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Das Geheimnis des alten Grafen


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 19.02.2022

Der große abgeschlossene ADELS-ROMAN

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Würde sie es jemals schaffen, so routiniert mit jedem Notfall umzugehen wie die Kollegen? Vielleicht. Bisher aber schoss Jolanda jedes Mal das Adrenalin durch die Adern, wenn ein Krankentransport vor dem Gebäude hielt und die Tür zur Notaufnahme aufgestoßen wurde.

Blass und mit geschlossenen Augen lag der alte Mann auf der Rolltrage. Sein Puls ging flach. Verdacht auf Herzinfarkt.

Jolanda prägte sich jeden Handgriff, jede Anordnung des Oberarztes ein. Bei der Operation, als ein Blutgerinnsel aus einer Koronararterie entfernt und ein Bypass gelegt wurde, durfte sie assistieren. Danach kam der Patient auf die Intensivstation. Sein Zustand war immer noch kritisch.

„Die Angehörigen vermutlich.“ Der Oberarzt wies auf zwei Männer, die auf dem Flur warteten. „Möchten Sie mit ihnen sprechen?“

Jolanda nickte und straffte sich unmerklich. Dann trat sie auf die beiden zu. ...

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... „Guten Tag. Ich bin Dr. Benning. Sind Sie der Sohn?“

Das galt dem älteren der beiden. Er nickte. „Ja. Ich bin Jasper von Wörnitz. Wie geht es meinem Vater?“ Jolanda wählte ihre Worte mit Bedacht. Diese Situationen wurden im Studium trainiert, die Wahrheit schonend verpacken, Hoffnung erhalten. Ernst fragte Jasper von Wörnitz: „Können wir zu ihm?“

„Ja, dürfen Sie. Aber nur kurz.“

Der Patient war wach, aber deutlich mitgenommen. Bredo von Wörnitz. Der Name stand jetzt auf dem kleinen Schild am Fußende seines Bettes. Sein Sohn und Enkel wechselten ein paar Worte mit ihm, doch der Besuch schien ihn anzustrengen, weshalb Jolanda ihn bald beendete. „Ich sehe später nochmal nach Ihnen“, sagte sie mit einem freundlichen Blick auf das Bett. Dann schloss sie die Tür von außen. „Gehen Sie nach Hause. Sie können hier jetzt nichts tun.“

Die Worte galten beiden Männern gleichermaßen. Graf Jasper begegnete ihrem Blick ausdruckslos. Sein Sohn aber erwiderte das Lächeln. „Danke. Geben Sie uns bitte gleich Bescheid, wenn sich sein Zustand ändert.“ Dabei zog er eine Visitenkarte aus der Tasche und reichte sie ihr hin.

Jolanda nickte und sah ihnen nach, wie sie sich über den Flur entfernten. An der Ecke warf der Enkel noch einen Blick zurück, dann waren sie verschwunden.

Eine Stunde später trat sie wieder in das Zimmer des alten Herrn. Bredo von Wörnitz wirkte klar, aber angespannt. Jolanda nickte ihm zu. „Wie geht es Ihnen?“

„Wie einem Hochseekreuzer nach einem Schuss vor den Bug.

Sie schmunzelte über den Vergleich, aber Bredo heftete einen eindringlichen Blick auf sie. „Setzen Sie sich zu mir, mein Kind. Ich möchte Ihnen etwas erzählen.“ Und weil er ihr Zögern bemerkte, fügte er drängend hinzu: „Ich muss es irgendjemandem erzählen. Bevor es vielleicht zu spät ist.“

Jolanda zog sich einen Stuhl heran und stellte ihn dicht neben sein Bett. Kurz flackerte eine Gefühlsregung über das Gesicht des alten Mannes, die sie nicht deuten konnte. Dann begann er zu sprechen …

Ihre Wangen brannten, als sie sich eine gute halbe Stunde später von ihrem Stuhl erhob und aufgewühlt auf die hagere Gestalt im Bett herunterblickte. Der Graf lag jetzt in sein Kissen gesunken, die Augen geschlossen, die Züge eingefallen. Als wäre mit der Lebensbeichte auch all seine Kraft aus ihm heraus geflossen. Er regte sich nicht, nahm vielleicht gar nicht wahr, dass sie leise zur Tür ging und aus dem Zimmer schlüpfte.

