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CORONA-PROJEKT: DER WOHLFÜHLGARTEN


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 26.05.2021

Artikelbild für den Artikel "CORONA-PROJEKT: DER WOHLFÜHLGARTEN" aus der Ausgabe 3/2021 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Anfang der Pandemie herrschte auch bei den Kunden große Unsicherheit ? Thomann nutzte das Baufenster zum sofortigen Baubeginn. Die Manpower war ja da.

Früher als gedacht entstand er, der eigene Wohlfühlgarten der Thomann GmbH in Bitz auf der Schwäbischen Alb. Anfang 2020 fügten sich alle Randbedingungen zu einem grünen Schmuckstück, das mittlerweile mit Stolz den Kunden präsentiert und von der Familie mit vollem Genuss bewohnt wird. Salzwasserpool, Gartensauna, Lounge-Ecke sowie die lange Familientafel bilden ein stimmiges Ganzes.

Für die einen ist es die Kreativität unter der Regendusche, anderen kommen die inspirativen Gedanken beim Musikhören und bei Jochen Thomann war es eine Sportveranstaltung. „Ich begleitete meine Kinder Anfang Februar 2020 auf einen Wettkampf in Sindelfingen. Außerhalb ihrer Startzeiten musste der rechte Daumen nicht gedrückt werden und so ließ sich schwungvoll der Zeichenstift führen. So brachte ich einige Skizzen bezüglich unseres eigenen Gartenwunsches zu Papier, der vorher lediglich in Einzelfragmenten im Kopf ...

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... existierte“ , erinnert sich Thomann an die Planung seines Wohlfühlgartens.

Das rund 700 Quadratmeter große Nachbargrundstück im Familienbesitz wechselte somit 10 Jahre früher als geplant den Besitzer, denn eigentlich wollte Jochen Thomann seinen Gartentraum erst mit 65 Jahren verwirklichen. „Es passte im letzten Frühjahr wirklich alles zusammen. Die Planung war erledigt, mein Bruder verkaufte mir die Fläche, einige unschlüssige Kunden räumten die Zeit zum sofortigen Baubeginn frei und genügend Manpower war sowieso vorhanden“, begeistert sich der Unternehmer, wie sich alles fügte.

Glasklar bis zum Grund

Hinter diesem glasklaren Wasser steckt innovative Salzelektrolyse-Technik. Der Gartenund Landschaftsbaubetrieb „Fautz die Gärten“ wurde von Thomann mit der Schwimmbadtechnik für das 12 Meter lange, vier Meter breite, siebenlagige und somit sehr formstabile GFK-Becken beauftragt, welches die Mitarbeiter von Thomann einbauten. „Diese Qualität lässt sich sehr gut per Kran setzen, da sie sich selbst bei dieser Länge nicht verwindet“, erläutert Philipp Jobst, Poolspezialist bei „Fautz die Gärten“. Eingebettet wurde das Becken in den Dämmbeton Thermotec, der – im Vergleich zu normalem Beton – eine längere Nutzung in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst mit einer durchschnittlich vier Grad Celsius höheren Wassertemperatur ermöglicht.

Zum Auffüllen der Grube wäre auch Drainbeton 8/16 geeignet, allerdings müsste das Becken dann zuerst komplett gefüllt werden, um ein Aufschwimmen zu verhindern. Bei Thermotec reicht dagegen ein Füllstand von rund 30 cm aus.

Der Poolboden steht auf einer gegossenen Bodenplatte aus Beton, die mit einer Schutzlage aus Vlies ausgestattet ist. „Nach dem Ausrichten und Fixieren des Pools werden die Leitungen verlegt. Wir arbeiten hier ausschließlich mit Schlauchrohren zum Anschluss der Technik“, erläutert Jobst.

Der Salzgehalt im Wasser ist mit einem Kilogramm Salz pro Kubikmeter Wasser relativ gering und man benötigt empfindliche Geschmacksnerven, um das Salz in dieser Trinkwasserqualität herauszuschmecken. Durch die Elektrolyse wird das Salz, in diesem Fall hauptsächlich Magnesiumchlorid, bei Bedarf in seine Bestandteile aufgespalten und es entsteht Chlor. Die Salzgabe im Frühling hält meist die gesamte Saison, außer der Keimeintrag wird durch eine sehr intensive Nutzung zu hoch.

Das Herzstück der Anlage ist das DA-SY+-System (Dryden Aqua Integriertes System ), welches alle notwendigen Kreisläufe mit Hilfe von

Messsonden steuert und im Einklang hält. Kontrolliert wird dabei der Chlor- und der pH- Wert des Wassers. Produziert wird das Elektrolyt in der Elektrolyse-Zelle. Schlauchpumpen, die extrem niedrige Flüssigkeitsmengen benötigen, injizieren die entsprechenden „Zutaten“, die ermöglichen, dass der Chlorgehalt auf dem tiefst möglichen Niveau gehalten werden kann: Ein Flockungsmittel (APF) bindet und vergrößert winzige Schwebstoffe wie Pollen, Feinstaub, aber auch Hautschuppen durch Verklebung, so dass diese eine filterbare Dimension erreichen.

