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„Das 0:12 hat meine Karriere versaut“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2022 vom 20.07.2022

PETER ENDRULAT

SERIE

Artikelbild für den Artikel "„Das 0:12 hat meine Karriere versaut“" aus der Ausgabe 29/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 29/2022

Der war zur Abwechslung nicht drin: Torwart Peter Endrulat zeigte beim 0:12 gegen Gladbach einige Paraden, sonst wäre die hohe Niederlage noch höher ausgefallen. Die Dortmunder Herbert Meyer und Lothar Huber (v. l.) sehen zu

Es gibt Torwartfehler, die bleiben auf ewig im Gedächtnis. Wie das Blackout-Double von Loris Karius (29). Der warf im Champions-League-Finale 2018 zunächst den Ball gegen den verdutzten Real-Stürmer Karim Benzema (34). Von dessen Bein prallte der Ball ab und kullerte zum 0:1 ins Liverpool-Tor. Später pritschte er ein Fernschüsschen von Gareth Bale (33) ins Netz und besiegelte die 1:3-Niederlage.

Oder Petr Kouba (53). Im EM-Finale 1996 geleitete der Tscheche den Zeitlupen-Schuss von Oliver Bierhoff (54) mit einem seltsamen Schwächeanfall in den Handgelenken zum ersten Golden Goal. Deutschland wurde Europameister. Und der englische Boulevard lästerte: „Kouba hatte Hände wie aus Mürbeteig.“

Und Peter Endrulat? Der heute 67-Jährige steht wie kein anderer für die höchste Niederlage der Bundesliga-Geschichte: das 0:12 von Dortmund gegen Gladbach am 29. April 1978.

Noch heute, 44 Jahre ...

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... später, sagt der Torwart: „Das ist hart, wenn man durch zwölf Gegentore bekannt wird wie ein bunter Hund.“

Das Groteske daran: Endrulat konnte man in besagtem Spiel nicht wirklich etwas vorwerfen.

Wer es nicht glaubt, muss den Beitrag des ZDF-Sportstudios vom Abend des 29. April studieren. Beim Betrachten dieses Zeit-Dokuments wird einem weiß vor Augen. Alle zwölf Tore sind dort aus der Perspektive der Hintertorkamera zu sehen.

Quasi aus der Endrulat-Perspektive. Die Gladbacher tauchen in ihren weißen Hosen und Trikots bei jedem Treffer im Rudel vor seinem Tor auf. Und zwar so oft und lange, dass man glauben könnte, die Fohlen würden im Dortmunder Strafraum wohnen.

„Von den zwölf Treffern konnte ich vielleicht einen halten“, sagt Endrulat. „Beim siebten Treffer bin ich unter der Flanke hergesaust, den hätte ich haben müssen, aber das war mir dann letztlich auch egal.

Zur Halbzeit stand es 6:0. Unser Trainer Otto Rehhagel hat mich gefragt, ob ich überhaupt weiterspielen will. Weil ich mir gerade den Stammplatz erkämpft hatte, sagte ich mir voller Euphorie: ,Du hältst jetzt noch gut, dann kriegst du auch gute Kritiken.‘ Dass es anders gekommen ist, war halt Schicksal.“

Die BVB-Profis, bei denen damals Stars wie Manfred Burgsmüller († 69), Mirko Votava (66) oder Wolfgang Frank († 62) spielten, waren an diesem Tag nur dabei statt mitteniere versaut“ drin. Sie trabten als Eskortservice für die Gladbacher Torrausch-Fohlen über den Platz.

So erklärte Endrulat damals in BILD die 12 Tore

0:1 „Als ich den Ball zum ersten Mal berührte, lag er schon im Tor. Heynckes köpfte, und der Ball flog im hohen Bogen über mir ins Eck. Kaum zu halten.

Jupp trickste mich aus.“

0:2„Heynckes kam ganz allein auf mich zu. Ich lief ihm entgegen, aber der Jupp trickste mich wieder aus. Er täuschte einen Schuss an.

Ich reagierte. Da legte er sich den Ball auf den anderen Fuß und schoss.“

0:3„Überhaupt nicht zu halten.Del’Haye flankte. Nielsen brauchte nur den Kopf hinzuhalten.“

0:4„Wieder Del’Haye – diesmal vom linken Strafraumeck.Huber versuchte, mit einem Spreizschritt zu retten und lenkte den Ball ab. Keine Chance.“

0:5 „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Da habe ich eine komplette Gedächtnislücke. Ich habe nur gedacht: Hoffentlich hört das endlich auf!“

0:6 „Wimmer kam ganz alleine auf mich zu. Ich musste raus, machte mich so breit wie möglich und warf mich vor seine Füße. Doch ,Hacki‘ hob den Ball einfach über mich weg.“

