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Das Geheimnis der Haut


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 13.11.2020

Unsere Schutzhülle ist erstaunlich zäh. Nur manchmal reagiert sie empfindlich. Die häufigsten Beschwerden – und wie Schul- und Naturmedizin helfen


Unser größtes Organ verteidigt uns gegen Eindringlinge, schützt vor Verletzungen – und verrät, wie es unserer Seele geht


Sie hält unseren Körper im wahrsten Wortsinne zusammen und schützt unser Inneres gegen Eindringlinge von außen. Sie wehrt Mikroorganismen und Chemikalien ab, blockt Strahlung und bewahrt uns vor dem Austrocknen. Über die Schweißdrüsen hilft sie, die Körpertemperatur zu regeln. Und sie verbindet uns mit der Außenwelt, meldet uns, ob es kalt ...

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Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 4/2020

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... oder heiß ist, spürt Berührungen, aber auch den Schmerz. Manchmal lässt sie uns ganz schön alt aussehen: Die Zahl unserer Lebensjahre lässt sich an ihr ziemlich genau ablesen. Oft zeigt sie Wichtiges wie innere Erkrankungen, dann wieder kleinere Malaisen – etwa ob wir gut oder viel zu wenig geschlafen haben. Dabei hat die Haut ihre ganz eigene Art, uns zu zeigen, wann es genug ist: mit Pusteln, trockenen Stellen oder Pickelchen zum Beispiel. Wenn Stress und Sorgen uns plagen, trägt sie die Botschaft aus unserer Seele auf diese Weise direkt nach außen. Aber auch Scham und Freude zeichnen sich auf ihr ab. Wissenschaftler wissen inzwischen, dass sie über den Darm mit dem Gehirn verbunden ist – und damit ein Spiegelbild unserer Seele. Jede dritte Hautkrankheit ist seelischen Ursprungs, bewies eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin. Einige Dermatologen arbeiten auch deshalb eng mit einer psychosomatischen Abteilung zusammen, wie zum Beispiel das Dermatologikum Hamburg, ein überregionales Kompetenzzentrum mit 40 Ärzten, das inzwischen Ableger in Bremen, Wien und Zürich hat. Es wird von Prof. Volker Steinkraus geleitet. Er weiß: Die Haut ist ein faszinierendes Organ, das aufgrund seiner Empfindsamkeit aber auch Probleme machen kann. Hier erklärt er, wie Schulund Naturmedizin bei vielfältigen Hautproblemen von Abszess bis Zyste helfen können.

GENAU HINSEHEN Mindestens alle zwei Jahre sollte man sich vom Dermatologen untersuchen lassen


MESSBAR Die Dermatologin erkennt und dokumentiert selbst kleinste Veränderungen


DIAGNOSE Bei auffälligem Befund wird ein Stückchen Haut entnommen und im Labor untersucht


ABSZESS

KRANKHEITSBILD: Ein Abszess bildet schmerzhafte Knoten mit Eiter und wird durch Bakterien ausgelöst. Aber nicht immer. Manchmal stecken auch chronische Entzündungen wie Morbus Crohn oder Tuberkulose dahinter – mit sogenannten „kalten Abszessen“ mit nur wenig Eiter. Bisweilen dringen Bakterien durch ein Haarfollikel oder eine kleine Wunde in die Haut und setzen sich fest. Vor allem stark Übergewichtige und Diabetiker sind betroffen. Abszesse können auch im Gesicht, am Augenlid, in der After- und Genitalregion und an jeder anderen Körperstelle vorkommen.
THERAPIE: Ab einer Größe von zwei Zentimetern werden große Abszesse aufgeschnitten, damit der Eiter abfließen kann. Danach wird die Wunde antibakteriell versorgt. Je nach Schweregrad muss zusätzlich manchmal mit Antibiotika lokal oder innerlich behandelt werden. Auf keinen Fall sollten Abszesse mit den Fingern selbst ausgedrückt werden! Vor allem im Gesicht nicht selbst behandeln!
NATURHEILKUNDE: Zugsalbe aus Schieferöl wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Unter dieser sogenannten „Schwarzen Salbe“ können sich noch nicht eitrige Abszesse manchmal zurückbilden, oder sie „reifen“, sodass der Eiter nach außen durchbricht. Auch Kompressen mit Ringelblume oder Schafgarbe können helfen.

