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Das Dao des Taijiquan erkennen


Taijiquan & Qigong Journal - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 16.08.2019

Das Taijiquan ist geprägt von einer tiefen Durchdringung von Theorie und Praxis. Su Huaxiang erläutert, wie sich durch gewissenhaftes Trainieren im Sinne der Prinzipien zusammen mit den körperlichen Fertigkeiten auch die Persönlichkeit entwickelt, äußeres und inneres Gleichgewicht, Zentriertheit und innere Stille den Taiji-Weg zu Natürlichkeit und tiefer Erkenntnis bahnen. Die Harmonisierung des gesamten Organismus dient gleichermaßen der Lebenspflege und der Kampfkunst.


ABSTRACT

Understanding the Dao of Taijiquan By Su Huaxiang
Taijiquan is characterised by a deep interconnection of theory and practice. ...

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Bildquelle: Taijiquan & Qigong Journal, Ausgabe 3/2019

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Understanding the Dao of Taijiquan By Su Huaxiang
Taijiquan is characterised by a deep interconnection of theory and practice. Su Huaxiang explains how diligent training in line with the principles develops both physical skills and one’s personality, and how inner and external balance, centeredness and inner calm create the Taiji path to naturalness and deep insight. The harmonisation of the entire organism benefits life care and martial art in equal degrees.

Taijiquan betrachtet man als chinesisches Kampfkunst-Kulturgut, welches über lange Zeit im Volk überliefert wurde. Im Laufe der Zeit fand Taijiquan auch den Weg ins Ausland. Seine Verbreitungsgeschwindigkeit war nicht geringer als die Verbreitung anderer kultureller Forschungen über die chinesische Kultur im Ausland. Seine Ausbreitungsgeschwindigkeit und die kontinuierliche Verbesserung der Ausbreitungstendenz stützen sich vollständig auf die staatlichen Sportinstitutionen, Taiji-Vereinigungen und auf die harte Arbeit der zahlreichen Taiji-Begeisterten, die das Taijiquan verbreitet haben. Noch wichtiger ist jedoch die dem Taijiquan innewohnende kulturell essentielle Anziehungskraft, welche die Taiji-Liebhaber im In- und Ausland zum Praktizieren, Studieren und Erforschen dieser Kunst anregt.
Die Effekte, die im Taijiquan in den Bereichen Lebenspflege, Selbstverteidigung und Wahrheitsfindung [wudao: gewahr werden des Dao] erreicht werden können, verdeutlichen die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes »Taiji« – »das über allem stehende Absolute« und seinen über allem stehenden und beständigen Wert.
Vom Kontext der Taiji-Theorie, seiner Bewegungsidee und seinen Methoden aus betrachtet, lässt sich erkennen, dass Taijiquan eine innere Kampfkunst ist, bei der die geistige Arbeit sehr wichtig ist. Die Intention weist auf den Geisteszustand der Taiji-Übenden und dessen Funktion hin – sobald das Herz (die leibliche Verknüpfung des Geistes) etwas hat, wodurch es angestoßen wird, so folgen der Geist beziehungsweise die geistige Ausrichtung.
Was bedeutet »Yi«? Yi ist eine wahrhaftige konkrete, bewusstseinsvolle dynamische Bewegungseigenschaft und starke mentale (Xinli) Bewegung. Wobei sich der Aspekt von Yi in den grundlegenden Eigenschaften der Kampfkunst Taijiquan Loslassen, Sinken, ganz (sein), leer (sein), beseelt (sein) spiegelt. Im Neigong erreicht man durch Konzentration des Geistes sowie durch eine enthaltsame Lebensweise eine Art Wirkung von innen nach außen, eine gegenseitige Harmonisierung, eine Vereinheitlichung von Herz und Geist, Bewusstsein und Qi, Ruhe und Bewegung. Man kontrolliert eine sanfte, Zusammenhalt erzeugende Fähigkeit.