Draußen lehnte Jolanda sich einen Moment gegen die Wand und atmete tief durch. Die Geschichte, die Bredo ihr erzählt hatte, war hoch brisant. Kaum zu glauben, dass er diese Wahrheit ein Leben lang mit sich herumgetragen hatte!

„Was erwartest du von mir?“, flüsterte Jolanda bestürzt

Sich ihr nun anzuvertrauen, mochte sein Gewissen erleichtert haben. Doch es löste den Knoten nicht, den er vor so langer Zeit geknüpft hatte. Dazu müsste er seiner Familie das alles erzählen.

Dass es dazu nicht mehr kommen sollte, ahnte Jolanda zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie fuhr nach Hause und schlief ein paar Stunden. Als sie am nächsten Tag wieder in der Klinik erschien, fand sie Bredos Zimmer leer. Alle ärztlichen Bemühungen war vergebens gewesen. Das Herz des alten Herren hatte aufgehört zu schlagen.

Jolandas Gedanken wirbelten. Nun hatte er sein Geheimnis bei ihr abgeladen – und starb! Das war nicht fair. Diese Verantwortung auf ihre Schultern zu legen und sich einfach davon zu machen. Was sollte sie jetzt damit anfangen?

Verstört trieb es sie in den Raum am Ende des Flurs, wohin der Verstorbene gebracht worden war. Eine lange Weile stand sie dort vor dem Bett, schlug schließlich das Laken zurück und blickte auf das wächserne Gesicht herab. Die Züge wirkten gelöst. Er hatte seinen Frieden gemacht. Und sie?

„Was erwartest du jetzt von mir?“, flüsterte sie kaum hörbar und mehr zu sich selbst. Denn eine Antwort erhielt sie nicht.

Draußen vor der Tür zog sie die Visitenkarte aus der Tasche ihres Kittels und warf einen Blick darauf. Simon von Wörnitz, Unternehmensberatung, verrieten die geprägten Lettern. Ob er schon benachrichtigt worden war?

Sie hatte es noch nicht zu Ende gedacht, da näherten sich über den Flur drei Männer. Es war der Oberarzt in Begleitung der beiden Herren von Wörnitz. „Mein Beileid“, sagte sie fest, als sie an ihr vorbei den Raum betraten. Simon von Wörnitz nickte ihr zu. Sein Vater blickte nur starr vor sich hin.

Dass der Tod zum Leben gehörte, war eine der ersten Erkenntnisse des Arztberufes. Trotzdem beschäftigte Jolanda dieser Tod ganz besonders. Deshalb verfolgte sie auch die Berichterstattung in der Presse, die Todesanzeige und den ausführlichen Nachruf. Außerdem die Ankündigung der Beisetzung, die allerdings im Familienkreis stattfinden sollte. Sie wusste nicht genau, warum es sie dennoch dorthin zog. Erwartete sie irgendeine Botschaft aus dem Jenseits?

Immer noch haderte sie mit dem, was Bredo ihr aufgebürdet hatte. Doch je länger sie darüber nachdachte, desto klarer empfand sie, dass sie dieses Wissen nicht für sich behalten sollte. Der alte Graf wollte wohl am Ende seines Lebens reinen Tisch machen, sonst hätte er diese Geschichte nicht erzählt. Da er das nun selbst nicht mehr konnte, hielt Jolanda es für ihre Pflicht, diese Aufgabe für ihn zu übernehmen. Bloß wie?

Aus einiger Entfernung beobachtete Jolanda die Trauergesellschaft, die am offenen Grab den Worten des Pfarrers lauschte. Sie hatte keinen Plan, was sie hier eigentlich wollte. Dann wurde der Sarg in die Gruft versenkt, und ein schwermütiges Gefühl der Endgültigkeit schwappte zu ihr herüber.

Jolanda seufzte unwillkürlich auf. Und in diesem Moment drehte Simon von Wörnitz den Kopf und sah direkt zu ihr hin.

Die Andeutung eines Lächelns huschte über sein Gesicht. Dann löste er sich aus der Gruppe und kam zu ihr herüber. „Guten Tag. Danke, dass Sie gekommen sind.“

Das Lächeln war jetzt eine Spur wärmer und zugleich anrührend in seiner Traurigkeit. Jolandas Blick flog zu den starren Mienen der Gruppe am Grab. Bredos Bekenntnis würde viel Unruhe stiften. Durfte sie darüber sprechen? Durfte sie es verschweigen?

