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CONTRA NACHTSICHT- UND WÄRMEBILDTECHNIK: WEHRET DEN


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 18.10.2019

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Warum ich gegen alle Arten von Nachtsichttechnik bei der Jagd bin. Ein Essay von DrFlorian Asche.


Artikelbild für den Artikel "CONTRA NACHTSICHT- UND WÄRMEBILDTECHNIK: WEHRET DEN" aus der Ausgabe 110/2019 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Die Ausrüstung eines Jägers der 90er Jahre. Ziemlich spartanisch.


FOTO: ADOBE STOCK

N eulich durfte ich an einem Seminar zum Thema „Technik auf der Jagd“ teilnehmen. Da mir die zweifelhafte Ehre des Schlussvortrags zukam, durfte ich zunächst einigen Referenten lauschen, die sich mit Jagd-Apps, Schalldämpfern, Wildkameras, Nachtsicht- und Wärmebildtechnik befassten. Das Mantra der Sprecher lautete regelmäßig ziemlich ähnlich:

IN ZEITEN AUSUFERNDEN WILDSCHADENS … GRÖSSERE EFFIZIENZ … ...
MODERNE ...

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IN ZEITEN AUSUFERNDEN WILDSCHADENS … GRÖSSERE EFFIZIENZ … TIERSCHUTZGERECHTIGKEIT … BEDIENERFREUNDLICHKEIT …
MODERNE JAGD.

Wie der Lockruf der Sirenen säuselten die Stimmen der Vertriebskanonen in meinen Gehörgängen, um auch mich auf den rechten Weg zu bringen. Doch der Erfolg war überschaubar. Zu durchsichtig sind die Argumente, die uns Jägern immer mehr Neuerungen für mehr Jagderfolg verkaufen wollen. Sie erinnern an die grauen Männer von der „Zeitsparkasse“, die der unsterbliche Michael Ende in seinem zivilisationskritischen Roman „Momo“ erfand. Doch durch jene immer nervtötender klingende Effizienz-Ökonomie verlieren wir Menschen nicht nur an Freiheit, an Sozialkontakten und werden hektischer – wir verlieren auch an Sinnlichkeit, Naturverbundenheit – und Lebensfreude.

WARUM ÜBERHAUPT TECHNIK?

Geht es heute nicht anders? Diese Frage stelle ich mir bei jeder E-Mail mit dem kleinen, roten Ausrufezeichen für „dringend“. Dann lese ich die hyperventilierten Zeilen und frage mich, ob die digitale Revolution nicht besonders effizient dafür gesorgt hat, wirkliche Gespräche, ehrliches Zuhören und tiefe Gedanken ins Reich des Unwirtschaftlichen zu verbannen. Wo finden wir die Ruhe, um mit der Zeitung zu rascheln, in Büchern zu blättern und uns einem, nur einem Gedanken zu widmen? Überall blinkt, läutet und

vibriert es, als Zeichen omnipotenter Erreichbarkeit. Jeder ist gleichzeitig überall. Oder um mit Heidegger zu sprechen: Jeder ist der andere, keiner mehr er selbst! Wir Jäger glauben immer, mit solchen Entwicklungen nichts zu tun zu haben. Schließlich sehen wir uns gern als ursprüngliche, kernige Naturburschen.

Doch die Jagd ist bekanntlich keine Insel. Wie überall wollen uns Techniker alle möglichen Neuerungen unter dem Versprechen verkaufen, die Jagd dadurch besser und erlebnisreicher zu machen.

Gerade die Hersteller von Nachtzielgeräten, die neuen „Herren der Finsternis“, drückt der Heiligenschein, mit dem sie für ihre Produkte werben: „Die Wildschadensverhütung wird erleichtert, der Fehlabschuss führender Stücke wird vermieden und natürlich wird auch das Trefferergebnis verbessert.“ Die Nachtzieltechnik wirbt für sich als Mittel einer „tierschutzgerechten“ Jagdausübung.

WARUM ÜBERHAUPT JAGEN?

Jäger haben vor langer Zeit den Wolf ausgerottet. Mit antiquierter Technik. Warum brauchen sie jetzt plötzlich unbedingt Nachtzielgeräte?


FOTO: FOTOLIA - BUDIMIR JEVTIC

Nun, man kann gar nicht ausschließen, dass durch manche technischen Neuerungen der eine oder andere jagdliche Fehler zu vermeiden wäre. Doch das ist aber auch auf andere Weise möglich, zum Beispiel durch den uns längst abhandengekommenen Verzicht. Niemand muss auf den Hochsitz, wenn der Mond nicht scheint. Niemand muss schießen, wenn er sich nicht sicher ist, worauf. Und niemand ist gezwungen, ein Revier zu pachten, in dem viel Wildschaden auftritt. Die Argumentation, man werde auf andere Art der Sauenflut nicht mehr Herr, ist nachweisbarer Unsinn. Der Mensch hat es geschafft, ganze Tierarten auszurotten, und zwar mit Waffen, die unserer heutigen Technologie völlig unterlegen waren, mit Speer, Bogen und Messer. Umgekehrt haben sich die Schwarzwildbestände in den letzten Jahren mitnichten verringert, obwohl immer mehr optische Hilfsmittel – legal oder illegal – landauf, landab zur Verfügung stehen. Das Schwarzwild ist so lernfähig, wie kaum eine andere Spezies. Man kann sich gut vorstellen, wie rasend schnell es sich in unzähligen deutschen Revieren auf „vier Mondwochenenden im Monat“ eingerichtet hat. Die Jagd mit Nachtzieltechnik mag den Kampf gegen das Licht gewinnen helfen, aber im Kampf gegen die Müdigkeit werden wir gegen das ritterliche Schwarzwild immer zweiter Sieger bleiben.

DAS JOCH DER MACHBARKEIT

Nicht die unreflektierte Nutzung des technisch Machbaren ist deshalb das jagdliche Gebot der Stunde, sondern im Gegenteil der freiwillige Verzicht darauf. Wenn wir nämlich alles verwenden, was uns die Technikfirmen anbieten, dann wächst nicht unsere Freiheit, sondern vielmehr erweitert sich unser Joch der Machbarkeit. Und damit wächst unsere Knechtschaft. Was gedacht war, uns freier zu machen, hat uns in Wahrheit gefangen genommen. Heutzutage fragen mich verstimmte Mandanten oft, wann ich denn auf ihre Anfrage antworten möchte, sie hätten doch schon vor einer halben Stunde ihre E-Mail verschickt. Genau mit dem gleichen Anspruch werden uns Interessenverbände zu Nachtzieldienstleistern und Wildtierliquidatoren degradieren, eben gerade weil es die neue Technik ermöglicht. Auf der Strecke bleibt nichts Geringeres als die Freiheit der Jagd, die erst durch den Verzicht zu ihrer Entfaltung kommt. Immer und überall jagen zu können, heißt, es auch irgendwann dauernd tun zu müssen. Die Freiheit, selbst zu entscheiden, ist in einer digitalen, wildfeindlichen Welt gefährdeter als früher. Darüber lohnt es, nachzudenken.