Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Darktable 3.0: Zum Dritten


LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 19.03.2020

Der freie RAW-Konverter Darktable bringt in der neuen Version 3.0 zahlreiche Innovationen mit.


Die neue Major-Version Darktable 3

Artikelbild für den Artikel "Darktable 3.0: Zum Dritten" aus der Ausgabe 4/2020 von LinuxUser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 4/2020

Bereits beim Start von Darktable 3.0 fällt am unteren Bildschirmrand des Leuchttischs eine neue Zeitleiste auf. Sie erscheint im Modus Dateiverwaltung beziehungsweise Zoombarer Leuchttisch und erlaubt auf einfache Weise, eine Gruppe von Bildern anhand ihrer Entstehungszeitpunkte (basierend auf den EXIF-Tags) auszuwählen.

Im Leuchttischmodus gibt es nun die neue Darstellungsvariante Sichten. Hier legen Sie die Anzahl der gleichzeitig anzuzeigenden Bilder vorab fest und ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von LinuxUser. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von COMPUTEC. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
COMPUTEC
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Debian-Derivat MX 19 im Test Überflieger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Debian-Derivat MX 19 im Test Überflieger
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Deepin Linux: Made in China. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Deepin Linux: Made in China
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Odio: Musikbox. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Odio: Musikbox
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Gimp 2.10.18: Zweiter Anlauf. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gimp 2.10.18: Zweiter Anlauf
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Virage Linux: Musikalisch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Virage Linux: Musikalisch
Vorheriger Artikel
Odio: Musikbox
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Gimp 2.10.18: Zweiter Anlauf
aus dieser Ausgabe

... wählen dann das erste darzustellende Bild in der Zeitleiste aus. Der Leuchttisch zeigt nun immer dieselbe Anzahl von Bildern und verschiebt die Ansicht entsprechend. Dieser Modus eignet sich besonders für das Vergleichen zusammen aufgenommener Bilder. Dabei unterliegt die Zoom-Funktion einer Einschränkung: Es lassen sich maximal vier Bilder gleichzeitig vergrößert ([Strg]+Mausrad) anzeigen, obwohl der Modus eine größere Anzahl von Bildern gleichzeitig darstellen kann.

Dunkelkammermodus

Inzwischen gibt es so viele Module, dass die Entwickler die Funktion Modul suchen direkt unterhalb des Histogramms eingeführt haben. Die Suche bezieht sich immer auf die aktuell ausgewählte Modulgruppe und findet nur dort vorhandene Module. Die Darstellung der Werkzeuge und Module wurde vereinfacht, indem ein großer Teil der Optionen für die Masken zunächst in einer Schalterleiste versteckt bleibt 1.

Im History-Stack (Verlauf im linken Panel) zeigt Darktable nun sieben (beDer ziehungsweise acht, wenn man Original mitzählt) zuvor versteckte, weil immer aktive Module an: RAW-Schwarz-/ Weißpunkt, Weißabgleich, Spitzlicht-Rekonstruktion, Eingabefarbprofil, Ausgabefarbprofil, Entrastern und Gamma. Ihre Funktionen erschließen sich aus den Namen. Eine spezielle Markierung am rechten Rand zeigt an, dass diese Module stets aktiv bleiben.

Bei den Modulen Fülllicht, Farbkurven und Zonensystem sowie bei den Rastermasken kann man nun ähnlich wie bei Gimp mit der Farbpipette per [Strg]+Mausklick Information zum Auswählen von Bereichen aufnehmen.

Darktable 3.0 stellt in Form der Rastermaske einen neuen (Meta-)Maskentyp bereit, über den sich vorhandene Masken zwischen verschiedenen Modulen austauschen lassen. Das funktioniert allerdings nur für Module, die in der Toolchain vor dem aktuellen stehen. Ein Mausklick auf Rastermasken fördert die Maskenoptionen zutage.

Dort finden Sie unter Raster-Maske (voreingestellt: keine) die zuvor definierte Rastermaske unter dem Namen des Moduls, in dem Sie sie definiert haben (in Abbildung 2: 3D LUT).