AKNE

KRANKHEITSBILD: Trifft eine verstärkte Produktion von Talg auf eine Verhornungsstörung, Bakterien und eine erhöhte Entzündungsbereitschaft des Körpers, kann Akne entstehen: Pickel, Pusteln und größere, meist schmerzhafte Knötchen. Die sitzen im Gesicht, am Dekolleté und am oberen Rücken – denn nur dort gibt es größere Talgdrüsen. Männliche Hormone kurbeln ihre Produktion verstärkt an. Deshalb sind vor allem Jugendliche in der Pubertät betroffen. Die Akne ist eine der komplexesten Erkrankungen in der Hautheilkunde. Auch eine gestörte Darmflora scheint eine Rolle zu spielen. Das große Prob lem: Es können lebenslänglich Narben zurückbleiben. Bis zu 80 Prozent aller Jugendlichen leiden unter Akne, Jungen stärker als Mädchen. In einigen Naturvölkern ist Akne allerdings völlig unbekannt.


Pickel und Mitesser im ganzen Gesicht – gerade Jugendliche kennen das Problem. Doch Akne lässt sich gut behandeln


AKNE Eine professionelle Hautreinigung und Masken können helfen


THERAPIE: Durch professionelle Hautreinigung, antibakterielle Maßnahmen und im Einzelfall manchmal auch durch Antibiotika, die man entweder äußerlich aufträgt oder als Tablette einnimmt, bekommt man Akne heute gut in den Griff. Durchgesetzt hat sich die Therapie mit Isotretinoin, einem natürlichen Abkömmling von Vitamin A – auch als Retinol bekannt. Für die Einnahme muss allerdings eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein.
NATURHEILKUNDE: Bei einer nicht entzündeten Akne können Gesichtsdampfbäder mit Kräutern wie Kamille die Haut aufweichen, Mitesser lassen sich so leicht entfernen. Antientzündlich können auch Aloe-vera-Produkte oder lokale Kompressen mit Schafgarbe sein. Gut helfen Masken mit fermentiertem Roggen. Die darin enthaltene Milchsäure zieht die Poren zusammen, wirkt antimikrobiell sowie antientzündlich.

AKTINISCHE KERATOSE

KRANKHEITSBILD: Nach jahrzehntelanger Sonnenbestrahlung kommt es vor allem bei hellhäutigen Menschen zu kleinen verhornten, rauen, manchmal aber auch nur roten Stellen – vor allem im Gesicht und an den Handrücken: die aktinische Keratose – eine Frühform des weißen Hautkrebses. Sie entsteht durch entartete Zellen. Das Immunsystem hält sie normalerweise in Schach. Bei älteren Menschen oder wenn das körpereigene Abwehrsystem durch Tabletten oder Erkrankungen künstlich heruntergefahren wird, entwickeln sich aktinische Keratosen schneller.
THERAPIE: Die Stellen werden abgeschabt oder mit einer Salbe behandelt, die einen immunologischen Prozess in Gang setzt. Dabei kommt es zu einer heftigen Entzündung, die die Keratose abräumt. Auch mit der Tageslicht-photodynamischen Therapie (PDT) werden gute Ergebnisse erzielt.
NATURHEILKUNDE: Da es sich um eine Vorstufe zum Krebs handelt, sollte eine mögliche naturheilkundliche Begleitbehandlung mit einem Dermatologen besprochen werden.

BLUTSCHWAMM

KRANKHEITSBILD: Meist sind Blutschwämme angeboren. Wenn sie an Körperöffnungen wie Mund, Nase oder Genitalien auftauchen, muss gehandelt werden – besonders, wenn sie schon bei der Geburt sichtbar sind, denn sie können irgendwann die Öffnungen verschließen. Der Grund für diese Erkrankung sind Fehlbildungen der Hautgefäße in tiefer gelegener Schichten.
THERAPIE: Ärzte können die Blutschwämme je nach Region operativ behandeln mit einem Laser oder mit Kälte (minus 186 Grad). Alternativ: Behandlung mit Betablockern, die sonst in der Herztherapie eingesetzt werden.

CHLOASMA (MELASMA)

KRANKHEITSBILD: Ist die Gesichtshaut bei Frauen plötzlich unregelmäßig pigmentiert, spricht man von einem Chloasma oder auch von einer „Schwangerschaftsmaske“. Grund ist das Zusammenspiel von UV- und sichtbarem Licht mit dem Hormon Östrogen. Das kommt z. B. in der Schwangerschaft vor oder wenn die Pille eingenommen wird.
THERAPIE: Das Hautbild normalisiert sich wieder, wenn die Pille abgesetzt wird oder die Schwangerschaft endet. Außerdem sollte man sich mit Cremes vor UV-Licht und mit einem Make-up vor dem sichtbaren Licht schützen.
NATURHEILKUNDE: Substanzen aus der Süßholzwurzel sowie Kojisäure aus fermentiertem Reis sollen eine übermäßige Produktion von Melanin verhindern, das für die Färbung der Haut verantwortlich ist.

EKZEM

KRANKHEITSBILD: Ist die Oberhaut entzündet, aufgerissen und bilden sich rote Schwellungen zum Teil mit kleinen Knötchen, die nässen und jucken, spricht man von einem Ekzem – eine der häufigsten Erkrankungen in der Dermatologie. Als Auslöser kommen z. B. eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, psychischer Stress, chronisch trockene Haut oder eine Kontaktallergie infrage – ausgelöst z. B. durch Nickel oder Haarfärbemittel. Die Neigung zu Ekzemen kann auch angeboren sein wie zum Beispiel Neurodermitis oder Schuppenflechte.
THERAPIE: Wichtig: die Suche nach dem Auslöser. Wird der Reiz z. B. bei einer Kontaktallergie oder einem Lebensmittel gefunden, das man nicht verträgt, sollte man diesen Stoff meiden. Spezifische Therapien z. B. bei angeborenen Ekzemen werden von den Dermatologen festgelegt – genauso wie der Zeitpunkt einer sinnvollen Kortisontherapie, die eine Reihe von Symptomen zwar lindern kann, meist aber nicht gegen die Ursache wirkt.
NATURHEILKUNDE: Ichthyolhaltige Salben mit den antientzündlich und antibakteriell wirkenden Stoffen aus dem Ölschiefer können Ekzeme lindern. Auch die Gerbstoffe von schwarzem Tee wirken – in Form von Umschlägen – beruhigend auf die Haut. Ebenso Hautgele und -salben mit Aloe vera oder Silicea (Kieselsäure) oder Sprays mit dem Jungpflanzenextrakt von Hafer sowie Rindenextrakte der Uncaria tomentosa, einer peruanischen Kletterpflanze.

GÜRTELROSE

KRANKHEITSBILD: Mit Rötungen und vielen, meist feinen Bläschen, die an verschiedenen Hautstellen auftreten – vor allem in der oberen Körperhälfte – kündigt sich eine Gürtelrose an. Sie wird durch Windpockenviren – Varicella-Zoster – ausgelöst. Die ziehen sich nach überstandener Infektion in die Nervenwurzeln des Rückenmarks zurück, bis sie manchmal bei Menschen jenseits der 50 wieder ausbrechen können. Die Gürtelrose heilt langsam ab und ist in vielen Fällen lange Zeit sehr schmerzhaft.
THERAPIE: Auf die Bläschen sollte eine austrocknende Zinkpuderlotion aufgetragen und zusätzlich ein antivirales Medikament eingenommen werden. Das soll eine schmerzhafte postzosterische Neuralgie verhindern, die bis zu 70 Prozent der älteren Patienten befällt. Empfohlen wird auch eine vorbeugende Impfung gegen das Zoster-Virus. Zur Schmerzbehandlung sollten erfahrene Schmerztherapeuten einbezogen werden. Lokale Behandlungen durch Lokalanästhetika und gezielte Mikrotherapie können Schmerzen lindern. Bei Letzterer können unter Sicht des Computertomografen mittels feiner Sonden die Nerven der schmerzhaften Hautregion mit lokal wirkenden Arzneien beruhigt werden.
NATURHEILKUNDE: Austrocknend und antientzündlich: Tinkturen mit Gerbstoffen aus der Eichenrinde, die auf die Pusteln getupft werden. Prof. Steinkraus: „Einigen Patienten hilft auch das sogenannte,Besprechen‘ – eine energetische Heilmethode, die tatsächlich bei der Gürtelrose wirken kann.“

HAUTKREBS, WEISSER

KRANKHEITSBILD: Der weiße Hautkrebs ist eine der häufigsten Hauttumore. Laut einer Studie hat sich schon bei vielen 40-Jährigen eine Vorstufe dieser Krebsart entwickelt. Er gilt im Gegensatz zum schwarzen Hautkrebs (s. auch S. 88) als nicht so gefährlich – ein Trugschluss. Denn unbehandelt wuchert er immer weiter – ohne Rücksicht auf Organgrenzen. Es gibt zwei Formen: Das Basalzellkarzinom (Basaliom) wächst zwar aggressiv, kann aber nicht streuen. Es entsteht häufig an Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt sind – Gesicht und Handrücken –, oder auf dem Rücken und der Brust. Auch das Plattenepithelkarzinom und seine Frühformen, die aktinischen Keratosen, sind hier zu finden. Im Gegensatz zum Basalzellkarzinom kann das Plattenepithelkarzinom streuen. Der weiße Hautkrebs zeigt sich als Knötchen oder rote glänzende Stelle, manchmal nur als kleiner Pickel oder verkrustete, schuppende Wunde.
THERAPIE: Meist werden die erkrankten Hautstellen operiert und mit lichtempfindlichen Substanzen oder anderen Medikamenten behandelt. Bei schweren Fällen werden heute Hedgehog-Inhibitoren eingesetzt, die das Zellwachstum beeinflussen.


Bei der Gürtelrose sollten zur Behandlung erfahrene Schmerztherapeuten dabei sein


SCHARFER BLICK Mit dem Dermatoskop spüren Ärzte viele Erkrankungen auf


EINDRINGLING Etwa 80 Prozent aller Menschen sind mit dem Herpesvirus infiziert


HAUTPILZ

KRANKHEITSBILD: Alle Regionen der menschlichen Haut können von Hautpilzen befallen werden. Sie siedeln sich bevorzugt in Hautfalten oder zwischen den Zehen an. Stark Übergewichtige und Diabetiker sind häufiger betroffen als andere. Hautpilz juckt, bildet ekzemartige Stellen und ist ansteckend.
THERAPIE: Behandelt wird mit Antipilzmitteln in Salben-, manchmal auch zusätzlich in Tablettenform.
NATURHEILKUNDE: Gerbstoffe aus der Eiche können – zusätzlich zu der antimykotischen Behandlung – den Juckreiz lindern. Ebenso Silicea (Kieselsäure) in Gelform oder Teebaumöl.

HERPES

KRANKHEITSBILD: Die typischen Herpesbläschen zeigen sich vor allem an der Lippe, manchmal auch an der Nase oder im Afterund Genitalbereich. Sie stehen in Grüppchen auf entzündlich gerötetem Grund, spannen und schmerzen. Etwa 80 Prozent aller Menschen sind mit dem Herpesvirus infiziert.
THERAPIE: Die Virusinfektion lässt sich nicht stoppen, aber die Symptome können mit Salben und auch Tablettengaben gelindert werden. Treten die Herpesbläschen immer wieder und gehäuft auf, kann mit der sogenannten Suppressionstherapie entgegengesteuert werden.
NATURHEILKUNDE: Hochkonzentrierter Zitronenmelissen-Extrakt – ihn gibt es in Salbenform – bringt die schmerzhaften Bläschen schnell zum Abheilen.

KONTAKTALLERGIE

KRANKHEITSBILD: Bei einer Kontaktallergie reagiert die Haut allergisch auf bestimmte Stoffe, mit denen sie in Berührung kommt (z. B. Nickel). Dann rötet sie sich, juckt, nässt. Manchmal bilden sich sogar Bläschen. THERAPIE: Hier hilft nur, konsequent die allergieauslösende Substanz zu meiden. Die Entzündungssymptome lindert eine Salbe mit dem Wirkstoff Kortison.
NATURHEILKUNDE: Lotionen mit Aloe vera oder Ringelblumenextrakte können das Krankheitsbild verbessern.

EINGERISSENER MUND

KRANKHEITSBILD: Unschön, schmerzhaft und für einige Betroffene ein häufig wiederkehrendes Übel: eingerissene Mundwinkel. Meist entstehen sie durch eine Hefepilz- oder eine Mischbesiedelung mit Bakterien.
THERAPIE: Abgeklärt werden muss zuerst, ob eine Hefepilzinfektion, ein Vitamin (C und B)- oder Zink- und Eisenmangel zugrunde liegt oder der Patient Diabetes hat. Die schmerzhaften Einrisse stoppt eine Salbe mit einem Antipilzwirkstoff. Erfolge erzielen auch zinkhaltige Wundsalben oder Dexpanthenol, ein Provitamin, das im Körper zu Vitamin B5 umgewandelt wird.

NAGELBETTENTZÜNDUNG

KRANKHEITSBILD: Durch Bakterien oder Pilze ausgelöste Infektionen am Nagelwall sind sehr schmerzhaft und sollten schnell therapiert werden. Das gleiche gilt für Nägel, die ins Fleisch wachsen und dadurch Entzündungen auslösen.
THERAPIE: Der betroffene Finger oder Zeh muss konsequent täglich (unter Anleitung) in einer antiseptischen Lösung gebadet werden. So werden die Keime abgetötet, und die Haut wird weich, was den Schmerz lindert. Bei schweren Nagelbettentzündungen legt man nach dem Baden einen Verband mit einer antibakteriellen Salbe auf. In seltenen Fällen muss zusätzlich ein Antibiotikum eingenommen werden. Ist der Nagel ins Fleisch gewachsen, gibt es spezielle Techniken, um ihn in eine bessere Form zu bringen. Manchmal ist eine Operation unumgänglich.
NATURHEILKUNDE: Bäder aus Kernseife oder Grüner Seife sind das älteste und bekannteste Hausmittel gegen entzündete Nagelbetten. Die Bäder machen die Haut weich und wirken gleichzeitig antibakteriell.

GERÜHRT UND GESCHÜTTELT Apotheker stellen viele individuell abgestimmte Salben zur Hautbehandlung selbst her


AUF ZUWACHS Ansteckende Hautpilze können alle Körperregionen befallen


NAGELPILZ

KRANKHEITSBILD: Im Anfangsstadium wirkt die Nageloberfläche stumpf und wie ausgetrocknet. Weiße Streifen oder Flecken werden sichtbar. Später verfärbt sich der Nagel gelbbraun und kann sich vom Nagelbett lösen.
THERAPIE: Dem ausgeprägten Nagelpilz kommt man am besten mit einer schulmedizinischen Systemtherapie unter Anleitung eines Arztes bei, bei der ein Antipilzmittel eingenommen werden muss, bis der Nagel herausgewachsen ist. Das kann Monate andauern. Bei leichten Fällen versucht man es mit einem Antipilzlack, der auf den Nagel aufgetragen wird. Außerdem sollte man die infizierte Nageloberfläche abfeilen und die Schuhe und Socken wie beim Fußpilz wiederholt desinfizieren.
NATURHEILKUNDE: Die Inhaltsstoffe aus fermentiertem Roggen können wie ein Antipilzmittel wirken, ebenso Bäder mit einigen Tropfen Teebaumöl!

NESSELSUCHT

KRANKHEITSBILD: Bilden sich stark juckende Rötungen und Quaddeln auf der Haut, spricht man von einer Nesselsucht. Die sollte man abklären – auch wenn sich das meist als schwierig erweist. Die Haut reagiert dabei auf Stoffe, die sie nicht verträgt, z. B. Medikamente, Nahrungsmittel und Nahrungsmittelzusätze, Konservierungsstoffe, oder auf Kälte, Wärme, Licht, Druck, Sonnencremes oder sogar Stress. Es gibt außerdem Erkrankungen, die sich durch Nesselsucht äußern. Und auch klassische Allergien können sich so zeigen, selbst der seltene Notfall eines allergischen Schocks.
THERAPIE: An erster Stelle steht die Suche nach dem Verursacher. Dann wird ein Antihistaminikum verabreicht; bei schweren Formen kommt noch Kortison hinzu.
NATURHEILKUNDE: Gerbstoffe aus der Eichenrinde als Salbe und schwarzer Tee, mit dem ein Umschlag getränkt und auf die Haut gelegt wird, können lokale Symptome lindern.

NEURODERMITIS

KRANKHEITSBILD: Die Neurodermitis ist eine Überempfindlichkeit der Haut und der Schleimhäute gegenüber Umweltstoffen und -einwirkungen wie Hausstaub, Pollen, Tierhaare oder Sonneneinstrahlung. Das äußert sich dadurch, dass die Haut extrem reagiert, schnell juckt und austrocknet und dass sie zu Infekten und Allergien neigt. Man vermutet, dass das körpereigene Immunsystem in Kindertagen nicht ausreichend trainiert wurde und es sich mit einer überschießenden Reaktion gegen den eigenen Körper richtet. Außerdem gibt es wohl auch eine erbliche Veranlagung. Stress sorgt für Neurodermitis-Schübe.
THERAPIE: Sind die auslösenden Stoffe identifiziert, hilft Patienten oft schon, sie einfach zu meiden. Aber die Suche ist nicht einfach und meist sehr aufwendig. Die Symptome werden mit Kortison, Calcineurininhibitoren und weiteren immunsystemunterdrückenden wirkenden Medikamenten sowie Antihistaminika und Biologika behandelt. Wichtig ist eine gute Basispflege der Haut. Außerdem hilfreich: Techniken erlernen, um in der Zukunft besser mit Stress umzugehen.
NATURHEILKUNDE: Umschläge mit schwarzem Tee oder Quark oder Salben mit Nachtkerzensamenöl können lindern, auch in Einzelfällen Akupunktur eine und Ernährungsumstellung. Als Soforthilfe eignet sich eine Creme mit dem entzündungshemmenden Extrakt aus Potentilla officinalis (Blutwurz).

ROSAZEA

KRANKHEITSBILD: Eine akneähnliche Erkrankung mit entzündlichen Rötungen oder erweiterten Äderchen, mit Papeln und Pusteln. Sie treten meist nur im Gesicht auf: auf dem Nasenrücken, auf der Stirn und in der Jochbeinregion. In fortgeschrittenen Fällen zeigt sich die Nase rot und geschwollen.
THERAPIE: Frühe Formen werden gelasert, fortgeschrittene Stadien mit Vitamin-A-haltigen Wirkstoffen oder einem Antibiotikum behandelt. Dazu wird zusätzlich eine antientzündliche Salbe morgens und eine antimikrobielle Salbe abends auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.
NATURHEILKUNDE: Mit einer entzündungshemmenden Diät ohne Zucker, Weizen und Milch können Erfolge gegen die Rosazea erzielt werden.

SCHUPPENFLECHTE (PSORIASIS)

KRANKHEITSBILD: Eine Schuppenflechte ist genetisch bedingt und tritt lokal begrenzt an den Streckseiten der Gelenke (Ellenbogen, Achillessehne), über dem Kreuzbein und in der Pofalte, an der Kopfhaut sowie hinter den Ohren oder an den Händen und Fingernägeln auf. Die Haut ist gerötet und mit glänzenden, silberweißen Schuppen bedeckt. Oft juckt sie auch, aber nicht immer. Die Symptome sind Folge eines unkontrollierten Wachstums der Oberhaut. Dabei wandern die Zellen der obersten Hautschicht siebenmal schneller an die Oberfläche als bei gesunden Menschen (zur Psoriasis-Arthritis siehe auch S. 86/87).
THERAPIE: Die Ursache der Schuppenflechte kann man bislang nicht behandeln. Gegen die Symptome werden oft kortisonhaltige Salben verschrieben, was aber auf Dauer problematisch ist. Besser sind Vitamin-D-Analoga. Sie hemmen die Entzündungsprozesse und kontrollieren das Wachstum der Zellen. Antientzündlich wirken auch Biologika. Wichtig ist in jedem Fall eine gute Basispflege der Haut.
NATURHEILKUNDE: Helfen kann eine Ernährungsumstellung mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken. Lindernd ist auch eine Kombination von Salzwasser und Sonne. Aloe-vera-Extrakte fördern die Regeneration der Haut. Ebenso Extrakte von Junghaferpflanzen und Uncaria tomentosa. Ausreichend Schlaf und wenig Stress haben auch einen positiven Einfluss.