0:7 „Wenn ich überhaupt an einem Tor Schuld hatte, dann an diesem. Kulik hatte geflankt. Ich lief raus. Doch da war schon der Heynckes. Wenn ich auf der Linie stehen geblieben wäre, hätte ich seinen Kopfball rausköpfen können. Ehrlich.“

0:8 „Wieder einer alleine vor mir. Ich weiß nicht, wer es war (Nielsen; d. Red.). Kunststück, den Ball nicht an mir vorbeizubringen.“

0:9 „Irgendein Gladbacher schoss aus fünf Metern. Knallhart, ich lenkte den Ball zur Seite. Del’Haye schaltete blitzschnell und kullerte den Ball über die Linie. Nicht meine Schuld.“

0:10 „Ach, das Ding, das ich am rechten Pfosten erwischte! Ehrlich, das war kein Tor. Der Ball war niemals voll hinter der Linie.“

0:11 „Davon weiß ich nichts mehr. Erst als ich den Ball aus dem Netz holte, habe ich auf der großen Anzeigetafel gesehen: 11:0 Lienen!“

0:12 „Ich hab’s und will’s vergessen, wie das letzte Tor fiel.“ ch letzte Tor fiel.“

Warum der BVB so merkwürdig lustlos antrat? Dazu gibt es eine Vorgeschichte. „Das Seltsame ist“, sagt Endrulat, „dass ich die Vorgeschichte schon einigen Medien erzählt habe, aber dann nie geschrieben wurde.

Deswegen habe ich ja keine Interviews mehr gegeben. Für mich war diese Tatsache aber maßgeblich als Erklärung dafür, warum die Mannschaft und ihre Einstellung beim 0:12 so schlecht waren. Das will offenbar keiner hören.“

Bis jetzt.

★★★

SPORT BILD: Was war damals los?

PETER ENDRULAT: Trainer Otto Rehhagel hatte uns vor dem Gladbach-Spiel über vier Wochen in der Sportschule Hennef einkaserniert, weil wir sechs Spieltage vor Saisonende in akuter Abstiegsgefahr waren. Nur zu den Spielen am Wochenende durften wir raus. Vor der Partie gegen Eintracht Braunschweig hatte sich unsere Nummer eins, Horst Bertram, am Rücken verletzt. Erst bei der Besprechung vor dem Spiel wurde mir mitgeteilt, dass ich im Tor stehe, was ziemlich überraschend war.

Danach lief es für Sie wie am Schnürchen: 1:0 in Braunschweig, 2:1 gegen Saarbrücken, 2:0 auf Schalke, 1:4 beim HSV verloren, 5:3 gegen Bochum.

Genau. Da waren wir auch rechnerisch gerettet. Sie können sich vorstellen, wie groß nach vier Wochen Einkasernierung die Lust der Mannschaft war, noch einmal gegen Gladbach zu spielen. Es ging für uns um nichts mehr.

★★★

Für Meister Gladbach ging es indes noch um alles. Am letzten Spieltag der Saison 1977/78 musste der Titelverteidiger im Kampf um Platz eins auf den punktgleichen Tabellenführer Köln zehn Tore aufholen, denn mit einem Kölner Punktverlust beim bereits feststehenden Absteiger St. Pauli war nicht zu rechnen.

★★★

SPORT BILD: Jupp Heynckes, beim 12:0 fünffacher Torschütze, hatte beobachtet, dass die Dortmunder vor der Partie nur auf dem Rasen gesessen hätten. „Die waren schon in Urlaubsstimmung“, meinte er.

ENDRULAT: Das deckt sich ja mit meinen Schilderungen. Ich selbst war darauf erpicht, noch einmal einen guten Saisonabschluss hinzulegen. Ich hatte die Nummer eins verdrängt, in beiden Derbys gegen Schalke und Bochum geglänzt und wollte den Deckel auf meinen neuen Vertrag machen. Ich habe wirklich nur auf mich geschaut.

FÜR DIE GLADBACHER GING ES IM LETZTEN SPIEL UM DEN TITEL. SIE MUSSTEN ZEHN TORE AUF TABELLENFÜHRER KÖLN AUFHOLEN

Wie waren die Tage unmittelbar nach dem 0:12?

Ich war für alle der Sündenbock. Wir mussten dann noch für ein paar Freundschaftsspiele über die Dörfer tingeln. Das war ein Spießrutenlaufen! Das 0:12 war in aller Munde. Manch einer wäre daran psychisch zerbrochen. Burn-out, wie man heute dazu sagt. Depressiv war ich aber nicht. Meine Frau attestierte mir nur, dass ich damals ziemlich hart im Nehmen war.

Hätten Sie aus heutiger Sicht etwas anders machen sollen?

Clevererweise hätte ich in der Pause beim Stand von 0:6 rausgehen sollen, und Horst Bertram wäre reingegangen – der war ja wieder einsatzfähig.

