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Das Beste aus den 70ern & 80ern: Graupner Vintage-Rennboote wiederentdeckt


Modellwerft - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 15.01.2020

Wie viele Modellbauer fing auch ich einmal mit jungen Jahren in den 80ern an. Damals, noch als Jungspund mit gerade sieben Jahren, waren die finanziellen Mittel nicht gegeben, um sich alle ersehnten Modelle zu kaufen. Da ich immer schon eine große Leidenschaft für Rennboote hatte, waren es natürlich auch ganz klar diese, die mein Interesse weckten. Es gab einige, die ich nie aus dem Kopf bekam. Man muss aber auch dazu sagen, das die damalige elektrische Antriebstechnik lange nicht auf dem Stand von heute war.


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Bildquelle: Modellwerft, Ausgabe 2/2020

Hier sieht man alle Originalteile der Cobra nach dem Ausbau


So vergingen die Jahre, in denen ...

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... ich dem Schiffsmodellbau immer irgendwie treu geblieben bin. Mal mehr und mal weniger, ist es in den letzten Jahren doch wieder sehr intensiv geworden und ich habe mir im Laufe der Zeit den einen oder anderen Wunsch erfüllen können. Wie es sich ergab, stieß ich beim Stöbern im Internet auf Bilder eines Modells, das mich in der Jugendzeit immer schon begeistert hat: Eine von Graupner. Für mich stand ganz klar fest, dass ich auf die Suche nach eben diesem Modell gehen musste. Es gingen Wochen meiner Recherche dahin, und ich wurde ich auf weitere Modelle meiner Anfangszeit aufmerksam.

Spaß mal drei

So ergab es sich, dass gleich drei Vintage- Rennboote in meinen Besitz wech- selten. Da die Modelle schon einige Jahre auf dem Buckel hatten, war der Zustand mehr oder weniger gut, und alles musste natürlich in einen ansehnlichen und funktionellen Zustand gebracht werden.

Einlegen des CFKAFK- Gewebes in den Cobra-Rumpf zum Versteifen


Alle Neuteile sind bereits in der Cobra verbaut


Die Cobra nach dem Aufbringen des Designs


Genau über dies will ich hier einmal Berichten, um vielleicht den einen oder anderen dazu zu verleiten, seine Oldtimer wieder auf Vordermann zu bringen. Es sind nun drei Modelle die meine Zuneigung bekommen, Cobra, Portofino und Systems. Bei allen Modellen handelt es sich um sogenannte „ABS-Bomber“. Doch was man mit der heutigen Technik und den alten Formen machen kann, das ist wirklich beachtlich.

Die Modelle findet man eigentlich nur noch im gebrauchten Sektor. Unangetastete Baukästen oder Modelle in perfektem Zustand werden so teuer gehandelt, dass mir das dann doch zu viel Nostalgie ist. Nun folgt die Geschichte der drei Graupner-Modelle bis zum heutigen Stand.

Zuerst entkernte ich die Modelle. Das heißt im Klartext Einbauten raus und den alten Lack runter. Antriebstechnisch wollte ich so original wie möglich bleiben, denn das war für die damalige Zeit schon sehr nah an den originalen Rennbooten angelehnt.

Die »Cobra«

Früher wurde sie oft mit einem Getriebe- Motor versehen. Grund hierfür war es, den Strom so klein wie möglich zu halten. Denn zu dieser Zeit waren 20 A schon eine Menge. Nicht nur die Schalt- und Regelelektronik, nein auch die Akkus lieferten nicht das, was heute Standard ist.

Um mein Konzept von der Cobra zu verwirklichen, sollte der originale Hydro- Antrieb am Heck beibehalten werden. Nur das verbaute Getriebe im Inneren musste weichen. Der Hauptgrund hierfür war das Zerfallen der Ritzel, und wie schon erwähnt, ist es einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Cobra wurde früher mit einem 500er-Bürstenmotor auf Getriebe angetrieben. Dies übernimmt heute ein Brushless 2845 mit 2.000 kV an 2S. Nun wird der ein oder andere vielleicht sagen, dass dies eher ein harmloses, nahezu langweiliges Setup ist. Aber es handelt sich auch um ein in die Jahre gekommenes Modell, das sich nicht nur von einem zum nächsten Abflug aufschaukeln soll, sondern schon in sportlicher Geschwindigkeit schnelle Kreise ziehen soll. Zudem wird bei dem von mir gewählten Hydroantrieb die Last über ein Kardangelenk auf den Propeller übertragen. Auch bei dieser Antriebstechnik muss die Leistung angepasst bleiben.

