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Das Ende von Facebook?


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 03.07.2020

Die Nutzerzahlen stagnieren zum Teil, während Tiktok auf Höhenflug geht - manche sehen Facebook schon vor dem Ende. Aber sie haben das Totenglöckchen wohl zu früh geläutet

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ILLUSTRATION: VERONIKA ZANGL FOTO: ANTHONY QUINTANO/CC BY 2.0

Zwei Milliarden Downloads! Die chinesische Video-Sharing- App Tiktok hat Ende März 2020 diese Grenze in Apples App-Store und bei Google Play durchbrochen. Das hatte bisher nur Facebook geschafft, mit der Facebook-App selbst, sowie jeweils mit dem Messenger, Instagram und Whatsapp, die auch zu Mark Zuckerbergs Reich gehören. Laut den Datenanalysten von SensorTower sorgte vor ...

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... allem das starke 1. Quartal 2020 für den Milliardensprung von Tiktok, allein von Januar bis März wurden 315 Millionen Downloads gemessen.

Zum Vergleich: der Instant-Messaging-Dienst Whatsapp schaffte im 1. Quartal 2020 250 Millionen Downloads. Weil Freizeitaktivitäten durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie zumeist nur noch zu Hause möglich waren, bot Tiktok für viele Zwangs-Stubenhocker die passende Unterhaltung. Damit setzt das chinesische Start-up seinen Siegeszug fort, der ihm in jedem Quartal der letzten zwei Jahren durchschnittlich an die 200 Millionen Downloads bescherte.

Bei Online-Platzhirsch Facebook wachsen die Bäume jedoch nicht mehr in den Himmel. Der neueste Social Media Atlas 2020 der Kommunikationsagentur Faktenkontor muss die Verantwortlichen alarmieren: Ihr Produkt ist in Deutschland im freien Fall. Nur noch sechs von zehn Onlinern ab 16 Jahren nutzen das Zuckerberg-Netzwerk (2017 waren es noch 76 Prozent). Vor allem Teenies machen sich nichts mehr aus Facebook, 2014 nutzten noch 92 Prozent der 16- bis 19-Jährigen das Netzwerk, 2019 waren es nur noch 36 Prozent. Auch in den sonstigen Altersgruppen geht die Nutzung kontinuierlich zurück. Den täglichen Blick auf die Aktivitäten der Freunde und Kontakte gibt es nur bei der Hälfte der Mitglieder. Schon 2019 lag die Nutzung von Tiktok in der jüngsten Altersgruppe vor Facebook. Dabei rückte Tiktok der blauen Konkurrenz sogar buchstäblich auf den Leib. Im Herbst 2019 bezogen die Macher der Video-App ein Büro im kalifornischen Palo Alto, nur ein paar Schritte von Facebooks Hauptquartier entfernt und genau in dem Gebäude, in dem einst Facebooks Messenger-Dienst Whatsapp saß.

Offensichtlich aufgeschreckt vom wachsenden Tiktok-Erfolg brachte Facebook im Novemer 2019 eine Kurzvideo-App namens Lasso heraus, die aber mit knapp 500.000 Downloads für Facebook-Verhältnisse ein Fehlschlag war.

Leichte Umsatzdelle durch Corona

Bei aller Beunruhigung durch die junge und hippe Videokonkurrenz kann Facebook trotzdem ziemlich entspannt in die Zukunft blicken. Weltweit brachte die Coronakrise dem Netzwerk einen deutlichen Mitgliederschub, Ende April gab es zusammen mit den Tochter-Netzwerken Instagram und Whatsapp 2,6 Milliarden aktive Nutzer, davon 1,73 Milliarden täglich. Auch der befürchtete Umsatzeinbruch durch coronabedingte Anzeigenstornierungen blieb weitestgehend aus. Zwar verzichteten viele kleine und mittelständische Unternehmen in Zeiten des Lockdowns auf Werbung, weil das Quartal aber sehr stark begonnen hatte, gab es in den ersten drei Monaten ein Umsatzplus von 18 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar, der Gewinn verdoppelte sich auf 4,9 Milliarden Dollar. War das Werbegeschäft im März noch deutlich eingebrochen, erholte es sich schnell wieder und lag schon im April wieder auf Vorjahresniveau.

Doch ganz scheint Konzernchef Zuckerberg dem traditionellen Netzwerkgeschäft und der fast vollständigen Abhängigkeit vom Werbegeschäft nicht mehr zu trauen. Neben Experimenten mit der virtuellen Währung Libra erweiterte er das Geschäftsfeld folgerichtig um eine Plattform für E-Commerce. Interessierte Händler können über Facebook oder Instagram Online-Shops einrichten, die auch über Whatsapp erreichbar sind. Dabei sollen zusätzliche Funktionen noch mehr potenzielle Kunden anlocken. Beim „Live Shopping“ können Händler ihre Waren in einem Video-Livestream anbieten, mit derzeit für Werbung verwendeten Augmented-Reality-Funktionen können Käufer im Shop Kleider anprobieren oder die Wohnungseinrichtung planen. Für die direkte Bezahlung müssen Kunden im Facebook- System lediglich ihre Kreditkarte angemeldet haben. Um möglichst schnell viele Händler unterm Facebook-Dach zu versammeln, ist die Einrichtung für sie kostenlos. Bei getätigten Geschäften berechnet Facebook eine Verkaufsgebühr von fünf Prozent - ein günstiger Einstieg in den E-Commerce.

Konkurrenz für Amazon und eBay

Für Amazon und eBay könnte die neue Handelsplattform ein ernst zu nehmender Wettbewerber werden. Mit 2,6 Milliarden Nutzern auf dem gesamten Planeten ist sie aus dem Stand ein furchterregender Konkurrent. Facebook könnte damit seine auf den ersten Blick bedrohliche Schwäche bei sehr jungen Nutzern mehr als ausgleichen. Die Zielgruppe der Älteren ist wesentlich kaufkräftiger, und es ist nur nur logisch, sie mit einem Onlineshop- Konzept zu monetarisieren.

Und wer sagt eigentlich, dass Facebook es bei der Generation Z vergeigt hätte? Mit Instagram und Whatsapp laufen zwei Dienste unterm blauen Konzerndach, die bei jungen beziehungsweise sehr jungen Nutzern beinahe Komplettabdeckung erreichen. Bis zum Ende von Facebook dürfe es also durchaus noch ein Weilchen dauern. redaktion@chip.de