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DAB Plus Kleinsender


Digital Fernsehen Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 05.07.2019

DAB Plus beginnt gerade, den Sektor des Veranstaltungsfunks zu erobern. Auch hier spielt es seine Vorteile aus. Zudem ist eine mobile DAB-Plus-Sendeanlage preiswerter und leichter handzuhaben als gedacht .


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Bildquelle: Digital Fernsehen Sonderheft, Ausgabe 1/2019

Für Veranstaltungsfunk und mehr


Professionelles DAB-Plus-Sendeequipment gibt es bereits für vergleichsweise wenig Geld. Für etwa 10 000 Euro zuzüglich Steuern, gibt es bereits alles, was man zum Senden braucht. in unserem Beispiel sind dies ein 40-Watt-Sender der Type TDA 4502.B des deutschen Herstellers Plisch, sowie ein dazu passender Bandpass-Filter Type: PL7P60R von Com-Tech. Ebenfalls im Preis ...

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... enthalten sind ein Dämpfungsglied zur Reduzierung der Sendeleistung und die zur Ausstrahlung erforderliche Antenne. Weiter wird ein simples Notebook benötigt. Sender und Bandpassfilter sind zusammen nur rund 48 × 18 × 60 cm groß (Breite × Höhe × Tiefe) und wiegen zusammen 27 Kilogramm. Betreiben lässt sich das Equipment an jeder normalen Steckdose. Die Leistungsaufnahme beträgt inklusive Kühlung gerade einmal 250 Watt. Sender und Filter sind für das gesamte VHF-Band-3 geeignet und mit wenigen Handgriffen auf die gewünschte, sprich genehmigte, Sendefrequenz abgestimmt.

Display

Das Display des Senders zeigt seinen augenblicklichen Status an. Gegenwärtig arbeitet er auf Kanal 5D


Bandpassfilter

Jeder Sender, egal ob für DAB Plus, UKW oder etwa DVB-T2, strahlt nicht nur auf jener Frequenz aus, auf die er abgestimmt ist, sondern auch auf benachbarten Kanälen, jedoch mit verminderter Leistung. Sie werden unerwünschte Nebenausstrahlungen genannt. Sie können andere Funkdienste auf benachbarten Frequenzen stören und werden mit einem Bandpassfilter unterdrückt. Es leitet nur das Spektrum der eigentlichen Sendefrequenz zur Antenne weiter und vernichtet alle Nebenausstrahlungen. Damit schafft das Filtern die Grundlage, dass zum Beispiel auf benachbarten Frequenzen unterschiedliche Programmpakete ausgestrahlt werden. Was neben DAB Plus, vor allem bei DVB-T2 recht häufig ist.

Einsatzgebiete

DAB-Plus-Kleinsender bieten sich besonders für Veranstaltungsfunk an. Während unseres Besuchs wurde die hier vorgestellte gerade für einen Einsatz bei einem internationalen Kongress in Berlin vorbereitet. Über ihn sollen die Simultanübersetzungen für die Teilnehmer laufen. Sie brauchen auf ihrem Digitalradio dann nur noch die gewünschte Sprache auswählen. Hier ist DAB Plus alleine insofern von Vorteil, weil dafür nur eine einzige Frequenz vonnöten ist. Zur Versorgung eines Veranstaltungsraumes braucht es zudem nur eine sehr geringe Sendeleistung. Ein Watt reicht bereits aus. Was die behördliche Bewilligung für die Dauer einer Veranstaltung erheblich vereinfacht, zumal Störungen anderer Funkdienste, auch durch den Einsatz von Profiequipment, ausgeschlossen ist.
In dem von uns genannten Beispiel wäre der Einsatz von UKW-Transmittern alleine schon deshalb nicht möglich gewesen, weil nicht genügend freie Frequenzen verfügbar gewesen wären.
Natürlich bieten sich DAB-Plus-Kleinsender auch für zeitlich befristete Radioprogramme im Rahmen von Festivals und dergleichen an. Mit seinen maximal 40 Watt sorgt der vorgestellte Kleinsender bereits für genügend Power, um ein Festivalgelände und dessen Zufahrtswege zu versorgen. Allerdings ist für solche Einsatzgebiete rechtzeitig bei der Behörde um Zuteilung einer befristeten Sendeerlaubnis anzusuchen. Sie legt auch die Sendefrequenz und die maximal zulässige Sendeleistung fest. Am Rande sei auch noch erwähnt, dass bei Veranstaltungsradios auch Abgaben an die Musikrechteverwerter zu entrichten sind. Zuletzt können solche Kleinsender auch als Füllsender in bestehenden SFN-Netzen zur kleinräumigen Empfangsverbesserung Verwendung finden.