Neue und veränderte Tools

Eine wesentliche Neuerung von Darktable 3.0 zeichnet sich bei der Nutzung des RGB-Farbraums ab. Bisher verwenden viele Module indirekt den Farbraum L*a*b* oder andere. Das macht eine Umrechnung der Daten erforderlich und kostet Zeit und Qualität.

Neue Werkzeuge wie Filmic RGB und der Tonwert Equalizer erlauben das Bearbeiten der Bilder komplett im RGB-Farbraum. Dafür müssen Sie jedoch im Modul Eingabefarbprofil als Arbeitsprofil entweder lineares Rec2020 RGB oder lineares prophoto RGB auswählen. Darüber hinaus sollten Sie die in der Voreinstellung aktivierten Module Basiskurven und Schärfen in den Voreinstellungen deaktivieren.

Die neuen RGB-basierten Tools erlauben einen sehr effektiven Workflow und eine qualitativ hochwertige Entwicklung. Ein informatives, recht langes Video erklärt die Voraussetzungen für das RGB-Editieren und die Zusammenhänge im Detail . Eine deutlich kompaktere Darstellung liefert eine Zusammenfassung auf der Darktable-Webseite .

Das mit Darktable 2.6 als Ersatz für die Basiskurven sowie Schatten und Spitzlichter eingeführte Modul Filmic wird nun durch Filmic RGB ersetzt und erweitert. Es lässt sich leichter anwenden und erzeugt weniger Farbartefakte. Filmic steht bei Bedarf weiter zur Verfügung, Sie müssen es aber explizit in der XMP-Datei aufrufen.

Das Zonensystem . zum Steuern und Anpassen der Belichtung gilt als Highlight von Darktable. In der neuen Version haben die Entwickler das Feature erweitert: Es zeigt nun ein auf dem gewählten Kanal basierendes Histogramm, solange sich der Mauszeiger im (Farb-)Auswahlmodus befindet.

Kombi-Werkzeug

1 Die zahlreichen Überblend- und Maskenoptionen der Module erscheinen zunächst in zusammengefasster Form (links). Nach einem Mausklick auf einen der Buttons erscheinen sie in der bekannten Form mit den vielen Schiebereglern.


Das neue Modul Tonwert Equalizer fasst die Funktionen von Schatten und Spitzlichtern und von Tone Mapping zusammen. Dabei legt es die logarithmische Funktionsweise des Zonensystems grunde, was einer Belichtung entspricht. Zu seinen wichtigsten Einsatzgebieten des Moduls zählen das Aufhellen sowie das Komprimieren von Schatten und Spitzlichtern.

2 Die Rastermasken erlauben das Wiederverwenden zuvor definierter Masken.


3 Der Tonwert Equalizer erlaubt das Ändern der Tonwerte per Mausrad.


4 Der Tonwert Equalizer verfügt über zwei gleichwertige Darstellungen: Einfach (links) nutzt klassische Schieberegler, Erweitert (rechts) die bei Darktable üblichen grafischen Zonenregler.


Der Tonwert Equalizer arbeitet wie das Zonensystem im RGB-Farbraum. Eine ganze Reihe von Voreinstellungen zeigt die Bandbreite seiner Einsatzmöglichkeiten an. Mit dem Aktivieren des Moduls ändert sich das Verhalten von Darktable: Das Drehen des Mausrads skaliert nun nicht mehr die Ansicht, sondern passt die lokale Belichtung an. Bei gedrückter Umschalttaste erfolgt das in größeren Sprüngen.

Dabei verändert sich die Darstellung des Mauszeigers 3. Ohne aktive Masken modifiziert das Drehen das Mausrads die unter dem Mauszeiger befindlichen Tonwerte im gesamten Bild, analog zu den klassischen Tonwertkurven. Der im Bildfenster dargestellte Bildausschnitt lässt sich im Vorschaufenster (ganz oben im linken Panel) verschieben.

Zwei verschiedene Darstellungen zeigen die Einstellungen und erlauben, sie zu verändern, ähnlich wie beim Sound-Equalizer der heimischen Stereoanlage 4. Der eingesetzte Algorithmus versucht, die Kanten im Bild zu schützen und Halos - strahlende Ränder an den Kanten - zu vermeiden. Allerdings beschreibt das Benutzerhandbuch dieses leistungsfähige Werkzeug noch nicht, sodass Sie die optimalen Einstellungen per Versuch und Irrtum herausfinden müssen.

