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Das früheste christliche Bild mit einer Aussage zum Jenseits: Wie es einmal sein wird …


Welt und Umwelt der Bibel - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 23.10.2020

Wie es einmal sein wird, können weder wir uns vorstellen noch konnten es die Christen der frühchristlichen Zeit. Während in und an Gräbern gerne Bildthemen ausgewählt werden, die als Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gedeutet werden können, wie die Auferweckung des Lazarus oder Daniel in der Löwengrube, sind direktere Aussagen sehr selten. Das früheste Bild, das Aussagen zum „wie“ und „wo“ des Jenseits macht, ist das sogenannte Fresko der „Cinque Santi“ in der Calixtus-Katakombe. Es ist im letzten Drittel des 3. Jh. entstanden.


Ein Garten. Ein Paradies

Dargestellt sind drei Frauen und zwei Männer, die ...

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Bildquelle: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 4/2020

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... sich in einem Garten befinden, der durch Blüten, Früchte und flatternde Vögel angedeutet ist. Über ihnen befindet sich ein Grab mit zwei Plätzen, unter ihnen ein Arkosolgrab mit vier Bestattungen. Links und rechts des Arkosols ist je ein Pfau dargestellt, unter dem Arkosol drei Gefäße, aus denen Wasser quillt und sprudelt und über dem Vögel flattern oder aus denen Vögel trinken. Alle diese Elemente gehören sowohl zu einem Garten als auch zum Paradies – und zwar sowohl zum heidnischen als auch zum christlichen.

„In Frieden“

Neben allen Namen steht in pace. „In Frieden“ hat sich aus der Grußformel pax bzw. dem griechischen εỉρήνη entwickelt, dem in der christlichen Gemeinschaft üblichen Gruß, der auf das hebräische „Schalom“ und auf den im Neuen Testament üblichen Friedensgruß zurückgeht. In pace erscheint seit der zweiten Hälfte des 3. Jh. in christlichen Grabinschriften und wird das häufigste Formular. Es drückt die Vorstellung eines friedlichen und angenehmen Zustands nach dem Tod aus, der am Jüngsten Tag mit der Wiederkunft Christi beendet wird. Meist wird dieser Wunsch von Christen verwendet, doch kann er auch von Nichtchristen, die in den Katakomben bestattet wurden, weil sie mit Christen in engen familiären oder sozialen Beziehungen standen, auf das Grab geschrieben worden sein.

Keine Heiligen, sondern „normale“ Verstorbene

Das Besondere an diesem Bild ist, dass hier eindeutig Verstorbene dargestellt werden, und zwar bestimmte Personen, die durch Namensbeischriften gekennzeichnet sind. Dies erkennt man daran, dass alle drei Damen Schmuck tragen: Dionysas, Eliodora und Zoe schmücken sich mit einer Halskette, und bei Dionysas und Zoe sind zusätzlich Ohrringe zu erkennen. Dionysas trägt eine modische Frisur: Sie hat um ihre sorgfältig ondulierten Haare einen Haarkranz gelegt, wie ihn später in konstantinischer Zeit auch die Kaiserin Helena trägt. Die gleichmäßig angeordneten hellen Punkte im Haarkranz sind wohl Zierknöpfe, die zusätzlich ins Haar gesteckt werden. Heilige verzichten auf Schmuck, während Verstorbene sich in ihre besten, farbenfrohen Gewänder hüllen und sich modisch frisieren. Die Frisur ist dabei nur bedingt ein Anhaltspunkt zur Datierung: In der Regel wählen Frauen ihre Frisuren im jungen Erwachsenenalter und behalten sie bei bis ins hohe Alter – das ist auch heute noch zu beobachten. Deswegen ist „Cinque Santi“ nur der Rufname dieses Bildes, das tatsächlich fünf Verstorbene zeigt. Bestattet waren in der Hauptwand dieses Grabes sechs Personen: Links des Arkosols erscheint neben dem Pfau die Beischrift „Arcadia in pace“. Für ihre Gestalt war kein Platz mehr. So ist Arcadia nur durch die Inschrift präsent.

Beten in Zuversicht und Hoffnung

Die fünf Verstorbenen sind mit ausgestreckt erhobenen Armen in der Körperhaltung von Betenden wiedergegeben. Die Darstellung von Betenden ist, obwohl sie in der griechischen und römischen Kunst hin und wieder vorkommt, besonders in der zweiten Hälfte des 3. und im früheren 4. Jh. beliebt. Das Gebet der fünf Verstorbenen, die „in pace“ in einem Garten mit Wasser, Früchten und Vögeln dargestellt werden, richtet sich wohl an Gott selbst, da sie sich in einem Zustand befinden, in den Gott bereits hineinwirken kann. In dieser Zuversicht lassen sie sich in ihrer Grabkammer darstellen.

Nacheinander verstorben

Der Aufenthaltsort der dargestellten Verstorbenen in der Grabkammer der „Cinque Santi“ wird durch das Bild des Gartens und dessen Annehmlichkeiten näher beschrieben. Betrachtet man die Inschriften genauer, fällt auf, dass sich diese voneinander unterscheiden: Mal wird der Nominativ, mal der Vokativ verwendet. Auch die Buchstabenformen fallen unterschiedlich aus, sodass man davon ausgehen kann, dass die Wand nach Anlage der sechs Grabplätze mit der Gartendarstellung bemalt wurde und man den Platz für Verstorbenenbilder frei ließ, die im Lauf der Zeit eingetragen wurden – wohl in der Abfolge des Versterbens, der Reihe nach von links nach rechts. Dionysas starb vermutlich als Erste und Arcadia, die sich mit einer Inschrift begnügte, als Letzte. Warum der Kasus der Anrede wechselt, ist unbekannt.
In welchem Verhältnis die Verstorbenen zueinander standen, wird nicht erwähnt und ist völlig offen. Es war ihnen nicht wichtig, an ihren Gräbern darüber Auskunft zu geben. Sie tragen, wie in spätrömischer Zeit üblich, nur einen einzigen Namen. Ihre Namen sind weder selten noch erlauben sie es, Rückschlüsse auf ihren sozialen Status zu ziehen. Sie gehörten wohl einer „Mittelschicht“ an, da sie eine Grabkammer kaufen und ausstatten lassen konnten.

Die Grabkammer (cubiculum) der Cinque Santi wurde bereits 1737 entdeckt, aber erst um 1848 ausgegraben. Die Vorlage für die abgebildete Chromolithografie erstellte 1869 Gregorio Mariani, bekannt für Gravierungen zu stadtrömischen Denkmälern der Antike und des frühen Christentums. Monatelang arbeitete er in der Calixtus-Katakombe bei Kerzenlicht.


Lesetipps

• Jutta Dresken-Weiland, Das Paradies in frühchristlichen Texten und Bildern, in: Infinitum. Konzepte und Konfigurationen des Unendlichen, hg. von M. Neumann, Würzburg 2019, 79–100.
• J. Dresken-Weiland, A. Merkt, A. Angerstorfer, Himmel, Paradies, Schalom. Tod und Jenseits in antiken christlichen und jüdischen Grabinschriften, Regensburg 2012 (s. Buchtipps).

Prof. Dr. Jutta Dresken-Weiland ist außerplanmäßige Professorin für Christliche Archäologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Bildern in spätantiken und frühchristlichen Gräbern.


© Abbildung in: Giovanni Battista de Rossi, La Roma sotteranea cristiana, Bd. III, Taf. I-III, Rom 1877.