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Das gibt’s im neuen Jahr


Guter Rat - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 06.12.2018

Geld, Steuern und Recht – da können wir vieles voraussagen. Nur die Politik gibt weiter Rätsel auf


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Bildquelle: Guter Rat, Ausgabe 1/2019

Ob im kommenden Jahr weiterhin Kanzlerin Merkel über der Großen Koalition schwebt oder wir eine neue Regierung bekommen werden, bleibt offen. Dafür zeigt unsere Jahresvorschau in den Bereichen Geld und Steuern ziemlich deutlich, wie die alte arbeitet. Zwar nimmt der Staat Rekordsummen ein, doch Steuererleichterungen im Gegenzug werden nur marginal gewährt. Stattdessen wird das viele Geld fleißig umverteilt, vor allem über immer neue Rentenprogramme. Das kann man begrüßen oder beklagen – wichtig ist zu ...

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... wissen, wann und wie man selbst davon profitiert.

Uneingeschränkt freuen dürfen wir uns auf Neuentwicklungen in der Medizin. Zwar lässt sich hier nicht exakt vorhersagen, in welchem Monat dieses oder jenes Wundermittel auf den Markt kommt. Aber im Kampf gegen Krankheiten und Schicksalsschläge wie Querschnittslähmung und auch Migräne scheinen die Forscher ein gutes Stück vorangekommen zu sein.

STEUERN & GELD: Wenig Erleichterungen vom Staat

1 GRUNDFREIBETRAG 2019 erhöht sich der steuerliche Grundfreibetrag von 9 000 Euro/18 000 Euro (ledig/ zusammen veranlagt) auf 9 168 Euro/18 336 Euro. Mit anderen Worten: Ist Ihr zu versteuerndes Einkommen 2019 niedriger als der Grundfreibetrag, werden normalerweise keine Steuern fällig.

2 KALTE PROGRESSION 2019 wird der Steuertarif an die Preissteigerungsrate angepasst. So soll verhindert werden, dass Lohnsteigerungen, die als Inflationsausgleich gezahlt werden, zu einem höheren Steuersatz führen. Ein höherer Steuersatz kann sogar dazu führen, dass die Betroffenen unterm Strich weniger im Portemonnaie haben als vor der Lohnerhöhung. Dieser Effekt wird als kalte Progression bezeichnet.

3 STEUERSATZ Der Spitzensteuersatz beträgt 42 Prozent und greift 2019 ab einem zu versteuernden Einkommen von 55 961 Euro/ 111 920 Euro (ledig/zusammen veranlagt). Ab einem Einkommen von 265 326 Euro/530 652 Euro fallen zusätzlich drei Prozentpunkte mehr Steuern an (sogenannte Reichensteuer).

4 KINDERGELD Das Kindergeld steigt ab 1. Juli 2019 um 10 Euro pro Kind. Die Familienkasse zahlt dann für das erste und zweite Kind jeweils 204 Euro, für das dritte Kind 210 Euro und für jedes weitere Kind 235 Euro. Gleichzeitig steigt der Kinderfreibetrag von bisher 4 788 Euro auf 4 980 Euro. Das Finanzamt prüft bei Abgabe der Steuererklärung für 2019 automatisch, ob die Steuererstattung bei Abzug des Kinderfreibetrags höher ist als das 2019 erhaltene Kindergeld. Ist das der Fall, führt der übersteigende Betrag zu einer Steuerentlastung.

5 ABGABEFRIST Die Steuererklärung für 2018 ist nicht mehr wie früher bis zum 31. Mai an das Finanzamt zu übermitteln, sondern erstmals spätestens bis 31. Juli 2019. Wer die Steuererklärung 2018 verspätet abgibt, riskiert einen Verspätungszuschlag. Dieser beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer abzüglich bereits geleisteter Vorauszahlungen bzw. Lohnsteuerabzugs-beträge, mindestens jedoch 25 Euro pro verspäteten Monat. Ausweg: Wer es mit der Abgabe bis zum 31. Juli 2019 nicht schafft, sollte beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen. Dann sind die Verspätungszuschläge erst einmal kein Thema.

