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Das Drehbuch schrieb der Tod


die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 17/2021 vom 10.10.2021

Krimi Der Fall Gargiulo

Artikelbild für den Artikel "Das Drehbuch schrieb der Tod" aus der Ausgabe 17/2021 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 17/2021

Im Kreuzverhör. Beim Prozess gegen den Hollywood- Ripp er wurden mehr als 2 00 Zeugen befragt. Auch Ashton Kutcher, weil er am selben Ort war, an dem seine Freundin Ashley Ellerin regelrecht abgeschlachtet wurde

Wenn die Sonne langsam hinter den Hollywood Hills verschwin- det, erwacht Los Angeles erst richtig zum Leben. Auf den roten Teppichen der Stadt strahlt der Glamour der Stars um die Wette. So war es auch am 21. Februar 2001. Denn an diesem Tag feierte die schillernde Film-Society die Verleihung der Grammy Awards. Auf den Aftershow- Partys amüsierten sich die berühmtesten Kinogrößen. Aus diesem Grund machte sich auch der damals 23-jährige Ashton Kutcher („Two and a Half Men“) auf den Weg. Noch ganz am Anfang seiner Karriere erhoffte er sich, dort Kontakte knüpfen zu können. Doch das Drehbuch des Schicksals hatte etwas anderes mit ihm vor: den größten Albtraum seines Lebens …

Kutcher hatte sich mit seiner Freundin Ashley Ellerin verabredet. Sie sollte ihn zu der Party begleiten. Gegen 20 Uhr wollte er sie zu Hause abholen. Doch der Schauspieler rief sie an, um ihr mitzuteilen, ...

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... dass er sich verspäten würde. Nach zwei Stunden konnte er endlich losfahren und versuchte, Ashley erneut ans Telefon zu bekommen – vergeblich! Es war schon stockfinster, als Kutcher seinen Wagen vor dem Haus seiner Freundin abstellte. Ihm fiel auf, dass das Tor zu Ashleys Anwesen offen stand. Das war sonst nie so! Er klopfte an die Haustür, doch es gab keine Reaktion. Später berichtete der Schauspieler den Beamten: „Ich drehte die Türklinke, doch die Tür war abgeschlossen. Es kam mir merkwürdig vor, dass alle Lichter brannten. Ich habe durch das Fenster geschaut und rote Flecken auf dem Teppich entdeckt. Ging jedoch davon aus, das sei Rotwein.“ Wenige Tage zuvor hatten sie dort eine Party gefeiert – und so habe er sich nichts weiter dabei gedacht. Daraufhin beschloss Kutcher, wieder zu fahren: „Ich glaubte, Ashley sei beleidigt, weil ich zu spät war.“

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Ein fataler Irrtum! Während Kutcher wie wild an der Haustür geklopft hatte, lag die tote Ashley nur ein paar Meter von ihm entfernt in ihrer Blutlache. Brutal ermordet! Der Psychopath Michael Gargiulo schlich sich am Abend in ihr Haus. Er stach 47-mal auf die 22-jährige Mode-Designerin ein. Ihr Kopf war beinahe abgetrennt – einer der Messerstiche hatte ihren Schädelknochen durchbohrt. Die junge Frau hatte keine Chance. Erst am nächsten Morgen fand ihre Mitbewohnerin Jennifer Disisto ihre fast enthauptete Leiche und rief die Notrufnummer 911 an. Dann informierte man auch Ashton Kutcher. Die Details dieses fürchterlichen Anrufs hat er bis heute nicht vergessen: „Ich bin fast durchgedreht!“ Doch neben einem Schock und tiefer Trauer durchströmte ihn plötzlich auch die blanke Panik.

Ashton Kutchers Freundin wurde brutal abgestochen

... und der Film -Star geriet ins Fadenkreuz der Ermittler!

Völlig hysterisch rief er bei der Polizei an, um zu erklären, warum seine Fingerab drücke an Ashleys Haustür zu finden waren. Denn damit würde Kutcher ganz schnell ins Faden kreuz der Ermittler geraten. Die Beamten prüften seine Rolle in dem grässlichen Mordfall ganz genau und konnten ihn bald entlasten. Eine Spur zum kaltblütigen Killer von Ashley fanden sie aber zunächst trotzdem nicht. Einen ersten und einzigen Hinweis gaben später Freunde des Opfers. Sie erzählten von einem jungen Mann aus Ashleys Nachbarschaft: Michael Gargiulo. Der sei sehr auf Ashley fixiert gewesen. Doch die Ermittlungen verliefen erst mal ins Leere …

Vier Jahre später suchte sich Michael Gargiulo sein nächstes Opfer. Es war die 32-jährige Maria Bruno. Durch einen erschreckenden Zufall lag ihre neue Wohnung in einem Vorort von Los Angeles nur wenige Schritte von ihrem künftigen Mörder entfernt. Nach der Trennung und einem schlimmen Sorgerechtsstreit mit ihrem Mann wollte sie endlich in ein sorgloses Leben starten. Zehn Tage vor ihrer Ermordung bezog sie ihr neues Apartment. Maria hatte es ausgewählt, weil es in einer sicheren Gegend lag. Ahnungslos zog sie aber in die Nähe einer Bestie in Menschengestalt. In der Dunkelheit stieg Gargiulo durch das Küchenfenster in ihre Wohnung. Maria schlief da schon tief und fest in ihrem Bett. Ihre Kinder übernachteten an diesem Tag bei ihrem Ex-Mann. Michael Gargiulo überraschte die wehrlose Frau und metzelte sie mit dem Messer nieder. Danach verstümmelte er noch ihre Brüste. In dieser Nacht nahm er vier kleinen Kindern für immer die Mama weg …

