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DAS GROSSE HINTER DEM GROSSEN


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 24.08.2022
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Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 9/2022

Fans von Blind Guardian müssen geduldig sein. Zwischen der Ankündigung eines neuen Albums und dessen Veröffentlichung liegt eine ordentliche Zeitspanne. Die detailverliebten Bombastiker scheinen das Tüfteln im Proberaum und Studio einfach zu lieben. Auch auf THE GOD MACHINE gibt es wieder unzählige Details zu entdecken, aber das Album ist direkter und auch härter ausgefallen als seine unmittelbaren Vorgänger. Das könnte damit zusammenhängen, dass die Combo 2018 ihr seit Ewigkeiten angekündigtes Orchesteralbum TWILIGHT ORCHESTRA: LEGACY OF THE DARK LANDS fertigstellen konnte, wie Gitarrist Marcus Siepen bestätigt. „Das spielt mit Sicherheit eine Rolle. Wir haben über die letzten Alben hinweg viel mit Orchester gespielt und experimentiert. In dieser Beziehung sehe ich TWILIGHT ORCHESTRA: LEGACY OF THE DARK LANDS als krönenden Abschluss. Danach musste einfach etwas anderes passieren. Ein reines ...

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... Orchesteralbum kann man nicht mehr toppen – nicht einmal, wenn man mit zwei Orchestern spielt. Wir waren also an einem Wendepunkt angelangt. Es gibt zwar nach wie vor orchestrale Elemente, wie zum Beispiel in ‘Secrets Of The American Gods’, aber sie stehen nicht mehr so sehr im Vordergrund. Ziel war es, die Band stärker in den Fokus zu rücken.“ Frontmann Hansi Kürsch ergänzt: „In Sachen Blind Guardian goes Classic ist TWILIGHT ORCHESTRA: LEGACY OF THE DARK LANDS ein finales Statement. Wir hätten damals aber auch nie gedacht, dass uns dieses Projekt 25 Jahre lang beschäftigen würde.“ Gitarrist André Olbrich bringt noch einen weiteren Aspekt mit ein: „Wir waren schon immer eine Band, die versucht hat, den Zeitgeist zu reflektieren. Für mich fühlen sich 2020 und 2021 in vielerlei Hinsicht härter und brutaler an als noch 2014 oder 2015. Wenn man aus dieser jetzigen, ungewissen, fast schon chaotischen Zeit zurück auf 2014 blickt, könnte man fast schon sagen, dass damals viel mehr Harmonie und Ordnung herrschten. So gesehen ist ein hartes, schnelles und brutales Album für mich absolut zeitgerecht oder spiegelt zumindest unseren Gemütszustand, unsere Situation in 2022 besser wider.“

