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Das Genie, das zum Wahnsinn neigt!


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 02.02.2022

SERIE TEIL 25

PEP GUARDIOLA

Artikelbild für den Artikel "Das Genie, das zum Wahnsinn neigt!" aus der Ausgabe 5/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
IM SIEBTEN HIMMEL: Die Spieler des FC Barcelona lassen Pep Guardiola nach dem Sieg im Champions- League-Finale gegen Manchester United (2:0) am 27. Mai 2009 in Rom hochleben. In jenem Jahr gewann er mit Barça sechs Titel

Wer von Pep Guardiola (51) das Bild vor Augen hat, es handle sich um einen vom Ehrgeiz zerfressenen Trainer, einen von Besessenheit und Fanatismus Getriebenen, der sich stundenlang zur Gegner-Analyse in den Keller sperrt und auch im Schlaf noch über Fußball spricht, dem sei folgende Geschichte empfohlen. Erzählt hat sie Ilkay Gündogan (31) in SPORT BILD. Der Nationalspieler, zusammen mit Kevin De Bruyne (30) das Herz von Englands Tabellenführer Manchester City, wohnt im selben Wohnkomplex wie sein Trainer Guardiola.

„Es war an Peps Geburtstag (18. Januar; d. Red.), als mein damaliger Mitbewohner und ich ihm eine Flasche Champagner schenkten. Kurze Zeit später klopfte es an meiner Tür – Pep stand mit drei Gläsern vor uns, war dann eine oder zwei Stunden bei mir im Apartment, nachdem wir ihn zuvor höchstens mal im Aufzug getroffen hatten. Momente wie diese zeigten mir, dass ...

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... es eben auch um etwas Menschliches geht und nicht nur immer über Fußball, Fußball, Fußball. So muss es sein!“

Fußball wird dennoch immer Guardiolas Triebfeder sein. Auch wenn er zweimal die Notbremse zog: 2012 verordnete er sich beim FC Barcelona nach vier Jahren als erfolgreichster Trainer der Vereinsgeschichte völlig erschöpft ein Sabbatical, also ein Ruhejahr, in Manhattan: „Ich weiß, dass ich anstrengend war, muss meine Batterien aufladen.“ 2016 machte er bei Bayern nach drei Jahren Schluss. In beiden Klubs holte er mit seinem unvergleichlich dominanten Ballbesitz-Fußball je drei Meisterschaften. In Barcelona außerdem zwei Champions-League- Siege, 2009 und 2011 jeweils im Finale gegen Man Uniteds Trainer-Legende Alex Ferguson. 2009 sogar sechs Titel in einem Jahr. Was außer ihm nur Hansi Flick (56) 2020 mit Bayern schaffte.

In Manchester steht Guardiola nun in seiner sechsten Saison vor dem vierten Meistertitel in der Premier League, für viele die stärkste Liga der Welt. Der Zweikampf mit dem FC Liverpool, wo Jürgen Klopp (54) in seiner siebten Saison trotz Siegesserien ohne Ende „nur“ eine Meisterschaft feierte, fasziniert die Fans weltweit. „Dieser Titel ist der schwierigste, der ehr- lichs- te“, sagt Bayerns Ex-Boss Karl-Heinz Rummenigge (66) über die Meisterschaft. „Weil er die Visitenkarte eines ganzen Jahres ist.“ Da verzeihen die City-Fans Guardiola sogar, dass er 2021 das Champions-League- Finale gegen Chelsea 0:1 verlor. Er ist überrascht: „Viele sagten mir, immer nur auf Sieg kannst du in England nicht spielen. Man kann es doch!“

Der größte Trainer der Welt war er unumstritten zu seiner Barça-Zeit, wo er schon als Spieler sechsmal die Meisterschaft gewann und den Fans alle drei Europapokale schenkte. Unvergessen die Glanzleistungen im „El Clásico“, dem Größten, was es für Spanier gibt. Im Mai 2009 fuhr Guardiola als krasser Außenseiter zu Real Madrid, ließ Lionel Messi als Rechtsaußen beginnen, zog ihn nach fünf Minuten als hängende Spitze nach innen. Die „falsche Neun“ war geboren, wirbelte Reals Abwehr mit Sergio Ramos und Christoph Metzelder derart durcheinander, dass der Nachschub für Raúl und Arjen Robben abriss, Real im heimischen Bernabéu-Stadion nach Toren von Messi (2), Henry (2), Piqué und Puyol 2:6 unterging.