Im erweiterten Modus sieht das Modul ähnlich aus wie das Zonensystem oder die Tonwertkurven und verhält sich wie eine Mischung aus beiden. Der jeweils aktuelle Tonwert unter dem Mauszeiger erscheint im Optionsfenster als vertikale Linie. Wo und wie stark die Einstellungen wirken, bestimmt die Belichtungsmaske, die Sie über Belichtungsmasken anzeigen einblenden 5. Die Funktion der Kurvenglättung beschreibt die eingebaute Hilfe 6.

Die wirklichen Feinheiten des Moduls finden sich unter Maskierung und steuern, wo und wie die Belichtung im Detail erfolgen soll. Es gibt dafür eine ganze Reihe von Parametern wie den Luminanz- Schätzer und Details erhalten, die das Ergebnis entscheidend beeinflussen, sich aber nicht sofort intuitiv erschließen. Mangels einer systematischen Anleitung hilft momentan nur Ausprobieren weiter. Immerhin helfen zwei Videos des Entwicklers dabei, die zugrundeliegenden Ideen . und die Parameter . etwas besser zu verstehen.

Dabei ist die Anwendung eigentlich einfach: Der Mauszeiger verwandelt sichwie in Abbildung 7 zu sehen. Mit dem Mausrad verändern Sie nun basierend auf den eingestellten Optionen die Helligkeit beziehungsweise die Leuchtkraft unter dem Mauszeiger. Auf diese Weise passen Sie die Tonwerte auf sehr einfache Weise lokal an.

5 Die Belichtungsmaske (blauer Pfeil) zeigt in Form von Graustufen an, wie stark die Belichtungseinstellungen in den Bildbereichen wirken.


Es erfordert eine Menge Übung seitens des Anwenders, mit dem Tonwert Equalizer die anderen Werkzeuge vollständig zu ersetzen. Oft erweist es sich als einfacher, zusätzlich die Basiskurven zu aktivieren und anschließend die nur gröberen Korrekturen mit dem Equalizer vorzunehmen.

RGB-Werkzeuge

6 Die einzige Hilfestellung für viele Einstellungen bieten derzeit Tooltipps, die Darktable anzeigt, wenn der Mauszeiger über einem Bedienelement steht.


7 Im Bildfenster zeigt der Tonwert Equalizer die aktuell verwendete Belichtung in Form von Blendenstufen an. Sie lässt sich mit dem Mausrad anpassen.


Zu den Neuerungen der Version 3.0 zählt auch das Modul RGB-Kurve, das Tonwert kurven im RGB-Farbraum bearbeitet. Auf seiner schlichten Bedienoberfläche kommt es auf die Details an, seine Wirkung ähnelt jener von Gimps Kurven- Werkzeug. Unter Modus stellen Sie ein, ob es alle Kanäle gleichzeitig bearbeitet (Gimp: Werte) oder sie getrennt behandelt (RGB, unabhängige Kanäle). In letzterem Fall erscheinen drei Buttons für die Kanäle links über dem Histogramm 8. Auch der Kurventyp lässt sich unter Interpolationsverfahren einstellen.

Unklare Funktionen

8 Das neue Modul RGB-Kurve bietet klassische RGB-basierte Tonwertkurven an.


Dateien zum Artikel herunterladen unter www.linux-user.de/dl/ 44044


9 RGB-Kurven mit vier Kontrollpunkten erzeugen Sie über die rechte Farbpipette. Die Funktion Snapshots erzeugt dann die Zweiteilung im Bildfenster, die Ihnen einen Vergleich von vorher und nachher bei den Modifikationen ermöglicht.


Unklare Funktionen

Die Option kompensiertes Mittelgrau scheint sich nur auf die Histogrammdarstellung zu beziehen, nicht direkt auf das bearbeitete Bild. Näheres verrät hoffentlich das Handbuch, sobald es erscheint. Es dürfte dann sicherlich auch den Sinn der beiden Farbpipetten beschreiben. Die erste scheint nur die im Bildfenster angeklickte Farbe im Histogramm zu markieren, wie das auch bei Gimp üblich ist.