Die Taiji-Übungsvoraussetzungen, die man zuerst meistern sollte, sind: »Herz still, Körper entspannen beziehungsweise loslassen«; »Geist (Vorstellung, Yi) und Qi folgen einander «, das heißt Körper und Geist bleiben konstant in Konzentration und man bewahrt einen ruhigen, unvoreingenommenen Geisteszustand.


Aus der Taijiquan-Theorie die Heilerfolge und die Taiji-Lebenspflege verstehen


Nur wenn man einen ruhigen Geist hat, kann man effektiv die Nerven regulieren, die Blutbahnen und die Leitbahnen durchgängig machen, den Stoffwechsel anregen und Yin und Yang ausgleichen. Nur wenn man einen ruhigen Geist hat, kann man führen und leiten (Yindao), das Alte ausstoßen und das Neue aufnehmen (Tuna), mit Aus- und Einatmen immens die Lungenkapazität vergrößern und die Funktion der Lunge erhöhen.

Ist der Geist ruhig, kann man die Glieder baumeln lassen (entspannen), wobei dies auch umgekehrt zu einem ruhigen Geist führt. Beide unterstützen sich gegenseitig und ergänzen einander. Nur wenn der ganze Körperleib und alle Gelenke, die Sehnen und Muskeln sowie der Geisteszustand in einem Moment im »Loslassen-Zustand« (Zai Fangsong) sind, erst dann ist es möglich, die Kontraktion in den Muskeln und Sehnen zu reduzieren, was dazu führt, dass die Körperflüssigkeiten richtig und konstant fließen können und regulierende schmerzfreie Heilresultate erreicht werden. Besonders die heutige Zeit und ihre Arbeitsbedingungen, gekennzeichnet durch ständig sich wandelnde Lebensbedingungen, erzeugen den Wunsch, aus dem mannigfaltigen Druck auszubrechen, und bewirken oft ein mentales Ungleichgewicht. Die Gefühle sind nicht stabil, die Wahrnehmung deutet Dinge falsch, der Körper ermüdet. Das alles sind ungesunde, krankmachende Faktoren.

Wenn man das Prinzip von Ruhe und Loslassen sowie das Prinzip der körperlichen Mitte, die richtig ausgerichtet und friedlich ausgedehnt sein sollte, anwendet, die Methode der Bewegungen wie »fliegende Wolken und fließendes Wasser« praktiziert, sich selbst kontrolliert und jedwede Ablenkung durch störenden Gedanken eliminiert, ein sich selbst stärkendes Selbstvertrauen etabliert, Optimismus und eine gesunde Mentalität bewahrt, Sorgen und belastende Gedanken austreibt und los wird, das Dilemma von Ruhm und Profitdenken ablegt – wenn man nur still und entspannt bei sich selbst bleibt, in einem unvoreingenommenen Geisteszustand in der Taiji-Praxis verweilt, dann kann man letztendlich die gesundheitserhaltenden Resultate des Taijiquan erleben. Nur wenn man die Lebensqualität erhöht, kann man ein langes gesundes und glückliches Leben erreichen.


Von den Prinzipien des Taijiquan aus etwas über die Selbstverteidigungsstrategien lernen


Ein ruhiger Geist ist die Voraussetzung für die Regulierung des gesamten Organismus.


ERLÄUTERNDES ZITAT VON KONG YINGDA (574 – 648): »Taiji nennt man den Zustand, bevor Himmel und Erde sich trennen, das ursprüngliche Qi ist chaotisch und macht die Einheit (das Eine), dies nennt man auch ›Taichu‹, den Anfang aller Dinge, oder ›Taiyi‹ die ›höchste Einheit‹.«

Im Laufe der Trainingszeit eines Taiji-Schülers geht es von Anfang bis Ende darum, die Prinzipien »leicht und entspannt, sinken und stabil sein, rund und flexibel sein und ununterbrochen in der Struktur bleiben« zu üben. Was die Geschwindigkeit des Übens angeht, so muss man zuerst verstehen, dann ganz langsam üben, um später schnell zu üben. Hat man das beherzigt, übt man danach schnell und langsam im Wechsel, so dass man beim Gedanken an langsames Üben langsam üben kann und umgekehrt. So gelangt man zu einer sich von selbst natürlich wandelnden Fähigkeit. Während man entspannt einsinkend und rund und lebendig achtsam bleibt und zwischen langsam und schnell wechselt, sollte man ständig darauf achten, Yi (Vorstellung/Bewusstsein) anstelle von Li (Kraft) zu verwenden, so dass man den Herz-Geist für das Führen und Leiten aller Bewegungen verwendet.