Noch schlimmer für Real sollte es im November 2010 beim 0:5 in Barcelona kommen. Guardiola erfand mit Xavi und Busquets die Doppel-Sechs, mit Messi und Iniesta die Doppel-Zehn in einem 3-2-2-3-System. Diesmal waren Mesut Özil, Xabi Alonso, Sami Khedira, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo die Opfer der Torschützen Villa (2), Xavi, Pedro und Jeffrén. Damals schon verfolgte Gündogan, der als Spieler des 1. FC Nürnberg gerade das Abitur meisterte, fasziniert das Spiel von Xavi und Iniesta unter Guardiola.

„Dieser Ballbesitz-Fußball hat mich beeindruckt“, erzählt Gündogan. „Am liebsten wäre ich schon vor unserem ersten Treffen zu Pep gewechselt. Als er mir dann in einem Hotel persönlich aufzeigte, dass ich ein wichtiger Baustein für sein System werden sollte, waren meine Restzweifel beiseitegeräumt. Ich sollte für ihn in Manchester werden, was meine eigenen Vorbilder für ihn in Barcelona waren. Diese Version hat mich überzeugt.“ Eine schwere Kniescheibenverletzung schien alles kaputt zu machen. „Dass Pep mich trotz der schwierigen Situation weiter unbedingt haben wollte, vergesse ich ihm nie.“

Xavi (42), seit November 2021 im Amt, wird heute als Barça-Trainer immer noch an den alten Pep-Erfolgen gemessen. Er betonte stets: „Pep ist beinahe fußballkrank.“ Messi, der siebenmalige Weltfußballer, sagt: „Von ihm habe ich die taktische Weisheit gelernt.“

Unter van Gaal wurde Guardiola zum heimlichen Trainer

Mit Guardiola über Taktik und Systeme zu reden, ist äu- ßerst komplex. Über den legendären Salzstreuer-Gipfel mit Thomas Tuchel (48) 2015 im Münchener Schumann’s, bei dem sich beide Trainer mithilfe von Gläsern und Salzstreuern den Fußball erklärten, sagt Ex- Bayern-Sportdirektor Michael Reschke (64), der damals dabei war: „Das war wie Cicero gegen Sokrates.“

Alles purzelt bei Pep durcheinander, vom 3-4-3 über 4-3-3, 3-1-3-3 oder 3-3-4, um nur die häufigsten Systeme zu nennen. Zuletzt bei Man City war er wieder beim 3-2-2-3 gelandet, das er bei Barça spielen ließ, als er die „falsche Neun“ erfand – das Spiel ohne Mittelstürmer.

Beinahe wäre Guardiola dem Fußball verloren gegangen. Für zu schmächtig, zu introvertiert hielten sie ihn. „Ein Engel“, sagte seine Mutter, weil er in diese Rolle bei Krippenspielen in der Klosterschule von Santpedor schlüpfen durfte. „Zu jung fürs 70 Kilometer entfernte Barcelona“, sagte die Mutter, als er elf war. Mit 13 ließ ihn der Vater in die Barça-Jugendakademie „La Masia“ ziehen, wo er gleich wie ein Trainer mit den Jungs Freistoßtricks übte.

„Er erinnert mich mit seinem schmalen Körper an mich. Dafür denkt er am schnellsten“, sagte der legendäre Johan Cruyff († 68), der den Jurastudenten mit 17 in die erste Mannschaft beförderte, gleich als Sechser spielen ließ. Mit 21 stemmte Guardiola den Europacup der Landesmeister. Louis van Gaal (70), drei Jahre sein Trainer, machte ihn mit 26 zum Kapitän. Als der sich wehrte, weil das immer nur dem Ältesten zusteht, sagte van Gaal: „Du bist der Einzige, mit dem ich auf Augenhöhe über Fußball reden kann.“

Spätestens von da an war Guardiola der heimliche Trainer.

Voller Bewunderung schaut er nach Salamanca, wo ein 27-Jähriger der jüngste Trainer der Primera División ist – und genau seinen Fußball spielen lässt. Juanma Lillo (heute 56) ist sein Name. Die beiden freunden sich an. Als Guardiolas anfälliger Körper sagt, er solle mit dem Fußball Schluss machen, erklärt er 2005 mit 34 bei Al-Ahli SC(Katar) zwar seinen Rücktritt, entschließt sich jedoch kurz danach, Spieler beim mexikanischen Klub Dorados de Sinaloa zu werden. Weil Lillo dort Trainer ist. Sein Körper lässt zwar nur neun Spiele zu, dafür genießt Guardiola die Trainer-Schule Lillos, erwirbt das mexikanische Diplom.