6 UNTERHALT Wenn Sie Ihr Kind finanziell unterstützen, für das Sie kein Kindergeld mehr bekommen, oder auch einen Elternteil, dürfen Sie für diese Unterhaltszahlungen 2019 bis zu 9 168 Euro als außergewöhnliche Belastung abziehen. Dieser Höchstbetrag verringert sich, wenn die unterstützte Person eigene Einkünfte hat, die höher als 624 Euro sind (siehe Beispiel Seite 44). Die Steuerminderung entfällt jedoch, wenn die unterstützte Person über ein eigenes Vermögen von mehr als 15 500 Euro verfügt. Ein Eigenheim zählt übrigens nicht dazu.

7 PFLEGEHEIM Wer in einem Pflegeheim lebt, kann die Kosten, die er dafür selbst trägt, als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Wurde dafür die eigene Wohnung aufgegeben, kürzt das Finanzamt 2019 die Kosten um eine Haushaltsersparnis in Höhe von 9 168 Euro (2018: 9 000 Euro). Lebt bei Ehegatten ein Partner im Heim, der andere noch zu Hause in seiner Wohnung, darf das Finanzamt die Haushaltsersparnis bei Ermittlung der abziehbaren außergewöhnlichen Belastung nicht berücksichtigen.

8 ALTERSVORSORGE Wenn Sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder in eine Rürup-Rente, dürfen Sie 2019 insgesamt 88 Prozent Ihrer Beitragszahlungen steuerlich als Sonderausgaben geltend machen (2018: 86 Prozent). Hier gibt es allerdings eine Höchstgrenze. Im Jahr 2019 können maximal 21 388 Euro/42 776 Euro (ledig/zusammen veranlagt) für Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgabe abgezogen werden.

9 GELDWERTER VORTEIL Kauft oder least ein Unternehmen für einen seiner Mitarbeiter ein Elektro- oder Hybridfahrzeug, muss der Mitarbeiter, wenn er die Ein- Prozent-Regelung nutzt, nur noch die Hälfte als geldwerten Vorteils versteuern. Überlässt das Unternehmen dem Mitarbeiter ein Fahrrad, das er auch privat nutzen kann, muss er ab 2019 keinen geldwerten Vorteil versteuern, wenn es das Fahrrad zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gibt.

10 NEURENTNER Wer 2019 in den Ruhestand geht, muss 78 Prozent seiner gesetzlichen Bruttorente versteuern. Im nächsten Jahr, wenn erstmals eine volle Jahresrente ausgezahlt wird, ermittelt das Finanzamt dann den sogenannten Rentenfreibetrag (22 Prozent, siehe oben), der künftig bis an das Lebensende des Neurentners gilt und der dann unverändert auch bei steigenden Renteneinnahmen steuerfrei bleibt.

11 ALTERSENTLASTUNGSBETRAG Wenn Sie 2018 Ihren 64. Geburtstag gefeiert haben, steht Ihnen steuerlich für Arbeitslohn, für Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit und für Mieterträge ein Altersentlastungsbetrag zu. Der beträgt für Sie dann ab 2019 zeitlebens 17,6 Prozent dieser Einkünfte, maximal jedoch 836 Euro pro Jahr.

12 UMZUGSKOSTEN Zieht ein Arbeitnehmer 2019 aus beruflichen Gründen um, kann er die Umzugskosten als Werbungskosten geltend machen. Wird der Umzug vor dem 31. März beendet, erkennt das Finanzamt ohne Belege folgende Kosten: 787 Euro (ledig); 1 573 Euro (zusammen veranlagt). Für jede weitere Person gibt es 347 Euro. Ab dem 1. April sind es 811 Euro bzw. 1 622 Euro. Für jede weitere Person 357 Euro. Bei umzugsbedingten Nachhilfekosten für Kinder gelten 1 984 Euro bzw. 2 045 Euro.

13 ONLINEBANKING Ab dem 14. September 2019 greifen die Regelungen der Zweiten EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2). Dann müssen beim Auslösen von Zahlungen oder beim Zugriff auf Konten im Internet mindestens zwei der drei Elemente Wissen (z. B. Passwort), Besitz (z. B. Mobiltelefon) oder Inhärenz (z. B. Fingerabdruck) verwendet werden. Das iTANVerfahren reicht für Überweisungen dann nicht mehr.

