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DÄNISCHE EHRLICHKEIT


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 30.09.2022

COPLAND CSA 70

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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 7/2022

Während wir in der aktuellen Ausgabe der AUDIO TEST mit dem Themenschwerpunkt Verstärker neben Advance Paris, Denon, Marantz, NAD und Audionet einige altbekannte Schwergewichte der Szene im Programm haben, wollen wir natürlich auch den ein oder anderen vielversprechenden Underdog nicht im Regen stehen lassen. Dazu gehört wohl auch die Dänische HiFi-Schmiede Copland. Bei Experten freilich bereits wohlbekannt, hat das breite Publikum hier noch einiges zu entdecken. Auch wir von der AUDIO TEST sind erst vor nicht allzu langer Zeit auf den Geschmack bekommen. Vor knapp mehr als einem Jahr hatten wir zum ersten Mal ein Gerät aus Kopenhagen zu Gast, dem deutschen Copland Vertrieb ATR-Audio Trade und der Empfehlung von Armin Kern sei Dank! Und der D-/A-Wandler mit Röhrenverstärker DAC 215 konnte damals direkt mit ausgezeichneten 93 % Endergebnis so richtig punkten. Die wirklich fulminant ...

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... aufspielende Symbiose aus analoger Verstärkertechnik und digitaler Signalverarbeitung hatte uns durchaus imponiert.

Nicht zuletzt liegt dies auch daran, dass Copland mit Ole Møller auf einen wahren Musikpassionisten als Gründervater vertrauen kann. Mitte der 1980er Jahre gründete er sein Unternehmen Copland, nachdem er mehrere Jahre als Spezialist für Tonabnehmer und Verstärker bei Ortofon gearbeitet hatte. Der Name Copland geht übrigens wirklich auf den US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland zurück, für den Møller eine große Begeisterung hegte, nachdem er als Kind selbst über das Klavier seine Leidenschaft für Musik entdeckte und entwickelte. Dass wir in den nächsten Jahren wohl vermehrt von den Dänen zu hören bekommen werden, ist angesichts derer vertriebsseitiger Vertretung im deutschsprachigen Raum absolut wahrscheinlich und sowieso wünschenswert. Denn das Unternehmen ist wie eingangs erwähnt bei ATR-Audio Trade unter Vertrag. Und dort in bester Gesellschaft mit Marken wie z. B. Pro-Ject, Stax und Cabasse. Letztere haben auch in den hiesigen Besprechungen der letzten Jahre zusehends an Popularität gewonnen – vielleicht eine Marschrichtung, die auch Copland einschlagen wird.

Nach dem sehr überzeugenden Auftritt des DAC 215 in AUDIO TEST Ausgabe 06/2021 sind wir zumindest gern bereit, die Aufmerksamkeit ein weiteres Mal auf diesen Hersteller zu richten und haben uns dafür für unsere aktuelle Schwerpunktausgabe ein ganz besonderes Modell aus Dänemark in die Redaktion geordert.

Copland CSA 70

Der Stereovollverstärker CSA 70 ist der „kleinste“ Vertreter der drei Modelle umfassenden CSA-Kollektion. Neben dem Transistor-Vollverstärker CSA 70 sind da noch der Hybrid-Vollverstärker CSA 100 und der Hybrid-Vollverstärker CSA 150, für welche Copland insgesamt Preise zwischen 2 990 Euro für den CSA 70 und 5 200 Euro für den CSA 150 aufruft.

Unser Testmuster ist also die ganz klar einstiegsfreundlichste Ausgabe dieser Serie. Der CSA 70 ist als Transistor-Vollverstärker mit einer Ausgangsleistung von bis zu 70 Watt pro Kanal ausgeführt. Wie genau die Schaltungstopologie aufgesetzt ist, lässt der Hersteller dabei nicht ganz durchblicken.

Ersichtlich ist jedoch, dass Copland eine schnelle Strom-Gegenkopplung anstrebt und dabei auf hochwertige bipolare Leistungstransistoren vom Typ 2SC3281 und 2SA1302 vertraut. Diese kommen übrigens nicht mehr aus dem Hause Toshiba, sondern werden mittlerweile von ON Semiconductors fabriziert.