„Cruyff hat mich zwar fasziniert und gefördert“, sagt er, „doch ohne Lillo hätte ich wenig Ahnung vom Trainergeschäft.“ Lillo sagt:

ERFOLGE

INTERNATIONAL

FIFA-KLUB- WELTMEISTERSCHAFT 2009, 2011 mit FC Barcelona

2013 mit FC Bayern München

CHAMPIONS LEAGUE 2009, 2011 mit FC Barcelona

NATIONAL

SPANISCHE MEISTERSCHAFT 2009, 2010, 2011 mit FC Barcelona

SPANISCHER POKAL 2009, 2012 mit FC Barcelona

SPANISCHER SUPERCUP 2009, 2010, 2011 mit FC Barcelona

DEUTSCHE MEISTERSCHAFT 2014, 2015, 2016 mit FC Bayern München

DFB-POKAL 2014, 2016 mit FC Bayern München

ENGLISCHE MEISTERSCHAFT 2018, 2019, 2021 mit Manchester City

ENGLISCHER POKAL 2019 mit Manchester City

ENGLISCHER LIGAPOKAL 2018, 2019, 2020, 2021 mit Manchester City

ENGLISCHER SUPERCUP 2018, 2019 mit Manchester City

SPORT BILD 5.2022

„Guardiola ist wie ein Schwamm, er saugt unentwegt Wissen auf, sitzt manchmal noch zwei Stun-den da, um alles aufzuschreiben. 15 Bücher reichen nicht aus, ihn zu entschlüsseln.“ Fatal, was vier Jahre später passiert. Lillo wird beim spanischen Club UD Almeria nach einem 0:8 gegen Barcelona entlassen. Der Trainer auf der Barça-Bank: ein trauriger Pep Guardiola, der im Juli 2020 handelt. Seitdem sitzt Lillo als sein Co-Trainer und Einflüsterer neben ihm.

2006 reiste Guardiola nach Buenos Aires zu den Trainer- Göttern César Luis Menotti (83) und Marcelo Bielsa (66), zurzeit Leeds United, um noch mehr Weisheit aufzusaugen. Erst danach fühlte er sich 2007 reif für den FC Barcelona, stieg 2008 gleich mit der B-Mannschaft auf, ehe Ehrenpräsident Cruyff dafür sorgte, dass er Cheftrainer wurde, als Nachfolger von Frank Rijkaard (59).

Guardiola startete mit Paukenschlägen, musterte Fußball- Götter wie Ronaldinho, Deco, Samuel Eto’o aus, später auch Zlatan Ibrahimovic, weil der gelästert hatte: „Messi und Iniesta sind keine Stars, nur brave Schuljungen.“ Und Pep persönlich angegriffen hatte: „Ich bin ein Ferrari, und du Philosoph fährst mich wie einen Fiat.“ Die Grundregeln des

Guardiola-Spiels: b Angriff und Verteidigung existieren nicht, sind nur Hilfsbegriffe aus Mannschaftssportarten, die mit der Hand gespielt werden. Im Fußball kannst du den Ball eben nicht festhalten. b Wenn du nicht mehr weiterweißt, spiele den Ball zum Gegner. Lillo erklärte in der „SZ“: „Der Gegner fühlt sich dann so, als würde er nach Hause kommen, den Fernseher im Bad finden, die Töpfe im Schlafzimmer. Er ist völlig verwirrt, muss sich erst ordnen, kann keinen Schaden anrichten. Also setze ihn erneut unter Druck.“ b Den Ball möglichst mit dem Fuß annehmen, der von dort, wo der Ball herkommt, weiter entfernt ist. So erweiterst du dein Sichtfeld und hast mehr Abspielmöglichkeiten. Wenn du den Ball mit dem anderen Fuß annimmst, kannst du ihn nur wieder zurückspielen, wo er herkam.

Zum Krimi gerieten die Verhandlungen Guardiolas Ende 2012 mit den Bayern. Rummenigge und der damalige Sportdirektor Christian Nerlinger (48) führten erste Gespräche. Uli Hoeneß (70) nahm eine Geschäftsreise für seine Wurstfabrik zu einem Kunden in Chicago wahr, um Guardiola in New York zu treffen, gemeinsam

Treffen mit Bayern im Restaurant hielt Guardiola für „zu gefährlich“ mit dem mächtigen Spieler- und Trainer-Agenten Giovanni Branchini. „Für uns war es eine große Herausforderung, ihn nach seinem Sabbatical zu verpflichten, nachdem er gesagt hatte, er könne sich vorstellen, in München zu arbeiten. Wir waren alle fasziniert.

Ich hatte bei einem Italiener reserviert, als Pep sagte: ‚No, no. Das ist zu gefährlich. Kommt zu mir, meine Frau hat etwas vorbereitet.‘ Erst als ich am Abend mit Branchini zum Italiener ging, wussten wir, warum Pep nervös war. Alex Ferguson saß drin. Wenn er uns gesehen hätte, wäre das nicht lustig gewesen“, sagt Hoeneß zu SPORT BILD.

