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Das Geheimnis unserer inneren Stärke


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 04.02.2022

REPORT

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 6/2022

HOFFNUNG Wachsen ist das Grundgesetz des ganzen Lebens

Leben ist nicht vorhersehbar, nicht kontrollierbar, sondern entwickelt sich. Wer davor Angst hat, verkrampft.“

Pater Anselm Grün

Manchmal reißt uns das Leben den Boden unter den Füßen weg. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Krisen, Verluste, Krankheiten, aber auch Neues, Überraschendes, eine plötzliche Chance. „Leben ist nicht vorhersehbar, nicht kontrollierbar, sondern entwickelt sich“, sagt der Benediktinerpater Anselm Grün. In einem neuen Buch (siehe Buchtipp rechts) möchte der Bestsellerautor aus der Abtei Münsterschwarzach den Menschen Mut zum Wandel machen und zu innerer Stärke inspirieren.

Was in Krisen wirklich Kraft gibt

„Wachsen ist ein Grundgesetz des Lebens“, betont Anselm Grün. „Auch wenn wir die Dynamik des Wandels unserer Lebensverhältnisse in der Gegenwart als besonders eindrücklich wahrnehmen.“ Vor allem die aktuelle Coronakrise stellt viele Menschen auf eine harte Probe. Vertrautes ...

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... bricht weg, Planungen laufen aus dem Ruder, Einsamkeit macht sich breit. „Wir können uns als Opfer dieser Situation fühlen. Oder aber wir versuchen, kreativ darauf zu reagieren“, sagt der Pater und rät zu Gelassenheit. „Ich muss nicht alles planen und durchtakten. Dann lerne ich, ganz im Augenblick zu leben, und fühle mich frei und nicht eingeengt. Ich werde mich dabei nicht verbiegen, denn die innere Freiheit kann mir niemand nehmen.“

BUCHTIPP

Anselm Grün Im Wandel wachsen. Wie wir freier und gelassener werden können Herder, 208 S., 20 €

Und die Einsamkeit? Da kann das Bewusstsein helfen, die Krisen mit anderen zu teilen. „Ich nehme mein Alleinsein an und fühle mich zugleich verbunden mit allen Menschen“, so Anselm Grün, der wohl bekannteste Mönch Deutschlands. „Ich versuche, mit den anderen mitzufühlen. Das tut nicht nur der Gesellschaft gut, sondern auch mir selbst. Denn dann fühle ich mich nicht allein, sondern zugehörig.“ „Im Wandel wachsen“ lautet der Titel seines neuen Buches. Und das ist gleichzeitig das Erfolgsrezept für mehr innere Stärke: Die Welt verändert sich, auch der Mensch verändert sich. „Viele sperren sich dagegen. Sie möchten einfach stehen bleiben. Doch ohne Bereitschaft zur Verwandlung erstarrt man innerlich“, warnt der Benediktinerpater. Seine Tipps klingen einfach und können doch Halt geben. Wie der Rat, im Rhythmus der Natur zu leben. „Die Coronakrise hat uns durch eingeschränkte Reisemöglichkeiten auch Möglichkeiten der Flucht vor den Jahreszeiten genommen“, so Anselm Grün. „Diese Erfahrung kann eine Einladung sein, sich dem inneren Wandel der Jahreszeiten zu stellen.“ Den Frühling als Zeit des Aufblühens erleben, die Fülle des Sommers, das Loslassen im Herbst, die Stille des Winters. „Es tut uns gut, wenn wir uns bewusst auf die Jahreszeiten einlassen“, sagt der 77-jährige Benediktinerpater. Der Wechsel von Auf blühen und Verblühen, von Verzichten und Genießen ist ein Sinnbild für unser ganzes Leben.

Es tut uns gut, wenn wir uns bewusst auf die Jahreszeiten einlassen. Auf Auf blühen und Verblühen.“

Pater Anselm Grün

Wie uns der Takt des Tages hilft

Genauso bewusst sollten wir den natürlichen Takt des Tages erleben. Niemand kann zu jeder Stunde gleich gut gelaunt sein. „Wir fühlen uns am Morgen oft anders als am Abend, am Vormittag anders als am Nachmittag“, sagt Anselm Grün. Diese Stimmungswechsel müssen wir einfach zulassen und gleichzeitig den eigenen Biorhythmus erforschen. Morgenmuffel oder Nachteule? Wer sich bewusst darauf einstellt, kann sich innerlich stärken und seine Kräfte besser nutzen.