14 INVESTMENTFONDS Für Fondsanteile gelten seit 2018 neue Regeln. Ab 2019 sollen Anleger erstmals auch Gewinne versteuern, die Fonds nicht ausschütten. Auf diese Weise soll eine Besteuerung der Wertsteigerungen während der Haltedauer sichergestellt werden. Bei der Veräußerung der Anteile werden die aufgelaufenen Vorabpauschalen vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn abgezogen, um eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Die Bank, bei der der Kunde seine Anteile hat, ist verpflichtet, diese Vorabpauschale abzuführen.

RECHT: Weniger arbeiten, mehr Geld

15 BRÜCKENTEILZEIT Bislang konnten Arbeitnehmer in größeren Betrieben relativ leicht aus einer Vollzeittätigkeit in Teilzeit wechseln; der Weg zurück in Vollzeit war aber stets vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig. Das ändert sich nun: Die Beschäftigten können ihre Stundenzahl für einen Zeitraum zwischen ein und fünf Jahren reduzieren und anschließend »automatisch « in Vollzeit zurückkehren. Voraussetzung ist eine mindestens sechsmonatige Betriebszugehörigkeit; der Antrag muss spätestens drei Monate vor Beginn beim Arbeitgeber eingereicht werden. Um die Betriebe nicht zu überfordern, wurde der Zugang zur Brückenteilzeit an die Zahl der Beschäftigten gekoppelt. In Betrieben unter 45 Mitarbeitern besteht kein Anspruch; zwischen 46 und 200 Beschäftigten kann der Arbeitgeber betriebliche Gründe entgegenhalten und muss je 15 Beschäftigte nur einen Antrag genehmigen.

16 MINDESTLOHN Von bisher 8,84 Euro steigt der gesetzliche Mindestlohn ab 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro pro Stunde. Nachdem alle Ausnahmeregeln ausgelaufen sind, darf dieser Betrag nun in keiner Branche mehr unterschritten werden. In mehreren Gewerken gibt es aber höhere Mindestlöhne, so z. B. im Dachdeckerhandwerk mit 13,20 Euro/Stunde. Nach wie vor vom Mindestlohn ausgenommen sind einige Personengruppen, wie Auszubildende und Praktikanten, die Pflichtpraktika absolvieren, sowie Langzeitarbeitslose während einer sechsmonatigen Wiedereinstiegsphase.

17 MIETE Die politischen Beratungen über einen erweiterten Mieterschutz waren bei Redaktionsschluss noch im Gang: Vermieter sollen künftig die bisherige Miete stets offenlegen; die Modernisierungsumlage soll in Regionen mit knappem Wohnungsangebot auf acht Prozent begrenzt werden.

18 VERPACKUNGEN Das neue Verpackungsgesetz beschert auch kleinen Onlinehändlern strenge Pflich-ten: Sie müssen sich unterwww.verpackungsregister. org registrieren, um überhaupt Verpackungen verwenden zu dürfen. Auch beim Einwegpfand gibt es Änderungen: Fruchtschorlen und molkehaltige Getränke in Einwegverpackungen werden nun auch mit 25 Cent bepfandet.

19 SOLARSTROM Das im November vom Kabinett beschlossene Energiesammelgesetz sieht eine Absenkung der Einspeisevergütung von 11,09 ct/kWh auf 8,33 ct zum 1. Januar 2019 vor. Betroffen wären Anlagen von 40 bis 750 kW Leistung. Kritiker sehen das Projekt »Mieterstrom« damit als gescheitert an.

VERSICHERUNGEN: Bei der Rente viel Neues

Rentner Ab Juli bekommen sie drei bis vier Prozent mehr


20 KV-BEITRAG Arbeitgeber beteiligen sich wieder zur Hälfte am Krankenkassenbeitrag. Bei einem Beitragssatz von 15,5 Prozent sind das 7,75 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auch angestellte privat Versicherte profitieren. Der KV-Zusatzbeitrag sinkt auf 0,9 Prozent, der Pflegebeitrag steigt um 0,5 Prozent, der Arbeitslosenbeitrag sinkt um 0,5 Prozent. Der Zugang zu ALG I wird erleichtert, Anspruch hat künftig, wer binnen 30 Monaten 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt war.

21 SELBSTSTÄNDIGE Das unterstellte Mindesteinkommen selbstständiger Kleinverdiener wird halbiert, von aktuell 2 283,75 Euro geht es auf 1 141,88 Euro. Die bisherigen Härtefallregeln entfallen.