Gab es hinterher Vorwürfe von den Kollegen?

Die Mitspieler haben mir nur gesagt, dass ich nichts dafür kann. Ich war das Opfer eines kollektiven Versagens. Ich will mich nicht freisprechen, aber die Luft war raus – aus der kompletten Mannschaft. Ich war halt nur der Dumme, der da hinten dringestanden hat. Auch Jupp Heynckes hat Jahre später noch einmal betont, dass ich gar nichts dafür konnte. Am Ende ist meine Karriere durch das Spiel versaut worden.

★★★

Dabei war Endrulats Laufbahn zunächst ziemlich flott gestartet. „Eigentlich war ich gar kein schlechter Linksfuß. Dann hat man mich mal ohne Vorwarnung als Jüngsten ins Tor gestellt. An dem Tag muss ich dann wohl sensationell gut gehalten haben. Die Konsequenz war, dass man mir nahelegte, doch lieber ins Tor zu gehen. Also hab ich mich als D-Jugendlicher bei der Spvg. Bürbach in Siegen angemeldet. Nach einem Jahr bin ich zum VfB 07 Weidenau gewechselt, wo man etwas ambitionierter war.“

Über die Kreis- und Westfalen-Auswahl faustete er sich allmählich nach oben. Als B-Jugendlicher spielte er schon in der A-Jugend und in der U18-Nationalmannschaft. Der FC Schalke 04 schnappte sich das Riesen-Talent bereits mit 18. Mit Rüdiger Abramczik (66) und Hans-Günter Bruns (67) spielte er bei den Königsblauen gemeinsam in der A-Jugend. Friedel Rausch († 77) war ihr Trainer. Das war 1973, unmittelbar nach dem Bundesliga-Skandal.

Bei den vom DFB-Chefankläger Hans Kindermann († 96) geführten Ermittlungen wurde damals festgestellt, dass unter anderem die Bundesliga-Partie des FC Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld vom 17. April 1971 (Endstand 0:1) von Gelsenkirchener Spielern verkauft worden war. Daraufhin wurden 1973 fast alle Schalker zu Spielsperren verurteilt.

★★★

SPORT BILD: Was haben Sie im Schalker Nachwuchs vom Bundesliga-Skandal mitbekommen?

ENDRULAT: Den Bundesliga-Skandal habe ich live auf Schalke miterlebt. Die gesperrten Spieler haben oft bei uns mit der A-Jugend trainiert, weil sie nicht mehr am Profi-Training teilnehmen durften. Rolf Rüssmann († 58), Klaus Fischer (72), Herbert Lütkebohmert († 45) oder Klaus Fichtel (77) haben dann bei uns mittrainiert.

Haben Sie davon profitiert, plötzlich mit so vielen Profis trainieren zu können?

Für mich war es auf Schalke sehr schwer, weil Norbert Nigbur die klare Nummer eins war. Für Schalke habe ich zwar mein erstes Bundesliga-Spiel gemacht. Vor 45 000 Zuschauern am 10.

Dezember 1974 im Schalker Parkstadion gegen Frankfurt. (1:1; d. Red.). Aber als 18-Jähriger an Nigbur vorbeizukommen, das war aussichtslos. Das ist so, als ob du die Nummer zwei hinter Manuel Neuer bist. Um Spielpraxis zu sammeln, bin ich zur Spielvereinigung Erkenschwick in die 2. Liga gegangen, ehe mich dann Reinhold Wosab, damals Obmann im Management von Borussia Dortmund, angesprochen hat. Also bin ich 1976 zum BVB gewechselt. ★★★ Es war genau diese sensible Gemengelage im Nachgang des großen Bundesliga-Skandals, die auch das 0:12 der Dortmunder ins Zwielicht beförderte. Da man sich kampflos ergeben und Gladbach um ein Haar zur Last-Minute-Meisterschaft verholfen hatte (Köln gewann bei St. Pauli letztlich 5:0, wurde Meister), witterte die Branche einen erneuten Manipulations-Skandal. Worunter auch Endrulat zu leiden hatte.

★★★

SPORT BILD: Jetzt können Sie es ja sagen: War das Spiel verschoben?

IN SCHALKES A-JUGEND TRAINIERTE ENDRULAT MIT DEN GESPERRTEN FISCHER, FICHTEL UND RÜSSMANN

ENDRULAT: Mit reinem Gewissen kann ich sagen, dass ich von einer Manipulation nichts wusste.

Wenn die Partie wirklich verschoben war, dann hinter meinem Rücken! Aber man muss sich vielleicht als Sportler in unsere Lage hineinversetzen, in welcher mentalen Verfassung wir nach vier Woche Kaserne waren; vor einem Spiel, in dem es für uns um nichts mehr ging.