Der MITTELSMANN

THE GOD MACHINE entstand über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Schlagzeuger Frederik Ehmke gibt Einblick in die Abläufe bei den Krefeldern. „In manchen Fällen haben wir Songs oder zumindest Fragmente aus früheren Produktionen übrig, die aus welchen Gründen auch immer keinen Platz auf dem Album gefunden haben. So war es auch dieses Mal, allerdings starten die meisten Songs tatsächlich bei Null, weil sich unser aktueller Zeitgeist in den Kompositionen widerspiegelt. Es gibt Songs, die fühlen sich an, als wenn sie nur zu diesem einen Album gehören würden oder nirgendwo anders hinpassen. Oft ist es auch schwieriger, ein Stück umzuarbeiten, als einfach von vorne zu beginnen.“ Hansi nickt. „Der Beginn einer neuen Produktion ist immer wie das Stochern im Dunkeln auf hohem Niveau. Wenn man die für das Orchesterprojekt geschriebenen Nummern außen vor lässt, gibt es tatsächlich nur wenige Passagen früherer Alben, die es später doch noch in einen Song geschafft haben. Ich erinnere mich, dass der Refrain von ‘Mirror, Mirror’ eine Alternative für ‘I’m Alive’ von IMAGINATIONS FROM THE OTHER SIDE war. Die meisten Parts verschwinden allerdings in Schubladen und erblicken nie das Licht der Welt.“ Schade, denn in besagten Schubladen finden sich gewiss noch einige Perlen. Doch zurück zu THE GOD MACHINE, für dessen direkten Sound noch weitere Erklärungen existieren, wie Marcus feststellt. „Klassisches Jammen findet bei uns aufgrund der Komplexität des Materials schon länger nicht mehr statt. Das eigentliche Songwriting passiert also individuell, mit Hansi als Mittelsmann. Denn das genialste Riff der Welt bringt nichts, wenn er nicht dazu singen kann. Wir haben dieses Mal aber tatsächlich endlich wieder Lieder gemeinsam geprobt, bevor wir sie aufgenommen haben, was einen riesigen Unterschied gemacht hat. Das ist etwas, worüber wir seit Jahren geredet haben, allerdings immer erst nach der Produktion, wenn es zu spät war. Dieses Mal hatten wir die Zeit und konnten die Lieder noch mal wachsen lassen. Wenn man sie gemeinsam als Band spielt, entwickelt man noch mal ein neues Gefühl und interpretiert manche Passagen vielleicht ganz anders, als sie ursprünglich gedacht waren. Ich hoffe, dass wir uns vor der nächsten Produktion daran erinnern und das beibehalten können.“

„WIR BEFINDEN UNS AUF EINER REISE, DIE NOCH LANGE NICHT BEENDET IST.“

Hansi Kürsch

Steter WANDEL

Blind Guardian wirken von außen betrachtet nicht wie eine Band, die unüberlegt oder übertrieben instinktiv handelt. Deshalb die Frage, ob die Musiker vor einem neuen Albumzyklus noch einmal auf das letzte Werk zurückblicken und es analysieren. In dieser Hinsicht sind sich alle ziemlich einig. Hansi bringt es auf den Punkt: „Das letzte Album ist, was die kreative Ausrichtung angeht, mental vollständig abgehakt. Wir wollen uns verändern und haben uns zu dem Zeitpunkt auch verändert. In der Regel liegen bei uns vier Jahre zwischen zwei Alben. Irgendetwas verändert sich immer, und wenn es nur das Alter ist. Meist ist es viel mehr, vor allem in der heutigen Zeit. Die eigene Analyse, aber auch das Feedback von außen lassen mich persönlich zumindest darüber nachdenken, was ich auf dem aktuellen Album besser machen möchte. Wichtig ist vor allem die Veränderung, weil es sonst für alle Beteiligten langweilig wird. Innerhalb unserer Parameter lieben wir das Überraschungsmoment. Vieles, das wir dadurch erreicht haben, ist musikalisch einzigartig. Das kann uns keiner nehmen. Man kann von BATTALIONS OF FEAR über NIGHTFALL IN MIDDLE-EARTH und A TWIST IN THE MYTH bis hin zu THE GOD MACHINE nicht sagen, wir würden immer nur das Gleiche machen. Das wäre absoluter Unsinn. Was man sagen kann, ist, dass man alles scheiße findet. Damit müsste und kann ich leben. Wir befinden uns auf einer Reise, die noch lange nicht beendet ist. Der Weg ist das Ziel.“ Und Frederik ergänzt: „Für THE GOD MACHINE war uns von vornherein klar, dass wir auch in Sachen Sound etwas verändern wollen. Ich nutze an meinem Instrument zum Beispiel ein anderes Drumtuning, neue Felle und Becken. Auch der Gitarren-Sound wurde vollkommen neu designt, und beim Mix sind wir ebenfalls neue Wege gegangen. Und wir denken, dass sich die Mühen gelohnt haben.“ Marcus grinst. „Wenn man alles exakt wie beim Vorgänger macht, kann man kein anderes Ergebnis erwarten, oder?“ Weise Worte, die jedoch speziell im traditionellen Metal nicht immer auf offene Ohren stoßen. Der berühmte Konservatismus einiger Fans, die ihren Lieblings-Bands am liebsten gar keinen Spielraum zur Entwicklung zugestehen würden, existiert nach wie vor. Die Krefelder zucken unisono mit ihren acht Schultern, bevor Marcus wieder das Wort ergreift. „Für mich sind solche Bezeichnungen wie ,traditioneller Metal‘ in erster Linie eine Schublade, in die man gesteckt wird. Und so etwas mag ich nicht besonders, weil es einen limitiert. Ich sehe uns auch nicht als traditionelle Band, nicht als Speed, Prog oder Epic. Wir spielen Metal, Punkt. Wenn wir Lust darauf haben, machen wir Thrash oder schreiben eine Ballade. THE GOD MACHINE steht dafür, es hat einen natürlichen Old School-Vibe, ist aber ganz klar ein modernes Album von Blind Guardian.“ Frederik erinnert sich an die Geburtsstunde des neuen Albums. „Alte oder neue Schule spielte keine große Rolle. Wir wussten, dass wir geradliniger und wieder schneller und härter werden wollten. Als diese Kanäle geöffnet waren, ging uns das Songwriting auch leicht von der Hand.“ Hauptkomponist André Olbrich lacht. „Na ja, ich würde sagen, es wird mit jedem Album schwieriger, gute, prägnante, noch nicht völlig ausgelutschte Riffs aus dem Hut zu zaubern. Es gibt immer mehr gute Metal-Musik, an der man sich messen lassen muss. Deswegen versuchen wir, in jedem Songwriting-Prozess innovative Eckpfeiler zu finden, die ein Album tragen können. So landen viele Ideen im Müll, aber ich finde das gut so. Wir haben einen sehr hohen Anspruch, was Eigenständigkeit, Einzigartigkeit und Wiedererkennungswert angeht. Für mich klingt das neue Album nach Speed Metal, wie er in unseren Ohren im Jahr 2022 klingen sollte.“

