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»DAS BASSSPIEL HAT MEIN DRUMMING VÖLLIG UMGEKREMPELT«


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drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 07.12.2022

DRUMMER

Artikelbild für den Artikel "»DAS BASSSPIEL HAT MEIN DRUMMING VÖLLIG UMGEKREMPELT«" aus der Ausgabe 1/2023 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 1/2023

Man kann von Glück sagen, dass CHRIS COLEMAN nicht seinen ursprünglichen Plan verfolgt hat: Dann wäre er Elitesoldat geworden und die Welt um einen phänomenalen Drummer ärmer. Dabei ist er auch studierter Bassist – eine Tatsache, die ihm bis heute zugutekommt, wie Coleman im Interview erzählt.

Seine herausragende Musikalität hat Coleman nicht nur auf Tour mit Chaka Khan, Beck und vielen, vielen anderen, sondern auch mit niemand Geringerem als Prince im Studio unter Beweis gestellt – »Welcome 2 America«, das Album, das Coleman 2010 mit ihm aufnahm, erschien allerdings erst im vergangenen Jahr und somit einige Jahre nach dem Tod von Prince. Darüber hinaus ist Coleman ein international mehr als gern gesehener Clinician, verfügt er doch über ein außerordentliches Didaktik- und auch Unterhaltungstalent.

Wenn jemand wie du als Zweijähriger mit dem Schlagzeugspielen angefangen hat, ...

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... darf man das getrost als Frühstart bezeichnen. Dein Onkel soll sogar Sticks und Snaredrum zu deiner Geburt mit ins Krankenhaus gebracht haben. Würdest du dich selbst als »natural born drummer« bezeichnen?

Wenn man sich allein diese Umstände vor Augen führt, ja. An dem Punkt, wo ich mich heute in meinem Leben befinde, muss man wohl sagen, dass es meine Bestimmung war. Mein ursprünglicher Lebensentwurf war es allerdings nicht: Ich wollte Navy-SEAL [eine Spezialeinheit in der U. S. Navy] werden und Jets in der Air-Force fliegen. Das hat aber nicht funktioniert. Gott hat mich woandershin geführt.

Als du 2001 den »Guitar Center Drum-Off«, einen der wichtigsten Nachwuchswettbewerbe in den Staaten, gewonnen hast, hast du dir da ausgemalt, dort zu landen, wo du heute bist?

Nein. Der Wettbewerb hat mich in eine verrückte Lage gebracht: Zunächst einmal ist es natürlich toll, einen solchen Contest zu gewinnen. Auf der anderen Seite gibt es aber kaum Gewinner, die darauf eine wirklich professionelle Karriere haben aufbauen können. Deswegen musste ich mich bewusst entscheiden weiterzumachen oder in meinen ursprünglichen Beruf als »Correctional Officer« im County-Jail zurückzugehen. Ich habe mich für die Musik entschieden, wollte aber noch ein paar Dinge vollenden, die ich gemacht hatte, bevor ich New York City verließ. Zudem wollte ich Musik schreiben und das Business dahinter wirklich verstehen können. Statt also mit dem gewonnenen Wettbewerb in der Tasche direkt in die vermeintliche Karriere als Drummer zu starten, bin ich wieder zur Schule gegangen und habe Bass, Musiktheorie und Business am Atlanta Institute of Music studiert. Nur Drummer zu sein, das wäre mir einfach zu wenig gewesen, denn ich wollte möglichst viel Kontrolle über mein Leben haben.

ICH HABE GERNE SPASS, ALBERE HER-UM UND AR-BEITE PROFES-SIONELL – ALL DAS GEHÖRT ZUSAMMEN

Hat das Bassstudium dir beim Schlagzeugspielen geholfen oder es beeinflusst?