Bei allen Kampfkunstbewegungen geht es um das Ziel, eine oder viele Angriffs- beziehungsweise Abwehrbewegungen einzunehmen. Man verwendet die Idee eines fiktiven Gegenübers, welcher einen in dessen vorgestellten Bewegungen herausfordert. Wenn man zum Beispiel beim Formüben die Gesinnung (Yi) der Kampfkunst verliert, so ist die Formübung nur noch eine reine Gesundheitsübung und nicht gleichzeitig die vollständige Kunst des Taijiquan. Taijiquan bringt die Idee»Nutze Yi und nicht Li« zum Vorschein, wobei dies nicht bedeutet, dass man gar keine Muskelkraft benutzt. Gemeint ist, dass man während des Übens die Gedanken (Yinian) an eine entspannte, sinkende, runde, lebendige, von innen nach außen gerichtete, beständige weiche Stärke kultiviert. Dies erzeugt eine intelligente wandlungsfähige Kraft, welche die Kräfte des ganzen Körpers vereint. Daher kommt es, dass es im Taijiquan das strategische Denken gibt, wo das»Geringe« über das»Vielzählige« siegt, das»Weiche« das»Feste« überwindet, 200 Gramm 500 Kilogramm in Bewegung setzen können.

Durch das Partnertraining kann sich das Verständnis der Taiji-Prinzipien vertiefen.


Fotos: Archiv Sonja Blank

Das Wichtigste beim Üben der Taiji-Form ist das Training des eigenen Geistes, die Bewegungsabläufe gut zu kennen sowie die Techniken zur Selbstverteidigung zu üben. Bei Partnerübungen im Tuishou übt man die Techniken von Angriff und Abwehr. Das ist die höhere Stufe in der Taiji-Kunst. Das Ziel dabei ist, einen Schritt weiter im Lernen zu kommen, indem man sich davon löst, Muskelkraft als Methode zu verwenden.

Im Zeitpunkt des Leichtseins sollte man in der Lage sein, »leicht zu sein« (beziehungsweise dem zu folgen), im Zeitpunkt der Schwere sollte man der Schwere folgen können. Leicht und schwer vereinigen sich, und ebenso funktioniert die Übertragung der Kraft von einem Körper auf den anderen.

Beim Taijiquan verwendet man eine flexible Kampftaktik:»Beim Vorgehen (des Angreifers) ziehe ich mich zurück, beim Zurückschreiten folge ich, bei Veränderungen verändere ich mich (gleichsam) auch, nicht weichen und nicht dagegen angehen, Schmelzen und Schlagen kommen zusammen.« Taijiquan folgt den Prinzipien, bei (Bewegungs-)Stille zu stoppen, wenn das Gegenüber sich nicht regt, regt man sich auch nicht. Kommt das Gegenüber in Bewegung, so bewegt man sich vorher, man erhält Auskunft über die Technik und kann dem Gegenüber die Balance nehmen. Im Kampf die Kontrolle zu behalten und im Voraus die Technik zu erkennen vollendet vollständig die Kampfstrategie, die sich auszeichnet durch»vorbereitet sein und gleichzeitig handeln«. Dadurch wird deutlich, dass Taijiquan keine passive Kampfkunst ist, sondern eine Idee und einen konkreten Plan verfolgt. Des Weiteren ist es eine innere Kampfkunst, welche Herz und Geist mit einbezieht sowie Weisheit und Initiative verknüpft.

Wie soll man die Techniken und Prinzipien des Taijiquan körperlich trainieren?