Stetige STILBRÜCHE

Auffällig ist das Cover von THE GOD MACHINE, das sich von allen bisherigen Veröffentlichungen der Jungs abhebt. Sehr deutlich, sogar. Die Rollenspielerromantik war bisher ein Trademark der Krefelder. Hansi hat seine eigene Interpretation. „Das ist sehr interessant. Das neue Cover hat auf manche Menschen tatsächlich eine ähnliche Wirkung, wie sie ein moderner Song der Marke ‘Fly’ hatte. Das Bild stammt von Peter Mohrbacher (unter anderem auch schon für Fallujah tätig – Anm.d.A.). Ich finde seinen Stil in der Ausführung modern, aber das Ergebnis spricht solch eine ausdrucksstarke Sprache, dass ich mir nie Gedanken darüber gemacht habe. Für mich ist das moderne Rollenspielerromantik. Wir hatten damals die Cover zu TALES FROM THE TWILIGHT WORLD und vor allem SOMEWHERE FAR BEYOND bei Andreas Marschall in Auftrag gegeben, weil wir Fans von Fantasy-Literatur, Computer-Rollenspielen und den dazu gehörigen Artworks waren und sind. Diese Art von Cover wurde stilprägend für uns und setzte Maßstäbe. Danach haben wir das Konzept mit mehreren Künstlern weitergeführt. Seit A TWIST IN THE MYTH wurden alle unsere Cover mithilfe von Computern erstellt. Das ist streng genommen ein ständiger Stilbruch und hat mit Airbrush oder Ölmalerei wenig zu tun. Die Eingriffsmöglichkeiten am PC sind unendlich, eine echte ,God Machine’. Ich persönlich finde das Cover herausragend.“ Frederik sieht das ähnlich. „Ich finde, das Cover sollte repräsentieren, was auf dem Album passiert. THE GOD MACHINE stellt mit seiner Direktheit und Neuartigkeit eine Zäsur für uns dar, deshalb hat uns das Bild mit seiner Energie und Klarheit so angesprochen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes richtungweisend.“ Marcus schaltet sich ein. „Mir gefällt vor allem die ungewöhnliche Farbgebung. Nimm zehn geile Cover – unseres sticht sofort heraus.“

