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Das Geschäft mit fallenden Kursen


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 30.09.2021

A WALK ON THE SHORT SIDE

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 10/2021

Kein Trend oder Marktzyklus dauert ewig. Wenn wir einen Bärenmarkt bekommen, ist die unangenehme Wahrheit die, dass viele Trader, die vom Bullenmarkt profitiert haben, jetzt nicht mehr in der Lage sind, Geld zu verdienen bzw. ihren Kontowert überhaupt zu erhalten. Erfahrene Trader wissen, dass Shorten nicht viel riskanter sein muss als long zu traden. Wer es beherrscht, verschafft sich Flexibilität und vielerlei Möglichkeiten.

Gute Trader sind flexible Trader: Sie gestehen sich ein, wenn sie falschliegen. Sie schließen Verlusttrades frühzeitig und gehen zum nächsten Trade über. Ironischerweise aber berauben sich Trader, die ausschließlich von der Long-Seite des Marktes aus operieren – sogar wenn sie gut diversifiziert sind und Verluste rasch begrenzen –, selbst einer der besten Möglichkeiten, ihrem Trading Flexibilität hinzuzufügen.

Bei Futures sind Short-Positionen ...

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... wesentlich weiter verbreitet, da es in deren Natur liegt, sie auch als Hedging-Instrument zu verwenden. Denn eine der grundlegenden wirtschaftlichen Eigenschaften von Futures ist es, sich gegen Preiseinbrüche bei Finanzinstrumenten oder Rohstoffen abzusichern.

„Zu jeder Zeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie fällt, ebenso groß wie die, dass sie steigt.“

Hedging

Unfall, Diebstahl, Feuer – fast jedes Risiko lässt sich versichern – auch Kursrisiken. Gängige Instrumente sind Futures und Optionen am Terminmarkt sowie einfacher handelbare Optionsscheine und Zertifikate verschiedener Emittenten. Allerdings kostet die Absicherung wie jede Versicherung Geld und drückt die Performance. Deshalb sollten sich Anleger gut überlegen, ob sie langfristige Positionen wirklich gegen Kursverluste hedgen möchten.

Wenn man long in einem Portfolio von DAX-Aktien, dem japanischen Yen, Mais oder Rohöl ist und man das Portfolio vor einem Preiseinbruch schützen möchte, verkauft man den entsprechenden Futureskontrakt, geht also short. Vom praktischen Gesichtspunkt gibt es keinerlei Einschränkungen beim Short eines Futures (im Gegensatz zum Leerverkauf von Aktien). Futurestrader können – und in der Regel tun sie es auch – mit Leichtigkeit verkaufen und kaufen.

Die Short-Seite

Wenn man die Short-Seite eines Marktes betrachtet, muss man wissen, dass Trader keine Investoren sind. Trader versuchen kurzfristige Preisswings zu reiten, während Investoren hoffen, von langfristigen Preisbewegungen und wirtschaftlichen Zyklen zu profitieren.

Aber zu jeder Zeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie fällt, ebenso groß wie die, dass sie steigt. Eine Short-Position bedeutet, hoch zu verkaufen (zuerst) und tief zu kaufen (später), um einen Vorteil aus der potenziellen Abwärtsbewegung einer Aktie zu ziehen. Man wendet also die Regeln, die für einen Longtrade gelten, umgekehrt an: Anstatt einen Einstiegspunkt zu identifizieren, an dem man denkt, die Aktie könnte weiter steigen, identifiziert man einen Ausstiegspunkt, von dem man annimmt, die Aktie gibt anschließend nach. Wenn das dann passiert und die Kurse weit genug gefallen sind, kauft man die Position mit Profit zurück.

Short Squeeze

Ein Short Squeeze ist der Albtraum aller Leerverkäufer – insbesondere dann, wenn zu große Positionen gehandelt oder keine Stopps eingehalten werden. Man spricht von einem Short Squeeze, wenn der Kurs eines Wertpapiers massiv ansteigt, weil die Nachfrage am Markt extrem zunimmt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn umfangreiche Leerverkaufspositionen glattgestellt (gecovert) werden müssen. Wie im Artikel beschrieben, setzen Short Seller darauf, dass der Kurs eines Wertpapiers sinkt. Geschieht das Umgekehrte, kommen sie umso stärker unter Druck, ihre Position glattzustellen, je weiter der Kurs nach oben läuft, weil die Verluste aus der Short-Position immer größer werden. Um die Position zu decken, müssen Short Seller das zugrunde liegende Wertpapier kaufen, was allerdings den Aufwärtsdruck beim Kurs weiter erhöht. Genau dieser Umstand kann dazu führen, dass es zu einer Spirale aus weiteren Nachschussforderungen, verstärkten Käufen (Eindeckungen) und folglich zur Fortsetzung des Kursanstiegs kommt, der den Kreislauf weiter anheizt. Die Gefahr eines Short Squeeze ist bei Aktien mit einer hohen Short-Interest-Ratio – also einem hohen Anteil der leerverkauften an der Gesamtzahl der im Umlauf befindlichen Aktien – besonders hoch. Der Grund: Je mehr Leerverkäufe mit einer bestimmten Aktie bereits getätigt wurden und je geringer das tägliche Handelsvolumen, desto schwieriger wird es für Leerverkäufer, die leerverkauften Aktien wiederzubeschaffen.

„Es gibt Situationen, in denen Short-Positionen angemessen sind.“

Doch ganz so einfach ist es in der Praxis natürlich nicht. Denn längerfristig weist der Aktienmarkt eine aufwärtsgerichtete Tendenz auf. Und zudem gibt es deutliche Unterschiede im typischen Ablauf von Auf- und Abwärtstrends. Bullenbewegungen sind eher länger und langsamer, Bärenbewegungen kürzer und spitzer. Die Kombination dieser Faktoren mit der ausgeprägten Buy-and-Hold-Tendenz langfristiger Investoren hat bei vielen Tradern zu einer beinahe ausschließlichen „Zuerst kaufen, dann (viel) später verkaufen“-Mentalität geführt, wenn es um den Handel von Aktien geht.

In gewisser Weise ist das auch angemessen, zumindest war es das in den letzten Jahren. Es ist wahr, man sollte nicht gegen den Markt ankämpfen. Wenn der allgemeine Trend nach oben geht, will man mit ihm gehen, nicht gegen ihn. Andererseits begrenzt das die anderen Möglichkeiten, die ein Trader hat. Es gibt Situationen, in denen Short- Positionen angemessen sind. Dazu müssen Trader die Mechanismen und die Gesetzmäßigkeiten von Aufund Abwärtsbewegungen verstehen und wissen, wann und wie man die Short-Seite des Marktes handelt.

In ausgeprägten Abwärtstrends oder bärischen Märkten gewinnen Short-Positionen naturgemäß an Bedeutung. Das Nicht-gegen-den-Markt-Ankämpfen ist dann auch der angemessene Grund dafür, von der Abwärtstendenz des Marktes zu profitieren.

„Theoretisch ist das Risiko bei einem Shorttrade unbegrenzt, weil es kein Limit gibt, wie hoch eine Aktie steigen kann.“

Eine „Short History“

Viele Menschen finden die Vorstellung, etwas zu verkaufen, was einem gar nicht gehört, total unnormal. Aber diese Art des Handels gibt es bereits seit Anfang des 16. Jahrhunderts. In den Niederlanden wurde es erstmals auf organisierten Wertpapiermärkten praktiziert.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert wird in den USA auf breiter Front Shortselling betrieben. Zu dieser Zeit wurden Börsenlegenden wie Jesse Livermore und Bernard Baruch reich mit dem Shorten von Aktien. Diese Art des Tradens kam aber in Verruf, weil organisierte Banden, bekannt als „Bear Raiders“ (Bärengangster), sich zusammentaten und wiederholt short gingen, um Aktien zu drücken und sie günstiger zurückzukaufen.

Unreglementiertes Shortselling erlaubte es Manipulatoren, Aktienkurse unter Druck zu setzen – oft unterstützt von Journalisten, die Gerüchte streuten – und künstliche Ausverkäufe auszulösen, die Investoren zu Opfern machten. Diese hatten oft nicht die finanziellen Rücklagen, solche Abstürze zu überleben, gerieten in Panik und verkauften ihre Positionen. Die Gangster waren schnell wieder da und kauften diese Aktien spottbillig zurück.Die Bärengangster wurden oft beschuldigt, den Crash von 1929 ausgelöst zu haben, obwohl Untersuchungen der New Yorker Börse in den Jahren danach keinerlei Beweise dafür lieferten. Trotzdem gab es zweifellos Short-Side-Manipulationen bei Aktien durch einflussreiche Marktteilnehmer.

