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Corona und das Klima


Leben & erziehen green - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 27.05.2021

Unsere Expertinnen

Artikelbild für den Artikel "Corona und das Klima" aus der Ausgabe 1/2021 von Leben & erziehen green. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen green, Ausgabe 1/2021

Lisa Göldner (31)

… ist Klimaexpertin bei Greenpeace.

Viola Wohlgemuth (35)

… ist Konsumexpertin bei Greenpeace.

L&e•green: Die Menschen fahren wieder mehr Fahrrad und fliegen aufgrund der Pandemie weniger. Ist die derzeitige Situation besser oder schlechter fürs Klima als vorher?

Lisa Göldner: Weltweit ist der Ausstoß klimaschädlicher Gase zu Beginn der Corona-Krise eingebrochen. Aber im Verlauf des letzten Jahres hat der CO 2 -Ausstoß wieder zugenommen. Im Dezember 2020 lagen die weltweiten Emissionen sogar zwei Prozent über dem Niveau von Dezember 2019. Die Kehrtwende ist noch nicht geschafft, nach wie vor steigen die Emissionen jedes ...

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... Jahr. Vor allem, weil noch immer im großen Stil Kohle, Erdöl und Erdgas für die Energiegewinnung gefördert und verbrannt werden.

Wie sieht das in Deutschland aus?

Lisa Göldner: Hierzulande ist der Ausstoß klimaschädlicher Gase im Jahr 2020 insgesamt um 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – ein Drittel davon ist dabei auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Besonders deutlich wird das im Bereich Verkehr. Hier sind die Emissionen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 11,4 Prozent gesunken.

Das liegt hauptsächlich daran, dass wir viel weniger geflogen sind, seltener lange Strecken mit dem Auto gefahren sind und weniger Lkw auf den Straßen unterwegs waren.

Also eine gute Nachricht für das Klima?

Lisa Göldner: Nur zum Teil. Denn die Einschränkungen, die notwendig sind, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten, sind schmerzhaft und verlangen uns allen viel ab. Und sie ersetzen keine Klimapolitik. Die Klimakrise macht auch während der Pandemie keine Pause. Wenn Regierungen jetzt viel Geld in die Hand nehmen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, dann muss uns das auch beim Klimaschutz voranbringen.

Verschärfen die Masken das Müllproblem?

Viola Wohlgemuth: Ja, die Corona-Krise entwickelt sich auch zu einer Plastikkrise. Wir haben jetzt schon einen Anstieg von über zehn Prozent an Verpackungsabfällen in Corona-Zeiten. Unbestritten ist das Tragen von filternden Masken eine der effizientesten Maßnahmen zum Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen. Damit der hohe Verbrauch von Einwegmasken aber jetzt nicht zu einer weiteren Umweltbelastung wird, ist es wichtig, dass sie nicht in der Natur landen, denn sie verrotten nicht. Schon jetzt führen Berge von Einwegmasken und Handschuhen zu einer Plastikbelastung unserer Böden und Gewässer und stellen eine wachsende Gefahr für Tiere dar. 1,56 Milliarden Gesichtsmasken gelangten im Jahr 2020 in die Ozeane, so die Meeresschutzorganisation Oceans Asia.

Wie entsorgen wir Masken richtig?

Viola Wohlgemuth: Masken und Gummihandschuhe gehören in den Restmüll und nicht in den gelben Sack.

Wie können wir sinnvoll mit der Maskenpflicht umgehen?

Viola Wohlgemuth: Es gibt erste Studien, die zeigen, dass beim längeren Tragen der Einmalmasken Mikroplastik eingeatmet wird. Auch wenn die gesundheitlichen Folgen noch nicht bekannt sind, ist dies sicher vor allem bei Kindern kein wünschenswerter Effekt. Viel besser wären waschbare Mehrwegmasken! Dass das auch in FFP2-Qualität möglich ist, haben bereits mehrere Firmen gezeigt. Die Regierung sollte aus Greenpeace-Sicht jetzt die Studien und das Zertifizieren dieser Masken unterstützen. Auch für uns im Alltag gilt: Wo immer es geht, ist Mehrweg dem „Single-Use“ vorzuziehen.

Was können Familien in Zeiten von Einschränkungen aufgrund der Pandemie für die Umwelt und das Klima tun?

Lisa Göldner: Jede und jeder kann im Alltag etwas für den Klimaschutz tun. Jetzt, wo wir mehr Zeit zu Hause verbringen, öfter mal Serien gucken und uns online mit Freunden treffen, ist es doch ein super Zeitpunkt, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln – das ist heute auch gar nicht mehr teurer. Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit zum Kochen. Eine prima Gelegenheit, öfter mal vegan oder vegetarisch zu kochen und neue Rezepte mit regionalem und saisonalem Gemüse auszuprobieren und damit den persönlichen CO 2 -Fußabdruck zu reduzieren. Online-Shopping boomt, nicht nur in Zeiten des Lockdowns: Warum nicht stattdessen mal selber machen, teilen, tauschen oder reparieren? Außerdem: ab aufs Fahrrad. Das hält fit, und man kommt in Bus und Bahn nicht mit anderen Menschen in engen Kontakt.

DAS INTERVIEW FÜHRTE IRLANA NÖRTEMANN