Ausstattung

Bei der implementierten Phonovorstufe des Copland CSA 70 kommen freilich noch entzerrende Maßnahmen hinzu. Nämlich kompensiert der Pre-Amp, welcher übrigens auf MM-Systeme ausgerichtet ist, Pegelmanipulationen, die beim Pressvorgang fertigungsbedingt sind. Die mit OP-Verstärkern operierende Vorstufe hebt dabei Bässe ab 20 Hertz (Hz) um bis zu 20 Dezibel (dB) an, während am anderen Ende des Spektrums das Signal um die 20 kHz um bis zu 20 dB gedämpft wird. Die Eingangsimpedanz der Phonovorstufe beträgt 47 Kiloohms und hat eine Sensibilität von 2,6 Millivolt sowie eine Eingangskapazität von 200 Picofarad.

Neben der Möglichkeit der Phono-Anbindung stellt Copland dem CSA 70 noch drei weitere unsymmetrische Cinch-Eingänge zur Verfügung mit einer Eingangsimpedanz von je 50 Kiloohm.

Digitaleinheit

Außerdem verfügt Coplands CSA 70 zusätzlich über insgesamt vier digitale Eingänge. Neben einem Koaxial- und einem USB-Anschluss stehen uns hier obendrein zwei optische Eingänge zur Verfügung. Die Digitalsektion des Amps ist mit einem 8740 DAC bestückt, den Copland von Wolfson bezieht. Zwar ist das Modell nicht mehr ganz State of the Art, aber wird dafür ob seiner klanglichen Kompetenz immer wieder hochgelobt. Dass der 8740er ein paar Jährchen hinter sich hat, verlangt dennoch ein paar kleinere Zugeständnisse. Der Wandler ermöglicht die Verarbeitung von Musiksignalen bei einer Abtastrate von „nur“ 192 kHz und 24 Bit Datensatz. Klanglich ist das immer noch erste Sahne, wie wir meinen. Zumal ohnehin nur selten Musikdateien in höherer Auflösung zur Verfügung stehen, geschweige denn gestreamt werden können…

Design und Aufbau

Aufgesetzt ist der Copland CSA 70 Verstärker in einem durchweg solide verarbeiteten Korpus mit einem schicken Frontpanel aus gebürstetem Aluminium. Zwei ansprechend schwerfällige Potentiometer ermöglichen hier die Pegelanpassung und Quellenwahl. Ein dritter Drehwahlschalter ist dann dezidiert für die Auswahl der digitalen Quelle eingerichtet. Das heißt, mit dem Main-Source-Schalter wird die Analogsektion angewählt, der kleinere Schalter wählt dann eine der fünf Digitalquellen aus. Ja, fünf: Denn optional lässt sich der CSA 70 bei Bedarf mit einem Bluetooth-Modul bestücken. Unserem Testmuster fehlt dieses Modul, was uns jedoch nicht weiter stören soll. Während die meisten Hersteller ihren Verstärkern für die Navigation durch Quellenwahl und Lautstärkeeinstellung mit einem Display versehen, geht Copland hier einen eigenen Weg. Der CSA 70 ist mit einem zentriert in der Frontplatte eingelassenen Ring aus beschrifteten Leuchtdioden versehen, welche darüber informieren, welche Quelle gerade aktiv ist. Die Lautstärke kann man in alter Elektroakustik-Tradition direkt am entsprechenden Potentiometer ablesen. Hier ist die exponentiell verlaufende Lautstärkekurve von minus unendlich bis 0 dB angegeben, was der Maximalauslastung des Verstärkers entspricht. Der Verzicht auf einen LCD-Bildschirm oder ähnliches hat freilich musikalische Gründe. Denn bei der Verwendung dieser Art von Anzeigen ist die für die Signalverarbeitung zuständige Elektronik viel wahrscheinlicher der störenden Interferenz elektromagnetischer Störsignale ausgesetzt.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ein roter Standby-Schalter, sowie ein 6,3-mm-Anschluss des Kopfhörerausgangs die Ausstattung der Frontplatte komplettieren. Wird ein Kopfhörer an den CSA 70 angeschlossen, so werden die Lautsprecher automatisch deaktiviert.