22 RENTENBEITRAG Die Rentenkassen sind gut gefüllt. Die Rücklage beträgt 1,77 Monatsausgaben, ab 1,5 müsste der Beitragssatz eigentlich von derzeit 18,6 auf 18,2 Prozent gesenkt werden. Dem schiebt die Große Koalition einen Riegel vor. Hintergrund: Für die Finanzierung der ohne Beiträge gewährten Mütterrente I+II werden die Beitragszahler jährlich mit rund 3,8 Mrd. Euro zur Kasse gebeten, statt sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe aus Steuermitteln zu finanzieren.

23 RENTENERHÖHUNG Am 1. Juli wird nach derzeitigen Schätzungen die Rente im Westen um 3,18, im Osten um 3,91 Prozent steigen. Pro 1 000 Euro Rente sind das 31,80 Euro im Westen, 39,10 Euro im Osten. Die endgültige Höhe steht erst im Frühjahr fest. 2020 fällt die Erhöhung geringer aus, weil sich dann die unterlassene Beitragssatzsenkung negativ auswirkt.

24 MÜTTERRENTE II Für jedes vor 1992 geborene Kind gibt es ab 2019 im Westen 16,02 Euro und im Osten 15,35 Euro mehr. Bei Neurentnern bereits ab Januar, bei Bestandsrentnern erst drei Monate später, aber rückwirkend. In den vollen Genuss dieser Erhöhung kommen bei Neurentnern nur Mütter oder Väter, die in dieser Zeit nicht oder nur wenig gearbeitet haben, weil der eigene Verdienst angerechnet wird. Bei Bestandsrentnern erfolgt keine Anrechnung, aber eine eventuelle Kürzung der Witwen-/Witwerrente.

25 GLEITZONE Ab 1. Juli wird der Übergangsbereich (vorher Gleitzone) von aktuell 850 Euro auf 1 300 Euro angehoben. Bis zu diesem Betrag wird ein reduzierter Rentenbeitrag abgezogen, damit netto mehr übrig bleibt. Dem Rentenkonto wird aber ein subventionierter höherer Betrag gutgeschrieben.

Gewinner Nur Mütter und Väter, die während der Kindererziehung nicht oder nur wenig gearbeitet haben, bekommen mehr


26 GARANTIE Die Bundesregierung hat eine doppelte Haltelinie beschlossen: Der Beitragssatz soll bis 2025 nicht über 20 Prozent steigen, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent vom Netto sinken.

27 ERWERBSMINDERUNG Für neue Fälle treten Verbesserungen in Kraft. So wird ab dem nächsten Jahr die Rentenhöhe so berechnet, als hätte ein Betroffener bis 65 und acht Monate gearbeitet. Danach wird die Zurechnungszeit monatsweise bis auf 67 Jahre erhöht. Wer noch in diesem Jahr EU-Rentner wird, bekommt nur Zurechnungszeiten bis zum 62. Lebensjahr und drei Monaten angerechnet. Für Bestandsrentner gibt es keinerlei Verbesserungen.

28 SPRECHSTUNDEN Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung werden für die niedergelassenen Kassenärzte ab dem Frühjahr Mindestsprechstundenzeiten eingeführt. Diese betragen 25 Stunden pro Woche, wobei Hausbesuche auf diese Zeiten angerechnet werden. Fachärzte der wohnortnahen Versorgung (dazu gehören Augen-, Frauen-, HNO-Ärzte) sollen mindestens für fünf Stunden pro Woche eine offene Sprechstunde für Patienten ohne Termine anbieten. Dafür erhalten die Ärzte Zuschläge auf ihre Vergütungssätze.

29 TERMINSERVICE Schneller zum Arzttermin: Voraussichtlich im Frühjahr beginnt die Umsetzung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes, das die ambulante Versorgung verbessern soll. Die Terminvermittlung schließt künftig auch Hausund Kinderärzte mit ein. Darüber hinaus soll die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdiensts (116 117) als bundeseinheitliche Notdienstnummer etabliert werden, über die dann in Akutfällen rund um die Uhr Termine in Arztpraxen und Notfallambulanzen vermittelt werden. Das soll den Ansturm auf die Rettungsstellen der Krankenhäuser mindern.