Ja, auf jeden Fall. Sehr sogar. Es hat mein Schlagzeugspielen völlig umgekrempelt. Du wirst einfach viel schneller zu einem richtigen Musiker [lacht]. Bei mir war es auch so, dass ich mit dem Bass ziemlich viele echte Gigs gespielt und ihn nicht einfach als Zweitinstrument verstanden habe, denn ich wollte in gleicher Weise beide Instrumente beherrschen. Dann erst gehen dir die Augen auf – anders jedenfalls als wenn du nur jammst oder übst. Sich mit dem Bass durch Studioarbeit und Sessions zu manövrieren, hat mich sehr herausgefordert und geprägt.

BIOGRAFIE

Christopher R. »Chris« Coleman, Jahrgang 1979, war schon früh als Drummer unterwegs: Er spielte mit seinem Vater und seinen Onkels in einem Gospelensemble, später in verschiedenen Jazz-, Variety- und Showbands. 1999 schloss Coleman das »Drummer’s Collective« in New York mit Auszeichnung ab und wurde in Berklee sowie an der Manhatten School of Music als Student angenommen. 2001 gewann er den renommierten »Guitar Center Drum-Off«-Wettbewerb, studierte anschließend in Atlanta Bass und unterrichtete Schlagzeug. Neben seiner Unterrichtstätigkeit war Coleman viel live unterwegs, zu Beginn mit »Praise & Worship Bands«, ab 2005 mit Edwin Hawkins, Chaka Kahn, Patti Labelle, EnVouge, Pussycat Dolls, Christina Aguilera, Randy Brecker, New Kids on the Block, Bootsy Collins, Sheila E, Stevie Wonder, Lee Ritenour, Beck und anderen. 2010 nahm er mit Prince dessen Album »Welcome 2 America« auf, das 2021 erschien.

Spielst du denn heute auch noch Bassgigs?

Nein, nicht mehr so viel. Das hat vor allem mit den Zeitfenstern zu tun – es ist nicht so, dass ich das nicht tun wollte. Wenn ich wie jetzt aktuell an meinem eigenen Projekt arbeite, kann ich das alles sehr ausführlich tun. Vieles von dem, was ich schreibe, entwickelt sich schließlich auf dem Bass. Heute stehen Bass und Schlagzeug für mich auf einer Stufe. Das war am Anfang meiner Karriere natürlich anders, denn da ging’s nur um Drums. Der kürzlich verstorbene Joel Smith [Drummer und Bassist, vor allem mit Gospel-Background] ist eines meiner großen Vorbilder – das gilt sicher für alle Gospelmusiker: Er konnte auf einem Album die Drums und den Bass einspielen, und es wurden Hits daraus. Das war jahrelang so, vor allem in den Siebzigern. Wir haben uns immer gewundert, warum die Grooves zwischen Bass und Drums so tight waren. Heute ist es klar: Es ist ein und dieselbe Person, die sie eingespielt hat!

Schulisch warst du also bestens ausgerüstet. Was hast du in den Bands von Chaka Khan und Prince zusätzlich gelernt?

Das Wichtigste ist wohl, wie man in gewissen Kontexten funktioniert. Auch die großen Stars müssen leben, menschlich sein dürfen und von Tag zu Tag mit ihren Anforderungen klarkommen. Auch jemand wie Chaka Khan ist mal müde von Interviews und Fotosessions, die dann noch von einem Gig am Abend gefolgt werden – und das alles mit Jetlag. Dann braucht man einfach mal Raum für sich. Mit solchen Dingen umzugehen, habe ich in diesen Bands gelernt – wie man in einem völlig anormalen Leben ganz normal ist und dennoch funktioniert, wenn es darauf ankommt [lacht]. Davon abgesehen habe ich natürlich auch musikalisch sehr viel mitgenommen: Manchmal war es vielleicht nur ein kleines Wort oder eine unterstützende Geste, die es ausgemacht hat. Auch eine kleine, nett ausgedrückte Korrektur hier und da katapultiert dich in deiner Entwicklung Lichtjahre weiter – wenn’s jemand sagt, der Grammys und so weiter gewonnen und ein Vermögen mit seiner Musik verdient hat. Das kommt ja nicht von ungefähr. Mein Großvater hat immer gesagt, dass man von jedem, egal auf welchem Level, immer mindestens zwei Dinge lernen kann: was man tun und was man nicht tun soll [lacht].