Danach zog sich der Hollywood-Ripper drei Jahre lang zurück. Er arbeitete als Handwerker, Türsteher und Gelegenheitsschauspieler – bis ihn 2008 die Mordlust wieder packte. Doch seine nächste Tat sollte alles ver ändern. In Santa Monica überfiel Gargiulo die 26-jährige Michelle Murphy zu Hause. Mehrmals stach er auf sie ein – verletzte sie an Brust und Schulter. Die junge Frau kämpfte verzweifelt um ihr Leben. Sie trat mit den Füßen nach ihm und versuchte, sich mit aller Kraft zu wehren. Und tatsächlich fiel Gargiulo vom Bett und flüchtete. Michelles Körper war von Schnitt- wunden übersät, das Blut lief überall an ihr herunter. Sie wählte mit ihrem Handy den Notruf. Michelle war das einzige Opfer von Gargiulo, das am Ende überlebte …

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Und damit kamen ihm auch die Ermittler auf die Spur. Denn Michelle hatte den Täter verletzt. In ihrem Schlafzimmer wurde sein Blut gefunden. Sofort gab es einen Treffer in der Datenbank der Polizei: Die DNA-Probe gehörte zu Michael Gargiulo. Durch seine Festnahme endete endlich seine teuflische Mordserie. Schnell konnte man auch einen Zusammenhang zu den Fällen von Ashley Ellerin und Maria Bruno herstellen. Doch es tauchte sogar noch ein weiteres Opfer auf: Bereits 1993 hatte Gargiulo die 18-jährige Tricia Pacaccio umgebracht. Auf der Schwelle zum Haus ihrer Familie in Glenview (Illinois) hatte er sie erdolcht. Rick Pacaccio fand seine Tochter: „Ich habe versucht, sie wiederzu be leben. Das ist das schlimmste Gefühl im Leben, wenn du nichts mehr für jemanden tun kannst, den du liebst!“ Tricia starb in seinen Armen. Etwa ein Jahr nach ihrem Tod begann Michael Gargiulo, ein Freund von Tricias Bruder, der in ihrer Nachbarschaft lebte, mit seinem seltsamen Verhalten auf sich aufmerksam zu machen: Er brachte Tricias Eltern Geschenke. Rick und Diane Pacaccio alarmierten die Polizei. Aber es gab nicht genug Beweise, um Gargiulo den Mord nachzuweisen. Die Beamten mussten ihn laufen lassen und er verließ die Stadt Richtung Hollywood. Viele Jahre später konnte man ihn dann doch endlich fassen!

In Kalifornien wurde Gargiulo der Prozess wegen mehrfachen Mordes gemacht. Auch Ashton Kutcher zählte zu den 200 Personen, die auf der Zeugenliste für die Gerichtsverhandlung standen.

Am 29. Mai 2019 trat er den wohl schwersten Gang seines Lebens an, denn nun wurden die alten Wunden wieder aufgerissen. Der Hollywood-Star wirkte blass und angespannt. Er trug einen blauen Anzug, hatte einen Schnauzbart. In seiner 35-minütigen Aussage im Zeugenstand des Strafgerichts in Downtown Los Angeles beschrieb er detailliert die Ereignisse von dem Abend, an dem seine Freundin Ashley ihr grausames Ende fand.

Michael Gargiulo verfolgte den Prozess ziemlich unbeeindruckt. In der für die USA typischen orangefarbenen Gefängniskleidung, den Kopf kahl rasiert und das Gesicht mit einer Corona-Maske verdeckt, lümmelte er in seinem Stuhl. Staatsanwalt Daniel Akemon plädierte für die Todesstrafe: „Es war das planmäßige und systematische Abschlachten von Frauen. Es war sein Hobby, die perfekte Gelegenheit zu finden, um seine Opfer mit einem Messer in ihren Häusern anzugreifen.“ Der Täter habe seine Opfer bewusst ausgesucht, ihnen nach-gestellt und sie dann brutal attackiert. Tagsüber habe er ein normales Leben als Geschäftsmann und Familienvater geführt, doch nachts verwandelte er sich dann in ein mordendes Monster.

Jetzt e rwartet den Killer selbst die Todesstrafe!

Die blutige Mord - Serie dauerte 15 Jahre ...

Michael Gargiulo bestreitet die Morde bis heute. Nur den Überfall auf Michelle Murphy gab er vor Gericht zu. Seine Anwälte sprachen von seiner angeblichen Unzurechnungsfähigkeit. Ihr Mandant würde an einer psychischen Störung leiden und könne sich nicht an den Vorfall erinnern. Als Kind sei er schwer misshandelt worden. Kurz vor der Verkündung des Urteils beteuerte der Angeklagte nochmals seine Unschuld. Der Richter und die Geschworenen glaubten ihm nicht. 13 Jahre nach seiner Verhaftung verurteilten sie Gargiulo zum Tode. Der 45-Jährige habe auf allen seinen Wegen „Tod und Vernichtung“ mit sich gebracht, sagte der Richter am Ende des Prozesses.

Ob die Todesstrafe wirklich vollzogen wird, ist noch unklar. Denn aktuell wurde sie in Kalifornien ausgesetzt. Doch sollte sich das irgendwann wieder ändern, muss Michael Gargiulo dem Tod wohl selbst ins Auge blicken …

Juliane Strobl