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Das fehlt uns noch zu Bayern


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 41/2021 vom 13.10.2021

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "Das fehlt uns noch zu Bayern" aus der Ausgabe 41/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 41/2021

Hummels kehrte 2019 aus München zurück zum BVB. Der Vizekapitän spielte zuvor bereits von 2008 bis 2016 in Dortmund

DORTMUND MAINZ

Samstag, 16. Oktober, 15.30 Uhr live bei Sky, Highlights direkt nach Abpfiff auf BILD.de, Sportbild.de und in der Sport BILD-App.

AMSTERDAM DORTMUND

Dienstag, 19. Oktober, 21 Uhr live bei Amazon Prime Video.

SPORT BILD: Herr Hummels, vor neun Monaten sagten Sie im SPORT BILD-Interview kritisch über den BVB: „Wir haben zu oft keinen Erwachsenen-Fußball gespielt.“ Spielt Dortmund seit Anfang des Jahres wieder Erwachsenen- Fußball?

MATS HUMMELS (32): Es ist sehr viel erwachsener und reifer, wie wir spielen, ja. Wir sind noch nicht zu 100 Prozent dort angekommen, wo wir meiner Meinung nach sein müssten, um maximalen Erfolg zu haben. Aber wir sind auf einem echt guten Weg, arbeiten sehr zielgerichtet und lassen uns nicht mehr so schnell kleinkriegen von körperlich starken Gegnern. Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Wie ist das gelungen?

Durch das Einfordern des ...

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... Trainers: in den Einheiten, in den Ansprachen. Danach liegt es an der Umsetzung durch die Spieler, hier haben einige von uns definitiv gute Schritte nach vorne gemacht.

Was fehlt noch, um das Maximum zu erreichen?

Manchmal fehlt uns, dass der erste Gedanke immer der Erfolg sein muss. Der sexy Fußball mit den Volleytoren, Hackentricks und tollen Kombinationen folgt dann von allein. Zunächst brauchen wir jedoch simplen, klaren Fußball, wie beim Tor von Donyell Malen in der Champions League gegen Sporting Lissabon – eine Drei-Mann-Pass-Stafette mit jeweils zwei Kontakten: Akanji, Bellingham, Malen. Einfacher, guter Fußball. Diese Priorität brauchen wir im Kopf, dann sind wir eine absolute Top-Mannschaft. Wir machen das schon sehr viel besser und fallen nur noch manchmal etwas in die alten Muster zurück.

Braucht eine Mannschaft ein Gerüst mit erfahrenen, aber gleichzeitig gierigen Spielern, wie es der FC Bayern beispielsweise mit Neuer, Kimmich, Goretzka, Müller und Lewandowski hat?

Das ist ein absolutes Qualitätsmerkmal der Bayern. Es ist in der Theorie schön, so eine Leader-Achse in jede Mannschaft einzubauen – in der Praxis aber nicht immer leicht. Der FC Bayern hat diese herausragende Achse, die in jedem Spiel, an jedem Tag, in jedem Training komplett auf Gewinnen-Wol- len gepolt ist.

Bildet sich eine vergleichbare Achse beim BVB?

Wir haben Schritte dorthin gemacht. Aber ich denke nicht, dass wir bereits auf diesem Niveau sind. Das ist ein Prozess.

SPORT BILD verteilt in dieser Ausgabe die ersten Zwischenzeugnisse für die Bundesligisten. Welche Note geben Sie Dortmunds S a isonstart?

Die Note 2. Wir haben in der Champions League sechs Punkte geholt, sind in der Liga Dritter mit einem Punkt Rückstand, im Pokal weiter. Die Niederlage in Gladbach (0:1; d. Red.) kam unter anderem durch kurzfristige Ausfälle, viele Verletzte und Gelb/Rot für Mo Dahoud zustande. Alles in allem kann man uns einen guten Saisonstart attestieren, also eine 2.

„Manchmal fehlt uns, dass der erste Gedanke immer der Erfolg sein muss“

Vor drei Jahren hatte der BVB zwischenzeitlich neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern und verspielte diesen am Ende fahrlässig. Was muss passieren, damit Dortmund nicht wieder e i nbricht?

