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Das beste Weihnacten aller Zeiten


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 06.11.2019

Harmonie, Besinnlichkeit und ein schönes Fest wünschen wir uns alle. Aber viel zu oft fühlen wir uns schon in der Adventszeit gestresst, und die Feiertage enden in Frust und Streit. Unvermeidlich ist das nicht. Hier sind einige Ideen, wie es besser laufen kann


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Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 12/2019

Oh wie schön ist Weihnachten: Alles ist geschmückt und herausgeputzt, Kerzen brennen, überall funkeln Sterne. Es riecht nach Zimt, Nelken, warmen Esskastanien – und wenn es wirklich perfekt kommt: nach Schnee! Bei manchen klingt Weihnachten wie ein Oratorium, bei anderen dudelt „Last Christmas“ in Endlosschleife. Mütter haben dauernd Teig an den ...

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... Händen vom Plätzchenbacken, kleine Wunden an den Armen von stacheligen Nadeln vom Kranzbinden und Baumschmücken.

Unermüdlich arbeiten ihre Finger mit Bastelschere an knisterndem Geschenkpapier, und ewig schälen sie Mandarinen.

Ach, es könnte sooo schön sein, wäre da nicht etwas, das Weihnachten mit vielen Tagen verbindet, auf die wir uns besonders freuen – Geburtstagen, Abschlussfeiern, Hochzeiten: Die Tage eint, dass sie mit Erwartungen überfrachtet sind und sich die wenigsten Menschen an diesen Höhepunkten im Leben so verhalten, wie sie sollten. Aber es gibt einen gewissen Trost: Das Phänomen ist weitverbreitet. Die meisten von uns hatten schon mindestens einmal einen Weihnachtsblues. Und manchmal erwischt er uns sogar schon Mitte August.

Zum Beispiel Christine. Alles, was sie sich gewünscht hatte von dem Moment an, als sich das Baby ankündigte, war, all ihrer Liebe Ausdruck zu verleihen, die sich für ihren Mann und das Kleine in ihr angestaut hatte und die immer weiterwuchs. Doch es kam alles ganz anders, als sie erwartet und erhofft hatte. Die ersten Monate und auch das erste gemeinsame Weihnachtsfest mit dem ein Vierteljahr alten Säugling verliefen noch fröhlich. Dann kam der Alltag: Durchwachte Nächte, durchgetaktete Tage mit Kita, Kinderarzt und Konferenzen. Christine hatte ein halbes Jahr nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten. Mit Vollzeitjob, einkaufen, putzen, waschen, kochen etc. war Christine innerhalb weniger Wochen ein nervliches Wrack. Tat der Vater nicht genug? Christines Mann bemühte sich, doch es reichte nicht. Christine erinnert sich an einen heißen Augusttag in der Kantine eines großen Münchner Verlagshauses, als es sie erwischte wie ein Hexenschuss. Sie fühlte sich plötzlich unendlich schwach und elend, als sie ihren verblüfften Kolleginnen plötzlich unvermittelt mitteilte: „Dieses Jahr schaffe ich keinen Weihnachtsbaum.“ Großes Gelächter, nicht enden wollende Heiterkeit. Christine hatte offensichtlich einen Knall. Die anderen schwärmten von ihren Sommerurlauben, und die junge Mutter bangte jetzt schon vor dem schönsten Fest des Winters.

Ein entspanntes Fest mit ihren Kindern: Das wünschen sich alle Eltern. Leichter ist das zu erreichen, wenn wir unsere Ansprüche etwas niedrigerhängen


Idee 1

Adventskranz

Wer sagt, dass es immer ein Adventskranz, möglichst selbst gebunden, sein muss? Vier Kerzen auf einem großen Teller mit Weihnachtskugeln oder einem Apfel und Nüssen in der Mitte sind auch sehr schön und machen viel weniger Arbeit.

Fünf Monate später leuchtete auch in Christines Familie ein liebevoll geschmückter Weihnachtsbaum. Was sie gerettet hat? Die kleine Tochter. Anfang Dezember hatte Christine eines Abends mit letzter Kraft das Kind im Kinderwagen durch ihr langweiliges Vorstadtviertel zum Supermarkt geschoben. Dunkelheit, Nieselregen und in jedem zweiten Vorgarten eine armselige Lichterkette, lieblos über Strauch oder Baum geworfen. Christine hatte erst innerlich gestöhnt, aber aus dem Wagen kam grenzenlose Begeisterung über die bescheidene Dekoration. „Uiiii“ und „daaaa“, fuchtelnde Ärmchen, funkelnde Augen, glockenhelles Kinderlachen. Bestens gelaunt kehrte Christine mit ihrer Tochter vom Einkauf heim, und sie blickte kraftvoller und mit neu erwachter Zuversicht nach vorn. Um Freude zu schenken, braucht es nicht viel. Das Leben ist schön. Dank ihrer Tochter hatte auch Christine der Zauber von Weihnachten gestreift, und das war der Anfang vom Ende ihrer Krise.

Idee 2

Deko

Mit Lichterketten, Tannengrün und klingenden Glöckchen kann man sein Heim perfekt dekorieren. Muss man aber nicht. Haben Sie Krippenfiguren? Stellen Sie zum ersten Advent Maria, Josef und das Eselchen irgendwo am Zimmerrand auf. Die Kinder dürfen die Figuren jeden Tag etwas näher an die zentral stehende Krippe rücken, ganz so wie die Heilige Familie von Nazareth nach Bethlehem gereist ist.

