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Damit die Palme stehenbleibt


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 11.10.2021

Rigg

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Das Rigg ist ein ebenso komplexer wie empfindlicher Teil eines Segelboots. Es bedarf regelmäßiger Pflege, hat aber einen großen Nachteil: Wenn es steht, sind viele seiner Teile nur schwer zugänglich. Mindestens einmal im Jahr sollte man das komplette Rigg kontrollieren. Der Zeitraum des Einwinterns bietet sich dazu besonders an, denn so ist den Winter über genug Zeit für etwaige Bestellungen und Reparaturen.

Im Grunde kann jeder sein Rigg selbst pflegen, in Augenschein nehmen und auf Verschleiß und Schäden prüfen. Trifft man dabei jedoch auf größere Macken, ist es ratsam, einen Fachmann hinzuzuziehen. Am Anfang steht eine grobe Reinigung des Riggs. Am besten wäscht man es mit einer milden Seifenlösung, die Verschmutzungen entfernen kann. Im zweiten Schritt spült man die Seife mit klarem Wasser wieder ab und wischt die Teile grob trocken.

Stehendes und laufendes Gut abnehmen

Zum Rigg gehört ...

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... zunächst einmal der Mast. Er sollte auf Böcken oder im Regal immer so gelagert werden, dass er schnurgerade auf der Nut liegt, damit er seine Form behält. Dazu wird das stehende und das laufende Gut abgenommen.

Dabei sind die Beschläge am Mast zu kontrollieren. Am besten geht man systematisch vor, zum Beispiel von oben nach unten. Dabei ist im Prinzip immer ein Dreiklang zu beachten: Alle Teile werden auf dreierlei geprüft: mechanische Schäden am Beschlag selbst, Korrosion zwischen Beschlag und Mast, Befestigung am Mast.

Die Befestigung ist je nach Mast verschieden. Handelt es sich um einen Aluminiummast, sind die Nieten zu kontrollieren: Möglicherweise wackeln die Beschläge bereits. Sind die Beschläge geschraubt, sind die Schraubenlöcher auf Korrosion zu prüfen. Bei Holzmasten kann über die Schraubenlöcher Wasser ins Material eindringen. Dunkle Flecken zeigen an, dass dieser Prozess im Gange ist.

Am Masttoppbeschlag bzw. Vorstagbeschlag ist zusätzlich zu prüfen, ob die Scheiben in den Rollenkästen bzw. die Blöcke noch gängig sind. Sie sollten auch auf Grate und Kanten untersucht werden. Außerdem ist der Zustand der Bolzen und Sicherungssplinte zu überprüfen. Splinte, die zum Saisonende aufgebogen werden, sollten im Frühjahr durch neue ersetzt werden. Auch Antennen, Windmesser, Laternen und Verkabelung sollten geprüft werden.

Alle Beschläge gründlich prüfen

An den Salingen gibt es zusätzlich die zwei Befestigungspunkte zu beachten. Erstens den Kontaktpunkt zwischen Mast bzw. Salingaufnahme und Saling und zweitens zwischen Saling bzw. Salingendbeschlag und Wanten. Hier kann es zu Schäden kommen, wenn es Spiel oder Reibung gibt. Da die Salinge und Wanten ohnehin demontiert werden, ist dies der richtige Zeitpunkt, alle Einzelteile insbesondere auf Korrosionsspuren zu untersuchen.

Weiter geht es mit den restlichen Beschlägen am Mast wie etwa der Wantenaufnahme. Hier kommt es manchmal im Laufe der Zeit dazu, dass die Terminals die Endplatten bzw. Kokillen unter das Profil drücken. Risse im Profil können die Folge sein. Dabei können Endplatten relativ leicht ausgetauscht werden.

Am unteren Ende des Mastes sind dann Beschläge wie Klampen, Winschen oder die Aufnahme des Kickers zu finden. Neben der Kontrolle auf Schäden, Korrosion und Befestigung sollte hier auch die Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Möglicherweise müssen die Winschen wieder einmal gewartet werden. Am Mastfuß sind der Fuß selbst und die Kabel zu prüfen.

Ist der Mast schließlich nackt, ist das Profil über die ganze Länge in Augenschein zu nehmen. Im Normalfall handelt es sich um Aluminiummasten. Aluminium ist ein vergleichsweise spröder Werkstoff, besonders wenn es gealtert ist.

