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Das böse Verwirrspiel um die Kosten


ÖKO-TEST Ratgeber Sonderheft Rente, Geld, Versicherungen - epaper ⋅ Ausgabe 90/2011 vom 07.10.2011

Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: Der Verbraucher soll bei allen Versicherungen klar erkennen können, wie viel der Vertrag kostet. Dazu müssen die Versicherer eigentlich den Gesamtpreis der Police angeben. Doch darum drücken sich durchweg alle untersuchten Anbieter. Statt für Transparenz zu sorgen, versuchen sie die Kostenbelastung der Verträge zu verschleiern und liefern den Verbrauchern Informationen häppchenweise. So werden die Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten auf verschiedene Posten verteilt und derart zersplittert, dass kein Verbraucher nachrechnen kann. In der Tabelle haben wir die ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Sonderheft Rente, Geld, Versicherungen, Ausgabe 90/2011

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Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: Der Verbraucher soll bei allen Versicherungen klar erkennen können, wie viel der Vertrag kostet. Dazu müssen die Versicherer eigentlich den Gesamtpreis der Police angeben. Doch darum drücken sich durchweg alle untersuchten Anbieter. Statt für Transparenz zu sorgen, versuchen sie die Kostenbelastung der Verträge zu verschleiern und liefern den Verbrauchern Informationen häppchenweise. So werden die Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten auf verschiedene Posten verteilt und derart zersplittert, dass kein Verbraucher nachrechnen kann. In der Tabelle haben wir die Angaben der Versicherer für den Modellfall Klassiktarife Mann 35 Jahre aufgeführt. Sie machen die gängigsten Tricks deutlich.
Verschleiern: Meisterhaft darin ist der Volkswohlbund. Bei seinem Klassiktarif ASR weist er einen „einmaligen Betrag von 865,38 Euro“ für Abschlusskosten aus. Der wird „unter Berücksichtigung von Zinsen auf die ersten fünf Jahre verteilt“. „Daraus ergibt sich für diesen Zeitraum ein jährlicher Betrag von 187,08 Euro“, schreibt der Volkswohlbund in seinem Produktinformationsblatt. Doch fünf Mal 187,08 Euro sind 935,40 Euro. Zu den ausgewiesenen einmaligen Abschlusskosten von 865,38 Euro kommen also noch 70,02 Euro Zinsen. Das entspricht einem Jahreszins von vier Prozent. Den stellt der Volkswohlbund in Rechnung, weil der Gesetzgeber vorschreibt, dass die Abschlusskosten auf fünf Jahre zu verteilen sind. Der Vermittler will aber vermutlich die Provision bei Vertragsabschluss auf einen Schlag haben. Möglicherweise weist der Volkswohlbund die exakten Zinsen oder den Zinssatz auch deshalb nicht aus, weil fraglich ist, ob vier Prozent überhaupt zulässig sind. Nach unserer Auffassung sollten Versicherer diese Kosten nur mit dem Vertragszins, also derzeit mit 2,25 Prozent berechnen.
Verwirren: Viele Versicherer versuchen, die Kunden bei den Verwaltungskosten zu verwirren. Bei der Neue Leben betragen sie zum Beispiel pro Jahr 59,19 Euro plus „4 Euro je 100 Euro Zulagen“ plus „zusätzlich 3 Euro je 100 Euro Rente“, die aus den Zulagen gebildet wird. Das kann kein Kunde nachvollziehen. Damit der Vertrag günstig erscheint, greift die Neue Leben daher zu einem üblen Trick. Sie gibt an, wie hoch ihre eigene Verwaltungskostenquote ist. Die lag 2009 bei 1,1 Prozent. Damit, so teilt sie dem Kunden mit, „hat die Neue Leben eine der niedrigsten Verwaltungskostenquoten aller deutschen Versicherer“. Deren Quote läge nämlich im Schnitt bei 2,7 Prozent. Das Problem: Mit dem Vertrag des Kunden haben solche Angaben überhaupt nichts zu tun. Sie sollen das Angebot lediglich besonders preisgünstig erscheinen lassen. In Wirklichkeit ist der Riester-Vertrag für unseren 35-jährigen Musterkunden aber vergleichsweise teuer. Die ÖKO-TEST-Gesamtkosten liegen bei 6.641 Euro inklusive entgangener Zinsen.
Vergessen: Manche Kostenblöcke werden im Angebot auch schon mal „vergessen“. So geben die Hanse Merkur und die Hanse Merkur 24 in ihrem Produktinformationsblatt zwar Verwaltungskosten von 39,81 bzw. 19,69 Euro pro Jahr an. Das sind aber nur die auf den Eigenbeitrag berechneten Kosten. Die Kosten auf Zulagen werden bei den Angaben im Produktinformationsblatt dagegen einfach weggelassen. Erinnerungslücken tauchen gerne auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen bezüglich Rückvergütungen (Kick Backs) auf. Nur vier Anbieter, die Allianz, die LV 1871, der Volkswohl Bund und die Zurich Deutscher Herold verraten ihren Kunden, dass sie von den Fondsgesellschaften Rückvergütungen erhalten. Die LV 1871 und der Volkswohl Bund geben zwar an, wie hoch diese Kick Backs im Schnitt sind. Wie viel sie davon ihren Kunden gutschreiben, verraten aber auch diese beiden Anbieter nicht. Die Allianz schweigt sich auch darüber aus, rechnet aber bei ihrer Gesamtkostenquote so, als würde der Kunde die vollen Kick Backs erhalten. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es aber nicht. Laut Gesetz müssen die Versicherer ihre Kunden nur zu 50 Prozent daran beteiligen. Ob die Allianz wirklich mehr ausschütten will, bleibt im Dunkeln. Denn sie verrät im Kleingedruckten nicht einmal, welche Positionen im „fondsabhängigen Überschussanteil“ überhaupt berücksichtigt werden und wie sie ihn genau berechnet.
Verkleinern: Die Stuttgarter Versicherung zum Beispiel rechnet die Verwaltungskosten in Monatsbeträge um. „Die Verwaltungskosten steigen gleichmäßig von 4,10 Euro im ersten Monat auf 6,26 Euro im letzten Monat der Beitragszahlung“, teilt sie unserem 35-jährigen Musterkunden mit. Das sieht viel preiswerter aus als ein Jahresbetrag. Zudem bedarf es einiger Mühe, wenn der Kunde selbst ausrechnen will, wie viel denn insgesamt pro Jahr an Verwaltungskosten draufgehen. Denn die Kosten steigen jeden Monat um 0,1 Prozent.
Verteilen: Vertragsführungsgebühr 15 € pro Jahr plus 30,42 € von Eigenbeiträgen plus 4,50 € je 100 € Zulage. Das sind alles Kleinbeträge, die die Debeka in Rechnung stellt. Zusammen mit den Abschlusskosten von 975,06 € (verteilt auf die ersten 5 Jahre), ab Abrufphase 3 € je 100 € Beitragseingang zahlt der Musterkunde nach unseren Berechnungen bis Rentenbeginn jedoch erkleckliche 5.584 Euro inklusive entgangener Zinsen.
Verschweigen: Die Skandia vertröstet manche Sparer einfach auf später. „Wie hoch die Kosten nach Erhöhung des Eigenbeitrags sind, teilen wir Ihnen rechtzeitig vor dem Erhöhungstermin mit“, schreibt sie unserem 35-jährigen Sparer mit zwei Kindern ins Angebot. Wer selbst nachrechnen möchte, hat keine Chance: Die Skandia weist die Berechnung ihrer Vertriebskosten weder im Kleingedruckten noch im Produktinfoblatt aus.