Die zweite Pipette erlaubt, einen Rahmen im Bild zu ziehen. Dessen Inhalt dient dann zum Berechnen einer Kurve, die vier Kontrollpunkte erhält: je einen für Minimum, Median, Mittelwert und Maximum. An diesen Kontrollpunkten lässt sich die Kurve anpassen 9.

Das Modul RGB-Stufen 10 entspricht Gimps Werten und erstellt die Tonwertkurven anhand der drei Stützpunkte Schwarzpunkt, Weißpunkt und Mittelgrau. Als Besonderheit unterstützt das Werkzeug einen auto-Modus, der automatisch eine ideale Kurve zu errechnen versucht. Über die rechts daneben angeordnete Farbpipette legen Sie im Bild einen Bereich fest, den das Werkzeug zum Erzeugen der Kurve heranzieht. So schließen Sie beispielsweise ausgebrannte Lichter oder abgesoffene Schatten von der Berechnung aus. So lange Darktable den Schalter gedrückt darstellt, erzeugt jeder neu definierte Bereich eine neue Tonwertkurve.

Farben erhalten

Jede Modifikation der Tonwertkurve bewirkt unweigerlich eine Kontraständerung, die sich immer auch auf die Farben auswirkt. Mit der Option erhaltene Farben stellt Darktable eine Reihe von Korrekturverfahren zur Verfügung, die diesen Effekt minimieren. Welches das beste ist, hängt vom Bild ab.

Das Rauschen in dunklen, mit hohen ISO-Werten aufgenommenen Bildern stellt nach wie vor ein Problem dar. Die Darktable-Entwickler haben deshalb viel Arbeit in das Optimieren der Rauschpro file investiert, was sich in deutlich verbesserten Ergebnissen niederschlägt. Allerdings bringt das Modul Entrauschen (Profil) 11 nun auch mehrere zusätzliche Parameter mit, deren Wirkung sich nicht unmittelbar erschließt. Erfreulicherweise gibt es daneben jedoch automatisch arbeitende Modi, die diese Parameter anhand von Heuristiken selbst bestimmen.

Für das Anwenden von 3D-Lookup-Tables . gibt es nun das überarbeitete Modul 3D LUT. Dessen Matrizen bieten ein mächtiges Instrument, um spezielle Effekte in Bildern zu erzeugen. LUTs können beispielsweise analoge Filme simulieren oder besonders farbenfrohe Bilder erzeugen. Sie lassen sich jedoch erst nach einer längeren Einarbeitung sinnvoll einsetzen. Die Ergebnisse hängen auch hier wieder stark vom Anwendungsfarbraum ab; lineares rec2020 RGB stellt vermutlich die beste Wahl dar. Für viele der mit LUTs erzielten Effekte bietet übrigens GMIC alternative Methoden an.

Fazit

10Neu, einfach und oft ausreichend effektiv: die RGB-Stufen.


Weitere Infos und interessante Links www.linux-user.de/qr/ 44044

11 Das Entrauschen via (Kamera-)Profil zählt zu den effektivsten Methoden und wird von Darktable besonders gut unterstützt.


Mit dem Erscheinen des neuen Major- Releases 3.0 hat sich beim digitalen Leuchttisch Darktable viel getan. Etliche der neuen Funktionen richten sich allerdings primär an erfahrene, (semi-)professionelle Anwender und dürften weniger erfahrene Anwender eher verwirren.

Die einfachen, aus anderen Programmen bekannten Werkzeuge wie die Basiskurven oder Schatten und Spitzlichter dagegen ersetzen die Darktable-Entwickler sukzessive durch neuere, leistungsfähigere Module mit ausgefeilteren Methoden. Deren optimaler Einsatz erschließt sich nicht unbedingt sofort, der Anwender muss sich hier wahrscheinlich einarbeiten. Haben Sie die neuen Werkzeuge aber einmal im Griff, fallen die Ergebnisse dann allerdings sehenswert aus. (jlu) ■

README

Zahlreiche Neuerungen in einer Vielzahl von Modulen kennzeichnen die neue Darktable-Version 3.0. Die meisten davon richten sich speziell an fortgeschrittene, professionelle Anwender.