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Das Auto, das mit Sonne fährt


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greenup - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 06.05.2022
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Bildquelle: greenup, Ausgabe 12/2022

Das kleine Auto ist pechschwarz und wirkt von außen nicht gerade wie eine Luxuslimousine. Dennoch wird der „Sion“, wie das neue Auto von Sono Motors heißt, den Automarkt gehörig aufwirbeln. Denn: der Sion ist das erste Auto, das mit Sonnenenergie fährt.

Nun ja, vielleicht nicht das erste, aber das erste, das in Serie produziert werden soll.

Das allererste war das „Baker Electric Car“ im Jahr 1958, das 10.000 Solarzellen auf seinem Dach trug, die die Batterie nachluden. Produzent war Eric Lidow,

Diplomand der Technischen Universität Berlin im Fach Fotovoltaik, der sich mit Power-Management-Applikationen beschäftigte. Sein „Solar King“ brauchte damals 8 bis 10 Stunden, um das Auto für eine Stunde Fahrt mit der Geschwindigkeit von 20 Meilen pro Stunde zu laden. Beim Sion sind keine Solarpaneele auf dem Dach montiert, wie man sich das vielleicht als technisch unbedarfter Mensch vorstellt. Das Solarpaneel ...

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... ist der schwarze „Lack“ des Autos. Genauer gesagt, sind in Motorhaube, Kotflügel,

Seiten, Dach und Heck des Fahrzeugs Solarzellen integriert, die in der Oberfläche optisch nahezu verschwinden. „Das Ganze nennen wir SEV, Solar Electric Vehicle“, sagt Pressesprecher Christian.

Sono Motors ist eine junge und moderne Firma, deshalb reicht der Vorname.

Ganz allein durch Sonnenenergie fährt der Sion jedoch nicht. Die Solarenergie ergänzt die 54 Kilowatt-Batterie des Autos, das ansonsten wie jedes E-Auto an der Steckdose aufgeladen wird. Die elek-trische Reichweite des Sion beträgt bis zu 300 Kilometer, die sich durch die Solarenergie allerdings erweitert. Je nach Wetterlage sind bis zu 35 Kilometer pro Woche zusätzlich möglich, im Schnitt sollen es 16 Kilometer sein. Der Werbespruch „Ein geräumiges Elektroauto mit einer Reichweite von bis zu 305 Kilometern, das sich selbst über die Energie der Sonne lädt“, der auf der Webseite zu lesen ist, stimmt also nur bedingt. Und natürlich schwankt die durch Sonnenenergie gewonnene Aufladung mit der Bewölkung.

So beträgt die Reichweite des Autos im Juni, wenn die Sonne scheint, 245 Kilometer wöchentlich. Wenn der Himmel bewölkt ist, verkürzt sie sich auf 77 Kilometer. „Dafür gibt es noch ein anderes Plus, das wir bidirektionales Laden nennen“, sagt Christian. „Dank dieser Technik kann der Sion nicht nur Strom aufnehmen und speichern, sondern auch wieder abgeben.“ Für diesen Zweck hat der Sion eine Haushaltssteckdose, über die alle gängigen Geräte mit bis zu 3,7 Kilowatt betrieben werden können.

Oder es können, mit bis zu 11 Kilowatt, auch andere Elektroautos geladen oder Energie an einen Heimspeicher abgegeben werden. „Das macht den Sion zum mobilen Kraftwerk“, so Christian. Der Schwachpunkt, was Nachhaltigkeit betrifft, ist bei E-Autos meist die Batterie.

Hier kann der Sion punkten: „Die Batterietechnologie entspricht genau unseren Vorstellungen eines nachhaltigen Akkus“, sagt Christian. Der Akku für den Sion wird ressourcenschonend und fair gefertigt. Anders als Lithium-Ionen-Akkus kommt die Zellchemie der Batterie ganz ohne Kobalt, Nickel und Mangan aus. Auch Feuerausbrüche brauchen Sion-Fahrer nicht zu befürchten:

Die weiterentwickelten Lithium-Eisenphosphat-Batterien sind aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften nur schwer entflammbar. Während klassische Lithium-Ionen-Akkus eine Temperatur von 500 Grad überschreiten können, liegt die Temperatur beim Sion-Akku in Tests nur bei 30 bis 60 Grad. Auch bei intensiver Nutzung weisen sie nur geringe Leistungsverluste und eine besonders lange Lebensdauer auf. Aufgrund ihrer Metallkombination lassen sich die Lithium-Eisenphosphat-Akkus fast vollständig recyceln. Eine integrierte Kühlplatte auf der Batterie sorgt dafür, dass die Temperatur normalerweise zwischen 15 und 35 Grad liegt. Christian: „Welche Garantieleistung Sono Motors für den Akku an-bieten kann, wird gerade eruiert.“ Den CO2 -Fußabdruck möchte Sono Motors mit der Batterieproduktion so klein wie möglich halten. Die Produktion einer Batterie für den Sion verbraucht etwa 4,1 Tonnen CO2 , etwa soviel wie eine Flugreise von München nach New York und zurück.

HINGUCKER: GRÜNES MOOS

Im Inneren wirkt das Auto sehr aufgeräumt, man könnte es fast karg nennen. Es gibt nur wenige Knöpfe, dafür aber zwei Screens hinter dem Lenkrad. Diese Screens beinhalten das Infotainment-System und die Mobilitätsdienstleistungen.

