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Dänemark: Meerforellen im Winter


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 29.11.2019

Das Fliegenfischen auf Meerforellen an Dänemarks Küsten ist eine Herausforderung – und es funktioniert, auch im Winter. Kein Grund also, die Fliegenruten im Keller zu lassen. Die Meerforelle ist in allen Belangen eine Schwester der Seeforelle. Gerade der Umstand, dass wir bei uns «leider» kein Meer haben, macht die Meerforellenfischerei noch spannender.


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Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 12/2019

Einsame Küstenlandschaften und strahlende Wintersonne machen einen grossen Teil der Faszination des Fliegenfischens auf Meerforellen aus.


Die Meerforellen-Saison dauert in Dänemark fast das ganze Jahr über, wobei Frühling und Herbst klar am meisten Erfolg ...

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... versprechen. Im Winter kann das Wetter anstrengend sein, die flachen Buchten sind manchmal sogar eisbedeckt. Trotzdem kann die Fischerei auch im Winter toll sein, letztes Jahr waren wir offenbar genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Fischertage in dieser Jahreszeit sind kurz, Sonnenaufgang ist meist um etwa 8 Uhr und um 16 Uhr ist es bereits wieder dunkel. Die Temperaturen sind ähnlich wie bei uns, eher ein paar Grad wärmer, aber mit viel Wind, der sich zu tagelangen Winterstürmen entwickeln kann.

Mit dem Wind im Rücken

Im ersten Moment fühlt man (und Frau) sich etwas verloren, wenn man vor dieser grossen Wassermasse steht. Sie scheint endlos zu sein und unser Köder ist plötzlich noch viel kleiner, als er sonst schon ist, und die maximale Wurfweite, egal ob mit Fliegen-oder Spinnrute, fühlt sich nach 4 bis 5 Metern an. Und doch, die Fische sind da und lassen sich fangen. Der grösste Gegner ist jeweils der Wind; es ist fast zwingend, sich abends bereits die Windrichtung vom nächsten Tag anzuschauen, um entsprechend im Windschatten fischen zu können. Nicht nur wegen der Wurfweite, sondern weil sich bei zu starkem Wellengang das Wasser schnell zu einer trüben Brühe aus Sand und Seetang-Stücken färbt. Jeden Abend setzen wir uns vor die Karte, versuchen so die besten Orte für den nächsten Tag herauszufinden und gehen bei Sonnenaufgang los.

Silberblanke Winterforellen

Die Meerforellen leben im tiefen Wasser und kommen nur in Küstennähe, um zu fressen, da das flache Wasser viele Futtertiere wie Garnelen, Tangläufer, Borstenwürmer und Sandaale beheimatet. Nur wenn das Wasser zu kalt wird, bleiben die Fische in den tieferen Bereichen und können dann von der Küste aus kaum erfolgreich befischt werden. Im Winter hat es etwas weniger Fische im Meer, da ein Teil mit dem Laichgeschäft in den Flüssen beschäftigt ist. Die vielen Aufsteiger, die im Herbst gefangen werden, und die Absteiger, die im Frühling dabei sind, fehlen jetzt. Dafür sind die sogenannten «Überspringer » da. Es sind zumeist schön silberne und starke Fische, welche sich in diesem Jahr nicht um die Fortpflanzung kümmern. Genau auf diese hatten wir es abgesehen. Nach kaum einer halben Stunde in der Ostsee stieg gleich eine schöne 60er-Forelle ein. Was für ein Start! Da sie gefärbt war, durfte sie wieder zurück ins Wasser und nach einem erfolglosen Ortswechsel klappte es auch mit der ersten mässigen silberblanken Forelle. Was für ein Leckerbissen, daraus machten wir zum Abendessen Sashimi. Die erste Meerforelle der Ferien ist immer ein spezieller Moment, der gebührend gefeiert werden muss.

Der Fang solch silberblanker Torpedos lässt auch Kälte und Fangflauten vergessen.


Meerforellen sind neugierige Jäger. Eine grelle Fliege erregt schnell ihre Aufmerksamkeit.


Für das Fischen im Dezember braucht es hier wie überall gute Kleider und viel Durchhaltewillen.


Mauro mit einem schönen «Überspringer», der wieder schwimmen darf.