30 KLINIKPERSONAL Mit der Pflegepersonaluntergrenzenverordnung soll die pflegerische Versorgung der Krankenhauspatienten verbessert werden. Zum Jahresbeginn werden zunächst für den Intensivbereich (Intensivstationen, Geriatrie, Unfallchirurgie und Kardiologie) feste Personalquoten eingeführt. So muss z. B. in der Geriatrie und in der Unfallchirurgie in der Tagschicht pro 10 Patienten eine Pflegekraft anwesend sein, in der Nachtschicht dann immer noch eine Pflegekraft pro 20 Patienten. Krankenhäuser, die die Quoten nicht erfüllen, müssen Betten abbauen.

31 STATIONÄRE PFLEGE Das Pflegepersonalstärkungsgesetz, das im Januar in Kraft tritt, soll die Situation in der allgemeinen stationären Kranken- und Altenpflege mittelfristig verbessern. Auch hier werden neue Mindestuntergrenzen im Verhältnis Personal/Patienten festgelegt, die Mehrkosten solcher Aufstockungen sollen direkt von den Krankenkassen vergütet werden, ebenso künftige wie Tariflohnsteigerungen für das Pflegepersonal. Die tatsächliche Personalsituation muss von den Einrichtungen erstmals im Mai 2020 nachgewiesen werden. Kritik gibt es, weil Personal in Rehakliniken nicht mit erfasst wird und hier eine Abwerbung von Fachkräften droht.

32 ARZNEIMITTEL Aufrüstung im Kampf gegen Medikamentenfälscher: Ab dem 9. Februar müssen alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel in der EU einen Barcode als Sicherheitsmerkmal aufweisen, der in der Lieferkette und in den Apotheken über das System Securpharm ausgelesen werden kann. So kann der Weg jeder individuellen Packung vom Hersteller bis zur Abgabe in der Apotheke minutiös nachvollzogen werden. Packungen ohne Sicherheitsmerkmale dürfen nicht mehr abgegeben werden.

GESUNDHEIT: Lähmung & Infektionen im Visier

Aufrecht Studienproband David Mzee, 28, war sieben Jahre gelähmt. Jetzt kann er wieder gehen


33 RÜCKENMARKSTIMULATION Gelähmte können gehen: Das könnte bald für einige Menschen zutreffen, die nach Wirbelverletzungen gelähmt sind, wie Studien in den USA und der Schweiz zeigten. Neurologen aus Lausanne setzten jüngst drei gelähmten Männern im Rahmen einer Studie ein Implantat (Neurostimulator), das durch Elektroimpulse Nerven und Muskeln stimuliert, in die Wirbelsäule ein. Zugleich mussten die Männer trainieren. Beides schien Nervenverbindungen zwischen Hirn und Muskeln zu reaktivieren – alle Probanden können wieder eingeschränkt gehen. Bestätigen sich die Resultate, könnte das Verfahren bald zugelassen werden.

34 NEUE ANTIBIOTIKA Immer mehr Keime werden gegen immer mehr Antibiotika- Klassen resistent und lassen sich kaum noch behandeln. Die Bundesregierung will deshalb in den kommenden zehn Jahren 500 Millionen Euro für die Antibiotika-Forschung bereitstellen.

35 TBC-IMPFUNG Jahrzehntelang sank die Zahl der Tuberkulose-Neuinfektionen in Industrieländern, jetzt steigt sie wieder an. Der Impfstoff AERAS-404 (auch: HC4:IC31) hat sich als wirksam und nebenwirkungsarm erwiesen und könnte es 2019 zur Zulassung schaffen.

36 IMPFUNG GEGEN CLOSTRIDIEN Der Keim Clostridium difficile gehört zu den gefährlichsten Erregern von Darmentzündungen in Kliniken und ist gegen die meisten Antibiotika resistent. Ein Impfstoff (ACAM-CDIFF) gegen zwei Clostridien-Gifte steht vor der Zulassung.

37 AKNE & ROSACEA Das Antibiotikum Sarecyclin, ein Tetrazyklin, hemmt Aknebakterien und reduziert Entzündungen bei der Hautkrankheit Rosacea. Es schädigt die Darmflora weniger als Breitband-Antibiotika. Die EU-Zulassung wird erwartet.

