Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

DAMHIRSCHE ANSPRECHEN: Im Alter werden sie breiter


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 17.08.2018

Das richtige Ansprechen von Damhirschen ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Denn oft fehlt die Erfahrung. DamwildexperteJan-Wilhelm Hammerschmidterläutert, worauf es in den einzelnen Altersklassen ankommt.


Artikelbild für den Artikel "DAMHIRSCHE ANSPRECHEN: Im Alter werden sie breiter" aus der Ausgabe 90/2018 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Reifer Damhirsch? Wahrscheinlich nicht ganz, denn die breiteste Stelle in der Schaufel ist noch nicht oben. Besser noch schonen!


FOTO: SVEN-ERIK ARNDT

Das sichere Ansprechen von Damhirschen ist auch für den erfahrenen Jäger nicht einfach. Ein besonderes Problem stellen die mitunter widersprüchlichen Altersmerkmale am Geweih dar. Neben diesen können Körpermerkmale das Ansprechen abrunden. Auch ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von JÄGER. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 90/2018 von FORSA-MEINUNGSUMFRAGE: PETA sei dank – 94 Prozent der Bevölkerung pro Jagd!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FORSA-MEINUNGSUMFRAGE: PETA sei dank – 94 Prozent der Bevölkerung pro Jagd!
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von ERNTEJAGDEN: Sicherheit geht vor Erfolg!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ERNTEJAGDEN: Sicherheit geht vor Erfolg!
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von BUNDESLÄNDER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BUNDESLÄNDER
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von AUSLAND AKTUELL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUSLAND AKTUELL
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von DIE FRAGE: Ist grüne Umweltpolitik geeignet, die Biodiversität zu erhalten?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE FRAGE: Ist grüne Umweltpolitik geeignet, die Biodiversität zu erhalten?
Titelbild der Ausgabe 90/2018 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Vorheriger Artikel
JOSEPH GRAF HAHNS SCHUSSBUCH VON 1872 BIS 1897: IN ZEITEN SAUENLO…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TIPPS & TRICKS
aus dieser Ausgabe

Das sichere Ansprechen von Damhirschen ist auch für den erfahrenen Jäger nicht einfach. Ein besonderes Problem stellen die mitunter widersprüchlichen Altersmerkmale am Geweih dar. Neben diesen können Körpermerkmale das Ansprechen abrunden. Auch das Verhalten auf dem Brunftplatz sagt etwas über das Alter der Hirsche. Bei den Fünf- bis Siebenjährigen besteht die Gefahr, dass ein kapitales Geweih auf einen reifen Hirsch schließen lässt und zur voreiligen Erlegung eines Zukunftshirsches verführt. Reif ist ein Damhirsch aber erst mit neun bis zehn Jahren. Für eine artgerechte Alters- und Sozialstruktur ist es wichtig, Fehlabschüsse auf ein Minimum zu begrenzen. Damhirsche werden meistens in folgende Altersklassen eingeteilt:
• Hirschkälber (auf diese wird im Folgenden nicht eingegangen, da sie kein Geweih tragen)
• junge Hirsche (1–2 Jahre)
• mittelalte Hirsche (3–8 Jahre)
• alte Hirsche (9 Jahre und älter)
In einigen Regionen zählen die achtjährigen Hirsche zur Altersklasse der „alten Hirsche“, was für das Ansprechen aber nicht von Bedeutung ist.

JUNGE HIRSCHE

Die ein- bis zweijährigen Hirsche sind einfach anzusprechen. Bei den einjährigen Hirschen, den Spießern, werden vor allem die Geweihmasse und Höhe der Spieße als Kriterien für die Erlegung herangezogen: viel Geweihmasse = schonen, wenig Geweihmasse = erlegen, Länge der Spieße über Lauscherhöhe = schonen, Länge der Spieße unter Lauscherhöhe = erlegen! Vorrangig sollten Knopfspießer erlegt werden, deren Spieße maximal fünf Zentimeter lang sind.

DER AUTOR: JAN-WILHELM HAMMERSCHMIDT,

Jahrgang 1948, ist Jäger seit 1964, Eigentümer eines Eigenjagdbezirks im Kreis Plön in Schleswig-Holstein und zertifizierter CIC-Trophäenbewerter. Seit 2004 ist er Kreisjägermeister des Kreises Plön und unter anderem verantwortlich für die Abschusspläne eines der bedeutendsten Damwildvorkommen in Deutschland. Die Strecken liegen hier jährlich bei über 3.200 Stück Damwild.

