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DAMWILDREVIERE UNTERSCHIEDE: Des einen Freud, des anderen Leid


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 21.09.2018

Freud und Leid liegen häufig beieinander, so auch in den Damwildeinstandsgebieten. Während die Waldreviere mit Freude Hirsche und Kahlwild bejagen, haben die Feldreviere den leidvollen Schaden zu tragen. Warum das so ist, erläutert DamwildexperteJan-Wilhelm Hammerschmidt.


Der Landkreis Plön in Schleswig-Holstein ist ein idealer Lebensraum für das Damwild. Der Sommerbestand liegt hier bei 10.000 und die jährliche Strecke bei 3.200 Stück Damwild. Diese Zahlen verleiten zu der Annahme, dass jedes Revier hier mit dieser Wildart gesegnet ist. Tatsächlich ist die Verteilung der Strecke sehr ungleich, weil die ...

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Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 100/2018

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... Waldreviere etwa 50 Prozent der Strecke erlegen, obwohl sie nur rund zehn Prozent aller Reviere ausmachen. Diese ungleiche Verteilung des Damwilds in der Fläche führt seit jeher zu Diskussionen, mitunter auch zu Missgunst und zu Neid. Trotzdem gelingt’s dem einen oder anderen Wechselwildrevier immer wieder, einen reifen oder besonders abnormen Damhirsch zu erlegen. Dabei ist kein Jahr wie das Vorjahr – auch nicht bei den begünstigten Waldoder Kernrevieren. Und das hat Gründe.

Basthirsche im Juli im Roggen.


FOTO: STEFAN MEYERS

Waldrevier mit hoher Damwilddichte.


Überalterter Hirsch abseits des Brunftgeschehens in einem Wechselwildrevier.


Uralter Hirsch im September: überaus heimlich und nur auf der Wildkamera.


FOTOS: JAN-WILHELM HAMMERSCHMIDT

Reifer Brunftschaufler beim Durchwechseln im Wechselwildrevier erlegt.


BRUNFTANFANG

Die Brunftplätze werden ab Anfang Oktober besetzt. Diese können in kleineren Waldstücken liegen, besonders attraktiv sind jedoch Laubwälder mit masttragenden Altbäumen. Hier schlagen die Hirsche auch ihre Brunftkuhlen. Ab Mitte Oktober sitzen die Hirsche auf dem Brunftplatz. Wenn das brunftige Kahlwild erscheint, beginnt der Hirsch zu schreien und umkreist das Rudel immer wieder, um Spießer, Knieper und geringe Schaufler zu vertreiben. In der Brunft verliert er bis zu 25 Kilogramm seines Gewichts. In Revieren mit sehr hoher Wilddichte gibt es Großbrunftplätze, auf denen zehn oder auch mehr Schaufler brunften. Jeder dieser Hirsche hat dort einen nur kleinen Bereich mit einer Brunftkuhle. Dabei hält sich auf den Groß- oder Hauptbrunftplätzen weit mehr Kahlwild auf als außerhalb der Brunft. Spießer und Knieper wechseln häufig von einem zum anderen Brunftplatz. Die Drei- und Vierjährigen haben auf dem Brunftplatz nichts zu melden, weil die fünf- bis achtjährigen Platzhirsche ihnen an Körperkraft weit überlegen sind. In Einzelfällen kann der Platzhirsch auch neun Jahre alt sein. Die zehn- bis zwölfjährigen Hirsche hingegen halten sich nur noch am Rande des Hauptbrunftplatzes oder an kleineren Brunftplätzen auf, auf denen sie gerne noch ein einzelnes Alt- oder Schmaltier beschlagen. Einem Kampf mit dem Platzhirsch weichen sie aus, weil sie diesem körperlich unterlegen sind. In Revieren mit stabilem Wildbestand gibt es immer wieder überalterte Hirsche, die stark zurückgesetzt haben und besonders heimlich sind.

Sechsjähriger abnormer Hirsch, dem Brunfttod zum Opfer gefallen. Schicksal vieler Mittelalter, dem bei der Abschussplanung Rechnung zu tragen ist.


FOTOS: JAN-WILHELM HAMMERSCHMIDT

Nach der Brunft im Wechselwildrevier: abnormer mittelalter Hirsch.


BRUNFTHÖHEPUNKT

Der Höhepunkt der Brunft liegt in dem Zeitraum vom 20. bis 26. Oktober. Die Bejagung von Schauflern an Hauptbrunftplätzen bietet gute Chancen, einen starken Hirsch zu erlegen. Aber: der Platzhirsch ist meistens zu jung. Die reifen und überalterten Hirsche hingegen stehen gerne an kleineren Brunftplätzen. Wenn dort keine Erlegung stattfindet, kann es zu einer vermehrten Überalterung der Hirsche kommen. Ein weiteres Problem kann durch eine zu intensive Bejagung der Brunfthirsche entstehen. Im Landkreis Plön gab es vor einigen Jahren ein großes Revier mit sehr hoher Wilddichte. Nachdem dort mittelalte Hirsche durch zahlungskräftige Jagdgäste über die Maßen erlegt wurden, war der Hirschbestand nach zwei Jahren ruiniert. Es gab keine alten Hirsche mehr, weil sie im Alter von sechs oder sieben Jahren bereits erlegt wurden und die verbliebenen mittelalten Hirsche zum Teil abwanderten. Damit gab es keinen geordneten Ablauf der Brunft mehr, so dass in der Folge auch das Kahlwild in Teilen abwanderte. Sind keine alten Hirsche vorhanden, so ist das oft eine Folge von zu intensiver Bejagung der mittelalten Hirsche.