Beim Form- und beim Tuishou-Üben muss man zuerst nach den Taiji-Prinzipien üben: den besonderen Anforderungen und Bewegungsmethoden folgen, die 13 Stellungen des Taijiquan zur mentalen Stärkung von An- griff und Abwehr integrieren, die Form mit den Besonderheiten des eigenen Körpers in Übereinstimmung bringen, die Lerninhalte in einer koordinierten und fortschreitenden Weise über eine lange Periode einteilen, indem man wiederholend übt und gewissenhaft klug Lerninhalte hinzufügt. Des Weiteren ist es wichtig, sich die innere Bewusstseinsarbeit der Methoden des Verbindens und Verschmelzens bewusst zu machen. So darf man beispielsweise das Prinzip »leicht und entspannt sein« nicht als leichtfertige oder flapsige Lockerheit interpretieren.

Wenn man ein Prinzip geübt hat, sammelt man sich einmal kurz und fährt dann mit den nächsten Prinzipien wie etwa Sinken und Balance, Geschwindigkeit, Integration des ganzen Körpers fort und versucht so eine Verbindung von Lernen und Anwendung zu erreichen.

Vom Herz-Geist aus das Dao des Taijiquan erkennen

Das Dao des Taijiquan und seine Methoden folgen der Natur. Die Methoden geben Orientierung und Richtung auf dem Weg. Das Ziel ist, die Gesetze der natürlichen Bewegung zu verstehen. Taijiquan ist Yin/Yang, sein »Weg« ist der gegenseitige Wandel und die Transformation, die gegenseitige Sensitivität. Yin wandelt sich in Yang, Yang wandelt sich in Yin, so zirkuliert es ohne Pause und man muss sich danach richten ohne die kleinste Abweichung im Gleichgewicht. Die Bewegungen des Taijiquan halten sich an konkrete Prinzipien. Sie teilen sich in Yin und Yang, Fülle und Leere, Stille und Bewegung, Entspannung und Anspannung, Fortschreiten und Zurückweichen …

Wenn zum Beispiel das Heben der Hand Yang ist, so ist das Senken der Hand Yin. Die vordere Hand ist Yang, die hintere Hand ist Yin. Schwer gehört zu Yang und leicht gehört zu Yin. Zieht zum Beispiel das Knie zurück, schiebt die Handfläche nach vorne. Schieben die Hände nach vorne, ist das Yang, ziehen die Hände nach unten zurück, ist das Yin. Während des Taiji-Übens soll man sich langsam und in Stille bewegen, die Mitte ausgerichtet (Zheng) und entspannt. Außenstehende können das, was im Inneren geschieht, oft nicht erkennen, nur der Übende selbst kann die Bewegungsdynamik im eigenen Leib erfahren. Bei langsamen und stillen Bewegungen kann man leicht Blockaden der Kräfte und innere Unruhe auflösen.

Zusammen mit der körperlichen Entspannung und Regulierung kann sich eine friedliche und integere innere Haltung entwickeln.


Was die richtige Ausrichtung des Zentrums angeht, so ist es wichtig, dass in den Abwehrund Kampftechniken der gesamte Leib richtig ausgerichtet ist, weder geneigt noch gebogen. Bei der Kampftechnik ist es wichtig, die Mitte zu schützen und die strukturelle Integrität zu bewahren. Die Kraft soll im Ganzen bleiben und sich nicht in alle Richtungen zerstreuen. Die Kraft soll vereint sein und nicht innere Enge erzeugen, sich nicht verlieren oder nachgeben noch gegen etwas gehen. Man übt mit der Kraft von außen mitzugehen, bis man eine runde Flexibilität und Natürlichkeit (Ziran) erreicht hat.