Gegen hartnäckige Warzen kann flüssiger Stickstoff, Teebaumöl oder ein Extrakt aus Ringelblumen helfen


WEISSE FLECKEN Bei Vitiligo verliert die Haut einen großen Teil ihrer Pigmentzellen


SONNENALLERGIE

KRANKHEITSBILD: Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen beginnt die Haut an Dekolleté, Gesicht oder Unterarmen zu jucken und sich zu röten. Genau weiß man allerdings noch nicht, welche Verbindung zwischen UVA-bzw. UVB-Strahlen und den Hautirritationen besteht. Eine Sonderform ist die sogenannte Mallorca-Akne: Hier entstehen die Symptome durch das Zusammenspiel von Sonne, Kosmetika und Sonnenschutzmitteln.
THERAPIE: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen (es gibt auch spezielle Produkte gegen Mallorca-Akne) und sich erst langsam an die Sonne gewöhnen. Bei heftigem Juckreiz kann ein Antihistaminikum helfen.
NATURHEILKUNDE: Tabletten mit einem Extrakt aus der in Südamerika heimischen Farnpflanze Polypodium leucotomos schützen die Haut wirkungsvoll vor den schädigenden Sonnenstrahlen. Eine Sonnenschutzcreme mit Rutin, einem Wirkstoff aus dem japanischen Pagodenbaum, der u. a. auch in rotem Weinlaub steckt, wirkt hautschützend.

VITILIGO

KRANKHEITSBILD: Bei der Weißfleckenkrankheit verliert die Haut einen großen Anteil an Pigmentzellen. Es bilden sich weiße Flecken auf der Haut, die auch nicht mehr nachbräunen. Vermutet wird eine Autoimmunerkrankung oder oxidativer Stress, was die Pigmentzellen zerstört.
THERAPIE: Es gibt vielversprechende Ansätze zur Therapie der Vitiligo im Gesichtsbereich, die zum Teil noch experimentell sind.

WARZEN

KRANKHEITSBILD: Warzen werden durch Papillomviren verursacht. Es gibt über 100 unterschiedliche Arten. Vor allem treten sie an Händen und Füßen auf. Sie nisten sich dort in die kalte, harte (Horn-)Haut ein. Warzen können spontan abheilen, fühlen sich aber gelegentlich in der Haut so wohl, dass sie über Jahre dort verbleiben. Vor allem Dornwarzen sind sehr hartnäckig.
THERAPIE: Wenn die Haut immer wieder aufgeweicht wird (z. B. durch Salicylsäurepflaster), lässt sich die Warze langsam und regelmäßig abtragen, ebenso mit flüssigem Stickstoff oder einem Vereisungsstift.
NATURHEILKUNDE: Teebaumöl, mehrmals täglich auf die Warze aufgetragen, wirkt antiviral. Auch mit Extrakten der Ringelblume kann man es versuchen.

ZYSTE

KRANKHEITSBILD: Zysten sind Hohlräume im Gewebe oder unter der Haut, die mit Flüssigkeit oder Talg gefüllt sind. Sie entstehen u. a., wenn der Ausgang einer Talgdrüse oder eines Haarfollikels verstopft oder verlegt ist.
THERAPIE: Zysten sind meistens harmlos und bilden sich von allein zurück. Entzünden sie sich, müssen sie aufgeschnitten und entfernt werden.
NATURHEILKUNDE: Teebaumöl und die sogenannte „Schwarze Salbe“ aus Schieferöl wirken entzündungshemmend und unterstützen die Heilung.