Ausgerechnet Ferguson, der nach 27 Jahren bei Man United seinen Nachfolger suchte. „Guardiola natürlich, weil er Barcelona auf ein noch höheres Niveau gehoben hatte als Cruyff, Rijkaard oder van Gaal“, so Ferguson. Mit Hoeneß war sich Guardiola schnell einig. „Shall I sign now? Soll ich unterschreiben?“, fragte er. Hoeneß sagte, dass bei Bayern ein Wort mehr wert sei als eine Unterschrift.

In München übertraf Guardiola mit 2,41 sogar seinen sensationellen Punkteschnitt von Barcelona mit 2,36. Auch in Manchester stellte er einen Rekord auf. „Viermal zehn“, sagen sie und meinen viermal zehn Siege in Folge. Einmalig in der fast 30-jährigen Premier-League-Geschichte.

Aber: Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass Guardiola den Champions-League-Titel von 2013 unter Jupp Heynckes (76) nicht wiederholen konnte, trotz grandioser Auftritte. Wie 2013/14, als er in der Gruppenphase bei Manchester City 3:1 siegte, genau wie im Viertelfinale in München gegen Man United . Dann das Aus im Halbfinale nach einem 0:4 in der Allianz Arena gegen Carlo Ancelottis Real Madrid. Guardiola machte sich Vorwürfe, dass er dem fatalen Rat von Bastian Schweinsteiger (37) gefolgt war, so ungestüm zu spielen, wie Heynckes ein Jahr zuvor beim 4:0 gegen Barcelona: „Doch schuld sind nicht die Spieler, schuld war ich, dass ich mich habe überreden lassen.“

2014/15 kam nach Spielen wie im Rausch, u. a. 7:1 bei AS Rom und 7:0 gegen Shakhtar Donetsk, das Aus erneut im Halbfinale gegen den FC Barcelona (0:3, 3:2). Robert Lewandowski war nach Nasenbeinbruch durch eine Maske gehandicapt, Robben, Ribéry und Alaba fielen aus. 2015/16 nach einem 5:1 gegen Arsenal und 4:2 gegen Juventus Turin das dritte Halbfinal-Aus gegen Atlético Madrid (0:1, 2:1). Eines der besten Spiele unter Guardiola, Thomas Müller war beim Elfmeter an Jan Oblak gescheitert.

Auch bei Manchester City hat er den Henkelpott noch nicht geholt. Im Finale gegen Chelsea ließ er überraschend seine beiden Sechser Rodri und Fernandinho draußen, von denen in 46 der 47

Spiele zuvor immer mindestens einer in der Startelf stand. Der „Fußball total“, wie er ihn von seinem Ziehvater Cruyff gelernt hatte, war zu viel des Guten – das Genie hatte den Wahnsinn übertrieben.

Was folgte: Häme. Doch genau das treibt ihn an. Sein Erfolgsrezept beschreibt Guadiola so: „Ich brauche Feinde, Leute, die mich hassen, weil es im Fußball um Revanche geht und darum, sich selbst zu übertreffen.“

Was hinter der Fassade der schillernden Person Pep steckt, beschreibt der spanische Schriftsteller David Trueba (52), der zu seinem Freundeskreis gehört, so: „Wenn du Guardiola analysieren willst, musst du wissen, dass unter dem eleganten Anzug, dem Kaschmirpulli und der Krawatte der Sohn eines Maurers steckt. Und in den teuren italienischen Schuhen steckt ein Herz in Espadrilles.“

Was passiert, wenn Guardiola wie angekündigt 2023 bei City Schluss macht? Eine Wohnung in München hat er bis heute. Die Rückkehr zu Bayern scheint indes ausgeschlossen. Am meisten reizt ihn eine Nationalmannschaft wie Spanien oder ein Land in Südamerika. Hauptsache, er kann seinen Fußball weiterentwickeln.

Das ist Pep Guardiola

Josep „Pep“ Guardiola wurde am 18. Januar 1971 im katalanischen Santpedor (Spanien) geboren. 1990/91 gab Guardiola bei Barça sein Profidebüt, spielte dort bis 2001 als defensiver Mittelfeldspieler. Er gewann 1992 den Europapokal der Landesmeister. Für Spanien spielte er 47-mal, gewann 1992 Olympia-Gold. Zwischen 2001 und 2006 spielte Guardiola für Brescia Calcio und AS Rom (beide Italien), Al-Ahli (Katar) und Dorados de Sinaloa (Mexiko). 2007 begann seine Trainerkarriere bei Barcelona II. Ein Jahr später übernahm er die 1. Mannschaft der Katalanen bis 2012. Nach drei Jahren bei Bayern (2013 bis’16) trainiert er bis heute den Tabellenführer der Premier League, Manchester City.Mit Ehefrau Cristina ist er seit 1989 zusammen, hat mit ihr zwei Töchter (Valentina und Maria) und einen Sohn (Marius).