Das war noch vor meiner zweiten Zeit beim BVB, daher kann ich zu damals wenig sagen. Es geht einfach darum, die Spannung die ganze Zeit hochzuhalten. Nicht eine Woche nachlässig zu sein, zwei Spiele zu verlieren und die Tabellenspitze aus den Augen zu verlieren. Wir müssen griffig und gierig sein, die ganze Zeit, jedes Spiel. Zwei verlorene Wochen sind da schon kaum mehr aufzuholen. Meister wird man nur mit einer brutalen Konstanz, das habe ich in meiner Karriere definitiv gelernt. Bayern wird uns in der Regel nicht den Gefallen tun, sich einen Durchhänger zu leisten. Das kann zwar immer schnell gehen, aktuell sieht es bei Bayern aber sehr gut und schon sehr gefestigt aus.

Hat Dortmund in dieser Saison die letzte realistische Chance auf den Titel, solange Erling Haaland noch das BVB- Trikot trägt?

Nein. Was macht Sie da so sicher?

Es wurde schon bei vielen Vereinen angenommen, dass alles von einer Person abhängt. Wir müssen nicht darüber diskutieren, wie gut Erling ist, wie gern ich ihn bei uns in der Mannschaft habe. Und dass er gerne noch länger bleiben darf. Aber speziell im Stürmer-Bereich hat der BVB in den vergangenen zwölf Jahren ein ziemlich herausragendes Händchen gehabt.

„Es ist mehr Feuer drin, mehr Leben. Wir gehen heute viel besser mit Widerständen um“

Mit dem Jahreswechsel kam beim BVB durch den Trainerwechsel von Lucien Favre zu Edin Terzic neuer Schwung ins Team. Welche Rolle spielte Terzic?

Es ist mehr Feuer drin, mehr Leben. Edin hat einen unglaublichen Job gemacht. Wir hatten eine Mannschaft, die sich zu oft von einem im positiven Sinne aggressiv auftretenden Gegner unterbuttern ließ. Mit Edin, seinen Ansprachen und seinem Training kam ein anderes Leben rein. Die Spiele, in denen wir uns durch Kampf oder gute Zweikampffüh-rung haben kleinkriegen lassen, sind seitdem wirklich sehr selten geworden. Wir gehen heute viel besser mit Widerständen um.

Wie wichtig war der DFB-Pokal-Sieg im Sommer, um zu zeigen: Der BVB kann noch Titel holen?

Sehr wichtig. Genauso wichtig ist es, diese Saison wieder die komplette Saison im Rennen um Titel dabei zu sein. Das muss der Anspruch von Borussia Dortmund sein.

Hilft es auch, Spieler wie Haaland oder Bellingham länger halten zu können?

Auf jeden Fall! Erfolg macht Spaß, vor allem wenn wir künftig wieder mit den Fans in unserem Stadion feiern können. Dann wissen sie auch, was unseren Verein von anderen Klubs abhebt. Das Zurückkommen der Zuschauer wird wieder allen bewusst machen, was den BVB so besonders macht.

Sie haben Spieler erlebt, die früh zu einem Weltklub gingen und sich dort nicht z urechtfanden, b e ispielsweis e Mario Götze bei Bayern oder Ousmane Dembélé beim FC Barcelona. Kann das eine Mahnung an Haaland sein, lieber doch noch eine Saison länger in Dortmund zu bleiben?

Für Spieler ist es generell ganz wichtig zu wissen, was sie an den Vereinen haben, in denen sie spielen – und was sich verändern kann, wenn man woanders hingeht. Ich persönlich habe früh viele Wechsel für mich komplett ausgeschlossen, wenn ich wusste, dass die Art Fußball, der andere Trainer oder die Zusammensetzung der Mannschaft nichts ist, was mir erfolgversprechend erscheint. Man sollte sich immer genau Gedanken machen: Was erwartet mich, wie ist das Standing in der neuen Mannschaft?

Was waren das für Klubs?

Vereine, bei denen ich wusste: Die Mentalität in der Mannschaft ist zu schlecht, um wirklich erfolgreich zu sein und Spaß zu haben. Wenn ich wusste, dass in einem Team zu viele Individualisten sind, die darauf achten, selbst zu glänzen, war mir immer schnell klar: Dort will ich nicht hin.

Was ist bei einem Wechsel noch zu beachten?

Es kann in einem neuen Verein schnell gehen, dass man von einem anderen Topspieler ersetzt wird. Es ist wichtig, das selbst gut einzuschätzen, aber auch gut beraten zu sein. Das wird absolut unterschätzt. Es gibt jedoch auch Spieler, die überall funktionieren, weil sie einfach zu gut sind.

Wie Haaland!