„Bei Haarrissen im Profil, nach einer Kollision oder wenn eine Beule/Verformung im Profil entdeckt wird, sollte ein Fachmann zu Rate gezogen werden, da diese Beschädigungen oft harmlos wirken, das Material aber derart schwächen können, dass es zu großen Schäden oder sogar zum Mastbruch führen kann,“ rät die Firma Gotthardt, die mit Seldén-Masten handelt.

Auch die Schweißnähte müssen in Augenschein genommen werden. Oberflächliche Kratzer an der Eloxalschicht hingegen sind nicht unbedingt ein Grund zur Sorge. Wenn sie beschädigt ist, entsteht sofort eine Oxidschicht auf dem nackten Aluminium, das dadurch geschützt ist. Solche Schadstellen können dann zum Beispiel durch Wachsen und Polieren vor weiterer Korrosion geschützt werden.

Lack in Schuss halten

Carbonmasten sind zwar fester, aber auch empfindlicher als solche aus Aluminium. Beim geringsten Hinweis auf einen Schaden, beispielsweise durch Risse im Lack, sollte ein Fachmann den Mast begutachten.

Holzmasten sind selten geworden. Meist ist das Material durch eine Lackschicht geschützt. Dunkle oder schwarze Stellen im Holz zeigen an, wo Feuchtigkeit bereits eingedrungen ist. Kleine Schäden können ausgeschliffen werden, es kann aber auch sein, dass Spunde eingesetzt werden müssen, wenn das Material zu tief beschädigt ist. Leimnähte sind daraufhin zu kontrollieren, ob sie offen stehen. Das kann besonders bei älteren Masten vorkommen, weil die damals verwendeten Leime porös werden können.

Bei Haarrissen oder Beulen sollte ein Fachmann hinzu gezogen werden

Wichtig ist bei Holzmasten eine vorbeugende Kontrolle. Wer den Lack in Schuss hält, kann den dunklen oder schwarzen Stellen im Holz zuvorkommen. Aber dazu ist eine genaue Sichtkontrolle der Oberfläche nötig. Kleine Risse im Lack – fast unsichtbar – lassen Wasser eindringen – zunächst auch unsichtbar. Besonders gefährdet sind die Bereiche, die beispielsweise mit Schäkeln, Spibäumen oder Mastrutschern in Kontakt kommen. Rechtzeitiges Schleifen und Lackieren rettet das Holz.

Ist der Mast zur Zufriedenheit überprüft, sind die Wanten und Stage an der Reihe. Das gesamte Drahttauwerk ist auf gebrochene Einzeldrähte zu untersuchen. Wird man fündig, werden die betroffenen Teile immer paarweise ausgetauscht: Beide vorderen Unterwanten beispielsweise. Die Terminals sind daraufhin zu prüfen, ob sie noch in der Achse liegen oder verbogen sind. In dem Fall müssen sie ausgetauscht werden.

Fallenpflege

Jedes Tauwerk wird von Sand, Staub und Salz angegriffen, so auch Fallen. Die feinen Partikel erzeugen Reibung, welche die Fasern angreift und letztlich die Bruchlast mindert. Salz zieht außerdem Feuchtigkeit an, so dass die Leinen ständig klamm bleiben und im schlimmsten Fall sogar schimmelig werden oder Algen ausbilden. Regelmäßige Säuberung hilft, dem durch Schmutz und Nässe verursachten Verschleiß vorzubeugen.

Vor dem Säubern steht das Sichten, denn eine Wäsche lohnt sich nur, wenn das Tauwerk nicht ausgewechselt werden muss. Das Auswaschen erfolgt am besten in einer geräumigen Wanne oder einem großen Eimer. Falls die Waschmaschine dennoch zum Einsatz kommen soll, gibt man die Leinen nicht lose in die Trommel, sondern steckt sie vorher in einen textilen Sack.

Nach dem Waschen ist sorgfältiges Trocknen angesagt. Vorzugsweise kommt hierbei eine lange Wäscheleine zum Einsatz. Auf ihr lässt sich das Tauwerk so großzügig verteilen, dass es von allen Seiten richtig gut durchtrocknen kann. In den Wäschetrockner gehören Leinen nicht. Sowohl die Wärme als auch das Wirbeln in der Trommel schädigen die Fasern beziehungsweise deren Veredelung.

Nach erfolgtem Säubern und Trocknen gilt es einen Raum zu finden, in dem die Leinen bis zum Saisonstart sachgerecht und unbeschadet lagern können. Er sollte möglichst dunkel sein und ausreichend Luftzirkulation bieten. Dort legt man die Tampen dann in große Achten. Diese Art des Aufschießens bringt am wenigsten Drall ins Tauwerk und verhindert, dass sich beim nächsten Einsatz Kinken bilden.