STREIT nach NOTEN

Höchste Zeit, sich intensiver mit den Songs von THE GOD MACHINE zu beschäftigen, die eine erstaunliche Bandbreite repräsentieren, in sich aber harmonisch klingen. Hier übernimmt André das Zepter. „Wir haben schon 2017, nach dem Ende der Tournee, mit dem Schreiben der ersten Stücke begonnen. Mit ‘Architects Of Doom’ und ‘Secrets Of The American Gods’ hatten wir gleich zwei Stücke, die wir als sehr stark einstuften. Das hat uns ein wenig den Druck von den Schultern genommen, weil lange unklar war, in welche Richtung es gehen sollte. Erstmals hatten wir mehr Songs, als wir benötigten, und konnten auswählen, welche Stücke gut zusammenpassen. In meinen Ohren klingt das Werk sehr rund, fast schon wie ein Konzeptalbum.“ Dabei war der Entstehungsprozess nicht durchgehend von Harmonie geprägt, wie der Nackenbrecher ‘Violent Shadows’ beweist. „Hansi und ich führten zu jener Zeit einige Diskussionen. Irgendwie kam es dazu, dass wir unsere Unstimmigkeiten über die Musik austrugen und uns gegenseitig täglich mit Ideen bombardierten. So entstand das brutale ‘Violent Shadows’, das direkt in die Fresse geht.“ Diese Vorgehensweise ist allerdings nicht der Standard. Normalerweise arbeiten die Jungs eher konzentriert und ruhig an ihren Kompositionen, die nicht immer leicht von der Hand gehen. „Am meisten Probleme machte uns der Rausschmeißer ‘Destiny’, bei dem wir mehrere Male Veränderungen am Arrangement oder in verschiedenen Passagen vornahmen. Aber das Stück ist eben deutlich komplexer und epischer als ‘Violent Shadows’, da liegt der höhere Zeitaufwand in der Natur der Sache. Der Rekordhalter ist immer noch ‘And Then There Was Silence’ (von A NIGHT AT THE OPERA – Anm.d.A.), an dem wir sage und schreibe ein halbes lang Jahr ununterbrochen geschrieben haben.“ André schrecken solche Marathon-Sessions jedoch nicht ab – ganz im Gegenteil. „Besonders stolz bin ich immer auf Songs, die wirkliche Innovationen oder einzigartige Ideen enthalten. Auf dem neuen Album ist ‘Life Beyond The Spheres’ solch ein Beispiel. Die Nummer klingt ein bisschen nach Cyberpunk-Soundtrack und besitzt eine ganz eigene Stilistik. Derlei neue Sounds und Gefühlswelten zu kreieren, ist für mich die größte Herausforderung.“ Was, wie bereits erwähnt, nicht immer ganz einfach ist. Schließlich sind Blind Guardian seit fast 40 Jahren am Start und haben jede Menge Musik geschrieben. Die Gefahr, sich zu wiederholen, besteht durchaus. „Ich versuche mich natürlich weiterzuentwickeln und neue Melodien zu schreiben, aber jeder Gitarrist hat seine Lieblingsskalen, von denen er sich nur selten komplett entfernt. Das finde ich auch nicht schlimm. Ich hatte nie den Anspruch, zu den besten Shreddern zu gehören. Ich möchte ein Solo, auch wenn es nur aus drei Tönen besteht, mit Leidenschaft und Herzblut spielen. Aber natürlich kommt es vor, dass Passagen in der Tonne landen, weil sie mir bekannt vorkommen. Doch oftmals stecken in einem Song so viele neue Ideen, dass ich sie aufgreifen und damit herumspielen kann. Dadurch entsteht eine komprimierte Version mit der Energie und dem Ausdruck einer Sologitarre. Quasi ein Mini-Song im Song. Außerdem sind viele unserer Stücke von der Grundstimmung her sehr verschieden, sodass sich auch mein Stil andauernd ändert.“ Als Hauptkomponist beschäftigt sich André dabei nicht nur mit seinem eigenen Instrument, sondern auch dem ganzen Rest, wie er lachend erklärt. „Es lässt sich nicht vermeiden, dass ich einen großen Einfluss auf alle Instrumente nehme. Meine Demos beinhalten meist schon die basische Variante aller Instrumente. Im Studio arbeite ich diese mit unserem Produzenten Charlie Bauerfeind weiter aus. Erst, wenn wir ein solides Fundament haben, bringen sich die anderen Musiker mit ihren Vorstellungen und charismatischen Eigenschaften ein. Genau das hebt den Song dann auf das nächste Level.“