Der Mensch muss in Bewegung bleiben. „Das deutsche Wort ‚Weg‘ steht nicht nur für den Weg, den wir beim Spaziergang gehen, sondern auch für den inneren Weg“, erklärt Anselm Grün. Wandern etwa kann uns bewusst machen, wie lähmend Stillstand ist. Neues sehen, Ziele erreichen, unterwegs sein. Besonders deutlich wird das beim Pilgern. „Gerade in Zeiten des Umbruchs oder der Krise machen sich Menschen auf den Pilgerweg“, erinnert der Pater. Schon immer erhofften sie sich auf dem beschwerlichen Weg eine Art Neugeburt.

Zur inneren Stärke gehört auch der Mut zu Entscheidungen. Und die fallen oft schwer. Da hilft es, den Grund für solche Blockaden zu erkennen. Bin ich Perfektionist und befürchte, eine falsche Entscheidung zu treffen? Habe ich Angst vor dem Risiko, vor der Unsicherheit, vor dem Neuen? Bin ich unfähig, Altes loszulassen, obwohl ich damit nicht zufrieden bin? Anselm Grün rät, einfach zu träumen: „Was möchte ich denn gern? Welche Bilder tauchen auf, wenn ich mir meine Zukunft ausmale?“ Dann aber ein paar Wochen warten und überlegen: Für welchen Traum entscheide ich mich? Das muss nicht gleich ein radikaler Bruch sein. Erste Schritte reichen, um etwas in Bewegung zu setzen.

Warum wir nicht alles ändern müssen

„Der größte Fehler, den wir machen können, besteht darin, ständig um das zu kreisen, was nicht in unserer Verfügungsmacht steht“, warnt der Benediktinerpater und Autor. Unser Denken und Fühlen können wir ändern, das Äußere oftmals nicht. Globalisierung, Katastrophen, das Verhalten anderer Menschen – wer an all dem verzweifelt, fühlt sich schnell als Opfer und verliert alle Kraft. Da hilft ein bewährter „Krisenspruch“: Gib mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Das gibt innere Zufriedenheit und Stärke, um das eigene Leben besser zu gestalten.

ständige Unter wegssein zu unterbrechen und Innehalten bedeutet, das einfach m al stehen zu bleiben.“

Pater Anselm Grün

Wann wir am Du wachsen können

Durch die Coronapandemie fallen viele Möglichkeiten der Begegnung weg. Gleichzeitig ergibt sich aber auch die Chance, Freundschaften und Beziehungen zu vertiefen. Wir müssen offen füreinander sein. „In der freundlichen Offenheit und im Interesse für andere lernen wir uns selber immer besser kennen“, schildert Anselm Grün dieses Phänomen. „Wir schleifen manche festgefahrenen Gewohnheiten aneinander ab.“ Dabei geht es nicht darum, sich dem anderen anzupassen, sondern um ein gemeinsames Wachsen. Wer in einer Gemeinschaft ist, muss stets an sich arbeiten und wird nicht zum Sonderling. Trotzdem gehört auch der Rückzug zum Geheimnis innerer Stärke. „Das Tempo der Welt wird immer schneller“, beklagt der Benediktinerpater. „Und der Sog, durch den diese technisch forcierte Geschwindigkeit auf unser Leben wirkt, wird immer größer.“ Doch wir brauchen auch Ruhe, Bodenhaftung, langen Atem. Wer immer nur hetzt, kann nicht wachsen. „Innehalten bedeutet, das ständige Unterwegssein zu unterbrechen und einfach einmal stehen zu bleiben“, erklärt Anselm Grün. Atem schöpfen in der Natur, ein Spaziergang im Wald oder am Strand, die Stille eines Abends bei Kerzenschein genießen. Sich Zeit für die eigene Seele nehmen, fürs Wachsen und Reifen. So wie Pater Anselm es mit all seinen Klostererfahrungen im Buch zusammenfasst: „Immer mehr ich selbst zu werden, das einmalige Bild in mir zu verwirklichen, das Gott sich von mir gemacht hat.“

KAI RIEDEMANN