Multiplexer

Als Multiplexer kommt eine auf Linux basierende Open-Source-Software zum Einsatz, die auf jedem üblichen PC läuft. Womit dafür keine teure Hardware erforderlich ist. Die Programmierung eines Multiplexes ist erstaunlich einfach und im Handumdrehen erledigt. Im Wesentlichen brauchen die benötigten Kanäle nur angelegt zu werden. Zunächst sind die Namen für die vorgesehenen Programme zu vergeben. Bei unserem Beispiel sind das nicht einfach Radio × und Radio Y, sondern nur Sprachen. Womit die im Mux enthaltenen Kanäle zum Beispiel „Englisch“, „Spanisch“ und „Italienisch“ heißen. In Folge sind für jeden Kanal die Audiodatenrate und der Fehlerschutz festzulegen.

Weiter sind ihnen die IP-Adressen zuzuweisen, über die die Audioquellen zugespielt werden. In diesem Zusammenhang erfahren wir, dass die Dolmetscher gar nicht am Ort der Veranstaltung anwesend sind. Sie verfolgen die Veranstaltung per Video-Livestream in ihren Büros. Ihre simultanen Übersetzungen werden per IP-Datenstream zugespielt. Womit im Zuge der Multiplexerkonfiguration auch die IP-Adressen den einzelnen Sprachen zuzuordnen sind. Erst danach ist auch etwas auf den Programmen des Veranstaltungsmultiplexes zu hören.

Schnell aufgebaut

DAB-Plus-Kleinsendeanlagen sind innerhalb einer Stunde aufgebaut. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Sender, Bandpassfilter, Antenne und den Rechner miteinander zu verbinden und hochzufahren. Die erforderliche Konfiguration kann bereits im Vorfeld in die Anlage eingespielt werden. Sie lässt sich sogar an einer Kunstantenne vorab testen. Womit sichergestellt wird, dass alles so funktioniert wie vorgesehen. Kunstantennen sind auch als Ersatzlast oder Dummy Load bekannt. Darunter versteht man einen Widerstand, der am Antennenausgang eines Senders angeschlossen wird und dessen gesamte Sendeenergie in Wärme umwandelt, ohne dass ein Signal zur Ausstrahlung gelangt.

Die Sache mit den Kosten

Anlagen wie diese zeigen, dass die professionelle Technik für Rundfunk via DAB Plus nicht mehr teuer ist. Leider ist das technische Equipment nur die halbe Miete. Denn um mit ihm zum Beispiel ein lokales Radiopaket anbieten zu können, braucht es vor allem eines, einen guten Antennenstandort. Er entscheidet, wie gut und wie weit man gehört wird. Dennoch stellen gerade solche Konzepte eine gute Grundlage dar, um DAB Plus auch auf lokaler Ebene anbieten zu können.

Reichweiten

Die Leistung eines Senders alleine zeichnet nicht für dessen Reichweite verantwortlich. Sie wird auch von der verwendeten Antenne, Stichwort Antennengewinn, und deren Standort beeinflusst. Freilich können Kleinsender nicht mit großen Sendeanlagen auf Bergen oder Funktürmen konkurrieren. Zu unterschätzen sind ihre Reichweiten aber dennoch nicht. Sie erstrecken sich im Rahmen des quasioptischen Sichtbereichs und können, zumindest was den Mobilempfang betrifft, deutlich über zehn Kilometer hinausgehen. Womit klar wird, dass es sich bei solchen Geräten weder um ein Spielzeug, noch um etwas handelt, was sich einfach so mal betreiben lässt. Funküberwachungen verfügen inzwischen auch über automatische Überwachungsstationen, die solche Ausstrahlungen unmittelbar erkennen. Was bei illegal betriebenen Anlagen nicht ohne Folgen bleibt. Die in diesem Artikel vorgestellte Anlage stammt von einem seit Jahrzehnten aktiven Senderhersteller, dessen Produkte auch von großen Sendernetzbetreibern im In- und Ausland eingesetzt werden. Damit ist sichergestellt, dass selbst die kleinsten Modelle höchsten Qualitätsanforderungen, auch im Hinblick auf Zuverlässigkeit, entsprechen. Von reinen Bastellösungen sind sie somit weit entfernt. Selbst die verwendete Open-Source-Software stellt hierbei keine Einschränkung dar. Schließlich arbeiten damit längst auch große Rundfunkanstalten ohne nennenswerte Probleme. 3

Einrichtung des Senders

Die Einrichtung des Senders erfolgt per PC. Über die sendereigene Bedienungsoberfläche lassen sich alle relevanten Parameter konfigurieren


Über das Webinterface können Einstellungen vorgenommen und diverse Statusmeldungen abgerufen werden


Zunächst sind die im Multiplex gewünschten Services mit ihren Stationsnamen einzutragen, wobei Long- und Shortlabel separat einzugeben sind


Obwohl der Sender an einem Dummy Load betrieben wird, ist seine Abstrahlung im Umkreis von einigen Metern zu empfangen. Was für eine Kontrolle reicht


Bilder: Auerbach Verlag/Thomas Riegler