Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Dänemark: Fünen: DIE INSEL FÜR DAS ERSTE MAL


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 29.11.2019

In den Neunzigern war die Insel Fünen so ziemlich die einzige bekannte Meerforellen-Destination. Das hat sich geändert. Doch für mich ist sie nach wie vor das Maß der Dinge – vor allem für einen Erstkontakt mit dem Ostseesilber!


Artikelbild für den Artikel "Dänemark: Fünen: DIE INSEL FÜR DAS ERSTE MAL" aus der Ausgabe 10/2020 von FliegenFischen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FliegenFischen, Ausgabe 10/2020

Sonnenaufgang an der Fünischen Ostküste: Nur einen Wurf brauchte es und eine sehr ordentliche Forelle hing. Doch im Frühjahr können Sie den ganzen Tag hindurch auf dankbare Abnehmer entlang der Küste treffen.


In den 1990er Jahren gehörten die Begriffe Meerforelle und Fünen einfach zusammen! Wer seine erste Forelle in der Ostsee fangen wollte, fuhr ins „Meerforellen-Eldorado ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von FliegenFischen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2020 von AUF EIN WORT: In der Ruhe liegt die Kraft, nicht nur zu Weihnachten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUF EIN WORT: In der Ruhe liegt die Kraft, nicht nur zu Weihnachten
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von SCHWEIZ: HASLITAL: DIE MACHT DER JAHRESZEITEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHWEIZ: HASLITAL: DIE MACHT DER JAHRESZEITEN
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von MEINUNG: Wunsch und WIRKLICHKEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MEINUNG: Wunsch und WIRKLICHKEIT
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von FLIFI-ECHO: Das Echo des Wurms. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FLIFI-ECHO: Das Echo des Wurms
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von PRAXIS: FEHLERQUELLEN: PLEITEN, PECH UND PANNEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS: FEHLERQUELLEN: PLEITEN, PECH UND PANNEN
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von PRAXIS: LESER BINDEN: Tuben -Intruder. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS: LESER BINDEN: Tuben -Intruder
Vorheriger Artikel
Deutschland: Mümling: Idylle im Odenwald
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel ISLAND: BRUNNA: AUF DER SUCHE NACH DEM: Arktischen Saibling
aus dieser Ausgabe

... Fynsamt“, dazu gehören die Inseln Fünen, Langeland und Ærø. Auch ich fing dort bei einem Familienurlaub in einem Herbst vor 25 Jahren meine allererste Meerforelle. Wie bedeutend dieser erste, wunderschöne und genau 39,5 Zentimeter lange Fisch für meine gesamte anglerische Laufbahn – und sicherlich auch für mein ganzes Leben – sein sollte, merkte ich schon wenig später. Bereits ein paar Wochen nach dem Urlaub hatte ich nur noch Silber im Sinn. So lag ich meinen Eltern immer wieder in den Ohren. Offensichtlich war ich dabei nicht nur hartnäckig, sondern auch geschickt: Schließlich wurde für das folgende Frühjahr eine Woche Fünen gebucht. Dort geschah dann, was mich für alle Zeiten an diese Fischart fesseln sollte: Nach zwei Tagen ohne Biss in totale Trägheit versunken, kam bei strahlendem Sonnenschein aus dem Nichts eine brutal entschlossene Attacke. Sofort war klar: Die ist groß! 40 Meter vor mir drehte sich ein silbern aufblitzender Fischkörper unter der Oberfläche, die Bremse meiner Shakespeare-Rolle knarrte. Nach den längsten Minuten meines Lebens, in denen mein beinahe 60 Zentimeter langer Kontrahent alle Tricks anwendete, um seinem Schicksal zu entgehen, glitt ein massiver, silberner Leib in meinen klapprigen Klappkescher. Meine zitternden Hände berührten voller Bewunderung und Ehrfurcht das perfekte Geschöpf und ich wusste gar nicht recht, wer in diesem Moment tatsächlich wen gefangen hatte.