BRUNFTENDE

Wenn die Altersstruktur nicht ausgewogen ist, weil alte und mittelalte Hirsche auf dem Brunftplatz fehlen, versuchen die drei- bis vierjährigen Hirsche, das Zepter zu übernehmen, und auch die Knieper und Spießer versuchen ihr Glück, weil der körperlich überlegene Platzhirsch fehlt, der „für Recht und Ordnung“ sorgt. In solchen Fällen gibt es keinen geordneten Brunftverlauf mehr. Zu der Frage, ob und wie häufig die Schaufler zu ihrem Brunftplatz des Vorjahres zurückkehren und ob sie während der Brunft zu anderen Brunftplätzen wechseln, liegen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen vor. Allen gemeinsam ist, dass ein einheitliches Raumverhalten nicht festgestellt werden konnte. So weisen die Berichte vonStubbe, Mahnke, Malende undStier ein sehr unterschiedliches Raumverhalten der Brunfthirsche aus. Zum Ende der Brunft finden die sogenannten „Renntage“ statt. Zwischen dem 29. Oktober und 1. November verlassen die Hirsche häufig ihren bisherigen Brunftplatz, um nach brunftigen Tieren zu suchen. Damit eröffnet sich auch für die Wechselwildreviere mitunter die Chance auf einen reifen Hirsch beim Durchwechseln zu einem anderen Brunftplatz. Ansonsten gehen die Feldreviere in dieser Zeit meist leer aus, weil die mittelalten und alten Hirsche während der Brunft nur auf den Brunftplätzen der Waldreviere zu finden sind. Eine Besonderheit sind die hohen Ausfälle bei mittelalten Hirschen durch Brunftsterblichkeit (oder auch Fettlebersyndrom). Diese Ausfälle müssen im Abschussplan Berücksichtigung finden, weil sonst das Risiko besteht, dass die Strecke in dieser Altersklasse doppelt so hoch ist wie die Festsetzung des Abschusses durch die Jagdbehörde. Dann wäre die Altersstruktur bei den Hirschen in wenigen Jahren ruiniert. Wenn Hirsche gefunden werden, die am Fettlebersyndrom verendet sind, so sind diese in der Regel fünf bis acht Jahre alt – gehören also genau zu dem Altersspektrum, welches den Platzhirsch auf dem Brunftplatz stellt. Diese brunftbedingten Totfunde gibt es vor allem zwischen Ende Oktober und Mitte November. Brunftsterblichkeit ist eine Kombination aus Leberverfettung, fehlender Äsungsaufnahme und extremer körperlicher Beanspruchung auf Großbrunftplätzen. Zwar ist die Einlagerung von Fett ein normaler Prozess, damit die Hirsche die Brunft ohne Äsungsaufnahme überstehen, doch kann die Leber nicht mehr richtig arbeiten, wenn zeitgleich der Körper extrem beansprucht wird.

Drückjagd im November im Kernrevier.


FOTO: OLIVIA V. BÜLOW

NACH DER BRUNFT

Ende November wechseln die meisten Damhirsche von ihrem Brunftrevier zurück in das Feldrevier, wo sie im Sommer ihren Einstand hatten. Hier kann ein Ansitz nun den bislang versagten Erfolg bringen und der noch freie Hirsch möglicherweise erlegt werden. Auch das Kahlwild bleibt bis Ende November/ Anfang Dezember im Waldrevier. Ab Mitte November finden dort die Ansitzdrückjagden statt. Werden diese vor Mitte November durchgeführt, so besteht das Risiko, dass der Brunftverlauf erheblich gestört wird und die Ausfälle durch Fettlebersyndrom bei den Hirschen erhöht werden. Ziel der Drückjagden ist die Bejagung des weiblichen Damwilds und der Hirschkälber. Spießer sowie Knieper sollten bei Drückjagden – wenn überhaupt – nur besonders erfahrenen Schützen freigegeben werden. Mittelalte und alte Hirsche hingegen sollten ausschließlich bei der Einzeljagd erlegt werden. Neben den Ansitzdrückjagden bietet sich auch die Bejagung von Kahlwild im Einzelabschuss an Daueräsungsplätzen an. Die Kahlwildbejagung sollte bis Ende Dezember abgeschlossen sein. Wird mit der Bejagung zu lange gewartet, weil man ja noch den Januar hat, können Regen oder Nebel dem Revierinhaber einen Strich durch die Rechnung machen, und der Abschussplan wird nicht hinreichend erfüllt. Vermehrte Wildschäden auf den Rapsfeldern können dann die Folge sein.

ZUSAMMENFASSUNG

Freud und Leid sind in den Damwildrevieren ungleich verteilt. Die Waldreviere verfügen über Brunftplätze und können die Hirsche erlegen, die im Sommer in den Feldrevieren zu Schaden gegangen sind. Aufgrund der Deckung bietenden Einstände ist das Waldrevier auch bei der Bejagung des weiblichen Damwilds im Vorteil. Die Landwirte im Feldrevier hingegen haben zum Teil erhebliche Wildschäden zu tragen. Kurzum: Beim Bejagen des Damwilds haben die Feldreviere ungleich geringere Chancen. Wenn diese dann doch mal Waidmannsheil haben, so ist die Freude umso größer.