„Die spezielle Filtertechnologie ist durch das verwendete bioresistente Filtermaterial, gewonnen aus recyceltem Glas, in der Lage, 30 bis 50 Prozent mehr organische Stoffe herauszufiltern als herkömmlicher Sand- oder Quarzsand und es entsteht kein Biofilm im Filterbett“, erklärt Jobst. Ein Chlorstabilisator (ACO) reduziert die Flüchtigkeit dieses Elements und bildet zudem freie Radikale, welche für einen hohen Desinfektionsgrad sorgen. Alle vier Wochen wird das Poolwasser händisch getestet und die Technik entsprechend kalibriert. Die Aquavision-Technik bezieht „Fautz die Gärten“ über die Behncke GmbH in München (<a xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" href="http://www.behncke.com">www.behncke.com</a>).

„In unserem ersten Winter ließen wir die Anlage frostfrei durchlaufen, die Wärmepumpe, die über Photovoltaik betrieben wird, war ausgestellt und der Solarrolladen geschlossen. Das Wasser im Frühling war genauso glasklar wie im Herbst vor dem Einwintern“, ist Thomann begeistert. Er hat sich bewusst gegen zu viel Technik im Wasser entschieden, weshalb der Pool keinerlei „Firlefanz“ wie Massagedüsen oder eine Gegenstromanlage besitzt. rei

Die vier Kinder der Thomanns waren in die Ideenfindung eingebunden und in dieser jungen Generation wurde vor allem der Wunsch nach glasklarem Wasser laut. „Meine Frau und ich plädierten für eine pflegeleichtes System und wir wollten auf keinen Fall in intensiv gechlortem Wasser schwimmen. Noch ohne eigene Erfahrung im Poolbau, informierten wir uns zuerst bei Kollegenbetrieben. Angesprochen und absolut überzeugt hat uns ein Pool-System, das wir im Schaugarten von Axel Fautz in Bad Krozingen besichtigen durften“, beschreibt Thomann einen der Entscheidungsprozesse.

WELLNESS-GRUNDLAGEN

Die Steigerung der Lebensqualität stand für Thomann in dieser Planung an erster Stelle. Hierzu gehört für ihn eine Gartensauna, die er im Winter nach dem Langlaufen besonders schätzt. Ein Ruheraum, der zudem noch Platz für Fitnessgeräte bietet, waren weitere Wünsche und ließen das Saunahaus schnell zur Sonderanfertigung werden.

Die komplett zu öffnenden Flügeltüren bringen das Gartenfeeling in den Raum, an welchen sich eine großzügige Holzterrasse aus Lärche anschließt, die bis zum Poolrand führt. Die Gartendusche befindet sich direkt neben der Sauna. Das gesägte Systemmauerwerk aus Muschelkalk passt perfekt zu den großformatigen Terrassenplatten, die sich auch in der Poolumrandung fortsetzen. Selbst die rechteckigen Schrittplatten im Rasen sind aus Muschelkalk.

Zu Tisch lädt die lange Tafel, in deren Fortsetzung das Hochbeet frische Kräuter und Gemüse bietet. Am Abend bittet die Lounge in die weichen Kissen und wartet mit edlem Kaminfeuer dank Bioethanol auf. Den Hintergrund bilden hohe Krustenplatten aus Muschelkalk, die mit je drei Gewindestangen in einem Betonfundament fixiert sind. Gegen das raue Alb-Klima wird es dieses Jahr noch eine Überdachung der Lounge mit seitlichen Jalousien geben, um die Wohlfühlzeiten abends, aber auch im Frühling und Herbst zu verlängern.

Der Blick vom Saunahaus über den Pool bleibt an einer wunderschönen Pflanzenkulisse hängen. Sechs Feldahorn- Hochstämme (Acer campestre ‘Elsrijk‘) als Hochspalier, unterpflanzt mit einer dichten Eibenhecke (Taxus media ‘Hillii‘), lassen nachbarschaftliche Blicke außen vor. Der Naturgartenbereich um das Wohnhaus wird durch eine Zierapfelhecke (Malus ‘Evereste‘) abgeschirmt, um dem romantischen alten Gartenteil sowie dem modernen Wohlfühlgarten einen ganz eigenen Wirkungsbereich zuzugestehen. Der Zugang zum Wellnessgarten erfolgt durch den weißen Garten: Der Weg aus Muschelkalkplatten ist gesäumt von mehrstämmigen Felsenbirnen, die ihr Blüten- und Blätterdach über ebenfalls weiß blühenden Stauden auffächern: Weißer Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum ‘Album‘), Nachtviolen (Hesperis matronalis ‘Alba‘), weiße Herbstanemonen (Anemone japonica ‘Honorine Jobert‘) und ein Wald aus Frauenfarn (Athyrium filix-femina) geleiten zu den fünf Stufen, die direkt in das Wohlfühl-Paradies führen.