Seit diesem Tag im April bin ich Meerforellenangler. Und seit diesem Tag bin ich immer wieder ins gelobte Land der Meerforelle zurückgekommen. Auch wenn heute viele Reviere in Dänemark, Deutschland und Schweden von sich reden machen und die Bestände sich in der gesamten Ostsee ungeahnt positiv entwickelt haben: Die Meerforellenanglei rund um die Inseln Fünen, Langeland und Ærø ist nach wie vor absolute Spitzenklasse und zieht aus gutem Grund Tausende von Anglern aus ganz Europa an. Auch mich. Jedes Jahr.

DIE PERFEKTE INSEL FÜR DIEN ERSTE MEERFORELLE DES LEBENS!

Obwohl ich auch in Deutschland eine tolle Angelei erlebe, habe ich immer das Gefühl, hier auf Fünen und Langeland noch einfacher an den Fisch zu kommen. Ich erinnere mich an nicht wenige Angeltage im Frühjahr mit weit mehr als 20 Fischen. Auch Traumfische über 60 Zentimeter beißen bei fast jedem Besuch – und bleiben oft genug der Sieger.

Es kommen beileibe nicht nur erfahrene Meerforellen-Fischer nach Fünen. Gerade für Einsteiger ins Küstenangeln auf Meerforelle ist dies womöglich der beste Ort, um sich von der Leidenschaft anstecken zu lassen. Nirgendwo sonst ist die Angelei so gut organisiert. Eigentlich steht die gesamte Insel im Zeichen der Meerforelle. An jeder Ecke finden Sie etwas, das mit der Forelle zu tun hat. Es gibt reichlich Informationen im Internet, Guides vor Ort, tolle Angelgeschäfte, einen ausführlichen Revierguide im Taschenbuchformat und eine einmalige Infrastruktur mit beschilderten Parkplätzen, Infotafeln und stellenweise sogar Toiletten. Nicht zuletzt findet man überall auf der Insel freundliche, offene Angler, die bei einem Plausch gern den einen oder anderen Tipp zur besten Tageszeit oder zum aktuell fangenden Köder geben.

Fische mit Freunden macht Freude – und es macht auch nichts, wenn ein Spinnfischer dabei ist! In den meisten Situationen haben Sie mit der Fliege die besseren Chancen.


Im „Meerforellenführer“ sind die besten Stellen auf Fünen genau beschrieben. Das hilft auch bei der Planung vor Ort beim „Wer fischt wo“-Spiel.


Das ist Service! An vielen Plätzen finden Sie Tafeln mit Angel-Infos zum Spot. Das macht es vor allem Einsteigern leicht, denn man weiß, dass man schon mal an der richtigen Stelle ist.


Dieser Grönländer nahm die Fliege auf Sicht – das macht richtig Laune! An ruhigen Tagen können Sie sogar als Einsteiger Meerforellen ausmachen und gezielt anwerfen.


„An jeder Ecke finden Sie etwas, das mit derForelle zu tun hat.“


Im Schwarm geht‘s rund! Hier ging der Anhieb beim Biss zuerst ins Leere – bis der Haken die Flanke des Nachbarfisches fand …


Meerforellen mögen Struktur in ihrem Leben. Die kleine Bucht und die anschließende Steilküste bei Bøjden im Süd-Westen der Insel sind „Meerforellen- Magnete“.


WANN IST DIE BESTE MEERFORELLEN- ZEIT?

Wenn Sie nun Ihre erste Reise zum Meerforellenangeln planen, stellt sich die Frage nach der richtigen Jahreszeit. Auch wenn man rund um Fünen wirklich das ganze Jahr hindurch Forellen fangen kann, ist es doch das Frühjahr, das ich Ihnen ans Herz legen möchte.
Eine weitere heiße Phase ist ohne Frage der Herbst, aber im Frühjahr sind die Fische, insbesondere für Anfänger, leichter zu fangen. Doch auch innerhalb des Frühjahrs macht die genaue Reisezeit noch den Unterschied. Je nach Witterung beginnt die Frühjahrssaison schon sehr zeitig. Wenn im Februar und März die Temperaturen stimmen, kann die Angelei fantastisch sein. Die Forellen finden sich jetzt oft in riesigen Schwärmen zusammen. Allerdings bedeuten die kompakten Schwärme, dass es auch viel Wasser ohne Forellen gibt. Und wehe es gibt einen Kälteeinbruch oder der Winter hält sich länger als üblich – dann wird es wirklich zäh.

