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Danke für großes Tennis


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 36/2021 vom 08.09.2021

SPORT BILD-AWARD 2021

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 36/2021

SPORT BILD AWARD 2021

Zverev hat Geschichte geschrieben

Schon das Halbfinale bei den Olympischen Spielen in Tokio war dramatisch. Alexander Zverev (24) lag gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic (33) 1:6, 2:3 zurück und hatte im zweiten Satz schon ein Break kassiert. Dann drehte Zverev das Spiel und triumphierte mit 1:6, 6:3, 6:1. Der Hamburger gewann nicht nur das Match, sondern auch die Zuneigung der Fans in Deutschland. Im Finale besiegte er den Russen Karen Khachanov klar mit 6:3, 6:1. Zverev begeisterte mit seinem Spiel, aber auch mit seiner offenen, sympathischen Art. Er zeigte sich in den Tagen von Tokio als echter Teamplayer, dem der Zusammenhalt in der deutschen Olympia-Mannschaft extrem wichtig war. Diese Seite von Zverev kannte man so nicht. Daher ist er für die SPORT BILD-Redaktion der verdiente Gewinner des Awards „Moment des Jahres“.

Der SPORT BILD- Award ...

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„Bei Olympia bin ich ein anderer Mensch geworden“

— Von Sebastian Kayser

SPORT BILD: Herr Zverev, 33 Jahre nach Steffi Graf 1988 in Seoul haben Sie bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Jahr als erster deutscher Tennisspieler die Goldmedaille im Einzel gewonnen. Dafür bekommen Sie den SPORT BILD-Award für den „Moment des Jahres“. Ist der Olympiasieg für Sie auch Ihr Moment des Jahres?

ALEXANDER ZVEREV (24): Sportlich auf alle Fälle. Überhaupt bei den Olympischen Spielen dabei zu sein ist schon ein sehr spezieller Moment. Dann noch Gold zu holen ist ganz anders, als ein normales Turnier zu gewinnen. Du bist dort mit einem großen Team in einem riesigen Gebäude, wo alle mit dir fiebern. Auch die Unterstützung, die ich aus Deutschland gespürt habe, ist anders als alles, was ich je zuvor erfahren habe.

„Der Empfang im olympischen Dorf war sehr besonders“

„Auf diesen Moment habe ich 20 Jahre hingearbeitet“

Von den vielen kleinen Momenten rund um den Gewinn der Goldmedaille: Welcher war der speziellste – der Matchball, die Siegerehrung oder sogar schon der sensationelle Halbfinalsieg gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic?

Es gab zwei. Zuerst das Djokovic-Match, das ich nach einem Break hinten im zweiten Satz (beim Stand von 1:6, 2:3; d.Red.) noch irgendwie gedreht habe. Denn durch den Finaleinzug hatte ich ja schon eine Medaille für Deutschland gesichert. Und dann, als ich mit Gold um den Hals ins olympische Dorf kam und von den deutschen Sportlern empfangen wurde. Das war sehr besonders, weil alle vor dem Haus standen: Athleten, Trainer und Betreuer.

Was haben Sie da empfunden angesichts des triumphalen Empfangs?

Um ehrlich zu sein, war ich da sehr müde. Ich hatte nach dem Match keine Pause, musste stundenlang Interviews geben und konnte erst Tage später zu Hause in Monaco, als ich die Medaille in einem ruhigen Moment in der Hand hatte, realisieren, was passiert war.

Was ist denn nun genau passiert?

Ich habe beim größten Sportereignis der Welt für Deutschland Gold geholt. Das ist mit nichts zu vergleichen. Mir haben viele Fußballer geschrieben oder auch Dirk Nowitzki. Ich habe im Nachhinein mitbekommen, wie viele Leute das Match gesehen haben, das hat für mich den größten Wert.

Ein besonderer Moment war auch, als Sie nach der Rückkehr nach Deutschland Ihrem Vater Alexander senior, der wegen der Corona-Bedingungen nicht mit nach Tokio durfte, die Medaille umgehängt haben. Wie emotional war das für Sie?

Es war unglaublich, wie viele Leute da waren. Mit meinen Eltern hatte ich da gar nicht gerechnet. Meinen Vater dort überraschend zu sehen, der mich seit Jahren trainiert, war sehr besonders. Dazu meine Mutter, die mich von klein auf trainiert hat. Ich habe die Medaille zwar Papa umgehängt, aber sie war natürlich für beide. Das war sehr intensiv.

Sie tragen immer noch das mintgrüne T-Shirt aus der Olympia-Kollektion, das zum Beispiel die deutschen Basketballer aus optischen Gründen so hart kritisiert hatten. Haben Sie aus Versehen den Tokio-Koffer mit zu den US Open nach Amerika genommen?

Ich habe alle Deutschland-T- Shirts dabei und habe tatsächlich den Tokio-Koffer mitgenommen. Ich verbinde echt Emotionen damit und möchte Deutschland überall auf der Welt präsentieren. Das geht nicht besser als mit den Sachen mit dem Adler drauf.

Hat sich Ihr Leben durch das Gold verändert?

Um das wirklich zu beurteilen, war die Pause seitdem zu kurz. Ich erhoffe mir einfach, dass jetzt mehr Kinder zum Tennis gehen.

Wie wird das Gold Ihre Karriere beeinflussen?