Hast du ein konkretes Beispiel für eine solche Lektion?

Eines schießt mir sofort in den Kopf – ein Beispiel, das dafür gesorgt hat, dass ich Musik ganz anders sehe: Als ich den allerersten Song mit Prince im Studio [für »Welcome 2 America«] aufgenommen habe, waren wir gerade dabei, unseren Kram aufzubauen. Wir hatten die Parts drauf und wollten loslegen. Der Engineer drückte auf »Record«, und ich wartete auf den Clicktrack, denn daran war ich gewöhnt – es kam aber keiner. Prince, der selber der Engineer war und die Aufnahmemaschine mit einer Fernbedienung aus dem Studio heraus steuerte – der Mensch hinter der Scheibe war nur sein Assistent –, schaute mich an und sagte: »Zähl an!« Ich meinte, da sei kein Click, und er lachte: »Ich bin dein Click, mach dir um solchen Kram keine Sorgen.« Die Betonung lag auf »Kram«. Also habe ich angezählt, wir haben gespielt, und Prince hat tatsächlich alles genauso behalten, wie wir’s eingespielt hatten. Ich weiß das so genau, weil ich mir detailliert gemerkt habe, was wir eingespielt haben – für den Fall, dass er etwas zusammenschneiden, anders zusammenbauen oder mich komplett ersetzen würde. Auch das wäre natürlich völlig okay gewesen, denn ich war ja schon geehrt, dass ich überhaupt dabei sein durfte. Heute ist auf der Platte alles so, wie wir’s damals gemacht haben – ohne Click [lacht]! Was ich daraus gelernt habe, ist, dass man sich als Musiker niemals verleugnen darf. Wir brauchen heute Pro-Tools, Clicks, Processing und all diese Dinge, die die Musik so machen, wie wir sie zu hören gewöhnt sind, aber auf der anderen Seite darf man eben nie vergessen, wer man ist und was die Persönlichkeit als Musiker ausmacht. Du brauchst diese ganzen Dinge nicht, obwohl sie natürlich unterstützen können.

DISKOGRAFIE

Auswahl Isreal & New Breed: Live From Another Level (2004) Michael Gungor: Battle Cry – Worship From the Frontlines (2005) Jackie Gouché: The Way You See (2007) Chaka Khan: Funk This (2007) Lalah Hathaway: Where It All Begins (2011) Kevin Toney 3: New American Suite (2012) BJ Putnam: More & More (2015) Uche Agu: The Glory Experience Live In Houston (2015) Lee Ritenour: Twist Of Rit (2015) Chris Standring: Ten (2016) Jack Lee: La Habana (2019) Grigory Leps: div. Alben (2013-2020) Prince: Welcome 2 America (2021)

Normalerweise schreibst du dir deine Stimme für ein Projekt ganz detailliert aus?

Ja, schon. Auch wenn der Künstler es nicht unbedingt fordert. Auf der anderen Seite will man – vor allem für den Künstler – natürlich auch nicht wie ein Roboter spielen, der ständig auf seine Charts guckt. Meine Augen sind komplett auf dem Frontmann, was bedeutet, dass ich mit Engagement dabei bin. Das bekommst du auch von einem Künstler zurück.

Nun ist das Album, das ihr damals aufgenommen habt, erst elf Jahre später und nach Princes Tod erschienen.

Es war ja das erste und einzige Album, das ich mit Prince habe machen dürfen. Niemand weiß, warum er das Album damals nicht veröffentlicht hat. Prince ging ganz mit dem Fluss des Lebens – ich weiß das so genau, weil wir schließlich am gleichen Tag Geburtstag haben. Daher kenne ich diese besondere Energie [lacht]. Damals war ich natürlich schon etwas enttäuscht, musste mich aber damit abfinden. Es war auch seltsam, Freunde von mir die Musik live spielen zu hören, die ich aufgenommen hatte, die aber nicht auf dem Markt war.