Nachdem das Modell entkernt war, legte ich etwas CFK/AFK und eine Lage GFK in die Lauffläche des Unterschiffs ein. Das ABS bei diesen Modellen ist eher als weich zu bezeichnen und so gebe ich ausreichend Stabilität. Eine Kompakt- Wellenanlage wurde im Modell verbaut. Dadurch wanderte der Motor Richtung Nase, um so den Schwerpunkt einzuhalten. Denn im Gegensatz zu 1.300 NICD-Zellen von früher, sind die heutigen LiPos leichter und wesentlich leistungsstärker. Durch die Wahl des Aufbaus kann ich einen 6.000-mAh- LiPo im Heck positionieren und erhalte den perfekten Schwerpunkt. Somit ist es nur noch daran, die Welle nebst Halter einzukleben. Die Anlenkung wurde vom Heckspiegel auf die rechte Seite des Modells verlegt. Ein passender Halter nimmt das Servo nun auf. Auch die Anlenkung wurde von zwei Haltepunkten auf einen Anschlagpunkt verlegt. Dies ist völlig ausreichend und gibt mir mehr Platz im Inneren. Einen passenden BL-Regler mit 40 A legte ich auf die rechte Seite neben den Motor. Akku und Regler werden mittels Klettband auf Position gehalten. Stand nur noch an, das Modell in ein passendes Design zu packen. Auf dem originalen Karton war die Cobra in einem Design abgebildet, das es in drei Farben gab. Dieses fand in der Farbe Rot auf meinem Modell seine Anwendung und wurde Freihand mittels Plotter-Folie aufgebracht. Das Ganze ist zwar etwas fummelig, sieht aber wirklich gut aus. Nach der ersten Testfahrt war klar, dass die Leistung vollkommend ausreichend ist. Mit einen 31-Dreiblatt- Carbon-Propeller und 2S liegt die Cobra sehr frei, lässt sich aber dennoch gut steuern. Es macht wirklich Spaß, das Modell über den See zu scheuchen und das mit fast 50 km/h. Damit ist das Modell bestens ausgestattet und die Fahrzeit liege bei über 20 Minuten.

Die Cobra in der engen Kurvenfahrt


Die entkernte Portofino mit den Ausbauteilen der Version 2


Die »Portofino«

Hier war es mir nur möglich, eine Portofino 2 zu erstehen. Der Unterschied der beiden Modelle ist der Antriebsstrang. Werden bei der ersten Version noch zwei Schwenkantriebe verwendet, gibt es bei der Version 2 nur noch einen starren Antrieb mit getrenntem Ruder hinter dem Propeller.

Da mir persönlich aber die Version 1 viel besser zusagt, wurde die Portofino komplett umgebaut. Alles beginnt mit dem Ausbau der Komponenten. Nach dem der Rumpf komplett leer war, wurde auch schon – wie bei der Cobra – die Lauffläche von innen mit CFK verstärkt. Da es die Original Graupner-Hydroantriebe nicht mehr gibt, wurden zwei der Firma Krick ausgewählt. Hier bedarf es leider einiger Anpassungen. So erstellte ich aus Holz einige Rahmen und Halter, die den Antriebsstrang letztendlich aufnehmen. Durch die Ausführung der Rahmen stabilisierte sich auch das weiche ABS im Heckbereich und die Antriebe sitzen fest. Für den Vortrieb erwählte ich zwei 2845-Brushless- Motoren mit einer Drehzahl von 3.000 kV. Die Leistung beider Antriebe wird dann jeweils auf einen rechtsund linksdrehenden 36-mm-Carbon- Propeller abgegeben. Somit kann ich dem Propwalk, also dem Drehmoment auf den Propeller, entgegenwirken. Durch starre Wellen sind die Motoren mit den Schwenkantrieben verbunden. Die Steuerung übernimmt ein zentrales Servo, welches nur mit einem Antrieb verbunden ist. Da beide Schwenkan- triebe durch eine Strebe verbunden sind, lenken beide sicher mit.

