Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 6 Min.

„ Corinna wollte, dass Michael überlebt …“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 32/2021 vom 11.08.2021

FORMEL 1

Artikelbild für den Artikel "„ Corinna wollte, dass Michael überlebt …“" aus der Ausgabe 32/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 32/2021

Jean Todt ist seit 2009 Fia- Präsident

SPORT BILD: Herr Todt, Ihre enge Verbindung zur Familie Schumacher ist bekannt. Sie haben kürzlich sogar gesagt, dass Mick Schumacher wie ein Sohn für Sie ist. Können Sie uns das genauer erklären?

JEAN TODT (75): Mick gehört zu den Menschen, die immer einen besonderen Platz in meinem Herzen und in dem meiner Frau Michelle Yeoh haben. Die Familie Schumacher ist sehr besonders für uns. Mit Michael habe ich eine großartige Geschichte geschrieben und ein wunderbares Verhältnis aufgebaut. Und dann waren die Kinder da.

Erkennen Sie in Mick Seiten wieder, die Sie von Michael kennen?

Ja und nein. Ihre Leben sind sehr unterschiedlich. Michael musste sein Leben selbst aufbauen. Er war als kleiner Junge beim Kartfahren mit einem tollen Vater. Aber der Vater hatte kein Geld. Also musste Michael selbst das Beste für seine Karriere machen. Bei Mick war es anders. Mick hat in einem bequemeren Umfeld eine ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 32/2021 von Jetzt oder nie: Volle Attacke auf die Bayern!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jetzt oder nie: Volle Attacke auf die Bayern!
Titelbild der Ausgabe 32/2021 von Miserables Abschneiden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Miserables Abschneiden
Titelbild der Ausgabe 32/2021 von MAGNET-TABELLE!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MAGNET-TABELLE!
Titelbild der Ausgabe 32/2021 von Leipzig wird Bayern noch gefährlicher als Dortmund. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leipzig wird Bayern noch gefährlicher als Dortmund
Titelbild der Ausgabe 32/2021 von BAYERNS SCHLI MMSTER GEGNER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BAYERNS SCHLI MMSTER GEGNER
Titelbild der Ausgabe 32/2021 von Das letzte Haaland- Jahr! Dortmund unter Titeldruck. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das letzte Haaland- Jahr! Dortmund unter Titeldruck
Vorheriger Artikel
„Das Rennen hat mich schockiert!“
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel 2 Aqua Butler zu gewinnen
aus dieser Ausgabe

... sehr gute Ausbildung bekommen. Er und seine Schwester sind von den Eltern immer sehr geliebt und gefördert worden. Aber klar, Michael und Mick sind vom gleichen Blut, haben die gleichen Ziele. Aber die Voraussetzungen waren komplett anders.

Wie schlägt sich Mick in seiner ersten Formel-1-Saison?

Er ist für mich noch mehr ein Junge als ein Formel-1-Fahrer. Er fährt gut, er macht das sehr gut. Er ist schüchtern und vorsichtig, weil er nicht will, dass die Leute denken, er würde mich als Fia-Präsident benutzen, aber wir sehen uns natürlich und haben eine besondere Beziehung. So ist es auch mit Corinna. Mit ihr habe ich noch häufiger Kontakt als mit Mick.

Wir müssen dem Leben eine Chance geben!

Wie ist die enge Verbindung entstanden?

Ich habe viel Zeit mit Corinna verbracht, seit Michael am 29. Dezember 2013 seinen schweren Ski-Unfall hatte. Sie ist eine großartige Frau und führt die Familie. Damit hatte sie so nicht gerechnet. Es passierte plötzlich, und sie hatte keine andere Wahl. Aber sie macht das sehr gut. Ich vertraue ihr, sie vertraut mir.

Ab September ist eine Dokumentation über die Schumachers auf Netflix zu sehen, in der Sie auch mitwirken. Können Sie einen kleinen Einblick geben, was uns da erwartet?