Riskantes Business?

Wenn man eine Aktie kauft, ist das maximale Risiko der ursprüngliche Einsatz (außer man kauft auf Margin), auch wenn das Unternehmen bankrottgeht und die Aktie auf null fällt. Theoretisch ist das Risiko bei einem Shorttrade hingegen unbegrenzt, weil es kein Limit gibt, wie hoch eine Aktie steigen kann. Shortseller können also mehr als ihren ursprünglichen Einsatz verlieren. Normalerweise kann eine durchdachte Risikokon trolle helfen, Verluste zu begrenzen; bei Short Squeezes ist das aber nicht immer möglich.

Für kurzfristige Trader, die ihre Trades mit sorgfältigen Stopp- Loss-Orders kontrollieren, sollte das Risiko kaum größer sein als bei langfristigen Trades. Eines sollte man aber besonders beachten:

Eine hohe Zahl von Shorttradern kann ebenso dazu beitragen, dass Aktien stark fallen wie auch stark steigen - letzteres natürlich unbeabsichtigt. Dieses Phänomen nennt man „Short Squeeze“: Wenn die jeweilige Aktie plötzlich steigt, können die Shortseller unter Druck geraten, ihre Verluste begrenzen zu müssen.

Kommt es zu einer Welle von Zwangseindeckungen, also erzwungenen Käufen der Aktie, treibt das die Kurse weiter, was wiederum weitere Shortseller in Bedrängnis bringen kann. Im Extremfall treibt das den Kurs immer höher, was den Squeeze beschreibt und zu verheerenden Verlusten führen kann.

„Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Aufwärts- und Abwärtstrends bei Aktien, die Trader bedenken sollten, wenn sie Shortselling-Strategien anwenden.“

Intelligentes Shortselling

Im Grunde werden beim Shortselling die Prinzipien des Longtrades umgedreht. Eine einfache kurzfristige Tradingmethode ist zum Beispiel, eine Korrektur oder Pause in einem beginnenden Aufwärtstrend zu identifizieren und dann zu kaufen, wenn die Aktie wieder zum Trend zurückkehrt. Eine mögliche Methode wäre es, eine Korrektur oder Pause in einem begonnenen Abwärtstrend zu identifizieren und short zu verkaufen, wenn die Aktie wieder nach unten geht. Es gibt eine Reihe von Arten, solche Korrekturen und Pullbacks abzuschätzen: durch den Einbruch einer gewissen Prozentzahl oder die Bewegung zurück zu einem Gleitenden Durchschnitt oder einer Abwärtstrendlinie. Das Ziel ist es, einen Abwärtstrend im Markt zu finden und nach aufwärtsgerichteten Korrekturen darin zu suchen, die Verkaufsgelegenheiten darstellen. Das bedeutet, übergeordnet mit dem Trend zu handeln, der abwärtsgerichtet ist, und dann kurzfristig an Punkten mit geringem Risiko einzusteigen.

Shorttrader müssen auch das allgemeine Marktumfeld und die verschiedenen Arten des Verhaltens von Preisen bedenken. Während einige Trader der Meinung sind, es mache keinen Unterschied, ob man den Markt von der Long- oder Short-Seite angeht, sagen statistische Untersuchungen etwas anderes: Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Aufwärts- und Abwärtstrends bei Aktien, die Trader bedenken sollten, wenn sie Shortselling-Strategien anwenden. Abwärtsbewegungen tendieren dazu, schneller und dramatischer zu sein als Aufwärtsbewegungen. Es ist deshalb naiv zu versuchen, die Regeln einer Long-Methode einfach umzudrehen.

Fazit

Shortselling hat seine eigenen Risiken und Beschränkungen, aber es ist mitnichten das mysteriöse „Spiel“, als das es oft porträtiert wird. Der Markt geht eben je nach Börsenphase nach unten (seltener) oder nach oben (öfter). Trader, die aus beiden Situationen Gewinn schlagen können, haben denen, die nur ans Kaufen und spätere Verkaufen denken, einiges voraus. Und in manchen Marktphasen kann Shortselling nicht nur ein effektives, sondern auch ein notwendiges Instrument am Markt sein, das man beherrschen sollte. Neben dem hier beschriebenen klassischen Leihen und Leerverkaufen von Aktien gibt es auch im Derivatebereich zahlreiche Insrumente, mit denen eine Partizipation an fallenden Kursen möglich ist.