Ich will Erling nun wirklich nicht wegreden, aber ich kann mir keinen Verein vorstellen, bei dem er nicht auch das eine oder andere Tor schießt …

Könnten Sie Haaland verstehen, wenn er im Sommer den nächsten Schritt machen will?

Ich kann ihn voll verstehen, wenn er bleiben will! Weil es in Dortmund geil ist, weil er weiß, was er hier hat. Aber jeder muss für sich sehen, womit er am glücklichsten ist.

Ist Haaland schon zu gut für Dortmund?

Nein. Ich hoffe, dass wir alle zeigen können, wie gut wir sind. Und dann sieht er hoffentlich noch mehr, dass er hier ebenfalls sehr, sehr gute Mitspieler hat, mit denen er viel erreichen kann. Ich habe die Hoffnung, dass er bleibt, noch lange nicht aufgegeben.

Sprechen Sie mit ihm über seine Pläne?

Wir sprechen generell viel, nicht unbedingt nur über seine Zukunft, aber auch über andere Vereine.

Was sagen Sie ihm?

Dass das Gras auf der anderen Seite nicht immer grüner ist. Dessen sollte man sich wirklich im Fußball bewusst sein. Es ist viel wert, wenn man ein gutes Umfeld hat, sich mit den Jungs wohlfühlt und auch richtig erfolgreich sein kann. Das muss man wertschätzen, das ist nicht in jedem Verein gegeben. Wir haben Erling also einiges zu bieten, so ist es nicht.

Ist Dortmund zu abhängig von Haaland?

Wir sind nicht abhängig von ihm. Aber es ja normal, dass sich Dinge in einer Mannschaft einspielen. Wenn wir gewohnt sind, dass wir diesen Spielertypen vorne drin haben, spielen wir für ihn. Die Umstellung für zwei, drei Spiele fällt dann vielleicht schwer. Langfristig ist das eher zu lösen.

Spielen Sie im Training gerne gegen Haaland?

Ich liebe es! Weil er so wuchtig, so schnell ist. Nichts macht mir mehr Spaß, als das im Training zu haben: Duelle gegen einen, der voll dagegenhält. Erling arbeitet immer – und zieht nie zurück.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Marco Rose, ist er Jürgen Klopp in puncto Auftreten und Ansprache tatsächlich ähnlich?

Es gibt tatsächlich Parallelen, er ist aber auch ein eigener Typ, mit eigenem Humor. Wir reden sehr viel miteinander, das ist allein durch meine Knieprobleme notwendig. Wir haben einen sehr guten, direkten Austausch.

Wie ist denn Ihr Austausch mit Bundestrainer Hansi Flick?

Wir haben uns ganz offen ausgetauscht. Ich habe ihm klar gesagt: Ich bin sowohl fitnesstechnisch als auch gesundheitlich noch nicht bei 100 Prozent. Wenn ich spiele, will ich helfen. Und niemandem den Platz wegnehmen, weil mein Name Mats Hummels ist. Ich möchte nicht aufgrund irgendwelcher Meriten aufgestellt werden, sondern weil ich es mir mit Leistung verdiene.

Warum braucht die Nationalmannschaft Sie weiter?

Erst mal: Die Nationalmannschaft braucht mich ganz klar nur, wenn ich bei 100 Prozent bin. Mit 80 oder 90 Prozent braucht mich die Mannschaft nicht. Ich sage aus voller Überzeugung: Wir haben da hinten drin beim DFB wirklich gute Jungs. Daher weiß ich, dass ich nur eine wichtige Rolle einnehmen kann, wenn ich komplett auf dem besten Level performe.

Manuel Neuer gab das Ziel Weltmeistertitel 2022 offensiv aus. Zu Recht?

Erstens: Wir können es ausgeben. Und zweitens finde ich es auch gut. Wir fahren zu so einem Turnier, um es zu gewinnen. Das muss das Ziel sein!

Guter Start trotz großer Verletzungssorgen

Einen Punkt hinter Spitzenreiter Bayern liegt der BVB auf Platz drei in Schlagdistanz – und zeigte zuletzt in Champions League und Liga, dass er auch ohne Erling Haaland (21) gewinnen kann. Trotzdem ist der BVB zu abhängig von seinem Superstar, dauerhaft kann dessen Ausfall nicht kompensiert werden. Die Defensive (13 Gegentore) ist noch zu anfällig. Dass der BVB unter dem neuen Trainer Marco Rose (45) trotz großer Verletzungssorgen gut gestartet ist, zeigt die große Qualität im Kader des DFB-Pokalsiegers.

Start-Note 2