Idee 3

Plätzchen

Lassen Sie andere backen. Kaufen Sie Plätzchen oder bitten Sie jemanden aus der Verwandtscha.: „Liebe Tante Eva, dieses Jahr haben wir einen Weihnachtswunsch. Deine Plätzchen sind und bleiben die besten. Du würdest uns eine große Freude machen, wenn du uns einen Karton schicken könntest.“

Lassen wir uns von der Vorfreude unserer Kleinen anstecken. Füllen wir die Wochen des Festes mit Gemütlichkeit. Schalten wir nicht sieben Gänge hoch, sondern besser drei Gänge runter. Was uns Weihnachten verhagelt, ist in erster Linie: Perfektionswahn! Machen wir uns frei davon.

Nein, wir müssen nicht selbst Plätzchen backen, wenn wir schon genug auf dem Zettel haben. Nein, wir müssen nicht schon im Advent einen Preis für die beste Dekoration einheimsen. Nein, wir müssen nicht auf jede Weihnachtsfeier gehen, wenn wir weder Zeit noch Lust haben. Nein, kleine Kinder brauchen keinen Berg an Geschenken, die innerhalb von Minuten achtlos in der Ecke liegen. Nein, wir müssen es nicht jedem recht machen.

Beispiel Amelie. Sie wohnt mit ihrer Familie in München, die eigenen Eltern in der Nähe von Köln. „Kommt ihr Weihnachten zu uns?“, fragten Oma und Opa vor ein paar Jahren, und Amelie wusste auf diese einfache Frage keine Antwort. Sicher, die Großeltern sehnten sich nach ihren Enkeln. Aber sich selbst auf die Reise machen, wollten sie an den Feiertagen auch wieder nicht. Sie fanden, dass es „sich gehöre“, dass die junge Familie anrückt. Amelie wollte eigentlich nach Tagesform entscheiden, aber kurz vor Heiligabend platzte den Eltern der Kragen. Amelies Mutter setzte ihre Tochter mächtig unter Druck: Sie müsse planen und brauche eine Zusage – ohne jedes Wenn und Aber.

Idee 4

Vorfreude im Advent

Löschen Sie am Nachmittag das Licht. Stellen Sie unbedingt das Smartphone aus. Schalten Sie den Fernseher ab. Kuscheln Sie mit den Kindern und lesen Sie ihnen bei Kerzenschein und leckerem Tee Geschichten vor, singen Sie zusammen oder hören Sie gemeinsam eine CD.

Amelie, die lieber daheim geblieben wäre, sagte Ja. Einen Tag vor Heiligabend begann es zu schneien und hörte nicht mehr auf. Amelie wagte nicht, ihren Eltern abzusagen. Die Familie setzte sich mit zahlreichen Geschenken, Koffern, Baby und einem Kleinkind ins Auto. Immer heftiger wirbelten die Flocken, die Schneeräumer kamen nicht mehr nach, Amelies Mann chauffierte den Wagen, so gut er konnte. Sie fuhren an unzähligen Autos vorbei, die bereits im Graben lagen. Amelie bekam Panik. Die Kinder spürten die Anspannung und hörten nicht auf zu plärren. Nach einer zehnstündigen Horrorfahrt kam die Familie schließlich im Rheinland an – völlig erschöpft und voller Groll gegen die Großeltern.

Ja, ja, dreimal ja: Die Wünsche einer jungen Familie haben Vorrang. Ja, sie darf entscheiden, wann sie wo an Weihnachten hinfährt oder ob sie besser daheimbleibt. Weihnachten, das sind zunächst mal Vater, Mutter, Kind(er). Und diese drei, vier oder mehr haben jedes Recht zu sagen: Weihnachten ist unser Fest!

Idee 5

Die Weihnachtskonferenz

Treffen Sie sich frühzeitig mit Ihrem Partner (und Oma und Opa? Der Großfamilie?). Jeder darf äußern, wie er sich das Fest vorstellt, was ihm wichtig ist und was ihn stresst. Überlegen Sie gemeinsam, wie entspannte Feiertage vor allem auch für Mutter und Kinder aussehen könnten.

Idee 6

Der Weihnachtsbaum

Schenken Sie sich jeden Ehrgeiz. Der Baum ist schief und schabbelig? Schön, dass wenigstens Ihre Familie das arme Tännchen zu einem Christbaum geadelt hat. Baumschmuck? Ganz egal, irgendwas wird sich schon finden.

Und wie sieht es aus, „unser Fest“? Kommt ganz drauf an. Traditionell mit Gans und Rotkohl, mit Kindermette und allem Pipapo zu feiern kann etwas Wunderbares sein, aber man darf sich mit der Familie auch aus dem Staub machen und einfach in den Urlaub fahren. Und wenn Mutter und Vater sich nicht einig sind? Kein Problem: Man kann sich ja abwechseln und ein Jahr nach seinen und das nächste Jahr nach ihren Vorstellungen feiern.

Alle wünschen sich Harmonie zu Weihnachten, doch spielt sich mitunter Hässliches ab. Da brechen Machtkämpfe aus wegen der Auswahl des Christbaums oder des einen oder anderen Geschenks. Ausgerechnet dann, wenn wir es nicht brauchen können, entlädt sich der Frust, und schwelende Wunden reißen so plötzlich auf wie eine unter Druck gehaltene Chipstüte. Streit anfangen oder die Wut hinunterschlucken? Von beidem raten Psychologen ab. Besser sei es, mehrmals tief durchzuatmen und sofort einen Termin für eine Aussprache festzumachen – nach dem Fest.

Idee 7

Geschenke

Weniger ist mehr. Die Kinder bekommen jeweils zwei, drei Kleinigkeiten, und als großes Familiengeschenk gibt es ein gemeinsames Event, z. B. einen Besuch im Zoo oder Zirkus. Und die Verwandtscha? Vorschlag: Eine Geschenkidee (Buch? Tasse? Foto im Bilderrahmen?) reicht. Jeder bekommt das Gleiche.


FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES