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Das geheime Paradies


Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 11.10.2018

Hier ist alles grüner, größer, üppiger. Aber auch: schroffcer, trockener, dramatischer. Auf La Réunion im Indischen Ozean wechseln Tropenwälder, Vulkanlandschaften und blühende Hochebenen einander ab. Hier ist einfach alles intensiv: Farben, Düfte – und Gefühle

Artikelbild für den Artikel "Das geheime Paradies" aus der Ausgabe 6/2018 von Happy Way. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 6/2018

Der Cirque de Mafate gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO


Vanille vor der Ernte


Tiefste unberührte Natur wie zu Urzeiten


Kreolische Häuser leuchten bunt in der Sonne


Mitten durch den Bambus führt der Steg im Jardin d’Eden


Viele der Palmenarten am Wegesrand gibt es nur auf dieser Insel


Immer wieder tut sich vor uns ein Blütenmeer auf


Wann hinfliegen? ...

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Sommer auf der Südhalbkugel ist von November bis April, allerdings liegt mittendrin auch die Regenzeit von Dezember bis Februar. Von November bis März kann es außerdem zur Bildung von Zyklonen kommen. Wir waren im September dort – perfekt zum Wandern, wie der gesamte Zeitraum zwischen April und November. Denn auch im sogenannten Südwinter herrschen auf La Réunion Temperaturen von ca. 20–25°C. Das Wasser ist genauso warm, baden kann man also das ganze Jahr.

Der natürliche Wasserfall-Pool “Bassin des Aigrettes” bei Saint-Gilles lädt zum Abkühlen ein


Über den Wolken befi nden wir uns in La Réunion öfter. Inmitten des zerklüfteten, bis zu 3 000 Meter hohen Gebirges öff net sich immer wieder der Blick auf eines der letzten Paradiese dieser Erde. Obgleich fast rundum bewohnt, wirkt die Insel mit einem Durchmesser von etwa 60 Kilometern in weiten Teilen beinahe unberührt. Ein bisschen wie zu Urzeiten bewegen wir uns bei unseren Wanderungen zwischen zwei Meter hohem Farn und bis zu 640 Meter hohen Wasserfällen. Genauso muss es ausgesehen haben, als einst die Dinosaurier durch den tropischen Wald stapften.

Der Pass zum Talkessel Salazie führt mitten durch die Wolken


Verschwenderische Natur

Alles auf dieser fruchtbaren Erde wächst schneller, höher, üppiger. Vor rund drei Millionen Jahren stieg hier der Vulkan Piton de Neiges aus dem Indischen Ozean empor. Hinzu kam der Piton de la Fournaise. Als einer der aktivsten Vulkane der Welt bricht er bis heute quasi jährlich aus. Allerdings ungefährlich und berechenbar immer nur zu einer Seite, wo er dann mit seinem schwerfälligen Lavastrom die Straße blockiert – so wie es im Laufe unseres Urlaubs auch noch passieren wird …
Nach unserer Landung in der Hauptstadt Saint-Denis mieten wir uns gleich ein Auto. Die Fenster unseres weißen, etwas klapprigen Peugeots kurbeln wir ganz runter, da werden unsere Sinne auch schon fast überwältigt. Das Grün ist grüner, die Gerüche sind intensiver auf La Réunion. Immer wieder duftet es mitten auf der Straße nach Obst. Die Natur hier ist so verschwenderisch, dass hier überall reife Mangos herumliegen, über die der Verkehr achtlos hinüberfährt. „Was diese Früchte bei uns kosten!“, ist einer meiner ersten Gedanken, als wir uns dem Appartement im Badeörtchen Saint-Gilles-Les-Bains nähern, das mein Mann und ich für drei Wochen gemietet haben. Die Fülle der Natur hier werden ich erst später voll erfassen und begreifen können.
La Réunion ist eigentlich ein Geheimtipp unter Franzosen, die hier in ihrem Übersee- Département gerne einmal durchatmen. Früher hieß die Insel „Île Bourbon“, denn in den höheren Lagen wird bis heute die Bourbon-Vanille angebaut. Bis zu 30 Meter hohe Vanille-Lianen ranken sich auf den Plantagen an Bäumen empor. Ihre gelben Orchideen öff nen sich nur einmal im Jahr für wenige Stunden. Nur dann können sie per Hand bestäubt werden. Neun Monate später geben die Blüten ihren Schatz frei: Kostbare Vanilleschoten wachsen heraus, noch grün wie Bohnen. Erst durch sorgsames Trocknen werden sie schokoladenbraun. Dann werden sie auf einem der bunten Wochenmärkte verkauft.
Am Samstagmorgen erstehen wir im Zentrum des Küstenstädtchens Saint-Paul einige Schoten echter Bourbon-Vanille. Zwischen bunten Tüchern, afrikanischen Trommeln, Buddha- und Shiva-Statuen quellen die Stände nur so über vor frischem Obst und Gemüse. Wir kochen in unserer Wohnung selbst, also frage ich mit den Überresten meiner Französischkenntnisse aus Schulzeiten nach fünf Tomaten. Obgleich korrekt formuliert erscheint dem Verkäufer diese Bitte zu unwahrscheinlich: Er packt fünf Kilo ein und empfi ehlt dazu Chouchou, eine Art grummelig aussehende Zucchini, die auf einer Seite so aussieht, als würde sie ihren Mund unzufrieden kräuseln. Aber köstlich ist sie! Mit kiloweise Gemüse und unter anderem reichlich Papayakonfitüre ausgerüstet genießen wir zu Hause Riesenportionen zum Spottpreis – die fünf Kilo Tomaten haben so viel gekostet wie fünf Stück in Deutschland.

Morgenstund hat Gold im Mund

Obwohl wir an einem offiziellen Badeort der Westküste wohnen, merken wir schnell: Entspannt ist das Planschen im Meer eher nicht. Das gigantische Wellenbad hier hat eine Wucht, die vor allem die Surfer weiter draußen freut. Nach drei Strandtagen beschließen wir, uns jetzt auf das Innere der Insel zu konzentrieren und planen eine Wanderung.
Am nächsten Morgen weckt mich mein begeisterter Ehemann voller Tatendrang bereits um 4:30 Uhr. Da er um meine Laune zu dieser Uhrzeit weiß, hat er schon ein Kissen ins Mietauto gelegt, auf dem ich meinen Kopf ausruhe und weiterschlafe. Afrikaerfahren wie er ist, weiß er, dass man in diesen Breitengraden ein Zeitfenster von ziemlich genau sechs bis 18 Uhr hat, in dem es Tageslicht gibt. Dann wird es dunkel – und man sollte das Tagesziel seiner Wanderung erreicht haben, vor allem in unbekannten Bergen. Recht hat er also. Ich erlaube mir trotzdem, müde zu schweigen, bis wir am Parkplatz von Cilaos ankommen.

Nach Dir, kleines Gecko!

Mit dick gepackten Rucksäcken brechen wir zu unserer Zwei-Tages-Tour auf, Dosen und Gaskocher gegen den kleinen Hunger immer greifbar. Es geht steil bergauf. Schnell merken wir, wie man sich über jede Dose, jede Wasserflasche, die im Laufe des Tages geleert wird, freut. Die Sonne strahlt, zum Glück haben wir uns mit Faktor 50 eingerieben. Immer wieder bleiben wir stehen, um vorbeiflitzende, knatschgrüne Geckos mit roten Flecken zu bewundern, die dank ihrer saugnapfartigen Füße mühelos die steilsten Felsen hochlaufen. Blau-schwarz schillernde Schmetterlinge flattern zwischen pinken Blüten umher, ein Maskarenen-Paradiesschnäpper mit leuchtend blauem Kopf und kupferfarbenen Flügeln scheint uns genau zu beobachten. Dieser Vogel gehört zu einer von sechs endemischen Arten, also solchen, die nur hier und auf der rund 200 Kilometer entfernten Insel Mauritius vorkommen.

Die kreolische Küche gibt Kraft

Weil wir trödeln, geht es schon auf 17 Uhr zu, als wir den Pass Col du Taïbit erreichen. 830 Meter Höhenunterschied haben wir gerade bewältigt. Von hier aus blicken wir auf einen atemberaubend schönen Talkessel. Der Cirque de Mafate gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO. Mit nur etwa zehn Kilometern Durchmesser ist er der kleinste von insgesamt drei Cirques auf der Insel, wo der gewaltige Vulkan vor Jahrtausenden in sich selbst zusammengesackt ist. Insgesamt leben hier etwa 800 Menschen. Straßen führen nicht her, nur Trampelpfade. Während wir noch leicht vor uns hinkeuchen, joggt ein vermutlich Einheimischer mit Flip-Flops an uns vorbei. Wir reißen uns zusammen und kraxeln die 400 Meter bis zum Örtchen Marla hinunter. Gerade noch vor Sonnenuntergang erreichen wir unsere Gîte (Herberge) mit einfachen, gemütlichen Zimmern und fantastischer, hausgemachter kreolischer Küche. Wir haben Hunger! Mein Mann entscheidet sich für ein herzhaftes Rougail boucané mit Schweinefl eisch, ich als Vegetarierin freue mich über das Cari (ähnelt indischem Curry) mit Palmherzen. Wir schlafen bombenfest und essen am nächsten Morgen so viel wir nur können vom frischen Baguette, das täglich mit dem Helikopter hergefl ogen wird. Die Energie werden wir für die anstehenden Kilometer brauchen!

Die Delfine kommen zum Spielen ganz nah ans Boot


Hinein in den Urwald

In Mafate scheint eigentlich fast immer die Sonne. Das Wetter schlägt allerdings völlig um, als wir nach ein, zwei Stunden den Rand des Cirque de Salazie erreichen. Es scheint beinahe unwirklich: Die beiden Cirques sind am Pass Col des Boeufs durch eine große Felswand getrennt – just dahinter begeben wir uns aus dem strahlenden Sonnenschein hinein in einen dichten Wolken- und Nebelschleier. Wassertropfen kondensieren auf der Haut, was sich ganz gut anfühlt, schließlich ist es warm, ungefähr 24° C. Diese andere Welt wirkt wie ein Dschungel: Meterhoher Farn überragt uns, Agaven und Calumet-Bambus sprießen aus dem Boden. Auf schmalen, oft matschigen Trampelpfaden achten wir darauf, nicht über das dichte, von Moos und Flechten bewachsene Wurzelwerk zu stolpern, das alle Bäume miteinander zu verbinden scheint. Gedämpftes Sonnenlicht tanzt mit den Nebelschwaden und weckt in mir Ehrfurcht. Ich fühle mich nicht mehr „in der Natur“, sondern als „Teil der Natur“. Die Insel hat mich absorbiert.

Balancieren zwischen Tamarinden

Plötzlich öff net sich die Szenerie. Wir blicken auf eine völlig andere Landschaft: Das Plaine des Tamarins, eine Art riesige Lichtung, über die sich Tamarinden schwerfällig beugen. Aus den süß-säuerlich-herben Früchten dieser Bäume wird auf La Réunion gerne Konfekt hergestellt. Viele der Baumstämme neigen sich so sehr zur Seite, dass sie fast parallel zum Boden wachsen. Sie sind Zeugen der Zyklonen, die von November bis April immer mal wieder über die Insel fegen. Wir machen uns einen Spaß daraus, darüber zu klettern, wie bei einem Hürdenlauf – und ein bisschen zu balancieren.
Der anschließende Col de Fourche führt bergab und verlangt volle Konzentration: Steile „Stufen“ aus querliegenden Wurzeln, Steine und Geröll und neben uns ein stattlicher Abhang – das kitzelt die Nerven! Schließlich erreichen wir das verschlafene Städtchen Salazie mit seiner imposanten, weißen Kirche, einem Springbrunnen, einer Touristeninformation – und sonst nicht sehr viel. Hier ist es uns zu langweilig. Wir steigen in den Bus und tatsächlich wird es einige Bananen- und Chouchou-Felder weiter schon deutlich interessanter: Wir erreichen das kreolische Dorf Hell-Bourg. 1999 wurde es zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gekürt. Inmitten von kreolischen Häuschen mit bunten, abblätternden Anstrichen gibt es Mittagessen: Ich bin ganz vernarrt in den Salade de Takamaka mit Birnen, Ziegenkäse und Honig – benannt nach einer kilometertiefen Schlucht ganz in der Nähe. Dazu gönne ich mir noch Galette – Pfannkuchen aus Buchweizenmehl.

Séga: der Soundtrack von Réunion

Obwohl der Cirque de Salazie der verregnetste Teil der Insel ist, ist er gut besiedelt. Zunächst waren es entfl ohene Sklaven, die sich hier versteckten, später entdeckten auch verarmte Kleingrundbesitzer den fruchtbaren Boden, Arbeiter aus Indien und China kamen hinzu. Gemeinsam entwickelten sie ihre kreolische Kultur und Sprache: angelehnt ans Französische, doch irgendwie direkter. Neben der unverwechselbaren Architektur und Küche erschufen sie den möglicherweise fröhlichsten Musikstil, den ich bisher gehört habe: Séga – Melodien und Rhythmen mit klaren afrikanischen Einfl üssen, zu denen man kaum stillsitzen kann. Diese Musik soll noch unser Soundtrack auf dieser Reise werden, wann immer wir im Auto bei unseren Erkundungstouren auf den Sitzen wippen, die Ellbogen lässig aus den off enen Fenstern hängend.
Doch zunächst gilt es noch, die restliche Wanderstrecke zu bewältigen. Vorgenommen haben wir uns, zurück nach Cilaos zum Auto zu marschieren. Doch ein deutsches, wanderroutiniertes Paar, das wir zufällig treff en, rät uns davon ab: Acht Kilometer Luftlinie, ja, aber unendlich viele Höhenkilometer, das schaff en nur sehr Trainierte! Wir schummeln also und fahren mit dem Bus weiter zu unserer Unterkunft und am nächsten Tag nach auf die gleiche Weise nach Cilaos, um das Auto abzuholen.

Der Vulkan zählt zu den aktivsten der Welt


Musik gehört hier immer dazu


Zum Tanzen heben die Frauen die üppigen Volants an


Das vielleicht Schönste hier ist das Gefühl von Freiheit


Geflochtene Taschen locken auf dem Markt


Chamäleons beobachten träge das bunte Treiben


Chouchou, auch Chayote genannt, schmeckt ähnlich wie Zucchini - nur besser


Unbemdiitnngeth men

→ Sportliche, aktive Kleidung, feste Wanderschuhe, Sonnencreme mit höchstem Lichtschutzfaktor wegen Äquatornähe, Regenschutz.
→ Auch wenn es warm ist: In Restaurants und Geschäften laufen oft zugige Klimaanlagen, an ein leichtes Oberteil zum Drüberziehen denken.
→ Ein französisches Wörterbuch, falls der Handyempfang mal nicht gut ist und Du Dich verständigen möchtest.
→ Im Wasser unbedingt Badeschuhe anziehen, zum Schutz vor scharfen Korallen und Seeigeln.

In den nächsten Tagen gönnen wir uns – nicht zuletzt wegen des deutlichen Muskelkaters – eine Verschnaufspause. Nur wenige Auto-Minuten von unserem Appartement in Saint-Gilles-les-Bains liegt der Jardin d’Eden, der Garten Eden. Auf zweieinhalb Hektar wächst hier, was die Insel zu bieten hat: Blumen in zartem Rosé und Rot- Orange, pink blühender Ingwer. Auf einem Ast sitzt ein grün-braunes Chamäleon. Mit einem Auge schaut es uns hinterher. Ansonsten wirkt es eher träge und bewegt sich kaum vom Fleck.
Mir fällt auf, dass ich immer dachte, dass

Ananas an Bäumen wachsen. Tatsächlich ragen sie aus der Erde wie bei uns Karotten oder Kohlrabi. Ein bisschen erröte ich, als mir meine Naivität bewusst wird. Der Duft von Ylang-Ylang lenkt mich ab. Sanft verströmen die Blüten des Baumes über einer Holzbank ihr Bouquet, das anregend auf Liebende wirken soll. Hier verweilen wir ein bisschen, halten uns bei der Hand, genießen die Ruhe und gleichzeitig die Intensität des Moments.

