, da kannst du ja deine Stimmungslage eingeben. Ich bin aber bis heute nicht dazu gekommen, dass ich ein Abo abschließe. Ich kaufe das alles noch.


Mit diesem Konzept kannst du eigentlich jedes Festival spielen, weil es einfach Bock macht.
Christopher Seiler


combo: Aber eure Alben sind auf Spotify.

Speer: Leider. Es ist ein logisches Instrument, das nicht fehlen darf.

Seiler: Man muss ganz ehrlich sein. In unserem Genre ist es wirklich nicht notwendig. In diesem ganzen Deutschrap, wo du eine Hörerschaft von Siebenjährigen hast, die von Mama und Papa einen Spotify-Gutschein bekommen, da zahlt es sich aus. Dafür gibt es auch die größten Playlists. Da kommt ein Künstler rein und auf einmal hat er Millionen von Streams. Für Austropop gibt es keine große Playlist und Austropop hören auch die wenigsten Siebenoder Achtjährigen. Vor allem kannst du nicht cool dastehen mit deiner Gucci-Kappe und Ambros hören. Das geht sich nicht aus. Das war aber auch nie unsere Intention.

combo: Mit euren Mundarttexten leistet ihr auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Sprachkultur und das auf sehr erfrischende Art und Weise. Allein die Songtitel von Seiler und Speer haben einen Wiedererkennungswert, fast wie eine Marke.

Seiler: Meistens sind es ja Wortfetzen. „Soits leben“ zum Beispiel ist eigentlich ein alter Trinkspruch, der jetzt durch unser Lied konserviert ist. Also nicht nur Alkohol konserviert, sondern auch die Trinksprüche sind konserviert.

combo: Allein die Anrede „Herr Inspektor“, einer eurer Titel auf dem neuen Album, wird zwar noch verwendet, aber man hört sie äußerst selten. Ich wüsste jetzt niemanden in Österreich, der „Grüß’ Sie, Herr Inspektor“ sagen würde.

Seiler: Viele Leute haben von Haus aus ein so schlechtes Gewissen, dass sie sich, wenn sie einen Polizisten sehen, eigentlich nicht mit ihm zu reden getrauen (lacht). Aber ich muss sagen, durch den Song haben wir mitbekommen, dass der Humor… Das klingt jetzt vielleicht deppert, aber ein Polizist ist ja auch nur ein Mensch. Der übt ja nur seinen Beruf aus und hinter ihm steckt dann auch ein Fan, wenn er ein Fan ist. Aber durch dieses Lied haben wir zur Exekutive quasi Brücken gebaut. Das merken wir schon. Wie viele Leute werden aufgehalten und sagen: „Tuat ma lad Herr Inspektor, owa davo waß i nix“, und dann lacht der. Oder er ist kein Fan von uns, dann nimmt er dir den „Schein“ weg.

combo: Beim Sound Everest Winterfestival am Hauser Kaibling seid ihr Headliner. Ist das für euch eine besondere Location?

Seiler: Wenn Schnee liegt schon. Es ist etwas komplett anderes, aber wir freuen uns sehr auf das Konzert. Die größte Herausforderung bei so einem Konzert ist ja – Thema Après Ski – dass die Leute feiern wollen. Dementsprechend muss man seine Setliste auch so gestalten. Du darfst nicht zu sehr ins Melancholische gehen, wo wir ja eigentlich daheim sind. Du musst sie richtig knackig setzen. Die müssen feiern. Du kannst natürlich ein oder zwei ruhige Nummern machen – „Ala bin“ werden sie dir verzeihen bzw. mitsingen. Solange danach „Ham kummst“ kommt, verzeihen sie dir alles (lacht).

combo: Auf einem Festival zu spielen ist also etwas ganz anderes?

Seiler: Natürlich. Auf deinem eigenen Konzert weißt du, die Leute kommen wegen dir und nicht nur, weil sie ein Lied kennen. Auf einem Festival musst du dir das Publikum erspielen.

Speer: Was ja auch seinen Reiz hat, aber du bist halt zeitlich limitiert. Da kommt es nicht selten vor, dass uns einer zeigt – Burschen das eine Lied noch. Und bei deinem eigenen Konzert kannst du die Leute auch eine halbe Stunde vollquatschen.

combo: Das ist aber sicher auch spannend für euch, zu sehen, ob das Festivalpublikum mitgeht oder nicht?

Seiler: Ja, also erstens kannst du ja unser Genre nicht definieren, denn unsere Band besteht aus Metal-Musikern, weswegen wir live einen sehr massiv-rockigen Sound haben, und zweitens kommen wir ja mit Pauken und Trompeten. Wir haben eine Lichtshow, dass es kracht. Wir sind ja mittlerweile ein Showact, was das betrifft, und mit diesem Konzept kannst du eigentlich jedes Festival spielen, weil es einfach Bock macht.

CD-TIPP

SEILER UND SPEER: FÜR IMMER

Anspieltipps: „Herr Inspektor“, „Ala bin“, „Servas du“ mit Wolfgang Ambros und „Weust a Mensch bist“

FESTIVAL-TIPP

SOUND EVEREST

Seiler und Speer sind Headlinder am Sound Everest Winterfestival von 27.-29. März 2020 am Hauser Kaibling.

GEWINNE 3x2 Tagestickets für SOUND EVEREST 2020

Gewinnfrage: Wie heißt der erste große Hit von Seiler & Speer?

1 combo lesen und Gewinnfrage beantworten

2 Karte ausfüllen, abfotografieren/scannen und mailen an office@woodclub.at

3 Verlost werden 3x2 Tagestickets für das SOUND EVEREST Winterfestival, von 27. bis 29. März 2020 am Hauser Kaibling in Haus im Ennstal

○ Ich bin bereits Woodclub-Member

○ Ich bin noch nicht Woodclub-Member und möchte combo-das Musikmagazin gratis testen. Das Gratis-Testabo endet nach der Zusendung von 3 Ausgaben automatisch. Im letzten Jahr hatte ich kein combo-Gratis-Testabo.

○ Ich erlaube die Speicherung meiner Daten und gestatte der graustein events GmbH, auch nach Ende des Gewinnspiels mit mir per E-Mail zu Informations- und Werbezwecken in Kontakt zu bleiben. Diese Einverständniserklärung kann ich jederzeit widerrufen. Meine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben!

Teilnahmeschluss ist der 14.02.2020. Gewinner werden schriftlich verständigt. Eine Barablöse der Gewinne ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter der graustein events GmbH und deren Angehörige sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen.


Fotos: PHILIPP GREINDL