Die Regenbögler sind los

Bald erfahren wir, dass vor ein paar Wochen wieder viele Regenbogenforellen aus einer Zucht entkommen sind. Die Fische haben sich schon stark verteilt und sind kaum mehr gezielt zu fangen. Fischzuchten im offenen Meer sind nicht unproblematisch, und so sind diese Fische irgendwie Freud und Leid zugleich. Bereits zwei Mal haben wir einen frischen Ausbruch erlebt. Dann wird im Radio dazu aufgerufen, möglichst viele Fische zu fangen und zu töten, da sie problematisch für die Umwelt sind. Die dänischen Fischer mögen sie nicht, sie fressen den Laich der Meerforellen. Trotzdem sind sie dank ihrer Grösse und dem Gewicht spannend zu fangen und schliesslich auch lecker zum Essen. Wieso immer wieder solch grosse Mengen entkommen, wissen wir nicht. Einmal ist es ein Sturm, dann ein Boot, das ins Netz gefahren ist, mal hat jemand einen Fehler gemacht. Es gehen auch Gerüchte um, dass die Fische absichtlich freigelassen werden, wenn die Eier nicht die gewünschte Qualität haben. Das sei mal dahingestellt, klar aber ist, dass mit dem «Kaviar» mehr Geld verdient wird als mit den Filets. Wir sind nicht traurig darüber, den Ausbruch diesmal verpasst zu haben. Trotzdem fangen wir auch dieses Mal zwei grosse Zucht-Fische. Wir nehmen sie mit nach Hause und räuchern sie kalt. Das Fleisch ist dank dem Carotin richtig lachsfarbig und schmeckt prima.

Willkommener Beifang

Der Wind dreht und trifft die nächsten paar Tage direkt auf die Seite, wo unser gemietetes Ferienhaus steht. Die Bäume knacken und krachen, der Wind pfeift und trotz der 300 Meter zum Strand können wir die Brandung von der Terrasse aus hören. Und es ist kalt geworden. Wir stecken die Spinnruten für den Notfall zusammen, aber auf der Windschattenseite lässt es sich noch immer problemlos mit der Fliege fischen. Wir können uns nicht beklagen, schöne Überspringer können wir landen, die meisten lassen wir wieder schwimmen, ein paar wenige nehmen wir mit. Zudem schnappt sich auch ab und zu eine Flunder den Streamer. Diese Fische sind wie zum Essen gemacht, schliesslich passen sie von der Form her perfekt in die Bratpfanne und schmecken erst noch vorzüglich.

Meerforellenfischen boomt

Erfreulicherweise ist der Bestand an Meerforellen stabil und weiterhin zunehmend. Die Bemühungen der lokalen Fischer und der dänischen Behörden zum Schutz der Fische sind enorm und erfolgreich. Um die Laichwanderungen zu sichern, werden Flüsse renaturiert und grosszügige Schutzzonen um die Flussmündungen eingerichtet, es wird Besatz gemacht und die Entnahme entsprechend geregelt. Eine Schonzeit gibt es beim Meerforellenfischen in Dänemark nur indirekt, das heisst, die gefärbten Fische dürfen nicht entnommen werden, die silberblanken aber schon. Der Erfolg gibt ihnen Recht und der Fischer-Tourismus boomt, der Zugang zum Wasser ist unkompliziert. Das Patent kann einfach online gelöst werden, Tages-, Wochen-oder Jahreskarten kommen dann direkt per Mail. Die Jahreskarte ist mit um die 28 Franken fast schon unverschämt günstig, schliesslich dürfen damit fast 7000 Kilometer Küste befischt werden. Seit wir das Meerforellen-Fischen dank einem Kumpel mit dänischen Wurzeln kennenlernen konnten, fahren wir jedes Jahr meistens im Winter an die Küste. Übrigens, wer wie wir gerne seinen Hund mit in die Ferien nimmt, ist in Dänemark genau am richtigen Ort. Hunde sind weit verbreitet und beliebt, an den Stränden herrscht nur im Frühling während der Brutzeit der Vögel Leinenpflicht. Abgesehen von einer gültigen Tollwutimpfung gibt es keine Vorschriften.

Flundern sind ein willkommener und kulinarisch interessanter Beifang und wie für die Pfanne gemacht.