Ich habe jedoch alle Musiker, die mit Prince anschließend tourten, angerufen und sie beglückwünscht. Sie sind schließlich langjährige Freunde. Vielleicht war die Sache auch eine Art Test für mich selber: Würde ich nach diesen elf Jahren als depressiver Sack enden? Als die Platte dann tatsächlich erschien, war ich völlig aus dem Häuschen. Ich habe in diesem Business gelernt, nie so etwas wie konkrete Erwartungen an das Geschehen zu haben. Die habe ich nur mir selber gegenüber. Keine allgemeinen Erwartungen zu haben, versetzt dich in die Lage, dem Ergebnis gegenüber immer sehr positiv eingestellt zu sein. Du bist halt nie enttäuscht, wenn etwas nicht so kommt, wie man es sich vorgestellt hat [lacht].

Du hast mal gesagt, dass man sich selbst und seine Leistung auch »verkaufen« können muss...

EQUIPMENT

Drums: Sonor »SQ 1« oder »Vintage« 20? x 16? Bassdrum 8? x 7?, 10? x 7?, 12? x 7? Toms 14? x 13?, 16? x 15? Floortoms 14? x 6? »Cottonwood«-Snaredrum 12? x 5? »Artist«-Snaredrum Cymbals: Meinl 14? »Byzance Vintage Pure«-Hihat 16? »Classics Custom Dark Trash«-China 15? »Byzance Brilliant Thin«-Crash 18? »Byzance Brilliant Medium Thin«-Crash 20? »Byzance Brilliant Medium«-Crash 10? »Byzance Dual«-Splash 21? »Byzance Vintage C Squared«-Ride (Chris-Coleman-Signature-Ride) 10?/12?/14? »Byzance Vintage Smack«-Stack Hardware: DW Drumheads: Evans »EC2«-/»G12«-Clear (Toms) »ST DRY«-Coated und »EC2«-Coated (14? und 12? Snare) »EQ4« (Bassdrum) mit »EQPC2«-Bassdrum-Patch Sticks: Vic Firth (Chris-Coleman-Signature-Stick) Sonstiges: Meinl »Drum Honey« Meinl Drum-Rug-Black Markbass

NETZ

. Global

Es gibt nun mal diesen geschäftlichen Aspekt, und ich bin mein Business. Es ist natürlich immer ein schmaler Grat, auf dem man da wandert, denn ich habe kein Unternehmen, sondern bin das Unternehmen. Immer dann, wenn mir jemand zuhört, präsentiere ich sozusagen meine Business-Card. Das muss mir immer bewusst sein und gilt sogar dann, wenn ich nicht spiele [lacht]. Bist du derselbe auf und abseits der Bühne? An solchen Dingen arbeite ich. Ich habe gerne Spaß, albere herum und arbeite professionell – all das gehört zusammen. Wenn ich abends von der Bühne gehe, möchte ich aber immer derselbe sein.

Wenn man sich deine Dynamik am Drumset genauer anhört, scheinst du daran sehr bewusst gearbeitet zu haben. Wie bist du vorgegangen?

Das hat in erster Linie mit meiner Erfahrung zu tun. Natürlich muss man solchen Erfahrungen auch erlauben, Auswirkungen auf einen selbst zu haben. Eine Erfahrung zu machen, heißt ja nicht, dafür auch offen zu sein. Wenn ich heute mit Beck spiele, dann mag er vor allem Grooves und nicht so sehr abgefahrene Fills, Chops und so weiter. Vieles bei ihm hängt vom Genre oder einer gewissen Ära ab: Manchmal fragt er zum Beispiel nach Keith Moon oder den Doors. Dann ist mir klar, dass er diese besondere Energie haben möchte. Wenn du dich also mit solchen Dingen auseinandersetzt, kommt dein Zusammenspiel mit jemandem sozusagen auf eine engere gemeinsame Frequenz. Wenn ich dafür nicht offen bin, dann kann ich auch nichts entwickeln, das mein Arsenal erweitern würde. Solche Dinge haben mein Bewusstsein auch für Dynamik sehr geschärft. Auf der anderen Seite ist natürlich mein kirchlicher Hintergrund, in dem man einfach nicht so laut spielen durfte [lacht]. Man will die Leute ja nicht beim Beten stören. Wenn’s um Support geht, darf man die Leute nicht mit seinem Kram ablenken.