Es gibt Hunderte Meerforellen-Fliegen, und diese Box ist ziemlich „gefährlich“. Meist ist das Muster jedoch weniger entscheidend, als ein glückliches Händchen bei der Platzwahl.


Ziemlich sicher ist hingegen der April. Die ganz großen Schwärme haben sich etwas aufgelöst und verteilt – so sind Massenfänge seltener, Schneidertage aber auch. Jetzt können Sie bei guten Bedingungen an fast jedem Strand mit Fisch rechnen. Auch im Mai sind noch viele Forellen unter Land – und die Hornhechte kommen in Massen hinzu.

WIE FINDE ICH DIE BESTEN PLÄTZE?

Die meisten dänischen Angler fischen zu Beginn des Frühjahrs tief in den Fjorden und großen Buchten. Die beiden Frühjahrs-Klassiker sind der Odense- Fjord und die Helnæsbucht. Ganz generell scheinen zu Saisonbeginn im Süden Fünens mehr Forellen unterwegs zu sein, der Norden und auch Langeland kommen einen Tick später auf Touren. Mit voranschreitendem Frühjahr fängt man auch an der offenen Küste gut. Wenn Sie im Frühjahr fahren, suchen Sie logischerweise Plätze mit frühjahrstypischen Strukturen auf. Auf einzelne Plätze einzugehen, ist an dieser Stelle unsinnig. Wenn Sie nach Fünen fahren wollen, empfehle ich Ihnen dringend den Kauf des Angelplatz-Guides „Die 117 besten fünischen Angelplätze“. Selbst erfahrene Angler haben das ansprechend aufgemachte Buch immer im Auto. Es sind nicht nur einfach die Angelplätze beschrieben, sondern auch die passende Windrichtung und Jahreszeit für jeden Spot. Es gibt unzählige Schutzzonen entlang der Küste Fünens, in denen nicht geangelt oder gefischt werden darf – auch diese sind aus dem Buch deutlich ersichtlich.

Schilf am Ufer, weicher Boden und seichtes Wasser – eine ganz heiße Ecke fürs zeitige Frühjahr! Hier kämpft eine „Fjord-Forelle“ in der Hælnes Bucht. Diese Fische sehen beinahe aus wie Bachforellen, sie haben einen goldenen Glanz und einen gelblichen Bauch.


„Die beidenFrühjahrs-Klassiker sind der Odense-Fjord und die Helnæsbucht.“


Was die Struktur unter Wasser angeht, finden Sie hier die gesamte Ostsee-Bandbreite. Es gibt ausgesprochen flache, schlammige Plätze wie zum Beispiel das Südufer des Odense-Fjords und auch die krassen Gegensätze wie zum Beispiel der Platz „Strib“, wo das Angeln eher dem an einem reißenden, tiefen Strom erinnert. Es sind also für alle Jahreszeiten und Geschmäcker Stellen vorhanden.

Mein Tipp: Wenn Sie mit hoher Sicherheit eine Forelle fangen wollen, kommen Sie Anfang bis Mitte April; wenn Sie viele Fischkontakte – überwiegend allerdings mit Hornhechten – haben wollen, ist der Mai Ihr Monat.

Haben Sie schon ein wenig Erfahrung, kommen Sie im März, dann können Sie mit etwas Glück und vielen Platzwechseln echte Sternstunden erleben. Auch der Herbst ist dann für Sie interessant, auch wenn die Fische etwas zickig sein können. Wenn Sie jedoch bisher noch nie eine Meerforelle gefangen haben, dann fahren Sie idealerweise Mitte April für eine Woche nach Fünen! Halten Sie sich dann an die Empfehlungen aus dem Meerforellen-Führer, fragen Sie in den örtlichen Angelläden nach aktuellen Tipps, nehmen Sie sich diese Ausgabe mit – und mit ziemlicher Sicherheit kehren Sie dann als stolzer Meerforellenfänger nach Hause zurück!

Das Projekt der Meerforellen: Havørred Fyn

1990 wurde das „Havørred Fyn“-Projekt vom Kreis Fünen ins Leben gerufen, um der strukturschwachen Region eine zusätzliche Einnahmequelle durch Angeltourismus zu erschließen. Steffen Hinchely war damals federführend über viele Jahre an diesem Projekt beteiligt.