Eine Anekdote am Rande: Nach dem Gladbach-Spiel brauchte ich nicht mehr im Mannschaftsbus mitzufahren. Mein Nachbar aus Herdecke (In der Nähe von Dortmund; d. Red.) nahm mich vom Stadion in seinem Pkw mit.

Der hatte einen großen Gladbach-Aufkleber auf dem Heck kleben, weil er Fan war. Sie können sich vorstellen, was die Leute da getuschelt haben.

Welche Konsequenzen gab es angesichts des Manipulations-Verdachts?

Wir wurden vom Verein wegen ,unsportlichen Verhaltens‘ finanziell bestraft. Der DFB mit Hans Kindermann zitierte uns auch noch nach Frankfurt vors Sportgericht. Ich war da bereits

bei Tennis Borussia Berlin unter Vertrag. Als Mitangeklagter musste ich meine Flugkosten nach Frankfurt selbst zahlen.

Der DFB hatte uns keine weitere Geldstrafe aufgebrummt, weil wir schon 2500 Mark an den BVB gezahlt hatten. Dennoch mussten wir ein Papier unterschreiben, wonach wir eine Sperre akzeptieren sollten, wenn wir uns noch einmal unsportlich verhalten würden.

Haben Sie auch unterschrieben?

Nein, zunächst nicht, weil ich mich gegen Gladbach nicht unsportlich verhalten habe. TeBe hat mich dann aber gebeten zu unterschreiben, weil ich ja wohl nicht noch einmal zwölf Dinger kassieren würde. Und wenn doch, dann könnte ich ja auch vorher aus dem Tor gehen. Und: Wenn ich nicht unterschrieben hätte, hätte ich noch zu einer weiteren Sportgerichtsverhandlung gemusst. Bis die stattgefunden hätte, wäre ich gesperrt geblieben. Aber ich war neu in Berlin und wollte spielen. Also habe ich die Erklärung doch noch unterschrieben.

Zumal Ihr Vertrag in Dortmund ja wider Erwarten nicht verlängert worden war. In den Archiven ist zu lesen, dass die Kündigung am Tag des Gladbach-Spiels kam. Am Vormittag.

Völliger Quatsch! Vor dem Spiel hat mir niemand gesagt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Leider gab es damals noch keine Spielerberater, die Verträge vorzeitig verlängern. Das wäre heutzutage spätestens nach dem Braunschweig-Spiel passiert. Mein Vertrag ist wie der von Otto Rehhagel nach dem 0:12 dann nicht mehr verlängert worden. Das lag allein an diesem Spiel. Ich hatte wegen der Verlängerung schon vorher nach meinem Vertrag gefragt.

Dort wollte man die nächsten Spiele abwarten. Das war dann das 2:0 auf Schalke, was heute fast für einen Rentenvertrag genügen würde. Ich weiß nicht warum, aber es kam nichts.

Wie erleichtert waren Sie, dass Zweitligist TeBe Berlin Sie im Juni 1978 holte?

Es tat gut, als sich Tennis Borussia bei mir gemeldet hat – trotz des 0:12. Die hatten mich vorher schon beobachtet und mich für gut befunden. Ich hatte dort auch eine schöne Zeit und habe immerhin Gerhard Welz (77) verdrängt, der ja eine große Nummer im Tor war.

★★★

In der Bundesliga kam der gelernte Bankkaufmann nie mehr zum Einsatz. Nach drei Jahren in Berlin spielte Endrulat noch in der 3. Liga bei Rot-Weiß Lüdenscheid und Eintracht Haiger, wo er heute noch wohnt. Seine aktive Karriere beendete er mit 40. Er arbeitete drei Jahre in einem Sportgeschäft und bis zum Renteneintritt am 1. Mai 2020 als Verkaufsleiter bei einer Firma für Schweißtechnik. Er machte in Hennef seine A-Lizenz als Trainer (im selben Lehrgang wie die spätere Bundestrainerin Silvia Neid) und coachte Klubs in seiner Region. 2020 übernahm er den A-Kreisligisten SK 1920 Herbornseelbach. „Als Rentner habe ich ja Zeit“, sagt er. Den Aufstieg in die Bezirksliga verpasste er im Juni mit seinem Team nur um einen Punkt. Seine aktuellen Spieler waren 1978 noch gar nicht geboren. „In der Regel wissen meine Spiel e r gar nicht, was ich früher gemacht habe. Einmal habe ich ein bisschen davon erzählt, da haben die ganz große Augen bekommen“, sagt er.

Ob er mit dem Schicksal hadert? „Nein“, sagt Endrulat, „Es ist Vergangenheit. Ich bin seit 46 Jahren verheiratet, habe zwei Söhne und zwei Enkel. Ich habe ein gesegnetes, glückliches Leben.“ Nächste Woche

Der Wechsel, der Dortmund und Schalke erschütterte