Wenn man nun von einem anderen Standpunkt aus das »Dao« des menschlichen Lebens betrachtet, so entsprechen die aufrechte Haltung und die rechte Ausrichtung der Mitte in friedlicher Entspannung (lishen zhongzheng anshu) einer integeren und nicht in Besitz nehmenden, nicht gierigen Verhaltensweise. Man hält nicht am Recht des Stärkeren fest [wörtl.: dass das Starke das Schwache beleidigt], man verhält sich nicht übermäßig snobistisch und arrogant, indem man sich selbst größer macht, und man nimmt sich nicht selbst als Maßstab für alle Dinge, die man tut, indem man nur die eigene Meinung als wahr gelten lässt. Man hält sich an Verhaltensregeln wie Aufrichtigkeit (Chengxin), Gesetzestreue, gute Taten tun, hart für etwas arbeiten, Respekt vor dem Lehrer haben (vor Autoritätspersonen), Pflichtbewusstsein (gegenüber den Eltern), standhaft bleiben gegenüber der Begierde, um dann in Stille einzugehen. So entsteht aus dieser Stille ein Leuchten. Das Qi erfordert Ausgeglichenheit, ist man ausgeglichen, verschwindet die Sturheit, das Aussehen beziehungsweise die Erscheinung werden erleuchtet (Liang: hell, scheinend); ist man auf diese Weise »erleuchtet«, so stürzt man sich auch nicht in unüberlegte Aktionen. Indem man den Prinzipien entsprechend den Körper aufrecht hält, Herz und Brust offen und entfaltet, und Charakter und Tugend (De) kultiviert, errichtet man die Grundlagen, um in der Gesellschaft zu bestehen. Danach kann man erfahren, was es bedeutet, sich ganz natürlich, friedlich und entspannt zu fühlen. Dies ist der Weg der traditionellen chinesischen Taiji-Kultur, das Leben zu nähren (Lebenspflege).

Den Wert des Taijiquan realisieren

Der Text wurde von Benjamin Echternach aus dem Chinesischen übersetzt.


Su Huaxiang, Jg. 1953, unterrichtet Chen- und Yang-Stil Taijiquan und ist Vorstandsmitglied der Taijiquan and Wushu Research Association der Stadt Guangzhou.


Die Kunst des Taijiquan begann zunächst mit Verteidigungs- und Kampftechniken. Später entwickelte sie sich innerhalb der Heilkünste zu einer Methode zur Prävention und Behandlung von Krankheiten. In heutiger Zeit gibt es erneut eine Wandlung des Taijiquan. In einem neuen Trend zeigt sich, wie sich Kampfkunst und Tanz verbinden können. Es ist jedoch in Studien nachgewiesen worden, dass sich auch in den traditionellen Taiji-Stilen immer mehr Ausbilder, Lehrer und Anhänger finden. Wenn man weiterhin vom Taiji-Kanon ausgehend ein Verständnis entwickelt für die Kosmologie des Yijing (Buch der Wandlungen) und dessen Idee von den fünf Wandlungsphasen sowie den acht Trigrammen, bekommt man eine Idee vom Zyklus der gegenseitigen Hervorbringung, für die Theorie der sich gegenseitig bedingenden Wandlung von Yin und Yang und für die 13 Stellungen des Taijiquan und deren Anwendung. Und so erkennt man darin, was auch schon in den Klassikern über die »Erleuchtung« in Bezug auf das menschliche Leben gesagt wurde, die Notwendigkeit, dem fundamentalen Prinzip der ständigen Wandlungen und Veränderungen zu folgen und sich daran anzupassen.

Daher mögen das Taijiquan und seine Theorie und Anwendung in vielen verschiedenen Bereichen in Zukunft ihren Platz finden, denn gerade gemeinsam kann man sehr gut etwas erreichen. Der Wert des Taijiquan zeigt sich in seinem vielfältigen Wissen und seinen Anwendungsmöglichkeiten, ähnlich wie es bei wertvollen Rohstoffen wie Gold oder Diamanten der Fall ist.

Gerade weil das Taijiquan so wertvoll ist, sollten im In- und Ausland große Persönlichkeiten mit einer Vision das Taijiquan erforschen und studieren. Dies wird dazu beitragen, dass die aus dem alten China hervorgebrachte Kunst des Taijiquan die Menschen auf der ganzen Welt bereichern kann.