BAUPHASE

„Wir haben uns bewusst gegen den vielfach betriebenen „Aushub-Tourismus“ entschieden und eine Siebanlage gemietet, um die mineralischen von den organischen Anteilen zu trennen und beides erneut nutzen zu können. Das spart Deponiegebühren und teure Substrateinkäufe“, berichtet der Unternehmer, der sich dieses Jahr noch einen Sieblöffel für seinen 6-Tonnen-Bagger anschaffen möchte, um dieses System auf allen Baustellen anzuwenden. „Das ist letztendlich nicht wirklich günstiger, aber nachhaltiger, denn wir sparen CO2 und Mautgebühren“, ergänzt Thomann. Die Bauleitung und die Ausführung des Gartens hatte Thomann zu ungefähr 80

Prozent seinen beiden Azubis im dritten Ausbildungsjahr überlassen. Das meiste managten Carol Renz und Falk Thomann im Alleingang. Ab und an war noch ein dritter Mitarbeiter dabei und zur Pflanzung betrug die Truppenstärke vier Mann. Dabei gelangten die großen schweren Feldahorne am Minibagger schaukelnd in den hinteren Gartenbereich. „Die Jungs waren durchaus kreativ, wenn es um sinnvolle Arbeitserleichterung ging“, freut sich Thomann. War Unterstützung für spezielle Aufgaben gefragt, so meldeten sich die Azubis rechtzeitig beim Chef, was dem straffen Bauablauf guttat.

Von Renz und Falk Thomann kam auch die Idee, das alte Baumhaus auf den Boden der Tatsachen zu stellen und als Technikraum umzufunktionieren. An den Kranbagger gehängt, steht es jetzt auf einem Betonfundament im kleinen Buchenwald und passt perfekt in diese Kulisse. Viel Sorgfalt haben die jungen Bauleiter walten lassen, denn der einstige Obstgarten des Großvaters auf dem Gelände sollte keinerlei Schaden nehmen.

Eine so große Baustelle vom Anfang bis zum Ende zu betreuen bringt wertvolle Erfahrung. Die Übernahme von Eigenverantwortung gehört schon seit Jahren zum Firmenkonzept. „Bei uns trägt jeder so viel Verantwortung, wie er tragen möchte und wie ihm guttut“, verrät der 55-Jährige. Selbst beim Einbau der Schwimmbadtechnik haben die beiden dazugelernt, denn das war bislang ja völliges Neuland im Unternehmen. „Neben dem Schwimmbadbau haben wir mit dem Flaschner und dem Elektriker lediglich zwei weitere Gewerke mit ins Boot geholt. Und das Schönste daran, beide schenkten uns ihr Vertrauen im eigenen Privatgarten und beauftragten uns ebenfalls“, berichtet Thomann. Er beschreibt diese für alle sehr skurrile Zeit in den Anfängen der Pandemie als perfekt genutzt. „Niemand wusste, was auf uns zukommt und wie das Jahr laufen wird. Die Firma Fautz hatte spontan im Frühjahr Zeit und wir aufgrund einiger Auftragsverschiebungen plötzlich die notwendige Manpower für unser Vorhaben“, freut sich Thomann über das einfach so durchgelaufene Projekt.

Ende Juli war dann mit dem Legen des Rollrasens in knapp fünf Monaten Bauzeit der eigene Traum zur Wirklichkeit geworden.

AUFGEFALLEN

Bei diesem Garten war Thomann selbst auch Kunde und betrachtete die Dinge plötzlich von zwei Seiten: „Inzwischen verstehe ich, wenn Auftraggeber von Bauphasen, die sich über zwei bis drei Monate strecken, genervt sind. Als Kunde möchte man den Garten einfach nur genießen, und das möglichst schnell. Dies durfte ich jetzt auf meiner eigenen Baustelle erspüren und es brachte mich ins Überlegen. Wir werden zukünftig versuchen, die Gärten noch schneller und kundenorientierter anzulegen und abzuwickeln, um die unschöne Phase des Baustellenchaos zu verkürzen.

Wenn die Menschen jeden Tag sehen, was voran geht und wie das geplante Gesamtbild entsteht, dann macht das zufrieden. Tage oder Wochen des Wartens zwischendurch inmitten von Steinund Erdhügeln lassen da schon eher mal die Nerven blank liegen. Diesen ersten Corona-Sommer verbrachten wir völlig entspannt und ausgeglichen im neuen Garten“, erzählt Thomann, der früher jeden Brückentag mit Kurzurlauben am Lago Maggiore oder in Südtirol im Reisestress verbrachte. „Wir haben hier etwas geplant und verwirklicht, was unseren Kunden zeigt, wie das Leben im Garten funktioniert. Ich habe meine Lebensversicherung in diesen Wohlfühlgarten investiert und es noch keine Sekunde bereut,“ begeistert sich Thomann.