38 ARTHROSE Knorpelverschleiß in Gelenken führt oft dazu, dass Knochen schmerzhaft aufeinanderreiben. Der Wirkstoff Sprifermin besteht aus nachgebauten körpereigenen Signalstoffen, die das Knorpelwachstum z. B. bei Kniearthrose anregen. Sie werden wöchentlich gespritzt.

39 WURMINFEKTIONEN BEI KINDERN Kleinkinder infizieren sich häufiger einmal mit Würmern, da sie oft Schmutz oder Sand in den Mund nehmen. Wirksame Antiparasitika waren bisher nur für Erwachsene zugelassen. Der Wirkstoff Mebendazol ist künftig auch für Kids ab einem Jahr zugelassen.

40 MIGRÄNE Der Wirkstoff Erenumab, ein monoklonaler Antikörper, soll Migräneattacken vorbeugen, indem er über die Hemmung des CGRP-Rezeptors eine schmerzhafte Gefäßerweiterung im Kopf verhindert. Das Mittel (Handelsname: »Aimovig «) wird einmal im Monat unter die Haut gespritzt.

TECHNIK: 5G & Co. – neue Geräte für neue Standards

41 KABELNETZ Mit Net Cologne schaltet im Januar einer der letzten Kabelbetreiber alle analogen Programme ab. Das betrifft nicht nur den TV-, sondern auch den Radioempfang. Ältere Fernseher können mit einer Kabelbox (ab 40 Euro) für den Digitalstandard DVB-C fit gemacht werden. Ein neuer Fernseher mit eingebautem HD-Empfänger liefert jedoch die bessere Bildqualität.

Die Stereoanlage empfängt die analogen UKW-Signale auch per Zimmerantenne, allerdings in den meisten Regionen mit weit weniger Programmen und in schlechterer Qualität als davor über das Kabelnetz. Der neue Fernseher oder die Set-Top-Box empfangen auch DVB-C-Digitalradio und übertragen es an den analogen Audioeingang der Stereoanlage.

42 RADIOEMPFANG Obwohl sich der Deutschlandfunk auf Helgoland und im oberen Isartal mit seinen Programmen schon von der Ultrakurzwelle verabschiedet hat, ist eine bundesweite UKW-Abschaltung vorerst nicht zu befürchten. Das Aus für bloße UKW-Radios dagegen schon. Denn um die Nutzung der digitalen DAB+-Programme voranzutreiben, empfiehlt der Kulturausschuss des Bundesrates, dass von 2019 an nur noch Radiogeräte mit integriertem DAB+-Empfänger in den Handel gelan- gen sollen. Ein Beschluss des EU-Parlaments zur Digitalradiopflicht für Neufahrzeuge wird wohl nicht vor 2020 umgesetzt.

In Baden-Württemberg, Bremen und Rheinland-Pfalz werden indes zur Verbesserung des DAB+-Empfangs weitere Sendeblöcke in Betrieb genommen, und im Saarland soll noch 2019 ein neuer Kanal mit Privatprogrammen auf Sendung gehen.

43 FERNSEHER Die ersten auf der IFA 2018 vorgestellten 8K/UHD2-Fernseher mit 7680 x 4320 Pixel Auflösung kommen im Frühjahr in den Handel. Ihre Stärke können sie ohne Quelle kaum ausspielen, denn während sich selbst die über Satellit ausgestrahlten 4K/UHDProgramme noch an einer Hand abzählen lassen, ist an 8K/UHD2 überhaupt nicht zu denken. Beim Angebot der Streamingdienste oder mit Filmen auf Blu-ray-Disc sieht es kaum besser aus.

44 MOBILFUNK Experten erwarten, dass ab dem dritten Quartal 2019 erste 5GSmartphones auf den Markt kommen. Die Hersteller arbeiten auf Hochtouren, legen sich allerdings noch nicht fest. Die 5G- Technologie will Nutzern vor allem eines bringen: mehr Geschwindigkeit im Netz. Daten, die mit zehn Gigabit pro Sekunde übertragen werden, sollen dabei die Norm sein. Aktuell sind es etwa 150 Megabit pro Sekunde. Das 5G-Netz selbst wird wohl erst 2020 flächendeckend zur Verfügung stehen. In der Zukunft sollen davon nicht nur die Smartphonenutzer, sondern auch selbstfahrende Autos, Paketdrohnen und das Internet der Dinge inklusive vernetzter Haushaltsgeräte profitieren.