Sie riss den Blick los und sah Simon ins Gesicht. Er lächelte noch, wenn auch etwas irritiert. „Alles in Ordnung mit Ihnen?“

„Ja. Hören Sie.“ Sie biss sich auf die Lippen. „Ich würde gerne, also, ich muss etwas loswerden. Können wir irgendwo in Ruhe reden?“

Ob es richtig war, mit Simon über diese Beichte zu reden?

Er musterte sie forschend, sah dann zum Grab hinüber. „Wir sitzen gleich noch für ein, zwei Stunden mit der Familie zusammen“, sagte er. „Wenn Sie möchten können wir uns danach treffen.“

Sie verabredeten sich in einem Café, dann stieß Simon wieder zu den anderen. Und Jolanda verließ rasch den Friedhof, immer noch aufgewühlt und unsicher, ob sie wirklich das Richtige tat.

Sie saß beim zweiten Kaffee, als Simon an ihren Tisch trat. „Entschuldigung. Warten Sie schon lange?“ Er zog einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber.

Jolanda schüttelte den Kopf.

„Ich war wohl zu früh dran.“

Wahrscheinlich konnte sie ihre Aufregung nicht ganz verbergen. Simon sah sie aufmerksam an. „Sie wollten mit mir sprechen?“

Sie atmete tief durch und wartete, bis der Kellner sich mit Simons Bestellung wieder entfernt hatte, froh über den Aufschub. Simons fragender Blick aber ließ sie nicht los. Schließlich seufzte sie und fasste sich ein Herz. „Ihr Großvater“, begann sie. „Er hat mir quasi am Sterbebett eine unglaubliche Geschichte offenbart, das Geheimnis seines Lebens. Und ich denke, seine Familie sollte es kennen.“

Stockend erst, dann immer flüssiger erzählte Jolanda nun, was der alte Graf ihr anvertraut hatte.

Von der Beziehung seines Sohnes zu dieser jungen Studentin, damals, als Jasper noch jung und ganz am Anfang war. Graf Bredo allerdings hatte zu jener Zeit die Zukunft des Sohnes bereits geplant, inklusive einer standesgemäßen Verbindung, die er bereits ins Auge gefasst hatte. Jaspers Affäre mit diesem Mädchen kam ihm daher gänzlich ungelegen.

Bredo half sich mit einer Intrige. Er spielte die beiden gegeneinander aus und zerstörte damit die Romanze. Die junge Frau kehrte in ihre Heimatstadt zurück. Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende … die Liaison war nicht ohne Folgen geblieben. Nicht lange danach kam ein Brief, in dem sie von ihrer Schwangerschaft berichtete. Ein paar Monate darauf traf ein weiterer ein, der die Geburt einer Tochter anzeigte. Danach nur noch ein weiteres Schreiben mit dem Bild eines hübschen kleinen Mädchens, das fröhlich in die Kamera lachte. Doch keiner dieser Briefe hatte Jasper jemals erreicht. Bredo hatte sie allesamt abgefangen.

Ein langes Schweigen legte sich über den Tisch, als Jolanda geendet hatte. Simon starrte vor sich hin ins Nirgendwo. Bestürzung und tiefe Betroffenheit malten sich deutlich auf seinem Gesicht ab.

„Ihr Vater hat nie von diesem Kind erfahren?“, fragte Jolanda nach einer Weile vorsichtig.

Simon blickte hoch, blinzelte seinen Blick klar und schüttelte matt den Kopf. „Nein. Also, nicht dass ich wüsste.“ Danach verfiel er wieder in brütendes Schweigen.

Jolanda beobachtete ihn stumm. Er wirkte so erschüttert, dass sie mit dem spontanen Impuls rang, seine Hand zu drücken. „Ich dachte, Sie sollten das wissen“, sagte sie nach einer langen Weile, in der die Stille immer drückender wurde.

Simon sah wieder auf. Erst jetzt schien ihm bewusst zu werden, dass er minutenlang abgetaucht war. Er rang sich ein Lächeln ab. „Natürlich. Sie haben recht. Mein Großvater hätte seine Geschichte nicht erzählt, wenn er nicht gewollt hätte, dass sie ans Licht kommt. Und er hat diese Briefe bis heute aufbewahrt, sagen Sie?“

„Ja. So hat er es mir dargestellt. Sie sollen in einer verborgenen Schublade seines Schreibtisches liegen. Es gibt da wohl einen doppelten Boden. So genau habe ich das nicht verstanden.“

Simon nickte nachdenklich. „Möglich. Ich werde das prüfen.“ „Und Ihr Vater?“

Sie fragte es zögernd. Simon traf ihren Blick. Vielleicht sah er auch durch sie hindurch, auf der Suche nach einer Antwort. Schließlich seufzte er und hob ratlos die Schultern. „Er soll es auch erfahren. Natürlich. Aber zuerst möchte ich es selbst realisieren. Immerhin … ich habe irgendwo eine große Schwester.“ Er lächelte schwach.