@gesundheit.de/hautkrankheiten Weitere Infos zur Diagnostik und neuen Therapien finden Sie unter diesem Link

Prof. Dr. Volker Steinkraus


Der Hautarzt ist Gründer und Leiter des Dermatologikums in Hamburg und baute in Bremen, Wien und Zürich weitere Standorte auf

Narben Wenn das Leben Spuren auf der Haut hinterlässt

Manchmal bleibt die Erinnerung an eine Verletzung für immer sichtbar. Wie der Körper Wunden schließt – und was gegen Narben hilft

Der Schnitt im Finger beim Zwiebelschneiden. Die Operationswunde. Eine Kraterlandschaft, die Akne im Gesicht hinterlässt. Fast jeder Mensch trägt Erinnerungen an schmerzhafte Ereignisse in Form von Narben mit sich herum. „Sie entstehen, wenn der Organismus es nicht schafft, die Haut so wieder zu schließen wie vor der Verletzung“, erklärt Prof. Volker Steinkraus. Der Körper entwickelt an diesen Stellen in der Regel einen bindegewebigen Ersatz. „Der besteht in erster Linie aus Kollagen und ist ein – im Vergleich zur unverletzten Haut – eher minderwertiger Gewebsverband, der den Defekt schließt“, weiß der Hamburger Dermatologe.

Je älter wir werden, umso mehr verliert unser Körper die Fähigkeit, eine Wunde so zu schließen, als wäre da nie eine Verletzung gewesen. Auf der anderen Seite liegt auf der Altershaut wenig Spannung. „Und das ist immer gut für die Narbenbildung“, erklärt der Mediziner: „Da kann es passieren, dass Sie eine Narbe auf dem Dekolleté oder auch im Gesicht nach einiger Zeit gar nicht mehr sehen!“ Genauso wie bei einem Baby oder Kleinkind, bei dem sich Narben im Laufe seines Lebens noch verwachsen. Manchmal liegt eine Narbe aber dick wie ein Bleistift auf der Haut, gerötet und wie ein Wulst. Ist das optisch störend, kann man sich in die Narbe Kortison spritzen lassen. Prof. Volker Steinkraus vom Dermatologikum Hamburg: „Hier nutzt man eine Nebenwirkung des Kortisons aus – es macht die Haut dünn.“ Oder man versucht, den Wulst durch einen leichten Druck über einen gewissen Zeitraum zurückzubilden.

Wenn die wulstartige Narbe sich aber ausbreitet und stark wuchert, wird die Behandlung zu einer echten Herausforderung. „Jeder Korrektureingriff kann hier das Problem noch verstärken, weil er wieder ein Anreiz für die Haut ist, an dieser Stelle noch mehr Kollagen zu bilden“, weiß der Hautspezialist. Diese sogenannten Keloide kann man versuchen abzutragen, mit flüssigem Stickstoff mit minus 186 Grad zu behandeln und anschließend über längere Zeit mit einem Druckverband zur Rückbildung anzuregen.

FÜR IMMER Narben können auch an Schönes erinnern, zum Beispiel eine Geburt

Superorgan

In unserer schützenden Hülle sind lauter kleine Spezialisten am Werk. Auf drei Etagen warten sie auf ihren Einsatz

Die Haut erfüllt zahlreiche Aufgaben – eine davon ist der Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen. Die robuste äußere Hornschicht soll Verletzungen verhindern, Fremdkörper oder chemische Stoffe abwehren. Keime stoppt ein Fettfilm aus Sekreten der Talg- und Schweißdrüsen. Spezielle Zellen bauen aus Melanin einen Pigmentschutzschild gegen gefährliche UV-Strahlung auf. Um die Körpertemperatur konstant zu halten, können bei Hitze die Blutgefäße in der Haut weit gestellt und die Abgabe von Schweiß erhöht werden. Detaillierte Sinneseindrücke liefern spezialisierte Hautrezeptoren: Freie Nervenenden nehmen Temperatur, leichte Berührungen und Schmerzen wahr, Meissner-Körperchen und Merkelzellen reagieren auf Druck, Ruffini-Körperchen registrieren Gewebsdehnungen, Vater-Pacini-Körperchen vor allem Vibrationen. Sensoren leiten die Reize ans Gehirn.


FOTOS: OZEROVA/COLOURBOX.COM, MARTIN ZITZLAFF

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