Auch die Solarreichweite wird hier angezeigt. Auffällig ist eine Wulst von grünem Moos, die sich effektvoll beleuchtet über die gesamte Ablage zieht. „Das ist ein natürliches Element, das für angenehmes Innenraumambiente als Filter sorgt“, erklärt es Christian. Die farbige Beleuchtung des Mooses kann individuell verändert werden. Auch digital ist das Gefährt optimal vernetzt. Mit der Sono-App ist hier noch mehr möglich – sie lässt sich nutzen für Carsharing, Ride Pooling und Power Sharing – also die Nutzungsüberlassung für andere Fahrer, oder das Mitnehmen von Personen für bestimmte Strecken. Da beim Sion vieles digital läuft, ist beim Carsharing nicht einmal die Weitergabe des Autoschlüssels nötig – die App regelt alles digital. Christian: „Das Power Sharing ist die Weitergabe der gespeicherten Sonnenenergie an andere E-Autos. Die gespeicherte Energie kann aber auch in das Stromnetz des eigenen Hauses eingespeist werden.“ So verdient das Auto, während es auf dem Parkplatz steht, Geld. Die Ausstattung des Sion ist minimal und lässt sich auch nicht individuell verändern. „Nur so kommen wir auf den günstigen Preis von 28.500 Euro“, sagt Christian.

Zur Ausstattung gehören Scheibenwischer mit Intervallschaltung, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Servolenkung, ABS, Allwetterreifen und Stahlfelgen. Immerhin gibt es eine Rückfahrkamera und eine Parkassistenz hinten, heute Standard bei fast allen Neuwagen. Die digitale Ausstattung lässt wenig zu wünschen übrig. Dazu zählt die Reichweitenoptimierung durch Bremsenergierückgewinnung, Tempomat, Integration von Apple CarPlay und Android Auto, Bluetooth-Telefonie, USB-

C-Anschluss und sechs Lautsprecher im Innenraum. Eine kleine Sensation ist die serienmäßige Anhängerkupplung, die voraussichtlich einen bis zu 750 Kilogramm schweren Anhänger ziehen kann.

Kundenlob wird wahrscheinlich auch für die Größe des Kofferraums kommen, er fasst 650 Liter und bietet Platz für einige Koffer. Dafür ließen die Macher das Navi weg, das hätte sich ungünstig auf den Verkaufspreis ausgewirkt. „Wir gehen davon aus, dass heute sowieso viele Kunden ein Smartphone haben, das zur Navigation genutzt werden kann“, schätzt Christian die Nutzer ein. Was den günstigen Preis aber noch ausmacht, erklärt Christian, sei das Fehlen von Vertriebspartnerschaften. „Die Bestellung und die Lieferung des Sion erfolgt ausschließlich online“. So spart Sono Motors Kosten, die ansonsten der Handel aufschlägt. Zwei der besten Zulieferfirmen der Welt sind beteiligt am neuen Sonnen-Auto: Continental und Bosch, wobei Continental den elektrischen Antriebsstrang liefert. Und noch ein großer Name fällt auf: Nico Rosberg. Der Ex-Formel-Eins-Weltmeister übernahm mit seiner Firma für Sono Motors die Entwicklung des Fahrwerks.

PRODUKTION INSCHWEDEN

Gegründet wurde Sono Motors 2016 in München von Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians. Als Finanzierung diente eine Crowdfunding-Kampagne auf indiegogo.com. ßerdem wird Sono Motors von den Business Angels Matthias Willenbacher und Marita Hansen unterstützt.

Ende 2021 ging die Muttergesellschaft Sono Group (Niederlande) an die US-Technologiebörse Nasdaq, der Emissionspreis betrug 15 US-Dollar. Laut Sono Motors lagen im Januar 2022 16.800 angezahlte Reservierungen für den Sion vor. Nach einigen Schwierigkeiten der Finanzierung konnte eine drohende Insolvenz abgewendet werden. Nicht mal eine neue Fabrik muss Sono Motors für das neue Auto bauen. „Wir planen den Sion im ehemaligen Werk der Kultmarke SAAB in Trollhättan in Schweden zu fertigen“, verrät Christian. Die ehemalige Saab-Fabrik befindet sich im Besitz eines Chinesen, der sie eventu-Sono Motors’ Solartechnologie auf Nutzfahrzeugen trägt zur Steigerung der Unabhängigkeit von Ladestops und zur Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und CO2 bei ell verkaufen will.

Die Nutzung einer alten Autofabrik ist nicht nur nachhaltig, sondern auch klimafreundlich. Mehr noch: Der Sion soll unter Verwendung von 100 Prozent erneuerbarer Energie produziert werden. Geplant ist eine Menge von rund 260.000 Solar-Autos in acht Jahren zu fertigen. Bei alledem achtet Sono Motors darauf, als nachhaltig agierendes Unternehmen aufzutreten. „Wir sehen uns in der Verantwortung, auf Verbesserungen in der Lieferkette hinzuarbeiten“, so Christian. „Deshalb haben wir Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit in unsere Einkaufsrichtlinien aufgenommen.“ Konkret heißt das, dass man Diskriminierung ausschließen ,Menschenrechte bewahren, Zwangsarbeit oder Kinderarbeit bekämpfen sowie Eingriffe in die Natur und die Umwelt so gering wie möglich halten will.

Ob die Umweltprämie, die die meisten anderen E-Autos um einiges billiger macht, auch für den Sion zu haben ist, steht noch in den Sternen. Denn für die Prämie setzt der Staat einen Herstellereigenanteil von 3.000 Euro voraus, den Sono Motors nach der derzeitigen Lage nicht zahlen wird. •

Text: Dirk Engelhardt