Es ist schön für Michael, dass es einen Film über ihn geben wird und dass er mit der Familie gemacht wurde. Man darf sich drauf freuen.

Sie besuchen Michael oft. Haben Sie eine Botschaft, wie es ihm geht?

Ich bin da sehr vorsichtig, weil es das Privatleben betrifft. Michael hatte leider einen Ski- Unfall, der zur Tragödie wurde. Dank der Arbeit seiner Ärzte und dem Mitwirken von Corinna, die wollte, dass er überlebt, hat er überlebt – aber mit Folgen. Und im Moment kämpft man gegen die Folgen an. Wir hoffen, dass sich die Dinge langsam, aber sicher verbessern.

„Wir hoffen, dass sich die Dinge langsam, aber sicher verbessern“

Todt über Schumis Gesundheitszustand

Lassen Sie uns über die aktuelle Saison und den spannendsten Titelkampf seit Jahren sprechen: Lewis Hamilton führt die WM-Wertung mit acht Punkten vor Max Verstappen an, seit dem Crash in Silverstone herrscht Eiszeit zwischen den beiden Stars der Königsklasse. Wie sehen Sie das enge Duell?

Wir sollten froh sein, einen Wettbewerb von zwei Teams und zwei Fahrern zu haben! Es wäre mir für die Fans noch lieber, wenn wir einen mit vier Fahrern hätten, aber es ist immer noch besser, als nur ein Team vorne zu haben und vielleicht mal ein Duell zwischen zwei Teamkollegen. Es ist gut für den Sport, dass da so ein Ehrgeiz und eine Spannung sind. Es ist mir aber wichtig, dass all das mit Integrität passiert und Leute nicht anfangen zu lügen.

„Michael und Mick sind vom gleichen Blut, haben die gleichen Ziele. Aber die Voraussetzungen waren andere“

Meinen Sie das belastete Verhältnis zwischen Red Bull und Mercedes?

Die Fans lieben den Streit zwischen Red-Bull-Teamchef Christian Horner und Toto Wolff von Mercedes – aber der Sport braucht das nicht. Der Sport braucht einen guten Wettbewerb, und den haben wir.

Um den Crash in Silverstone, bei dem Verstappen unter der Last von 51g in die Reifen knallte, gab es Riesendiskussionen. Wie haben Sie die Szene gesehen?

Ich habe Christian Horner gesagt, dass mir leidtut, was mit seinem Fahrer passiert ist, aber das ist Racing. Die Leute vergessen manchmal, dass Verstappen in der schnellsten Kurve abgeflogen ist. Und am nächsten Tag wäre er, wenn es ein Rennen gegeben hätte, das Rennen gefahren. Auch das ist das Ergebnis unglaublicher Errungenschaften in der Sicherheit.

War es hilfreich, dass Red Bull Einspruch gegen die – aus Red-Bull-Sicht viel zu niedrige – Zehn-Sekunden-Strafe gegen Hamilton eingelegt hat?

Es war richtig, dass sie das gemacht haben, ja! Man versucht natürlich alles, was man kann. Solange das alles sauber abläuft, habe ich damit kein Problem.

Einige Länder diskutieren die Einführung einer Impfpflicht. Wären Sie für eine Impfpflicht in der Formel 1 oder Formel E?

Ja. Der einzige Weg, zurück in die Freiheit zu kommen, ist, so viele Menschen wie möglich zu impfen.

Einige befürchten Nebenwirkungen.

Auch ein Sicherheitsgurt im Auto kann dich töten, aber auf alle Fälle betrachtet, schützen die Gurte dich bei 499 999 von 500 000 Unfällen – und so ist es auch beim Impfen. Es kann Nebenwirkungen geben. Aber global gesehen rettet die Impfung Leben und kann die Gesellschaft zurück in die Normalität bringen.