LIVE im STUDIO

Mit THE BARD MACHINE kredenzen die Krefelder der METAL HAMMER-Leserschaft eine exklusive CD, die neben zwei Album-Songs auch sechs live im Studio aufgenommene und bisher unveröffentlichte Kracher enthält. ANDRÉ OLBRICH erinnert sich an die Aufnahme-Sessions – die eigentlich gar keine waren...

„Wir waren im August 2021 für das Bullhead City in Wacken gebucht, das aber leider aufgrund der Coronamaßnahmen abgesagt werden musste. Da wir zu jenem Zeitpunkt bereits länger nicht mehr live gespielt und außerdem einen neuen Bassisten (den Holländer Johan van Stratum – Anm.d.A.) engagiert hatten, mussten wir uns ganz besonders gut vorbereiten. Also organisierten wir eine Probe in unserem Studio, die von unserem Produzenten Charlie Bauerfeind komplett mitgeschnitten wurde.“ Diese Aufnahmen spiegeln einen Karriere-Querschnitt der Krefelder wider; die Spanne reicht mit ‘Banish From Sanctuary’, ‘Lost In The Twilight Hall’ und ‘Violent Shadows’ vom zweiten bis zum aktuellen Album. Die Aufnahmen in den Twilight Halls dienten aber ursprünglich nicht dazu, das Material zu veröffentlichen. „Nein, wir wollten nur schauen, wo es noch Schwächen in der Liveperformance gibt. Speziell bei neu eingeprobten Songs müssen häufig Keyboards oder Chöre verschoben werden. Bei älteren Stücken werden die Gitarren angepasst und solche Dinge. Aber man findet auch heraus, an welchen Stellen man sich häufiger verspielt und kann dann zu Hause noch üben. Soweit ich mich erinnere, haben wir drei Tage lang geprobt und aufgenommen, sodass wir von jedem Stück mehrere Versionen hatten. Die besten davon haben wir für THE BARD MACHINE ausgesucht.“ Dazu kommen noch zwei weitere Songs von THE GOD MACHINE.

SCHIELEN bis zur PERFEKTION

Aus diesem Grund wird es Zeit, auch mal wieder die anderen Band-Mitglieder zu Wort kommen zu lassen. Diese dürfen sich schließlich mit Andrés Ideen herumschlagen. Marcus zum Beispiel hatte an ‘Deliver Us From Evil’ und ‘Violent Shadows’ zu knabbern. „Beide Lieder sind sehr schnell, und wenn ich mich nicht irre, ist ‘Violent Shadows’ in Sachen Beats Per Minute sogar die schnellste Nummer, die wir je geschrieben haben. Dieses Tempo macht das genaue Einspielen im Studio natürlich nicht leichter. Und auch live können die beiden Stücke zum Alptraum werden. Wir hatten beide schon in der Setlist. Wenn man nicht wirklich warmgespielt ist, kann das böse nach hinten losgehen. Deshalb ist die Position dieser Songs im Set sehr wichtig. Hat man vorher schon ein schnelles Stück gespielt, ist man im Fluss. Aber wehe, man versucht das nach einer langsamen Nummer, haha.“ Von den älteren Songs hat Marcus seine Schwierigkeiten mit ‘I’m Alive’, wie er freimütig erzählt: „Das hängt nicht damit zusammen, dass die Nummer besonders schwierige Passagen hätte, denn die hat sie nicht. Es geht eher um das Feeling. Ich muss ständig zwischen Speed Metal und cleanen Parts hin und her springen, dabei muss ich die Sounds meiner Gitarre selbst schalten. Zudem gibt es noch Chor-Passagen. Der Song ist einfach unbequem zu spielen, es gibt String Skipping und komische Akkorde, da muss ich mich sehr konzentrieren. Auf der letzten Tournee haben wir das etwas entschärft, indem mein Techniker Willem die unterschiedlichen Sounds meiner Gitarre schaltete. So musste ich nicht dauernd nach unten auf mein Bord schielen, um den richtigen Schalter zu erwischen.“