Tut es schon ein bisschen! Ich habe in meiner gesamten Karriere in Cincinnati kein einziges Match gewonnen. Nun komme ich als Olympiasieger dahin und gewinne das Turnier. Zudem gibt mir die Medaille innerlich eine große Freiheit. Ich habe erreicht, worauf ich mein Leben lang hingearbeitet habe. Würde ich heute meine Karriere beenden, würde ich trotzdem mein Leben lang Olympiasieger bleiben. Das ist ein tolles Gefühl.

Woher kommt Ihre Olympia- Begeisterung?

Welche zwei Sport-Ereignisse schaut sich jeder an, sogar derjenige, der sich nicht für Sport interessiert? Fußball-WM und Olympia. Und Olympia wird aufgrund der vielen Sportarten und Sportler immer das größte Sportereignis der Welt bleiben.

Wie oft haben Sie den Matchball und das Finale schon angeschaut?

Den Matchball fünftausendmal, weil der ja bei Instagram in jedem Feed ständig kam. Das ganze Finale – und übrigens auch das Halbfinale gegen Djokovic – habe ich tatsächlich noch nicht gesehen. Aber wenn mal Ruhe ist nach der Saison, werde ich das ganz sicher noch anschauen, vor allem das Halbfinale.

Hatten Sie nach diesem Match noch mal Kontakt zu Djokovic?

Ja, er hat mir nach dem Finale geschrieben „Herzlichen Glückwunsch“ – und dass ich das auch verdient habe. Auch nach dem Sieg beim Turnier in Cincinnati zuletzt meldete er sich. Novak ist eben ein Riesen- Champion, und ich habe großen Respekt vor ihm.

Eine lustige Geschichte war, dass Sie auf dem Flughafen in München Ihre Tennistasche auf dem Gepäckband liegen ließen. Wie ging die Sache aus?

Ich hatte sie ein paar Stunden später wieder. Normalerweise gebe ich die Tennistasche nicht auf, aber ich wollte sie diesmal nicht über die Flughäfen schleppen. Bis München hatte ich aber vergessen, dass ich sie aufgegeben hatte und bin einfach gegangen. Mein Bruder Mischa hat sie dann geholt.

„Ich habe großen Respekt vor Novak Djokovic“

Sie wurden 2018 schon Weltmeister, mussten dennoch immer um die Anerkennung der deutschen Fans kämpfen. Statt als Einzelkämpfer traten Sie bei Olympia als absoluter Teamplayer auf – und sofort stand die ganze Nation hinter Ihnen. Wie hat sich das angefühlt?

Ich habe in Tokio tatsächlich keine Sekunde für mich, sondern immer mit vollem Herzen nur für unsere ganze Mannschaft gespielt. Dieser Zusammenhalt hat mir große Kraft gegeben – und war eine große Motivation. Mental ist in Tokio irgendetwas bei mir geplatzt.

Ihr Bruder Mischa sagt, Sie „sind ein bisschen ein anderer Mensch geworden“. Stimmen Sie zu?

„Mir haben viele Sportler gratuliert, auch Dirk Nowitzki“

Ja, das stimmt. Am Ende des Tages arbeiten wir ja für diesen Riesenerfolg. Ich habe 20 Jahre auf diesen Moment gewartet. Man ist nun entspannter, denn sonst hast du immer das Gefühl: du musst, du musst, du musst. Ich bin hungrig wie nie nach Titeln, aber du bist ruhiger, weil du schon einen großen Erfolg hast. Und der bleibt als Olympiasieger ja fürs Leben.

Wie können Sie sich dieses Wir-Gefühl bewahren, damit es Sie zu weiteren großen Siegen tragen kann?

Ich habe eine gute Mannschaft um mich herum. Das sind keine 400 Athleten wie in Tokio, aber sie sind mein Team. Das Olympia-Gefühl kann man zwar nicht nachspielen, aber es ist in mir drin. Mischa hat wegen der Presse-Termine sogar die Medaille mitgenommen. Ein Blick darauf genügt schon, um viele Emotionen zu wecken.

Ist die Anerkennung und der Rückhalt am Ende genauso viel wert wie Gold?

Das Gold an sich ist ja die harte Arbeit und das Drumherum. Das macht ja die Medaille aus. Aber es ist angenehm zu sehen, wie alle mitgefiebert haben. Kann ich nur ein Prozent daran mitwirken, dass die Begeisterung für Tennis steigt, freue ich mich.

Award-Übergabe in Zverevs Lieblingshotel

New York, Stadtteil Manhattan, Nähe Times Square: An der Ecke 42nd Street/Broadway steht das „Knickerbocker Hotel“. Hier wohnt Alexander Zverev (24) mit seinem Team immer, wenn er in New York ist. Vor den US Open traf SPORT BILD-Reporter Sebastian Kayser den Olympiasieger auf der Dachterrasse und überreichte ihm den SPORT BILD-Award für den „Moment des Jahres“. Nicht nur Zverevs Olympiasieg, der erste im Einzel eines deutschen Spielers, war historisch, sondern auch der Ort der Award-Übergabe. Denn das Gebäude war nicht immer ein Hotel. Von 1940 bis 1959 beherbergte es das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek. Ein guter Platz also, um mit Zverev ein ausführliches Interview zu führen.

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