45 SMARTPHONE Nicht zum ersten Mal kochen die Spekulationen zum Thema Handy mit faltbarem Display hoch. Im Januar könnten LG, Huawei oder Samsung auf der CES in Las Vegas tatsächlich erste Modelle vorstellen. Bis zu einer echten Marktreife dürfte aber noch einige Zeit ins Land gehen. Auch neu: Einige Smartphonehersteller sollen derzeit ein neues Diamantglas für ihre Displays testen, das noch widerstandsfähiger – aber auch teurer – sein soll als das derzeit oft verbaute Gorillaglas.

Prototyp Samsung hat ein Smartphone mit faltbarem Display vorgestellt, Diagonale 18,5 cm


46 TRIPLE-KAMERA Smartphones mit drei oder gar mehr Objektiven sind im Kommen. So ist für das nächste iPhone eine Triple-Kamera im Gespräch, das Samsung Galaxy A9 (2018) überbietet das bereits jetzt mit vier Linsen – eine Obergrenze ist nicht in Sicht. Die Bildqualität erhöht sich dadurch nicht zwingend, dafür können Nutzer mit zusätzlichen Funktionen durch verschiedene Brennweitenstufen rechnen.

47 KONSOLEN Für Spielefans könnte 2019 ein echtes Traumjahr werden: Derzeit arbeiten sowohl Microsoft als auch Erzrivale Sony an den großen Nachfolgeversionen ihrer Verkaufsschlager Xbox und Playstation. Gerüchteweise sollen die Konsolen Xbox Two und Playstation 5 heißen und im kommenden Jahr oder spätestens 2020 erscheinen. Genaueres war bei Redaktionsschluss aber noch nicht bekannt.

48 E-BIKES Elektro-Fahrräder werden 2019 schöner, schlauer und platzsparender. So setzt etwa Hersteller Winora mit seinem E-Hollandrad »Saya« auf Retro- Charme, beim Modell »Yucatan« hat der Motor eine neuartige, an der Trittfrequenz orientierte Unterstützungsautomatik. Zudem ist der Akku im Rahmen versteckt, ebenso wie beim sportlich-schlichten »Pinion Urban« von Desiknio. Selbst Falträder gibt es inzwischen mit E-Motor, beispielsweise das »Brompton Electric«.

49 WARNSIGNALE Ab 1. Juli müssen E-Autos bis zum Tempo 20 km/h ein Warnsignal aussenden, um Fußgänger, Radfahrer und Sehbehinderte besser zu schützen. Das gilt auch für Rückwärtsfahren. Zwei Jahre später soll das für alle E-Autos gelten.

50 ONLINEZULASSUNG Im Laufe des Jahres soll auch die Erstzulassung eines Fahrzeugs online möglich sein. Notwendig dazu ist aber ein Personalausweis mit der Onlinefunktion.

51 TEST Ab dem 1. September werden die Abgasgrenzwerte mit dem sogenannten RDE-Test (Real Driving Emissions) mithilfe einer portablen Messstation, die am Heck des Fahrzeugs befestigt wird, unter realen Fahrbedingungen überprüft.

ENERGIE Label & Pass

KORRIGIERT Die Wertungsklasse A soll auf dem EUEnergielabel künftig wieder für höchste Energieeffizienz stehen, ohne den Zusatz + bis +++. Um zu verhindern, dass sich das Plus mit noch verbrauchsärmeren Elektrogeräten erneut einschleicht, passt die EU die Grenzen nun laufend an, sobald 30 Prozent der auf dem europäischen Markt verkauften Produkte in die oberste Effizienzklasse fallen.

Simpel Die neue, klare A-bis-G-Skala ohne Plus


UNGÜLTIG Gebäude, die nach 1966 gebaut wurden, dürfen seit 2009 nicht mehr ohne einen Energieausweis verkauft, vermietet oder verpachtet werden. Der soll Auskunft über den Energieverbrauch und den energetischen Zustand des Gebäudes geben. Die Energieausweise sind nur zehn Jahre gültig und müssen deshalb 2019 erstmals erneuert werden.


FOTOS: IMAGO/IPON (2). FOTOMONTAGE: GUTER RAT

FOTOS: EPFL/JAMANI CAILLET, IMAGO/BELGA, IMAGO/KOLVENBACH, ALAMY