Schlagzeuger Frederik kann zwei andere „Lieblinge“ benennen. „Live gehe ich bei ‘Deliver Us From Evil’ mit, auch den Klassiker ‘Theatre Of Pain’ würde ich nennen. Das liegt aber daran, dass beide Nummern neu im Set sind. Es dauert eben ein paar Auftritte, bis sich solch ein Song normal anfühlt. Beim aktuellen Studioaufenthalt waren es bei mir die ersten Songs ‘Architects Of Doom’ und ‘Secrets Of The American Gods’, die für Kopfschmerzen sorgten. Ich hatte keine technischen Probleme, aber die Stücke bereits mindestens dreimal im Studio eingespielt – von den ganzen Proben gar nicht zu reden –, als das Arrangement noch mal geändert wurde und ich alle meine Passagen in die Tonne werfen konnte. Vom technischen Anspruch her muss ich ganz klar ‘Destiny’ nennen, weil das Stück vollkommen anders ist als alle anderen.“ Frederik hat es auch nicht leicht. Als Laie stellt man sich einen typischen Tag im Leben von Blind Guardian so vor: Einer der Jungs kommt mit einer Idee an, Hansi schmeißt erst mal vier Pfund Chöre darauf, bevor André sieben verschiedene Lead-Melodien darüber fiedelt. Dann legen sie ihrem Schlagzeuger den ganzen Kram vor und sagen: „Spiel mal was.“ Der glatzköpfige Musiker lacht. „Allzu weit ist das gar nicht von der Realität entfernt. Nur, dass wir uns die Bälle online zuschieben und nicht im Proberaum. Es hat sich gezeigt, dass die Leads und Chöre zwei elementare Bestandteile unseres Sounds sind. Deshalb ist es wichtig, dass sich diese beiden Elemente abstimmen, bevor ich mit dem Schlagzeug versuche, sie zu unterstützen, zu vermitteln und einen ungestörten Flow zu etablieren. Wenn das gelingt und niemand über irgendwelche Ecken stolpert, habe ich einen guten Job gemacht.“ Ins Songwriting griff der gebürtige Baden-Württemberger dieses Mal allerdings nicht ein. „Das stimmt. Ich schreibe selbst viel Musik und habe auch Spaß daran, aber bei Blind Guardian sind die Abläufe etabliert und funktionieren. Auf meinem Rechner befinden sich mehrere Song-Ideen, doch zwischen meinen Verpflichtungen für die Band, meine Familie und meine Drum-Schule fällt es mir oft schwer, genügend Zeit zum Ausarbeiten zu finden. Wenn es gut werden soll, dauert es eben. Allerdings hatte ich bei THE GOD MACHINE genug zu tun. Das schließt jedoch nicht aus, dass ich in Zukunft mal wieder etwas anbieten werde.“