Jolanda nickte rasch. „Gewiss. Nach so langer Zeit kommt es auf ein paar Tage mehr ja nicht an.“

Simon versprach, nach den brisanten Briefen zu suchen

„Das ist wohl wahr.“ Das Lächeln vertiefte sich, als er ihr nun in die Augen sah. „Ich danke Ihnen für Ihre Courage, das Vermächtnis meines Großvaters weiter zu tragen. Darf ich mich melden, wenn ich die Briefe gefunden habe? Ich habe im Moment niemanden sonst, mit dem ich darüber reden kann.“

„Sicher“, sagte sie schnell. „Ich schicke Ihnen meine Nummer.“

Sie tippte seine Nummer in ihr Handy und schickte ihm eine Nachricht. Dabei fühlte sie seine Augen fest auf sich gerichtet und meinte so etwas wie einen warmen Lufthauch zu verspüren. Das konnte aber auch nur Einbildung sein.

Simon meldete sich zwei Tage darauf. Er hätte die Briefe gefunden und würde sie ihr gerne zeigen. Ob sie sich noch einmal treffen könnten? Diesmal lud Jolanda ihn kurzerhand zu sich nach Hause ein. Dort wären sie ungestört und könnten in Ruhe über alles reden. Sie steckte gerade in einem Block aus Spätdiensten, deshalb schlug sie vor, sich zum Frühstück zu treffen, was Simon gerne annahm.

Tatsächlich stand er mit einer üppigen kalten Platte vom Feinkostladen und einer Tüte mit ofenwarmen Brötchen und duftenden Croissants vor der Tür und lächelte in ihr überraschtes Gesicht. „Wir sollten uns nicht auf nüchternen Magen mit so bedeutenden Dingen befassen“, erklärte er.

„Vielen Dank, entgegnete Jolanda erfreut. Auch dass Simon heute deutlich weniger angespannt wirkte, fiel ihr positiv auf. Er schien sich von dem ersten Schrecken gut erholt zu haben.

Ihr Frühstück verlief dann auch überraschend unverkrampft. Sie plauderten über dies und das, Simon erkundigte sich nach ihrem Werdegang und erzählte seinerseits ein bisschen aus seinem Leben.

„Ich fand es immer schade, ohne Geschwister aufgewachsen zu sein“, meinte er einmal. „Es gab eine Zeit, da habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als einen Bruder oder eine Schwester.“

Jolanda fing seinen Blick auf und konnte förmlich seine Gedanken lesen. Nämlich, dass sich dieser Wunsch nun möglicherweise noch erfüllen würde … Sie schob die leeren Teller zusammen und nickte ihm aufmunternd zu. „Wollen wir uns die Briefe ansehen?“

Es war ein eigentümliches Gefühl, in diese ganz persönlichen, fast intimen Zeilen einer fremden Frau einzutauchen. Ihr Name war Lilo, und sie hatte sich Mühe gegeben, sachlich und ohne Vorwurf zu bleiben. Trotzdem klang so vieles zwischen den Zeilen durch. Verletzung, Enttäuschung, aber auch wie sehr sie Jasper immer noch respektierte, schätzte – liebte! Und vielleicht insgeheim doch auf eine gemeinsame Zukunft hoffte, als Paar, als Familie. Nicht ahnend, dass er nie davon erfahren sollte.

Ihre Geschichte berührte Jolanda seltsam tief. Und sie warf große Fragen auf. Wie wäre ihr Leben verlaufen ohne diese Lüge, mit der Bredo sich zum Herren über das Schicksal aufschwang? Wäre Jasper glücklicher gewesen an Lilos Seite, hätte er heute eine große Familie, oder wäre Simon dann nie geboren worden? Bei diesem Gedanken drehte sie unwillkürlich den Kopf und sah zu ihm hin.

Simon wirkte sehr nachdenklich. „Mein Großvater mag seine Gründe gehabt haben“, meinte er. „Aber nachvollziehbar sind sie nicht.“

„Was werden Sie denn jetzt tun?“, wollte Jolanda wissen.

