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DAS FREIBURG-WUNDER


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 44/2021 vom 03.11.2021

BUNDESLIGA

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 44/2021

Wenn andere Vereine seinem FC Bayern in der Tabelle zu nah auf die Pelle rücken, schaltet Uli Hoeneß (69) normalerweise in den Angriffs-Modus. Nur bei einem Klub macht er eine Ausnahme: dem SC Freiburg. Statt Attacke-Aussagen, um den Konkurrenten zu schwächen, bekommt der Bayern-Patron sogar Herzchen in den Augen, wenn er über Christian Streich (56) spricht.

„Den liebe ich!“, sagte Hoeneß zuletzt bei Antenne Bayern. „Und ich habe mal eine Zeit lang darüber nachgedacht, ob das nicht ein Trainer für uns wäre.“

Das war 2018, als klar war, dass Jupp Heynckes (76) die Bayern nach seiner vierten Amtszeit verlassen würde. Ilocncß griff zum Ttlcfonhörcr und klopfte im Umfeld von Streich ab, ob dieser das Zeug hat, dem Druck an der Säbener Straße standzuhalten. Einer, den er anrief, war der damalige SC-Präsident Fritz Keller (64).

„Ich habe mit Uli Hoeneß über ihn gesprochen und habe Christian ...

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... Streich damals über den grünen Klee gelobt. Und jeder, der wie Christian Streich so viel Gutes tut, hat es verdient, dass man die Wahrheit nach draußen trägt. Da darf man nicht egoistisch denken“, bestätigt Keller gegenüber SPORT BILD.

Er hat Hoeneß die Streich-Idee also nicht ausgeredet? „Natürlich nicht“, sagt Keller. Ergänzt aber: „Es war ein loses Vorgespräch. Eine Anfrage gab es danach nicht.“

Das soll auch daran gelegen haben, dass man beim FC Bayern nicht sicher gewesen sein soll, ob Streich dem medialen Druck in München standhält oder von ihm aufgefressen wird. Hoeneß verwarf seine Idee. Die Bayern entschieden sich für Niko Kovac (50) von Eintracht Frankfurt, der nach nur 16 Monaten wieder entlassen wurde. Und Streich? Er machte damit weiter, was ihn seit Jahren auszeichnet: herausragende Arbeit beim SC.

Freiburg ist vor dem Topspiel an diesem Samstag in München die einzige Mannschaft im deutschen Profi-Fußball, die ungeschlagen ist. 22 Punkte aus zehn Spielen. Platz 3. Der Klub ist auf Sensations-Kurs, könnte erstmals sogar die Champions League packen.

Ein Hauptgrund: Freiburg bat die treueste Mannschaft der Liga! Vier Jahre und acht Monate sind die Spieler, die diese Saison bisher eingesetzt wurden, im Schnitt im Verein. Bei Stuttgart und Union Berlin sind es nur ein Jahr und acht Monate (siehe Tabelle S. 20).

„Der Trainer wird mir den Kopf abreißen. Aber ich bin überzeugt, dass sie am Ende im oberen Bereich dabei sein werden“, sagt Keller. Und meint damit auch die Königsklasse. „International zu spielen ist durchaus wieder mal drin. Aber erst einmal ist das, was wir gerade erleben, die Belohnung eines langen Weges, den der Klub gegangen ist und noch immer geht. Zudem hat der SC Freiburg seine Mannschaft mal über einen längeren Zeitraum zusammenhalten können. Das sind alles gute und bodenständige Jungs. Deshalb traue ich ihnen alles zu.“

„Ich habe mit Uli Hoeneß über ihn gesprochen und habe Christian Streich damals über den grünen Klee gelobt“

Ex-Präsident Fritz Keller

Mit Baptiste Santamaria (26) verließ im Sommer nur ein Tbp-spieler den Klub, wechselte für 14 Mio. Euro zu Stade Rennes. Keller: „Christian Streich hat den Abgang, der familiäre Gründe hatte, bedauert. Aber zugleich meinte er, dass man ja junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hinten dran habe, deren Entwicklung möglicherweise blockiert worden wäre, wenn Santamaria geblieben wäre. Da dachte ich mir: Wahnsinn, wie der Trainer für den Verein über die Saison hinausdenkt. Er übernimmt Verantwortung für die Entwicklung unserer Spieler, und die spüren das.“

Unglaublich: Von sieben Zugängen kamen diese Saison sechs aus dem eigenen Nachwuchs, zudem Maxi Eggestein (24) für fünf Mio. von Werder. Rechtsaußen Kevin Schade (19), der in der Vorsaison noch in der 4. Liga spielte, hat es nach nur sieben Erstliga-Partien schon ins Notizbuch von Bundestrainer Hansi Flick (56) geschafft. SPORT BILD weiß: Der Wu-schelkopf hat beste Aussichten, der elfte Nationalspieler in Frei-burgs Geschichte zu werden.