Mehr Infos: https://segelreporter.com/panorama/fit-fuers-fruehjahr-leinenpflegeso-gelingt-die-schonende-waesche-fuer-das-tauwerk/

An den Wantenspannern sind die Gewinde sowie die Bolzen zu prüfen. Sicherungssplinte gehören auch hier zum Frühjahr erneuert.

Wenn Teile erneuert werden müssen, ist es wichtig, Originalteile bzw. Ersatzteile vom Mastenhersteller zu verwenden, erläutert die Firma Gotthardt. Die Bauteile unterschiedlicher Hersteller seien verschieden geformt. „Beim Zusammenführen von Bauteilen unterschiedlicher Hersteller kann es zu falschen Belastungen und somit zu Beschädigungen kommen. T-Terminals und Halteplatten etwa sollten vom selben Hersteller sein. Außerdem sollte auf Kraftschlüssigkeit geachtet werden. Ballterminals sollten laut Vorgabe des Mastenbauers gewählt werden, dabei sind Radien und Durchmesser zu beachten. Auch Spannergrößen und Drahtdurchmesser sollten wie vom Hersteller des Bootes bzw. Mastenlieferanten vorgegeben beibehalten werden. Die Durchmesser sind alle auf Sicherheit dimensioniert.“

Regelmäßig austauschen

Gehört ein Vorsegel-Rollsystem zum Rigg, wird das Profil genauso gewissenhaft auf Beulen und Biegungen untersucht wie der Mast. Außerdem wird der Furler unter die Lupe genommen. Bolzen und Splinte werden geprüft und ggf. zum Frühjahr getauscht. Mast und stehende Gute gehören zur Vermeidung von Elektrolyse getrennt und trocken gelagert.

Laut Firma Gotthardt heißt die Faustregel: „Stehendes Gut sollte nach circa 20.000 Seemeilen bzw. 15 Jahren ausgetauscht werden. Rod Rigging sollte nach etwa 10-15 Jahren ausgetauscht werden. Der richtige Zeitpunkt zum Austausch von textilem Rigging ist abhängig vom Hersteller und sollte entsprechend beim Hersteller nachgefragt werden. Generell sollte drauf bleiben, was drauf ist, also zum Beispiel 1x19 wird wieder 1x19. Rod, wo auch Rod drauf war.“

Im Hinblick auf das laufende Gut sollten sämtliche Fallen und Strecker einmal im Jahr mithilfe von Sorgleinen ausgeschoren und überprüft werden. Drahtfalle gehören auf alle Fälle über den Winter aus dem Mast entfernt, um der Elektrolyse vorzubeugen.

Zum Rigg gehört neben Mast sowie stehendem und laufendem Gut auch der Baum und unter Umständen weitere Spieren, mit denen nach demselben Prinzip verfahren wird: Auf Schäden, Korrosion und Befestigung prüfen. Am Großbaum sind zum Beispiel die Schotaufhängung, die Reffbeschläge, die Befestigung des Kickers und die Lazyjacks zu untersuchen. Genauso werden Spibaum und Kicker untersucht.

Sämtliche Fallen und Strecker sollten einmal im Jahr überprüft werden

Etwas Fett und Silikonspray

Neben den Ersatzteilen, die unter Umständen nötig sind, sollte man sich über den Winter Silikonspray und seewasserfestes Fett besorgen. Diese Schmiermittel kommen im Frühjahr, wenn das Rigg wiederzusammengebaut wird, zum Einsatz. Fett schmiert beispielsweise die beweglichen Teile der Roffreffanlage. Auch trockene Schäkel können je nach Einsatz mit ein wenig Fett gängig gehalten werden. Wo Tauwerk und Segel in unmittelbarer Nähe sind, zum Beispiel bei Scheiben in Rollenkästen, kommt Silikonspray sparsam zum Einsatz. Winschen sollten nach Herstellerangeben gepflegt werden.

Überall rund ums Rigg gilt, dass es im Zweifelsfall immer besser ist, einen Experten um Rat zu bitten.

Text: Jan Maas

Tipps:

Eine praktische Checkliste zur Pflege des Riggs gibt es bei Gotthardt zum Download. Pantaenius bietet eine Übersicht häufiger Fehlerquellen.

https://www.gotthardt-yacht.de/media/pdf/72/83/47/Selden_Rigginspektion.pdf

https://www.pantaenius.com/de-de/aus-der-praxis/magazin/praevention/newsbeitrag/news/die-haeufigsten-fehlerquellen-am-rigg-1/