Foto: irisblende.de

Dabei scheint dieser Kostenblock recht üppig. Bezogen auf den anfänglichen Eigenbeitrag von 676 Euro im Jahr muss der 35-jährige Musterkunde dafür 72,24 Euro pro Jahr berappen. Das entspricht einer Kostenbelastung von stolzen 10,68 Prozent, die zusätzlich zu den vier Prozent Abschlusskosten in Rechnung gestellt werden.
Kontrolle verhindern: Manchmal tappen Riester-Sparer auch vollends im Nebel, weil weder die Basis für die Kostenberechnung noch die Berechnungsmethode angegeben wird. Bei der HUK 24 sind im Jahresbeitrag angeblich 31,50 Euro an Verwaltungskosten enthalten. Doch wie sie auf diesen Betrag kommt, teilt die HUK 24 dem Kunden nicht mit. Darüber hinaus zieht sie je 100 Euro Zulage einmalig 4 Euro ab und berechnet 0,50 Euro je 100 Euro gebildeter Rente. Bei solchen Kostenklauseln kann niemand mehr prüfen, wie teuer die Verwaltung des Vertrags letztlich kommt. Wenn Sie möchten, dürfen Sie sich gerne einmal an folgenden Angaben der Gothaer versuchen: Abschlusskosten bis zum frühesten Rentenbeginn 43,92 € (linear fallend auf 0,96 € ab dem frühesten Rentenbeginn) plus 0,0125 % pro Monat der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge. Verwaltungskosten pro Jahr bis zum frühesten Rentenbeginn 30,36 € (linear fallend bis auf 0 € ab dem frühesten Rentenbeginn) plus 0,0125 % pro Monat der Summe der bereits gezahlten Eigenbeiträge. Sonstige Kosten bis zum frühesten Rentenbeginn 11,0 % auf Zulagen (linear fallend bis auf 0,15 % ab dem frühesten Rentenbeginn) plus 0,0125 % pro Monat der Summe der bereits gezahlten Zulagen. Sollte es Ihnen gelingen, daraus die Gesamtkosten des Vertrags zu errechnen, bekommen Sie einen Preis von uns. Welchen, das sagen wir Ihnen später. Vielleicht.