„Er ist schnell, kopfballstark, torgefährlich“, schwärmt Flick-Assistent Hermann Gerland (67). „Kevin ist ein sehr großes Talent, lernfähig. Kevin macht x uns Spaß, er ist ein interessanter Spieler mit großen Fähigkeiten. Aber natürlich muss er auch noch viel lernen.“

Das sieht Streich genauso: „Er ist schnell, kann hoch springen und gut kicken. Dazu ist er selbstbewusst und hat keine Angst. Er weiß, wie er Situationen lösen kann, und wenn du gewisse Waffen hast beziehungsweise Möglichkeiten, dann solltest du die einsetzen, und das tut er. Aber wir werden bei ihm genau draufschauen und mit ihm akribisch Weiterarbeiten. Er war in manchen Situationen auch schon ein bisschen hibbelig, was aber in dem Alter normal ist.“ Lucas Höler (27) traut Freiburg sogar einen Sieg in München zu. Der Stürmer hat schon dreimal gegen die Bayern getroffen, nur gegen Kiel (vier Treffer) noch häufiger. Höler: „Die Bayern sind wirklich der einzige Gegner aus der Bundesliga, gegen den ich noch nicht gewonnen habe. Ich will auf jeden Fall nicht mit dem Fußball aufhören und dann sagen müssen, dass ich nie gegen Bayern gewonnen habe. Es ist ein Riesenansporn, das zu schaffen - am liebsten so schnell es geht.“

Während sich andere Vereine wie der HSV, Schalke oder Werder seit Jahren selbst zerlegen, ist Freiburg ein Vorbild dafür, das Beste aus seinen Möglichkeiten herauszuholen. „Das ist ein Verein, der sich nicht durch kurzfristigen Erfolg oder Niederlagen blenden lässt“, sagt Keller. „Der Erfolg eines Vereins ist nie der Erfolg einer einzelnen Person. Die Rädchen müssen stimmen - und die Rädchen stimmen beim SC Freiburg. Da ist der Trainer, da sind die Co-Trainer und die ganzen Betreuer, das alles passt. Zudem stimmt es in der Führungsebene, mit Jochen Saier und Oliver Leki hat der Klub starke Kräfte, die nicht populistisch und kurzfristig denken, sondern die eine Gemeinschaft entwickeln.“

Freiburg hat die treueste Mannschaft der Liga! Union ist der Durchlauferhitzer

In dieser Tabelle sehen sie, wie lang die in dieser Saison eingesetzten Spieler im Durchschnitt schon in ihren Vereinen sind. Nur die Profis der Freiburger und Gladbacher sind im Schnitt über viereinhalb Jahre im Klub. Bei vier Klubs sind die Spieler im Durchschnitt noch keine zwei Jahre Teil der Mannschaft. Am meisten Fluktuation hat Union Berlin, die mit vielen Umbrüchen in der Mannschaft immer erfolgreicher wurden. Berücksichtigt ist in dieser Berechnung der Eintritt der Spieler in den Klub, das kann auch früh in der Jugend erfolgt sein. Thomas Müller zum Beispiel wechselte 2000 als Zehnjährigerzu Bayern und treibt deshalb den Schnitt des FCB in die Höhe.

Davor zieht auch Attacke-Hoeneß den Hut. Er würde Freiburg sogar mal die Meisterschaft gönnen: „Weil sie mit ihrem Trainer so einen fantastischen Menschen haben, dem ich alles gönnen würde.“

Am Samstag im Topspiel kann Freiburg zu Bayern aufschließen. Es wäre - nach dem 5:0 von Gladbach im Pokal gegen die Münchener - die nächste Sensation der Saison.