Für all das braucht es natürlich viel Kontrolle am Drumset.

Ja, aber alles beginnt beim Darüber-Nachdenken. Wenn ich auf der Bühne bin, dann muss ich das gesamte Team im Blick haben. Deswegen entwickelt sich Dynamik.

Du hast gerade mit Meinl dein Signature-Ridebecken entwickelt. Wie kam’s dazu?

Es ist ein relativ schweres Becken geworden und hat jede Menge Löcher [lacht]. Meinl hat mir fünf verschiedene Versionen nach meinen Klangvorstellungen geschickt. Am Ende waren es circa 60 Becken. Dabei ging es vor allem um die Gewichte sowie die Kombinationen der verschiedenen Oberflächengestaltungen miteinander. Die habe ich dann bei Gigs und Sessions ausprobiert – auch wenn’s den Künstler oder die Band natürlich gar nicht interessiert hat, denn die haben etwas anderes im Blick als Ridebecken [lacht]. Am Ende ist ein Becken übrig geblieben, bei dem mir Bell und Ton gefielen – nur das Sustain war wesentlich länger, als ich es gerne gehabt hätte. So haben wir gemeinsam Ideen entwickelt, um das Sustain in den Griff zu bekommen. Also hatte man bei Meinl die Idee mit den Löchern am Rand des Beckens. So was hatte man dort bei einem Ridebecken noch nie gemacht. Also kam eines Tages eine Lieferung mit sechs, sieben Becken mit Löchern am Rand. Ich bin vom Sound her ausgeflippt, obwohl ich die Idee allein von der Theorie her wahrscheinlich für gar nicht so gut gehalten hätte. Aber das Resultat war einfach umwerfend und genau das, was ich von einem wandlungsfähigen Ridebecken erwartet hatte. Danach haben wir nur noch winzige Feinheiten beim Gewicht justiert. Herausgekommen ist nun ein sehr musikalisches Becken, das ich überall einsetzen kann. Es ist immer besser, zu viele Optionen als in der einen Situation das Richtige nicht zur Verfügung zu haben. Diese Einstellung habe ich ganz grundsätzlich.

Heute bist du auch viel als Clinician und Lehrer unterwegs. Was gibst du deinen Schülern mit?

Das Wichtigste ist wohl, wie man sich selber immer wieder ermutigt und fokussiert. So hat man weniger mit Ablenkungen von außen zu tun und läuft nicht so sehr Gefahr, die Lust zu verlieren, abgelenkt zu werden oder auszubrennen. Die zweite wichtige Lektion ist, immer mit einem offenen Geist an Sachen heranzugehen. Die dritte Sache, die mit der zweiten eng zusammenhängt, ist, immer eine sehr solide Vorstellung von seiner eigenen Persönlichkeit zu haben und dazu zu stehen. Wenn man zu offen ist, verliert man sich selber aus dem Blick – wenn zwei Mikrofone phasenverschoben sind, dann funktionieren sie schließlich auch nicht richtig. Es geht immer um Balance.

Was sind deine nächsten Projekte?

Im Moment schreibe ich vor allem für meine eigene Platte, die ich dann auch aufnehmen werde. Ich würde gerne in der ersten Hälfte des kommenden Jahres mit meiner eigenen Band unterwegs sein. Vielleicht habe ich etwas zu lange auf die perfekte Situation gewartet, bin aber zu der Entscheidung gekommen, dass es jetzt einfach passieren muss. Alles andere wie Touren mit anderen Künstlern, wovon schon einiges in Planung ist, hängt natürlich nicht nur von mir, sondern auch vom internationalen Pandemiegeschehen ab. Solange wir zuversichtlich bleiben, werden wir das schon schaffen!

Text: Ingo Baron