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DAS BOSS-INTERVIEW:Milliarden für die Infrastruktur


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 28/2019 vom 04.07.2019

DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert massive Investitionen, lehnt eine Quote für Ostmanager ab und bezeichnet die Wiedervereinigung als eine ökonomische Erfolgsgeschichte

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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 28/2019

Marcel Fratzscher lehrt an der Berliner Humboldt-Universität. Zuvor arbeitete er bei der EZB


Thilo Boss und Marcel Fratzscher im Interview in Berlin


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... vom ifo Institut vorgelegten Studie erneut Fahrt aufgenommen. Darin waren die Dresdner zu dem Schluss gekommen, dass die Schere zwischen Ost- und Westdeutschland auf absehbare Zeit nicht zu schließen ist. SUPERillu sprach mit dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher, 48, auch darüber, ob die neuen Länder noch am Tropf des Westens hängen.

Herr Professor Fratzscher, warum hinkt der Osten im Jahr 30 der Wiedervereinigung immer noch dem Westen hinterher?
Der Osten liegt noch zurück, das stimmt, aber das Bild ist bei Weitem nicht so dramatisch, wie viele glauben machen wollen. Ökonomisch ist die Wiedervereinigung eine Erfolgsgeschichte. Die Kluft zwischen den ost- und den westdeutschen Bundesländern ist bei Weitem nicht so groß wie etwa die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Nordund Süditalien.

Nach Ihrer Argumentation wäre dann die Diskussion über den Aufholprozess Ost-West, der ja auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, überflüssig. Oder?
Das Ziel, in Deutschland gleiche Lebensverhältnisse anzustreben, ist unstrittig. Wer in Magdeburg oder Rostock lebt, dem darf es nicht schlechter gehen als denen, die in Stuttgart oder München zu Hause sind. Leider driften aber die Lebensverhältnisse unseren Studien zufolge auseinander. Wir stellen verstärkt ein Nord-Süd- sowie ein Stadt-Land-Gefälle statt eines Ost-West-Gefälles fest.

Sind also Vorschläge, wie die Einführung einer Manager-Quote für Ostdeutsche, nur reine PR-Nummern?
Ich bin kein Quotengegner und halte sie etwa bei der Gleichstellung von Mann und Frau in Führungspositionen mittlerweile für sinnvoll. Eine Quote für Management- Positionen für Ostdeutsche ist überzogen und würde nur neue Gräben aufreißen. Nach der Wiedervereinigung hatte ein Teil der ostdeutschen Führungsschicht mit Blick auf den Systemwechsel und die politische Vergangenheit nur wenig Chancen. Die Brüche in den Lebensläufen und die unrealistischen Versprechungen blühender Landschaften innerhalb weniger Jahre sind Gründe für den Verdruss vieler Ostdeutscher. Aber das ist Geschichte. Eine junge Generation wächst jetzt langsam in die Führungsverantwortung hinein. Nun gilt es, nach vorn zu blicken.

Das heißt?
Strukturschwache Gebiete in Ost und West müssen gefördert werden, um allen Teilhabe und Chancen zu ermöglichen. Dazu gehören massive Investitionen im ländlichen Bereich in den Ausbau der Infrastruktur und Wissenschaftseinrichtungen, die eng mit der Wirtschaft verzahnt werden müssen. Nur dadurch werden Regionen attraktiver und locken junge Menschen und Unternehmen an. Wer davon spricht, dass nicht an jeder Milchkanne schnelles Internet zur Verfügung stehen muss, handelt kontraproduktiv.

Was verstehen Sie unter massiv? Haben Bund, Länder und Kommunen angesichts der schleppenden Konjunktur noch Handlungsspielräume?
Bei den finanzschwachen Kommunen besteht ein gesamter Investitionsbedarf von 140 Milliarden Euro, und allein in die Verkehrsinfrastruktur müssten jedes Jahr zusätzliche sieben bis zehn Milliarden Euro fließen. Durch diese Investitionen würde der gesamte Standort Deutschland attraktiver und wettbewerbsfähiger. Das wiederum führt zu Wachstum, mehr Jobs und einem erhöhten Steueraufkommen.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Industriestrategie von Wirtschaftsminister Altmaier?
Die Diskussion ist überfällig. Es kann auch richtig sein, dass Champions entstehen. Nur sollten das europäische sein, keine nationalen. Wenn wir in Deutschland auch in Zukunft erfolgreich bleiben wollen, dann brauchen wir ein starkes Europa, das in der Welt mit einer Stimme spricht und einen funktionierenden Binnenmarkt hat. Die deutsche Volkswirtschaft ist viel zu klein, um sich nur auf sich selbst zu konzentrieren.


FOTOS: SUPERillu/Nikola Kuzmanic