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Das dunkle Geheimnis ihres Lebens


Meine Stars von damals - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 14.07.2021

ZARAH LEANDER

Eine Hexe reitet durch die Lüfte. Sie singt: „Ich weiß, was keine andere Frau weiß/ Dass das ganze Leben ein einziges Geheimnis ist.“ Sie wirkt gefährlich – und unwiderstehlich.

Das ist Zarah Leander. Es ist das erste Mal, dass sie auf einer Leinwand erscheint. Schweden, 1931: In „Dantes Mysterien“ gibt die 24-Jährige ihr Kino- Debüt. Ihre Rolle ist klein, aber prophetisch.

Denn Zarah Leander will hoch hinaus. Sie besitzt die Fähigkeit, den Zuschauer in ihren Bann zu schlagen. Und sie ist bereit, sich von dunklen Mächten in den Himmel tragen zu lassen. Dabei hat es diese Zauberin aus eigener Kraft weit genug gebracht.

1907 wird sie als Sara Stina Hedberg in Karlstad (Schwe- den) geboren. Die Makler- Tochter zieht mit 19 Jahren nach Stockholm. Wovon sie träumt? Vom Rampenlicht! Der Weg auf die Bühne führt über Absagen, Armut – und einen Ehemann. 1927 heiratet Sara den Schauspieler Nils ...

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Ein Ständchen gefällig? Der Designer Heinz Oestergaard spielt für die Diva (1954)
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... Leander. Mit ihm bekommt sie zwei Kinder.

Die Künstlerin erhält ein besonderes Angebot

Einen fundierten Schauspiel- Unterricht hat Zarah Leander – wie sich die Künstlerin bald nennt – zwar nie genossen. Doch Ende der 1920er-Jahre wird sie entdeckt: als Revue- Star! Vor allem Karl Gerhard, ein Meister des Genres, wird ihr Mentor und Förderer.

Nun geht es aufwärts. Zarah besingt 1930 ihre erste Schallplatte, bald folgen diverse Filmrollen. Doch ihre Karriere droht zu stagnieren. Da erhält sie 1936 ein verlockendes Angebot. In diesem Jahr gastiert Zarah in Wien, als Star der Revue „Axel vor der Himmelstür“. Nach den Vorstellungen drängen sich die Theaterdirektoren in ihrer Garderobe. Darunter ist auch er: der Verführer, der Einflüsterer. In Gestalt eines Talentsuchers für die Ufa.

Die Babelsberger Traumfabrik soll mit Hollywood gleichziehen. So will es Deutschlands Propagandaminister Joseph Goebbels. Doch die großen Stars, allen voran Marlene Dietrich, verachten die Nazi-Diktatur.

Wenn man aber keine Diva verpflichten kann – so muss man sich eine schaffen. Nur fehlte das rechte Material, um es in Gold zu verwandeln. Die Ufa-Granden sind nun überzeugt: Zarah Leander ist perfekt für ihre Retorte! Goebbels ist skeptisch, doch er genehmigt das Angebot: stolze 200 000 Reichsmark (zahlbar in Devisen!) – und natürlich die volle Macht seiner PR-Maschinerie. Zarah nimmt an.

In Deutschland wird ein Star geboren

1937 siedelt die Künstlerin nach Berlin um. Inzwischen ist sie in zweiter Ehe mit dem Journalisten Vidar Forsell verheiratet. In Dahlem bezieht Zarah eine prachtvolle Villa. Dann beginnen die Dreharbeiten. Ihr Erstlingsfilm für die Ufa heißt: „Zu neuen Ufern“. Seine Vermarktung wird generalstabsmäßig betrieben. Die Premiere im Berliner Ufa-Palast beschreibt die Diva selbst im Rückblick. Jutta Jacobi zitiert sie in ihrer Leander-Biografie: „Massenhaft Menschen. Lange Polizeiketten. Kleine Kinder mit blaugelben Wimpeln. Scheinwerfer wie auf einer Eishockey-Bahn. Polizeieskorte auf Motorrädern. Dann im offenen Auto die Diva und ihre Ehrengarde: acht Fräcke mit Kerlen drin.“ Die Premiere ist ein voller Erfolg. Wie sagt man in Hollywood? „Ein Star ist geboren.“ Es folgen weitere Kassenschlager wie „La Habanera“ (1937) und „Heimat“ (1938). Zarah ist auf dem Olymp angekommen.

