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Das große (Ent-)Rauschen


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 06.05.2022

SOFTWARE

Rauschen ist eine unvermeidbare Begleiterscheinung einer elektronischen Signalübertragung – in der Fotografie haben wir es mit einem Bildrauschen zu tun, das als weiße oder farbige Bildpunkte im Foto auftritt. Ab einer bestimmten Schwelle erscheinen diese Bildpunkte störend – Flächen wirken körnig, feine Strukturen lösen sich auf und scheinen weniger scharf zu sein. Besonders störend ist Farbrauschen auf sonst homogenen Flächen.

Wie stark das Rauschen auftritt, hängt von der Sensorgröße, der eingestellten Empfindlichkeit und der Belichtungszeit ab. Außerdem erscheint es in der Bildbearbeitung: Immer dann, wenn wir dunkle Passagen im Bild aufhellen. Manchmal lässt sich Rauschen nicht vermeiden, etwa wenn für Action-oder Teleaufnahmen die ISO-Zahl hochgedreht werden muss oder wenn Nachtaufnahmen lange belichtet werden müssen. In unserem Test haben wir ein Schlechtwetter-Wildlife-Bild mit ...

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... einer Kamera mit kleinem Sensor genutzt und ein Nachtfoto, das aufgrund der Bewegung und der hohen Kontraste kurz belichtet und anschließend in der Bildbearbeitung stark aufgehellt wurde.

RAUSCHEN BESEITIGEN?

Das Rauschen kann in der Nachbearbeitung nicht entfernt, aber immerhin ge- mindert werden. Gängige Raw-Tools wie Lightroom und Capture One Pro haben eigene Rauschentfernungs-Tools. Sie funktionieren gut, sind aber nicht ohne Grund oft zusammen mit dem Schärfe-Regler gruppiert: Denn das Eliminieren des rein zufällig verteilten Rauschens ist keine leichte Aufgabe und sorgt bei der Glättung oft dazu, dass auch die Schärfe und der Mikrokontrast nachlassen. Hebt man dann die Schärfe an, werden auch die hellen Pixel des Rauschens verstärkt. Ein Mittelweg muss gefunden werden.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Die hier vorgestellten fünf Programme versprechen, das Rauschen effektiv zu reduzieren. Dabei setzen DxO, On1 und Topaz auf künstliche Intelligenz, um das zufällige Rauschen anhand bekannter Bild(strukturen) von „echter“ Information zu unterscheiden und so möglichst ohne Informationsverlust zu entrauschen. Dass das tatsächlich Vorteile bringt, zeigen unsere Versuche anhand der Beispielbilder im Test.

DxO fasst zusätzlich das Demosaicing der Raw-Daten und das Entrauschen in einem Schritt zusammen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise zeigt sich ebenfalls. Der Nachteil: PureRAW 2 kann nur mit Raw-Dateien umgehen.

FAZIT

Alle fünf Testprogramme kommen mit unserem leicht rauschenden Wildlife-Foto klar und können es verbessern. DxO PureRAW 2 hat zwar die Nase leicht vorn, aber auch Topaz DeNoise AI und NoNoise von On1 verbessern das Bild deutlich – sowohl in Bezug auf das Rauschen, aber auch auf die Schärfe. Bei dem aufgehellten Nachtfoto arbeitet nur DxO PureRAW 2 fehlerfrei – dafür nicht ganz so effektiv. Wer einen anderen Workflow (als Raw) umsetzen und TIFFs oder JPEGs entrauschen will, ist mit DeNoise oder NoNoise besser bedient.

DxO PureRAW 2

PureRAW 2 von DxO nutzt die Entrauschungs-Technologie, die auch in DxOs Raw-Konverter PhotoLab 5 enthalten ist: DeepPRIME. PureRAW 2 arbeitet als eigenes Programm und klinkt sich sowohl in Lightroom Classic als auch in den Finder bzw. Explorer des Betriebssystems ein. Das auf künstlicher Intelligenz basierende System arbeitet mit Raw-Daten. Dabei wird die klassische Abfolge von Demosaicing und Entrauschen in einen Schritt zusammengefasst. Zusätzlich wird auf die DxO-Datenbank der Objektiv-Kamera-Kombinationen zurückgegriffen, um Verzeichnungen und andere Objektivfehler zu korrigieren.

PureRAW 2 gibt die Ergebnisse wieder als Raw-Datei im DNG-Format aus – kann aber auch nur Raw-Fotos verarbeiten. Hat man vorher schon in Lightroom die Datei bearbeitet, so werden nach dem Re-Import des DNGs alle Bearbeitungen übernommen. Einstellen kann man bei PureRAW nichts. Einzig das Entrauschungsverfahren kann gewählt werden. Allerdings liefert DeepPRIME durch die Bank die besten Ergebnisse. Das gilt auch für unser Testfeld: Zwar sind Flächen nicht ganz so rauschfrei wie bei Topaz DeNoise AI, aber dafür fehlerfrei.