Delfi ne tanzen um unser Boot

Zurück in Saint-Gilles schließen wir uns einer Bootstour an. Hier soll man Buckelwale entdecken können, die um diese Jahreszeit aus der Antarktis herkommen, um im milden Indischen Ozean zu kalben. Angestrengt scanne ich den Horizont ab, da beginnt sich plötzlich das Wasser neben uns immer wieder zu teilen. Ein Delfi n steckt frech die Nase aus dem Wasser und hüpft neben uns her. Er scheint auf unser Rufen und Winken zu reagieren, legt sich ins Zeug, um uns mit seinen geschmeidigen Bewegungen zu imponieren. Seine Freunde kommen hinzu, immer mehr, bis schon fast eine ganze Schule neben unserem Boot erscheint. Spielerisch schwimmen nun sieben große Tümmler um uns herum. Mein Herz hüpft mit ihnen.
Diesen wunderbaren Tag beschließen wir mit Samoussas, gefüllten Teigtaschen, aus einer leuchtend blau gestrichenen Bäckerei. Für den nächsten Tag haben wir wieder Großes geplant: Wir wollen auf den Vulkan. Besser gesagt, mein Mann möchte das. Ich schwanke noch, denn im Radio wird immer wieder vor einem anstehenden Ausbruch gewarnt. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass ich im Fall des Falles nicht direkt daneben stehen möchte. „Wenn es wirklich losgeht, sperren sie die Region ab, die zeichnen doch jede Aktivität minutiös auf“, argumentiert mein Mann. „Außerdem blubbert der doch eh immer nur zu einer Seite.“ Ich lasse mich überzeugen und so brechen wir am nächsten Tag zu einer zweistündigen Fahrt mit dem Auto auf.
Die Anfahrt erfolgt über das Plain de Sables, eine rotgraue, staubige Hochebene. So ähnlich stelle ich mir die Landschaft auf dem Mars vor. Der Vulkan am anderen Ende gleicht eher einer Mondlandschaft mit vielen kleinen und einem großen Krater. Wir laufen genau am Hauptkrater herum, blicken auf eine runde Fläche, von riesigen Rissen zerfurcht. „Hier ist letztes Mal die Magma herausgekommen“, ist mein Mann überzeugt. Wir befi nden uns in 2 500 Metern Höhe, die Wolken steigen immer wieder genau bis hier auf und schwappen dann über den Felsrand. Plötzlich glaube ich, ein Brodeln unter den Füßen zu spüren. Nun möchte ich schnell wieder weg. Zu meiner Erleichterung zieht mein Mann mit.

Baden unter Wasserfällen

Zwei Tage später steigen riesige Dampfwolken aus dem Piton de la Fournaise („Glutofen“) in den Himmel, doch die trägen Lavaströme erreichen wiederum erst Tage später den Ozean. Davon bekommen wir nichts mehr mit – außer, dass im Radio eine Straßensperrung durchgesagt wird.
Da planschen wir schon im Bassin des Aigrettes: kristallklare, natürliche Wasserbecken, die immer wieder von kleinen Wasserfällen unterbrochen und zugleich verbunden werden. Später in der Hafenstadt Saint-Pierre trinken wir die Milch aus frisch angebohrten Kokosnüssen, essen Süßkartoff elkuchen und kaufen typisch eingelegtes, saures Gemüse als Mitbringsel für unsere Familien. Wir beide wissen: Das Paradies, das haben wir gefunden, genau hier, genau jetzt.

Drei Talkessel bilden das Grundgerüst von La Réunion, jeder mit einer eigenen Klimazone


Reise Tipps Günstig & flexibel

Wir sind von Paris aus per „Inlandsflug“ nach Saint-Denis in das französische Übersee-Departement geflogen. So bekommt man schon ab ca. 222 Euro einen Flug, etwa ein Drittel der Kosten von deutschen Flügen. Ferienwohnungen und Übernachtungen in Berghütten kannst Du einfach und deutschsprachig zum Beispiel hier reservieren: www.insel-la-reunion. com. Achtung: Zur Sicherheit solltest Du die Berghütte am besten mehrere Wochen im Voraus buchen! Mit einem Mietwagen gelangst Du am einfachsten zu den Ausgangspunkten der Wanderrouten. Ein Busnetz verbindet die Haupt-Ortschaften.


FOTOS GETTY IMAGES (3), ALLMAURITIUS (1), ISTOCK (9), DEBORAH WEINBUCH (3), ADOBESTOCK (5)