Die zweijährigen Damhirsche werden Knieper genannt. Das Haupt des Kniepers ist schmal und spitz, der Träger ist dünn und wird aufrecht getragen. Die Schaufeln sind mitunter nur ansatzweise vorhanden. Die Breite der Schaufeln kann von drei bis acht Zentimetern variieren. Knieper mit einer Schaufelbreite ab fünf bis sechs Zentimeter und mehr sollten geschont werden. Bei einer Schaufelbreite von weniger als fünf Zentimetern oder bei fehlender Schaufelbildung („Rothirschgeweih“) können Knieper erlegt werden.

1 Junge Hirsche: Die gut veranlagten Spießer am Waldrand wird man schonen, den Knopfspießer auf der Wiese erlegen.


FOTO: NATURFOTO SCHILLING

2 Junge Hirsche: Der schwarze Knieper ist mit sechs, sieben Zentimetern Schaufelbreite gut, der erlegte ohne Schaufelbildung gering veranlagt.


FOTOS: JAN-WILHELM HAMMERSCHMIDT

3 Vier-, Fünfjähriger: abnorm wegen Laufverletzung – erlegen!


DREI, VIER JAHRE

Die dreijährigen Hirsche haben ein schmales, spitzes Haupt und einen dünnen, aufrecht getragenen Träger. Das Geweih ist klein und wirkt gedrungen. Die kurzen Schaufeln machen maximal 50 Prozent der Stangenlänge aus und können bis zu acht Zentimeter breit sein. Die vierjährigen Hirsche können bereits ein gut entwickeltes Geweih mit deutlich ausgeprägten Schaufeln tragen und sind daher schwer anzusprechen. In der Brunft nehmen die drei-, vierjährigen Hirsche noch nicht an den Rangkämpfen teil, da die fünf- bis neunjährigen Platzhirsche ihnen von der Körperkraft deutlich überlegen sind.

FÜNF BIS ACHT JAHRE

Die fünf- bis achtjährigen Hirsche wirken vom Geweih und vom Körper her schon kräftiger. Der Wildkörper hat eine rechteckige Kontur, die Rückenlinie ist waagerecht. Mit zunehmendem Alter wird der Träger immer kräftiger, und das Haupt wirkt weniger spitz. Das Geweih ist bei den fünfjährigen Hirschen nahezu fertig ausgebildet. Einzelne Hirsche können bereits ein kapitales Geweih tragen. Die breiteste Stelle der Schaufel befindet sich bei den fünfjährigen Hirschen etwa in der Mitte der Schaufel. Sie wandert mit zunehmendem Alter nach oben. Der Abstand zwischen Mittelsprosse und Ansatz der Schaufel beträgt ungefähr zehn bis zwölf Zentimeter. In den folgenden Jahren wird dieser Abstand immer geringer. Die fünf- bis achtjährigen Damhirsche stellen in der Brunft den Platzhirsch. Selten sind die Platzhirsche älter als acht Jahre. Hat man einen reifen Hirsch frei, kommt der Platzhirsch für eine Erlegung in der Regel nicht in Frage. Ein besonderes Problem in diesem Altersspektrum sind die hohen Verluste durch Verkehr, Elektrolitzen, Forkelverletzungen, Abwanderung sowie Fettlebersyndrom. Die Abschussplanung muss diese Ausfälle zwingend berücksichtigen. Aus diesem Grunde sollten Hirsche mit regelmäßigen Schaufeln und guter Veranlagung geschont werden. Umgekehrt sollten mittelalte Hirsche lediglich dann erlegt werden, wenn sie zu schmale oder tiefgeschlitzte Schaufeln haben oder ein abnormes Geweih tragen. Bei den mittelalten Hirschen ist also äußerste Zurückhaltung geboten.

4 Fünfjährig: Geweih regelmäßig, Haupt spitz, Wildkörper rechteckig.


5 Mittelalte Hirsche: beide abnorm und daher zur Erlegung frei.


ALTE HIRSCHE

Neun- bis zehnjährige Hirsche gelten als alt und reif. Ihre Geweihentwicklung befindet sich auf dem Höhepunkt. Das Geweih wirkt massig. Die breiteste Stelle der Schaufel befindet sich an ihrer Oberkante, die Mittelsprossen „wandern“ nach oben. Die Augsprossen werden meistens kürzer. An der Vorder- und Innenseite der Schaufeln können sich Leisten bilden. Im Alter von zehn Jahren beginnen die Hirsche mit dem Zurücksetzen des Geweihs. Das Haupt wirkt stumpfer. Träger und Haupt werden nicht mehr so hoch getragen. Auf dem Rücken wird der Widerrist sichtbar. Auf dem Brunftplatz nehmen die neun- bis zehnjährigen Hirsche nur noch selten an Rangkämpfen teil. Elf- bis zwölfjährige Hirsche setzen ihr Geweih erkennbar zurück. Die Mittelsprossen befinden sich unmittelbar unter der Schaufel oder auch an deren Vorderseite, sie werden kürzer oder fehlen mitunter gänzlich. An der Vorder- oder Innenseite der Schaufeln befinden sich Leisten. Die Stangen können durchaus einen unterschiedlichen Entwicklungsstand aufweisen, das heißt, die eine erscheint jünger und die andere älter. Der Träger ist massig und wird eher waagerecht getragen. Das Haupt ist stumpf und nach vorne gewölbt („Rammskopf “). Auf dem Rücken ist der Widerrist erkennbar, der Schwerpunkt des Wildkörpers befindet sich über den Vorderläufen. Die elf- bis zwölfjährigen Damhirsche brunften nur noch am Rande des Brunftplatzes, den Rangkämpfen weichen sie aus.