Hersteller: DxO. System: macOS, Windows. Integration: Lightroom Classic, Finder, Explorer. Preis: 129 Euro. www.dxo.com/de/dxo-pureraw

NoNoise AI 2022

NoNoise AI 2022 von On1 ist Bestandteil des Raw-Bearbeitungsprogramms On1 Photo Raw 2022, kann aber auch separat erworben werden. Es gibt auch ein Plug-in für Lightroom – bearbeitet werden aber gerenderte JPEGs oder TIFFs. Öffnet man Fotos direkt, so können dies auch Raw-Bilder sein.

Die Automatik von NoNoise optimiert die Rauschunterdrückung für das jeweilige Motiv – man muss nichts mehr einstellen. Allerdings kann über Regler das Luminanz-und Farbrauschen stärker im Bild belassen werden. Bei unserem Wildlife-Bild und auch bei üblichen High-ISO-Bildern funktioniert die Entrauschung wunderbar. Der Schärfeverlust ist kaum merklich, auch Flächen werden sauber geglättet, ohne dass Details verloren gehen. Bei problematischeren Motiven wie unserem aufgehellten Nachtfoto werden Flächen gelegentlich unsauber, vor allem in den hellen/weißen Bereichen.

Hersteller: On1. System: macOS, Windows. Integration: On1 Photo Raw 2022, Lightroom Classic. Preis: 57 Euro. wwww.on1.com/products/nonoise-ai

Topaz DeNoise AI

DeNoise AI öffnet Bilder direkt (Raw) oder auch aus Lightroom heraus (JPEG, TIFF, PSD). Die Fotos werden wahlweise im Vollbild oder gleich in bis zu vier Ausschnitten geöffnet – in jedem Ausschnitt kommt dann ein anderes Preset zum Einsatz. In der Regel ist das automatisch vorgeschlagene Preset aber auch das beste. Alles funktioniert automatisch und „AI“-basiert, die Stärke der Entrauschung, Schärfe, Details und Farbrauschen können aber noch manuell nachjustiert werden. DeNoise AI kann Raw-Fotos nach der Bearbeitung als Raw im DNG-Format speichern. Es dürfte aber im Einzelfall besser sein, das Bild zunächst in Lightroom vorzubereiten und als TIFF mit 16 Bit zu öffnen – zumindest bei unserem Nachtfoto erhielten wir so ein besseres Ergebnis.

Hersteller: Topaz. System: macOS, Windows. Integration: Lightroom Classic. Preis: 79 US-Dollar. www.topazlabs.com/denoise-ai

Denoise Projects 4 Professional

Denoise Projects 4 Professional von Franzis ist das Programm mit den meisten Optionen – und daher auch am komplexesten in der Nutzung. Immerhin stellt Franzis einige Presets bereit, die Rauschentfernungs-Settings zusammenfassen. Es bleibt aber schwierig, weil auch diese ausprobiert werden müssen.

Die Entrauschung selbst kann in verschiedenen Komplexitätsstufen durchgeführt werden – die Berechnungszeit verlängert sich dann deutlich. Der weitere Qualitätsgewinn ist jedoch marginal. Als einziges Programm im Testfeld hat DeNoise Projects übrigens einen eigenen Raw-Konverter integriert, der die üblichen Raw-Tools enthält: So lassen sich die Fotos komplett in der App entwickeln.

System: Windows. Integration: Lightroom Classic, Photoshop (Elements). Preis: 99 Euro. www.franzis. de/fotografie/fotobearbeitung-raw/denoise-projects-4-professional-download

Nik Dfine

Nik Dfine gehört zu der Nik Collection, die ebenfalls von DxO vertrieben wird. Die Filtersammlung für Photoshop kann auch aus Lightroom heraus aufgerufen werden. Zusammen mit Photoshop legt Dfine das entrauschte Ergebnis als eigene Ebene ab – mit einer Ebenenmaske und der Ebenenstärke lässt sich so das Gesamtergebnis sehr fein nachbearbeiten. Dfine arbeitet vollautomatisch, aber es können auch manuelle Einstellungen vorgenommen werden. Es sind sogar die von den Nik-Produkten bekannten Kontrollpunkte für die selektive Entrauschung bestimmter Bildbereiche einsetzbar. Die Qualität der Entrauschung ist dagegen eher Mittelmaß und kann nicht ganz mit Topaz, On1 und dem anderen Produkt von DxO, PureRAW 2, mithalten. Es entstehen aber auch keine Fehler bei der Entrauschung.

Hersteller: DxO. System: macOS, Windows. Integration: Photoshop und kompatible. Preis: 149 Euro. nikcollection.dxo.com/de