Göttliche EICHHÖRNCHEN

Blind Guardian sind nicht nur dafür bekannt, sich musikalisch mehr als einen Kopf zu machen, sondern auch die Texte haben es in der Regel in sich. Seit vielen Jahren verknüpft Hansi Kürsch philosophische und literarische Inhalte mit eingängigen Melodien. Ein übergreifendes Konzept steckt hinter den Texten des neuen Albums jedoch nicht. Oder vielleicht doch? „Ein konzeptionelles lyrisches Oberthema hat es nicht gegeben. Alle Nummern sind also beim Erstellen der Texte frei und unabhängig voneinander entstanden. Manchmal – also fast immer – steckt der Zufall im Detail. Und wie wir wissen, ist der Zufall manchmal – also eigentlich immer – ein Eichhörnchen. Gleiches sagt man über den Teufel. Wir können also festhalten, der Teufel ist ein Eichhörnchen.“ Hansi, die Antwort auf die Frage bitte. „Ach ja, natürlich. Ähnlich wie bei A NIGHT AT THE OPERA musste ich in der Nachbearbeitung und bei der Suche nach einem geeignetem Albumtitel feststellen, dass sich alle Texte, unabhängig vom individuellen narrativen Thema, auf die ein oder andere Weise mit Religion, Glaube, der Sinnfrage des Seins und den damit verbundenen göttlichen Formen auseinandersetzen. Als wir uns dann noch unisono in das Artwork von Peter Mohrbacher verliebt hatten, war der Albumtitel ausgemachte Sache und wir konnten dadurch aus den vier Ecken Musik, Texte, Albummotiv und Titel ein Unendlichkeitszeichen erstellen.“ Auffällig ist, dass es keinen Titel-Song gibt, der Albumtitel also quasi eher eine Überschrift für alle Songs darstellt. „Weil es um die eben erwähnten Göttlichkeiten geht. THE GOD MACHINE steht für das Erschaffen aus dem Nichts. Jeder Kreative kann ein Lied davon singen.“ ‘Blood Of The Elves’ nimmt Bezug auf die Bücher und/oder Spiele der Reihe ‘The Witcher’. Nun stellt sich die Frage, was daran so faszinierend ist. Hansi muss nicht lange überlegen: „Das Spiel ist die Domäne der anderen drei Band-Mitglieder. Besonders Marcus und André sind eine Zeit lang besessen von dem Spiel gewesen. Mich hatte ursprünglich die optische Ähnlichkeit des Protagonisten Geralt von Riva zu Michael Moorcocks Galionsfigur Elric von Melniboné angesprochen. Elric und das ewige Heldenepos sind häufiger genutzte Inspirationsquellen von mir. Bei diesem Album hatte man mich geradezu angefleht, mich mit den Romanen von Andrzej Sapkowski auseinanderzusetzen. Das Thema passt wie die Faust aufs Auge, und die Story ist richtig gut. An der Geschichte faszinieren mich die Geradlinigkeit und die für ein Spiel extrem wichtigen Handlungsstränge, die dem Rollenspieler die Möglichkeit geben, aktiv Entscheidungen zu treffen und in die Handlungen einzugreifen. Der Spieler wird zur ,God Machine‘. Der Entwickler ist die Macht dahinter, und so weiter und so weiter. Das passt gut zusammen. Ich habe mich dann an Intentionen und der Moral der Geschichte vergriffen. Das ist es, was mich so fasziniert. Was kann ich aus einem Narrativ lernen, welche Parallelen zu meinem Leben gibt es, und welche Lehren kann man daraus ziehen?“ Wühlen wir uns weiter durch die Texte des neuen Werks und nehmen ‘Architects Of Doom’ genauer unter die Lupe. Immerhin gab dieses Stück wie erwähnt die Richtung des Albums mit vor. „Die Serie ‘Battlestar Galactica’ hat vor allem in der modernen Adaption viele unglaublich spannende Allegorien aufgearbeitet. Daher war es unvermeidlich, die Philosophie der Geschichte irgendwann aufzugreifen. Die Parallelen zu uns und unserer Existenz sind offenkundig und perfekte Vorlagen für eine geile Geschichte. Die dazugehörige Nummer ist ein brachialer Raubzug. Es gibt kein Pardon und keine Hoffnung – allenfalls Durchhalteparolen. Zurück zum Text und der Frage: Auch die elementare Frage des Ursprungs sowie die damit verbundenen Mythologien und Religionen definieren uns als Gesellschaft sowie Individuen. Mit allen Fehlern. Auch jenen, die wir wieder und wieder machen. Die Architekten unseres Schicksals sind wir selbst. Dessen muss man sich nur bewusst werden.“