Er zögerte, schien mit der Antwort zu ringen. „Mein Vater muss es erfahren“, entschied er schließlich. „Was er dann mit diesem Wissen anfängt, ist seine Sache.“

Er warf einen letzten Blick auf die Briefe, griff dann nach dem Bild des kleinen Mädchens und betrachtete es lange. Seine Halbschwester. Jolanda meinte fast, seine Zerrissenheit zu spüren. Hatte dieses Kind nicht auch ein Recht auf die Wahrheit? Aber würde sie sie jemals erfahren, wenn er das seinem Vater überließ? Dann faltete er die Briefe mit einer entschlossenen Geste zusammen. „Ich werde mit ihm reden“, sagte er, so fest, als müsste er sich selbst davon überzeugen. „Heute noch.“

„Wenn ich etwas tun kann …“, begann Jolanda, verstummte dann aber. Was könnte sie schon tun?

Der neue Patient in der Notaufnahme war – Graf Jasper!

Simon quittierte ihr Angebot mit einem warmen Blick. „Vielen Dank. Aber das muss ich ganz allein durchziehen. Darf ich mich melden, falls ich hinterher ärztlichen Beistand brauche?“

Er sagte es mit einem Augenzwinkern, das Jolanda zum Lachen brachte. Vielleicht musste sich auch die Anspannung Luft machen, die sich bei diesem Ausflug tief in die Vergangenheit aufgebaut hatte. „Auf jeden Fall“, betonte sie. „Sie wissen ja, wo Sie mich finden.“

Simon nickte, grinste und wirkte dabei richtig jungenhaft. Dieses Bild speicherte Jolanda im Geist ab und sah es jedes Mal vor sich, wenn ihre Gedanken später um ihn und sein Gespräch mit Jasper kreisten. Würde er die richtigen Worte finden, und wie würde sein Vater reagieren? Schon malte sie sich ihr nächstes Treffen aus, bei dem sie ihm gerne jede Form von Beistand leisten würde, die er wünschte.

Dabei sollte nicht er es sein, der ihre ärztliche Kunst benötigte …

Es war ein vergleichsweise ruhiger Abend in der Notaufnahme. Bis kurz vor Mitternacht in routinierter Hast ein Patient eingeliefert wurde und Jolanda ein kalter Schreck in die Brust fuhr. Graf Jasper!

Kalkweiß mit steinerner Miene wurde er auf der Trage durch den Flur gerollt. In seiner Begleitung eine Frau, die Jolanda bereits bei Bredos Beerdigung gesehen hatte, und Simon. Sein Anblick griff ihr schmerzlich ans Herz. Das Gesicht verzerrt vor Anspannung, ein Zug tiefster Bestürzung um den Mund. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen, wofür freilich weder die Zeit noch der Ort war.

Verdacht auf Herzinfarkt – ein unseliges Déjà vu. Jolanda zwang sich, alles andere auszublenden, nahm ihren Platz im Team ein und spulte die nötigen Handgriffe ab. Anders als bei Bredo jedoch gaben die ersten Untersuchungen Entwarnung. Die Vitalwerte des Patienten stabilisierten sich rasch. Vielleicht nur eine Kreislaufschwäche …

Jaspers Familie wurde mit der beruhigenden Nachricht nach Hause geschickt, er sollte nur noch ein paar Tage zur Beobachtung bleiben. Zu gerne hätte Jolanda von Simon erfahren, was geschehen war. Sie hatte nämlich so eine Ahnung, dass Jaspers Zusammenbruch nicht von ungefähr gekommen war. Doch für ein Gespräch ergab sich keine Gelegenheit.

Kurz bevor sie ihren Dienst beschloss, sah sie noch einmal nach Jasper. Er lag stumm in seinem Bett, den Blick starr an die Decke gerichtet und nahm keinerlei Notiz von ihr. Was mochte jetzt in ihm vorgehen? Ob er wusste, dass sie die ganze Sache ins Rollen gebracht hatte? Sie wagte es nicht, ihn anzusprechen, verließ stattdessen leise das Zimmer und vertagte alle brennenden Fragen auf später.

Dieses später freilich traf schneller ein als erwartet. Als Jolanda nämlich kurz darauf die Klinik verließ, traf sie im Foyer auf Simon. Er hatte offenbar auf sie gewartet, sprang jetzt aus der Sitzgruppe und sah ihr aufgewühlt entgegen. „Es ist meine Schuld!“, stieß er hervor.

Haben Sie mit ihm über die Sache gesprochen?“, fragte sie.

„Ja. Aber irgendwie ist es völlig aus dem Ruder gelaufen. Er hat sich furchtbar aufgeregt. Ich glaube, ich habe alles falsch gemacht.“

Er wirkte richtig angeschlagen. Jolanda sah sich um. Hier war nicht die Atmosphäre für ein ruhiges Gespräch. „Möchten Sie … wollen wir zu mir nach Hause fahren, und Sie erzählen mir alles?“

Er nickte dankbar. So saßen sie wenig später zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden in ihrer Wohnung zusammen, auf dem Sofa diesmal, und statt Kaffee gab es jetzt ein Glas Wein. Zur Beruhigung, wie Jolanda meinte, und Simon protestierte nicht. Er nahm einen Schluck, sammelte sich sichtlich und begann zu sprechen.

Sein Vater hatte erst ungläubig reagiert, dann fassungslos, schließlich geriet er völlig außer sich.

Simon machte sich Vorwürfe: „Alles auf einmal war zu viel!“

„Vielleicht hätte ich die Wahrheit behutsamer dosieren müssen“, überlegte Simon zerknirscht. „Ihm nicht alles auf einmal zumuten. Der Verlust der ersten Liebe, eine unterschlagene Tochter, der Verrat des eigenen Vaters – das sind schon Nackenschläge. Ich weiß nicht, was davon ihn am tiefsten getroffen hat. Jedenfalls hat er sich mit Lilos Briefen in seinem Arbeitszimmer eingeschlossen und dort ein paar Stunden ausgeharrt. Irgendwann wollte er in die Garage zu seinem Wagen, doch da haben wohl seine Beine nachgegeben.“

„Ein Glück“, warf Jolanda ein. Sie tauschten einen Blick.

Simon nickte. „Ja. Dieser Schwächeanfall ein paar Minuten später, am Steuer seines Wagens – das hätte ich mir nie verziehen.“

Er warf ihr einen so schmerzvollen Blick zu, dass Jolanda nun endlich diesem Impuls nachgab, der sich schon mehrfach in ihr geregt hatte. Sie streckte die Hand aus und fasste nach der seinen, hielt sie fest mit warmem Druck. Es sollte eine tröstliche Geste sein. Simon aber flocht seine Finger in die ihren, wandte sich zu ihr hin mit flackerndem Blick, zog sie näher.

Jolanda fühlte die Berührung prickelnd ihren Arm hochschießen, als sachter Schauer durch ihren Körper rieseln und zugleich wie eine Champagnerdusche in ihrem Kopf aufschäumen, wo sie alles Denken auslöschte. Sie konnte die Augen nicht aus seinen lösen, alles in ihr drängte zu ihm hin – und im nächsten Moment küssten sie sich. Es war unglaublich. Seine Lippen fügten sich nahtlos auf ihre, wie zwei Hälften eines Ganzen, und für einen berückten, magischen Augenblick schien das Universum den Atem anzuhalten.

Der Bann riss erst, als Simon sich von ihr löste und ein Stück abrückte. Er wirkte verlegen, schuldbewusst fast und wich ihrem Blick aus. „Entschuldigung“, murmelte er. „Das ist … ich hab mich hinreißen lassen. Ich wollte Sie nicht bedrängen. Verzeihen Sie.“

Jolanda konnte gar nichts sagen. Ihr Kopf war seltsam leer. Vielleicht, weil es in ihrer Brust so wild wirbelte. Stumm sah sie zu, wie er sich erhob und sich anschickte zu gehen. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, tauchte sie aus ihrer Verzauberung auf. Wow! Was für ein Finale eines bewegenden Tages. Ihre Lippen prickelten immer noch. Er hätte sich jedenfalls nicht entschuldigen müssen …

Am nächsten Tag in der Klinik erkundigte sie sich als erstes nach Graf Jasper. Es ging ihm gut, erfuhr sie von den Schwestern, alle Befunde waren völlig unauffällig. Er würde wohl heute, spätestens morgen entlassen werden.

Jolanda war hin- und hergerissen. Sollte sie ihm aus dem Weg gehen? Oder bewusst seine Nähe suchen? Simon sah sie an diesem Tag nicht in der Klinik. Dafür aber seine Mutter. Sie verließ eben das Zimmer, als Jolanda einmal daran vorbeikam. Durch die geöffnete Tür fing sie Jaspers Blick auf. Sie zögerte kurz, aber lang genug, dass er sie ansprechen konnte. „Frau Dr. Benning? Auf ein Wort. Bitte.“

Jolanda nickte Gräfin von Wörnitz zu, trat in das Krankenzimmer und schloss die Tür hinter sich.

Jasper musterte sie aufmerksam. „Sie waren also die letzte, mit der mein Vater gesprochen hat“, begann er. Und als sie nur stumm nickte, fuhr er fort. „Ihnen hat er all das anvertraut, was er keinem Menschen zuvor erzählt hatte.“

So wie er das sagte hatte Jolanda das Gefühl, sie müsste sich dafür rechtfertigen. Schon setzte sie zu einer Erklärung an, als Jaspers Züge plötzlich weich wurden und sich ein kleines Lächeln auf sein Gesicht legte. „Erzählen Sie mir von diesem Gespräch“, bat er. „Was seine Worte waren, und welchen Eindruck Sie dabei hatten. Also einfach alles. Bitte.“

Dabei sah er sie eindringlich an, und Jolanda begriff, dass dieses Wissen ein weiterer Baustein war, sein Seelenheil wieder zu festigen. Sie zog sich einen Stuhl heran und erwiderte sein Lächeln. Dann rief sie sich alle Einzelheiten ihrer Begegnung mit Graf Bredo in Erinnerung und versuchte ihre gesamte Unterhaltung möglichst genau und authentisch wiederzugeben.

Jasper hörte schweigend zu. Jolanda konnte nicht einschätzen, was in ihm vorging. Und noch weniger, was für Schlüsse er aus diesem Wissen ziehen würde.

Als sie geendet hatte, erhob sie sich und sah auf ihn herab. „Das war alles“, sagte sie. „Ich hoffe, ich konnte Ihnen irgendwie helfen.“

Graf Jasper rang sich ein Lächeln ab. „Ich danke Ihnen!“

Er hob den Blick und nickte schwach. Sein Ausdruck wirkte entrückt, in der Ferne oder in der Vergangenheit. Dann rang er sich ein Lächeln ab. „Ich danke Ihnen.“

Jolanda wartete noch einen Moment, doch er schien wieder tief in seine Gedanken abzutauchen. So drehte sie sich um und verließ behutsam das Zimmer.

Am nächsten Tag wurde Graf Jasper entlassen. Als Jolanda zu ihrem Spätdienst erschien, fand sie das Krankenzimmer leer vor. Und spürte einen Hauch von Enttäuschung. Sie hatte gehofft, Simon noch einmal hier zu treffen. Nun war sein Vater wieder zu Hause, alle Fakten ausgetauscht und besprochen. Hätte er jetzt noch einen Grund, sie sehen zu wollen?

Den ganzen Tag bemühte sie sich, nicht über diese Frage nachzudenken. Sie richtete ihre volle Konzentration auf die Arbeit und verbat sich, Simons Bild heraufzubeschwören oder die Erinnerung an ihren Kuss. Es gelang nur leidlich. Zugleich überlegte sie angestrengt, mit welchem guten Vorwand sie sich bei ihm melden könnte. Nach Jaspers Zustand zu fragen? Ja. Das war plausibel.

Sie wartete bis zum Ende ihrer Schicht, dann schickte sie eine Textnachricht an Simons Handy. Ob alles in Ordnung wäre, und sein Vater wieder auf den Beinen?

Sie bemühte sich um einen unverfänglich-neutralen Tonfall, auch wenn ihr die Aufregung bis in die Kehle vibrierte. Danach starrte sie noch eine ganze Weile auf ihr Handy, in der kribbeligen Hoffnung, er würde gleich antworten.

Vergeblich. Okay, es war spät. Wer weiß, was er gerade tat.

Jolanda packte das Handy weg, zog sich rasch um und machte Feierabend. Dort im Foyer der Klinik jedoch, in der gleichen Sitzgruppe wie am Tag zuvor, saß Simon und grinste ihr breit entgegen.

Sie schnappte überrascht nach Luft. Dann zähmte sie ihr Lächeln auf ein normales Maß und trat heran. „Warten Sie auf mich?“

„Jetzt nicht mehr“, erwiderte er. Sie musterte ihn angenehm überrascht. Er wirkte so viel gelöster als gestern – so, als hätte er jetzt keine Sorgen mehr. „Was ist denn passiert?“, entfuhr es ihr.

