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CORONA-KRISE: „Mein Herz wummert. Die Antwort ist: ‚positiv‘. Mist!“


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 13/2020 vom 19.03.2020

GRAZIA-Praktikantin Antonia Hartmann (21) muss wegen einer möglichen Infektion mit Covid-19 in Quarantäne. Hier erzählt sie von dem Moment, als aus Witzen über Panikmache echte Panik wurde


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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 13/2020

„MACH MAL SCHNELL DEN FERNSEHER AUS!“ MEIN MITBEWOHNER PHILIPP SCHAUT MICH ERNST AN,
während er sein Smartphone auf laut stellt. Seine Kollegin ist am anderen Ende der Leitung: „Ich soll allen Bescheid geben, mit denen ich heute länger als 15 Minuten direkten Kontakt hatte, dazu zählst du und …“ Ich lausche gespannt den Worten, die aus dem Lautsprecher kommen, kann mir aber noch keinen Reim draus machen. Spätestens, ...

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... als die Wörter „Corona infiziert“, „Freund heute positiv getestet“ und „damit du Bescheid weißt, was los ist“ fallen, weiß auch ich, was los ist. Philipp sitzt mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern auf dem Stuhl vor mir.

Dann klingelt auch sein Job-Handy, eine Rundmail kommt rein: „Für alle gilt ab sofort Home-Office, wir sollten kein Risiko eingehen.“ Was? Es geht alles so schnell, dass ich gar nicht realisiere, was gerade passiert ist – und was passieren könnte. Die Telefone klingeln weiter. Ich höre viel „wenn …, dann …“, es handelt sich erst mal nur um Sicherheitsvorkehrung. „Lass uns mal den Ernstfall durchgehen“, sagt mein Mitbewohner. „Wenn, dann sollten wir noch schnell irgendwie an Lebensmitteln kommen. Wir sind sicher nicht dafür ausgestattet, hier zwei Wochen in der Wohnung in Quarantäne zu wohnen“, sagt Philipp. Warte – was?

Ich fühle mich wie in einem dieser düsteren Zukunftsfilme: In den Nachrichten meinen Experten, dass am besten alle für zwei Wochen zu Hause bleiben sollten, damit die Infektionsketten unterbrochen werden können. Es ist von ein paar Hundert Fällen in Deutschland die Rede. Die meisten in NRW. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals direkt von dem Coronavirus-Drama betroffen sein könnte. Gerade habe ich mit meinen Freunden und meiner Familie noch über die Panikmache gewitzelt. Dass plötzlich Konzerte verschoben werden, Theater dichtmachen und Großveranstaltungen, die erst in Wochen stattfinden sollten, abgesagt werden, damit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich bin komplett durcheinander und erschöpft von dem aufregenden Tag. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen gehen wir schlafen.

Weil wir kein Risiko eingehen sollen und wollen, bleiben Philipp und ich am nächsten Tag zu Hause. Uns erreichen keine weiteren Nachrichten von der Kollegin. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen? Die Tests können bis zu 48 Stunden brauchen, so lange müssen wir einfach abwarten. Gegen halb 10 Uhr abends dann klingelt doch das Telefon. Mein Herz wummert. Die Antwort: positiv. Mist.

Mit dem Ergebnis wird mein Mitbewohner jetzt namentlich bei dem Gesundheitsamt gemeldet – er hatte Kontakt mit einer infizierten Person. Anordnung: zwei Wochen Quarantäne für ihn und damit auch für mich. Symptome haben wir beide nicht, trotzdem entschuldigt sich Philipp vorsichtshalber schon mal: „Wenn ich dich angesteckt habe, dann tut mir das schrecklich leid.“ Als wenn das alles seine Schuld wäre …

Und was mache ich jetzt die nächsten zwei Wochen? Zuerst einmal rufe ich meine Familie an. Ich hatte ihnen bisher noch nichts erzählt, denn ich wollte nicht unnötig Panik machen. Auch wenn es immer noch sein kann, das nichts passiert, fühlt sich Corona mit dem Hausarrest plötzlich sehr real an.

Als Nächstes soll mein Mitbewohner getestet werden. Im Gegensatz zu mir hatte er bereits Kontakt mit einer infizierten Person. Wenn Symptome auftreten, die der einer normalen Erkältung oder einer Grippe ähneln, soll ich den medizinischen Notdienst 11-6-11-7 anrufen, dann würde auch ich getestet werden. Wenn ich bei der Telefonnummer überhaupt durchkomme – die Leitungen sind überlastet, mehrere Hundert Anrufe gerade mal letzte Nacht in Hamburg, so viel wie noch nie. Wir warten immer noch auf das Ärzteteam, das meinen Mitbewohner testen soll. Die Kapazitäten sind beschränkt, weil sich gerade zu viele Menschen mit Symptomen melden. Wir können nichts weiter machen, einfach nur abwarten. Ich würde gerne rausgehen und die ersten Sonnenstrahlen des Tages genießen, aber das geht nicht, denn auch wenn alles nur ein großes „Wenn …, dann …“ ist, wäre es fahrlässig von mir, die Wohnung frühzeitig zu verlassen. Ich könnte schließlich infiziert sein …
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FOTOS: UNSPLASH, PRIVAT