6 Alter Hirsch: etwa neunjährig, breiteste Stelle der Schaufeln oben, rechte Mittelsprosse hoch angesetzt.


7 Alter Hirsch: etwa elfjährig, Schaufeln keilförmig abfallend, linke Schaufel mit Leiste, kurze Mittelsprossen.


Damhirsche unterschiedlicher Altersklassen und Veranlagungen. Das Ansprechen fällt mit zunehmender Erfahrung immer eindeutiger aus.


FOTO: MICHAEL BREUER

8 Überalterte Hirsche: der „Plattkopf“ mit kurzen, dicken Rosenstöcken ist vermutlich bereits 15-jährig, ebenso der Hirsch rechts.


ÜBERALTERTE HIRSCHE

Überalterte Hirsche, also 13- jährig und älter, tragen meistens ein stark zurückgesetztes Geweih. Das Gewicht des Geweihs liegt häufig unter 2,5 Kilogramm, mitunter sogar unter 1,5 Kilogramm. Letzteres gilt vor allem für den „Plattkopf “, den der unerfahrene Jäger mit einem einjährigen Knopfspießer verwechseln kann. Wesentliche Merkmale sind fehlende Aug- oder Mittelsprossen, zusammengewachsene Rosen („Helmbildung“) oder dreieckige bzw. V-förmige und mitunter verkleinerte Schaufeln, bei denen die Enden wie die Finger bei einer hochgehobenen Hand alle nach oben zeigen.

WILDKÖRPER

Körpermerkmale runden das Ansprechen von Damhirschen ab. Nicht in jedem Monat des Jahres weist ein dünner Träger auf einen jüngeren Hirsch hin. Von April bis November verändert sich der Körper des Damhirsches fortlaufend. Anfang April haben auch die alten Hirsche einen dünnen Träger, weil das Damwild in den Wintermonaten in den Energiesparmodus geht und die Hirsche nicht mehr kämpfen müssen. Schließlich trägt auch das Abwerfen des Geweihs im April zu einer Rückbildung der Trägermuskulatur bei. Bis zur Feistzeit im Juli und August erfolgt eine Gewichtszunahme um 30 Prozent und mehr. Ab August legt auch der Träger deutlich zu. Das Fegen des Bastgeweihs und die zunächst spielerischen und später erbitterten Rangkämpfe haben zur Folge, dass die Trägermuskeln wieder deutlich zunehmen. Den größten Umfang hat der Träger in der Brunft im Oktober und November erreicht.

ZUSAMMENFASSUNG

Trotz aller Schwierigkeiten beim Ansprechen gibt es Körper- und Geweihmerkmale, die dem Jäger deutliche Hinweise für die Altersschätzung eines Hirsches geben. Wichtig ist, nicht nur ein Merkmal der Altersschätzung zugrunde zu legen, sondern alle erkennbaren Merkmale – je mehr zutreffen, desto besser. Auch sollten sie deutlich zu erkennen sein. Häufig sind die eindeutigen Altersmerkmale auch nur an einer der beiden Stangen und Schaufeln vorhanden. Sind insgesamt drei bis vier der zuvor genannten Geweih- oder Körpermerkmale zu erkennen, so wird es sich ziemlich sicher um einen reifen Damhirsch handeln. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob der Hirsch zehn, elf oder zwölf Jahre alt ist. Wenn ein reifer Damhirsch freigegeben ist, dann darf kein sechs- oder siebenjähriger auf der Strecke liegen. Für eine artgerechte Altersstruktur ist es besonders wichtig, dass Fehlabschüsse auf ein Minimum begrenzt werden. Das richtige Ansprechen ist deswegen von besonderer Bedeutung.

9 Alte Hirsche. Oben: keilförmig abfallende Schaufeln, kurze Augund Mittelsprossen; unten: Dreiecksschaufeln, fehlende Mittelsprosse.


FOTOS: JAN-WILHELM HAMMERSCHMID