Ein Blick hinter die Kulisse zeigt, dass Copland bei der Zusammenstellung und Montage des CSA 70 höchsten audiophilen Ansprüchen folgt. Zwar sind die einzelnen Schaltstellen nicht so hermetisch voneinander abgeriegelt, wie man es von höherpreisigen Modellen kennt. Dafür vertrauen die Dänen auf qualitativ hochwertige Bauteile und wissen diese artgerecht solide zu montieren. Während auf die Verwendung isolierender Subkammern verzichtet wird, ist das Netzteil auf einer getrennten Platine untergebracht. Der dazugehörige sehr üppige Ringkerntransformator hat einen isolierenden Überzug und ist räumlich so weit wie möglich von den störungsanfälligen Bauteilen im Gehäuse untergebracht.

Copland spielt Copland

Als Hommage an den Namensgeber beginnen wir den Praxistest des CSA 70 freilich mit Musik von Aaron Copland. Und zwar wählen wir zunächst den zweiten, dann den vierten Satz des von ihm 1942 komponierten Ballets „Rodeo“. Die Aufnahmen von „Corral Nocturne“ und „Hoe Down“ von 1960 mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Leonard Bernstein streamen wir via Tidal HiFi Plus auf den Cambridge Audio CXN Silver, welcher via TOSLink mit dem Copland CSA 70 verbunden ist. Diesem stehen als Schallwandler zwei Standlautsprechermodelle von Perlisten (S5t) beiseite.

Was zunächst auffällt, ist, dass unser Testmuster bei diesen zwei Stücken eine ganz schön große dynamische Spannbreite zu handeln hat. Während der zweite Satz in einem verträumten Pianissimo dahinsäuselt, knallen im vierten Satz gleich mal Streicher, Schlagwerk und Bleche im Fortissimo um die Ecke. Doch der Däne lässt sich hier nicht aus der Ruhe bringen und performt in aller Seelenruhe und behält selbst bei großem Halligalli ein außerordentlich feinsinniges Fingerspitzengefühl bei. Denn bei spektral vollgepacktem Mix und hoher Auslastung gibt sich der Copland CSA 70 stets gut abgestimmt und spielfreudig. Nichts wird verschmiert oder überbetont. Selbst die bei dieser Lautstärke und Spielweise verblüffend ähnlichen Timbres von Trompeten und Violinen bleiben durch die Bank weg sauber distinguiert. Etwas einfacher hat es unser Testmuster da bei „Spirit Exit“ dem erst kürzlich erschienen Album der italienischen Komponistin Caterina Barbieri. Im ersten Stück „At Your Gamut“ treffen ihr kennzeichnendes Ensemble aus digitalen und modularen Synthesizern auf ein Streicherensemble, welches jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls aus der Dose kommt. Während hier die einzelnen Stimmen und Klangfarben deutlich einfacher auseinanderzuhalten sind, kommt jedoch die Schwierigkeit der räumlichen Präzision auf den CSA 70 zu. Denn neben einer ausgeklügelten tänzerischen Bewegung im Panorama leben die Klänge von einer gewissen Fragilität, welche schon mal unter instabilem Dynamikverhalten eines Amps leiden kann. Nicht so jedoch bei unserem Testmuster. Dieser zeichnet auch haarfeine Texturen wohl gesättigt durch die Speaker. Gleichzeitig gibt sich der Verstärker ungemein impulsstark, wie er etwa beim Titel „Terminal Clock“ auf eindrucksvolle Weise unter Beweis stellt. Die hier sehr scharf aufblitzenden Sägezähne kommen messerscharf aus den Lautsprechern. Zweifelsohne ein wirklich hervorragender Verstärker der CSA 70 und ein toller zweiter Copland-Auftritt im Hörraum unserer Redaktion. Wir reservieren jetzt schon einen Platz für den dritten Auftritt bei der AUDIO TEST und begleiten Copland gern weiter bei seinem Weg vom Underdog hin zum Schwergewicht der HiFi-Szene.

FAZIT

Der Stereovollverstärker CSA 70 des dänischen Herstellers Copland ist ohne Frage zu gut, um nur eine Nebenrolle im hiesigen HiFi-Geschehen zu spielen. Der Amp ist nicht nur einwandfrei konzipiert und ausgestattet, sondern brilliert außerdem durch einen wohligen und kraftvollen Sound. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass der Hersteller hier keine Kompromisse einzugehen bereit ist, die auf Kosten der Perfomance gehen.