Hier sieht man gut die für den Umbau auf Version 1 der Portofino benötigten Spanten aus Holz


Hier die Antriebe, so wie sie danach verbaut werden sollen


Es zeigte sich bei der ersten Testfahrt, dass mein Setup gut gewählt war. Ich habe für jeden Antriebsstrang einen eigenen Fahrakku mit 2S und 6.000 mAh, was für Fahrzeiten über zehn Minuten reicht. Das Modell liegt sehr sauber auf dem Wasser und ist für sein Alter verdammt schnell.

Mit knapp über 60 km/h hat man richtig Spaß bei Vollgas. Es macht aber genau so viel Freude, das Modell gemütlich seine Kreise ziehen zu lassen.

Die »Systems«

Zu diesem Modell kam ich sehr unerwartet. Im Bekanntenkreis berichtet man sich ja immer wieder von Projekten und Plänen. So wurde ich von ei- nem sehr netten Bekannten aus Ludwigshafen angesprochen, ob ich nicht Interesse an einer Systems habe. Kurz darauf übergab er mir zwei Rumpfschalen und den original Schwenkantrieb. Es war klar, dass auch dieser ABSBomber fertig gestellt werden musste. Wie schon bei den beiden anderen Modellen wurde das Unterschiff mit CFK verstärkt. Der original Antrieb bei der Systems bestand aus einer Getriebeeinheit, die über eine Flexwelle mit einem Schwert verbunden war. Es wurde kein Kardangelenk, wie bei den beiden anderen Modellen benötigt. Um das Modell auf den heutigen Standard zu bringen, wurde für den Einbau des Motors ein Motorspannt aus GFK der Firma Modellbaupirat verwendet. Da sich dieser im Winkel variieren lässt, konnte ich den Motor zur Welle so ausrichten, dass sich ein homogener Bogen ergab und dennoch der Deckel passte. Denn hier ist nicht viel Höhenmaß, um einen Motor passend einzubauen.

Die Antriebe der Portofino sind fertig mit den Spanten verbaut


Die Schwenkantriebe sind am Heck der Portofino verbaut. Gut zu sehen, wie sie angelenkt sind


Die Portofino geht richtig gut ab


So habe ich die Systems erhalten: zwei Halbschalen und ein Schwert


Man sieht die Welle der Systems nebst Abstützung und Schwert


Die 3,2-mm-Flexwelle führte ich unter dem Rumpf in einem 7-mm-Messingrohr, das mit einem Teflonrohr versehen ist. Am Heck stützt das Stevenrohr eine Strebe zum Rumpf ab. Jetzt noch beide Rumpfhalbschalen miteinander verkleben und den Schwenkantrieb in der Mitte des Hecks anschrauben. Das Design der Systems wurde wie schon bei der Cobra, den Bildern der Originalverpackung nachempfunden. Eine schwarze Teillackierung und einige Dekore, die frei Hand entstanden, sorgen für ein tolles Aussehen. Zum Antrieb sei noch gesagt, dass ein Brushless-Motor der Größe 3540 mit 3.600 kV an einem 2S-LiPo mit 6.000 mAh ausreicht, um das Modell mittels 36-Carbon-Dreiblatt auf über 60 km/h zu beschleunigen. Das Fahrbild ist sehr ansprechend und das Modell lässt sich sehr gut handeln. Die Fahrzeit liegt auch hier bei über zehn Minuten.

Der Motor der Systems wird mittels Halter zur Welle ausgerichtet


Motorhalter und Welle sind eingebaut. Durch das CFK wirkt die Systems hochwertig


Alles fertig verbaut – die Systems wartet auf die Erstfahrt


Fazit

Abschließend bin ich sehr froh, dass ich die drei Modelle restauriert habe. Durch die Möglichkei- ten, die einem heutzutage zu Verfügung stehen, bleiben keine Wünsche offen

In meinem Fall habe ich drei sehr ansehnliche 70er- und 80er-Jahre-Vintage- Modelle zum Leben erweckt. Bei richtiger Abstimmung erhält man ein Top-Rennboot. Was mir persönlich sehr gut gefällt, ist, dass es in keinster Weise nötig ist, die Modelle abzukleben. Akku rein und einfach Spaß haben und das bei extremen langen Fahrzeiten. Mir macht es sehr viel Freude, die Modelle übers Wasser zu scheuchen.

Ich hoffe, dass der ein oder andere nun auf den Geschmack gekommen ist, seinen Oldtimer wieder herzurichten. Es wäre doch sehr schade, wenn eben diese Modelle in Vergessenheit geraten würden. Auf unserer Homepage www.modellwerft.de können Sie diese drei Rennbootklassiker im Video erleben.