Sie verkörpert einen Typus, der die Deutschen seit Richard Wagner fasziniert: die Frau als Verführerin und Heilige – die sich für die Liebe aufopfert.

Zarah will die Realität nicht sehen

Doch inmitten des Glanzes, bei surrenden Kameras und Blitzlicht, nach Ausflügen mit dem „interessanten Dr. Goebbels“: Merkt Zarah Leander nicht, welcher Macht sie dient?

Später bezeichnet sie sich als „politische Idiotin“. Doch als 1938 die Synagogen brennen, als Scheiben klirren und Juden auf offener Straße gehetzt werden: Braucht man „politischen“ Sachverstand, um das zu bewerten? Reichen dafür nicht Augen, um zu sehen – und ein Herz, um zu fühlen?

1939 bricht der Zweite Weltkrieg aus. Zarah Leander wird gebraucht: für die Moral. Im „Wunschkonzert“ des Rundfunks singt sie für die Truppen. Freiwillig tut sie es nicht. Doch das ist die List des Teufels: Er fordert seinen Teil spät ein. Und dann ist man bereits gefangen.

Zarahs Stimme aber macht in Kriegszeiten unzähligen Menschen Mut, lässt sie träumen. Lieder wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ (1942) berühren auch Opfer des Regimes. Diesen Song schreibt der Textdichter Bruno Balz in Gestapo-Haft. So rettet er in letzter Minute seinen Kopf.

Den Schlager singt die Leander dann im Film „Die große Liebe“ (1942). Der Streifen wird einer der größten Kassenerfolge der deutschen Geschichte. Doch die Künstlerin hat genug. Es gibt Streit mit Goebbels. Der will seinen Star nicht mehr in Devisen bezahlen. Überdies fordert er, dass die Leander deutsche Staatsbürgerin wird. Dann tauchen am 1. März 1943 alliierte Bomber über Berlin auf.

Die Villa der Diva wird in Schutt und Asche gelegt. Sie kann sich nur knapp vor den Flammen retten. Kurze Zeit später fliegt Zarah Leander nach Schweden – und kehrt nicht mehr zurück.

Die Diva kehrt zurück ins Rampenlicht

In der Provinz Värmland hat sie 1939 das Gut Lönö erworben. Hier sitzt Zarah mit ihrer Familie den Rest des Krieges aus. Doch in der Heimat ist sie jetzt unerwünscht. Seit 1941 kursiert ein Foto, auf dem sie deutschen Wehrmachtssoldaten Autogramme gibt. Das verzeihen ihr die Schweden nicht.

Am Ende ist es Zarahs alter Mentor Karl Gerhard, der sie rehabilitiert. Mit vorsichtigen Schritten kehrt sie ins Rampenlicht zurück. 1948 tritt sie erst- mals wieder in Deutschland auf. Nun beginnt ihre Nachkriegskarriere. Diese ist durchaus glänzend, wenn auch nicht so ruhmreich wie zuvor.

Immerhin steht Zarah Leander wieder aus der Bühne – und vor der Kamera. Sie beschwört etwas herauf: vielleicht eine verlorene Vergangenheit, die nur in Träumen wiederkehrt. 1954 findet Zarah auch eine neue Liebe (Forsell ist längst passé): den Pianisten Arne Hülphers. Bis zu dessen Tod 1978 tritt das Paar gemeinsam auf.

In ihren letzten Jahren kann die alternde Diva nicht mehr verbergen, dass ihre Kräfte schwinden. 1981 stirbt sie an einer Gehirnblutung.

Bis heute ist Zarah Leander umstritten. Hat sie ihre Seele an das Böse verkauft? Dies ist eine schwierige Frage, weil die Person hinter der Legende kaum zu greifen ist. Sie entzieht sich uns mit dem dunklen Wort, „dass das ganze Leben ein einziges Geheimnis ist.“

Haben Sie das gewusst ,,,?

Für „Die große Liebe“ (1942) fand man keine geeigneten Revue-Tänzerinnen. Also steckte man EliteSoldaten in Frauenkleider. Als der Schauspieler Wolfgang Preiss (†2002) in seiner Filmuniform hinter die Bühne kam, rief einer von ihnen „Achtung!“ – und alle standen in Engelskleidern, Perücken und Unterhosen stramm.