Das Grinsen wurde breiter. „Nur Gutes. Davon würde ich Ihnen gerne ausführlich erzählen. Also, wenn Sie Zeit haben. Und Lust. Ich habe aber ein gutes Argument mitgebracht.“ Dabei hielt er ihr eine Flasche Wein unter die Nase.

Jolanda schmunzelte. „Haben Sie denn auch Gläser dabei?“

„Nun, ich dachte, wir könnten vielleicht Ihre benutzen“, meinte er mit unschuldiger Miene.

Jolanda unterdrückte ein Kichern. „Können wir“, sagte sie. Und musste ihre Fantasie bremsen, wenn sie sich vorstellte, was sie vielleicht noch alles könnten …

Fast fühlte es sich schon vertraut an, mit ihm auf ihrem Sofa zu sitzen. Simon hatte die Weinflasche entkorkt, füllte nun zwei Gläser und reichte ihr eines hin.

„Und worauf trinken wir jetzt eigentlich?“, fragte Jolanda.

„Auf die seltsam verschlungenen Wege des Glücks“, antwortete Simon mit einem tiefgründigen Lächeln und sah sie fest an.

Sein Blick und diese Worte prickelten Jolanda sacht im Nacken. Welches Glück meinte er? Sie ertränkte die Frage in einem Schluck Wein. Simon nippte an seinem Glas, immer noch versonnen lächelnd, und begann zu erzählen.

Er hatte die Veränderung gleich bemerkt, als er seinen Vater aus der Klinik abholte. Jasper wirkte gelöst, gefasst und zugleich entschlossen. Er hätte lange nachgedacht und wüsste nun, was zu tun war, wie er sagte. Zu Hause dann hatte er reinen Tisch gemacht und seiner Frau von Lilo und der Tochter erzählt. Und Cornelia hatte nach der ersten Überraschung Größe bewiesen und vorgeschlagen, er solle den Kontakt herstellen.

„Es lag eine ganz eigentümliche Atmosphäre über diesem Gespräch“, schilderte Simon bewegt. „Mein Vater schien tief berührt, sehr erleichtert und überaus glücklich. So, als hätte er sich in seine lebenskluge, besonnene Ehefrau gerade wieder ganz neu verliebt.“

Simon fragte: „Wir sind uns so begegnet – war das Zufall?“

Er lächelte ihr zu, und Jolanda rieselte eine Gänsehaut bis in die Zehenspitzen. Simons Augen blitzten. Konnte er etwa sehen, wie ihr Körper auf ihn reagierte?

„Das hat mich nachdenken lassen“, fuhr er fort. „Über Dinge wie Zufall, Schicksal oder wie immer man es nennen mag. Und über die Liebe. Mein Vater hat sie gefunden, das ist heute sehr deutlich geworden. Auch wenn er sich seine Zukunft irgendwann vielleicht ganz anders vorgestellt hatte. Und dass mein Großvater Sie ausgewählt hat für seine Lebensbeichte, dass wir uns so begegnet sind, war das nun Zufall? Oder vielleicht so eine Art kosmische Wiedergutmachung?“

Fasziniert beobachtete Jolanda, wie dabei schimmernde Fünkchen in seinen Augen tanzten. „Aber darüber könnte man nächtelang philosophieren“, sagte er und nahm noch einen Schluck Wein.

„Hm, ja“, machte Jolanda. Oder man lässt es einfach sein, schoss ihr durch den Kopf, während sie in jeder Faser die Erinnerung an seinen Kuss gestern spürte. Hilfe! Wurde sie etwa gerade rot?

Simon lachte. „Oder man lässt es“, sprach er ihre Gedanken aus.

Jolanda hätte fast laut heraus gelacht. Weil sie auf einmal eine herrliche Leichtigkeit packte. Hier mit ihm zu sitzen, sein Lächeln, ihr Geplänkel, all das erfüllte sie mit schäumender Freude. Und gleich noch mehr, wenn sie sich ausmalte, dass es zum nächsten Kuss vielleicht nicht mehr weit war …

„Und was tut man stattdessen?“, fragte sie möglichst harmlos.

Simon lachte wieder. Er konnte auch diesen Gedanken lesen, es war ihm förmlich anzusehen. Vielleicht stand er ihr aber auch in Leuchtschrift auf die Stirn geschrieben. Jedenfalls stellte er sein Glas ab, beugte sich ein Stück heran und sah ihr mit einem vielsagenden Lächeln in die Augen. „Uns wird etwas einfallen.“

ENDE

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LIEBES-ROMAN