Für das Projekt „Havørred Fyn“ brauchte es zunächst vor allem eines: reichlich Fische in fünischen Küstengewässern. Mangels intakter Laichbäche gab es genau diesen Fischreichtum nur leider nicht. Die Lösung schien einfach: Forellen einfach bis auf 25 Zentimeter heranwachsen lassen und sie dann in den Flüssen und rund um die Insel aussetzen. Der Besatz erfolgte damals zum Teil von Schiffen aus direkt ins Meer. Bis zu einer halben Millionen Smolts (kleine, bereits silberne Meerforellen) wurden so jährlich ausgesetzt. Nicht besonders naturnah, aber durchaus effektiv!

Doch in den letzten 25 Jahren hat sich vieles getan: hunderte Kilometer Laich- und Aufwuchsgewässer wurden im Rahmen des Projektes renaturiert. Und so können heute jedes Jahr tausende Meerforellen ungehindert in die Bäche rund um die Insel aufsteigen und sich erfolgreich fortpflanzen. Immer noch werden allerdings Fische besetzt, in verschiedenen Stadien – zum einen, um natürliche Bestände in den Bächen zu unterstützen, zum anderen, um die Fischbestände vor der Küste zu erhöhen. Mit diesem dreigleisigen Modell aus Lebensraumverbesserung, Besatz zur natürlichen Bestandsstabilisierung und Besatz für die Angler tut das Projekt der Natur und uns Anglern gleichermaßen gut – und am Ende profitiert auch die gesamte Region von den Einnahmen aus dem Angeltourismus.

Früher wurden auf Fünen Hunderttausende Meerforellen produziert und direkt im Meer „gepumpt”, doch diese Zeiten sind vorbei. Heute wird mehr und mehr auf sich reproduzierende Bestände gesetzt.


DIE KIES-GANG UND DIE KLATSCH-KOLONNE

Hunderte ehrenamtliche Helfer arbeiten auf Fünen zusammen für die Meerforelle. Wir trafen Søren Knabe, Mitglied der „Grusbanden“ oder „Gravelgang“, eine Truppe von engagierten Anglern und Naturschützern, die sich vor jeder Laichsaison um die Kleingewässer kümmert. So werden Kiesbetten auf Vordermann gebracht, Äste und Gestrüpp entfernt und größere Probleme an die Kommunen gemeldet, die dann mit schwerem Gerät auffahren. Beim Angeln an der Küste lernte ich das Mitglied einer anderen Gang, der „Klatsch-Kolonne“ kennen. Diese Gruppe von Mitgliedern aus lokalen Angelvereinen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die frisch besetzten Smolts in den Unterläufen der Bäche vor Kormoranen zu schützen. Sie tun dies, indem sie dort über Tage nach dem Besatz ausharren, um die anfliegenden Vögel durch Klatschen zu vertreiben. Eine zuvor durchgeführte Untersuchung mit besenderten Forellen hatte gezeigt, dass teilweise über 80 Prozent der unerfahrenen Fische im Bach von den Kormoranen gefressen werden.

AUF EINEN BLICK

Die dänische Insel Fünen liegt zwischen dem kleinen und dem großen Belt und ist die drittgrößte Insel des Königreichs. Die größte Stadt der Insel ist Odense. Der höchste Berg ist der Frøbjerg Bavnehøj mit einer Höhe von 131 Metern. Fünen ist durch Brücken mit Seeland, Jütland und Langeland verbunden.

Allgemeine Infos:
• Alle wichtigen Infos sind auf Deutsch zusammengetragen auf www.de.seatrout.dk
• Informativ und übersichtlich ist die interaktive Karte, auf der Sie die besten Angelplätze der Region, Schutzzonen, Angelläden, Unterkünfte und Touristen-Infos finden. Die Karte lässt sich übrigens auch perfekt mit dem Handy nutzen! Also speichern:www.de.seatrout.dk

Auf www.de.seatrout.dk sind die besten Stellen detailgenau beschrieben.


Fotos: Johannes Radtke, Terkel Broe Christensen