Die Formel 1 steht vor großen Zukunftsfragen: 2025 kommen neue Motoren. Es wird diskutiert, wie viel Anteil ein Elektromotor und wie viel ein Verbrennungsmotor haben wird. Was halten Sie von der Idee, den Elektromotor der Formel E zu überlassen und in der Formel 1 klassisch mit einem Verbrenner zu fahren?

Man kann die Formel 1 und die Formel E nicht miteinander vergleichen, außer vielleicht, dass es Einsitzer mit vier Rädern sind. Die Formel E hat ein völlig anderes Konzept. Schon vor meiner Amtszeit hat man sich darauf geeinigt, Hybridmotoren in der Formel 1 einzuführen – und das ist auch richtig so. Wir schreiben das Jahr 2021. Die weltweite Priorität ist aktuell der Zustand unseres Planeten – Klimawandel und Verschmutzung. Die Spitze des Motorsports sollte also die schmutzigste Serie der Welt sein und nur auf Verbrennermotoren setzen? Die Kritiker würden uns umbringen!

Diese Haltung kam trotzdem lange nicht gut an.

Sebastian Vettel und Bernie Ecclestone (Ex-Boss der Formel- 1-Serie; d. Red.) haben damals gesagt: Wir wollen den Klang der Motoren hören. Heute sagt derselbe Sebastian Vettel, dass wir aggressiver sein müssen mit neuen Technologien. Er fordert, wir müssen mehr tun. Da stimme ich ihm zu! In der EU sollen ab 2035 keine Verbrenner mehr zugelassen werden, da kann die Formel 1 kein Labor sein, dass weiter darauf setzt. Im Gegenteil: Wenn die Formel 1 mit grünen Parametern vorangeht, wird sie am Ende gewinnen, nicht verlieren.

Im Dezember endet nach zwölf Jahren Ihre Amtszeit als Fia-Präsident. Was sind bis heute Ihre größten Errungenschaften?

Mein Mandat endet am 17. Dezember, und ich werde bis zum letzten Tag engagiert bleiben und eine Bilanz erst ziehen, wenn meine Amtszeit endet. Wir haben in verschiedenen Bereichen viel erreicht. Ich bin zum Beispiel stolz darauf, dass wir den Cockpit-Schutz Halo eingeführt haben, auch wenn Fahrer, Teams und Medien nicht dafür waren. Die Autos sind schwerer geworden, und wir brauchten mehr Schutz. Wir müssen dem Leben mehr Chancen geben!

Das machen Sie auch abseits Ihres Jobs als Fia-Präsident.

Ja, ich habe das Institut für Gehirn- und Rückenmarks-Erkrankungen (ICM) gegründet und mich für die Sicherheit auf den Straßen engagiert. Ich und meine Frau haben auf meinen Reisen viel Armut und Krankheit gesehen. Wir wollten uns einbringen, und ich wollte der Fia eine neue Dimension geben. Sie soll für die ganze Welt da sein.

Wie genau?

Im Straßenverkehr sterben jedes Jahr 1,4 Millionen Menschen, und 50 Millionen verletzen sich schwer. Wir sind alle verwundbar – in Europa weniger, aber zum Beispiel in Afrika umso mehr. Ich war schockiert, in Entwicklungsländern Menschen zu dritt, viert oder sogar fünft auf Motorrädern zu sehen, weil es kaum öffentliche Transportmittel gibt und die Menschen kein Geld für ein Auto haben. Meistens tragen sie keinen Helm, und wenn doch, dann ist er wie aus Glas, zerbricht sofort und schützt nicht. Sie haben kein Geld dafür, und viele sagen, es sei zu heiß. Wir haben deshalb belüftete Helme nach UN-Standards für unter 20 Dollar entwickelt. Das ändert alles. Und es ist kein abstraktes Ziel, sondern substanziell, klar und bereits da. Darauf bin ich vielleicht sogar stolzer als auf viele Dinge im Motorsport.

„Der Sport braucht einen guten Wettbewerb, und den haben wir“