„OB DIE FANS GEMEINSAM MIT UNS ALT WERDEN WOLLEN, WEISS NATÜ RLICH NIEMAND.“

Frederik Ehmke (l.)

JESUS trifft ODIN

Wenden wir uns zum Abschluss der Exegese einem Song zu, dessen Titel aufhorchen lässt. ‘Secrets Of The American Gods’ kann in verschiedene Richtungen interpretiert werden.

Natürlich geht es nicht nur um eine plumpe Abrechnung mit den USA. „Die Idee zu dem Text basiert auf Neil Gaimans großartigem Roman ‘American Gods’, zu dem auf Amazon eine ebenso großartige Serie läuft, die sich mit viel Liebe am Buch orientiert und vor allem zwischen den Zeilen auch das Atmosphärische recht eindrucksvoll darstellt. Bei mir war es tatsächlich die traurige und dunkle Atmosphäre – wobei dunkel nicht das richtige Wort ist –, die mich zu diesem Text inspiriert hat. Neil Gaiman erweckt Sehnsüchte. Die Vorstellung von zu Fleisch gewordenen Gottheiten, die aus der Kraft des Glaubens entstanden sind, war zu reizvoll. Mich fasziniert vor allem, dass diese Gottheiten zu einem Dasein an Orten verdammt sind, die nicht zwangsweise ihrer eigentlichen Wirkungsstätte entsprechen und sie sich diese Orte auch noch miteinander teilen müssen. Dass die Kollegen dann noch durch zunehmenden Unglauben der einst Gläubigen einen immerwährenden sozialen Abstieg erleben müssen, garniert die Sache ungemein. Dass Hierarchien trotzdem weiterhin Bestand haben, noch mehr. Auch die hypothetische Vorstellung, dass Jesus auf Odin trifft... Verdammt, die Geschichte ist einfach grandios.“ An manchen Stellen im Text könnte man mit etwas Fantasie trotzdem Parallelen zu den heutigen USA und ihrer speziellen Art, mit anderen Staaten umzugehen, ziehen. Kürsch streitet das nicht völlig ab, mahnt aber, genauer hinzusehen. „Ich denke, dass Dekadenz in dem Text eine große Rolle spielt. Ich würde gerne nur den US-amerikanischen Lebensstil als dekadent bezeichnen, aber das ist definitiv kein US-amerikanisches Alleinstellungsmerkmal, sondern trifft auf uns alle zu. Dekadenz ist vielschichtig; das geht vom Waffennarren über den Lobbyisten bis hin zum altruistischen Weltverbesserer. Was sind die amerikanischen Götter? Zeit, um Begrifflichkeiten zu klären. Der Euro steht nicht für die EU, und die EU steht nicht für Europa. Europa ist mehr. Amerika ist nicht die USA, Amerika ist mehr. Die amerikanischen Gottheiten sind kultisch, religiös und mythisch betrachtet vielschichtig. Es gibt die originären, meist vergessenen Gottheiten, aber auch die importierten, sich im freien Fall befindlichen, uns bekannten alten Gottheiten. Und dann gibt es auch noch die neuen Gottheiten. Im Fall des Romans sind dies die künstlichen Götter der Technik. In unserer Welt gibt es nur noch einheitliche Gottheiten: Die unheilige Dreifaltigkeit des Fiatgelds, eine äußerst defekte Gott-Maschine. Dazu gehören die alternativlosen und in die Hölle führenden E-Pay-Mechanismen sowie die Einführung digitaler Leitwährungen. Das sind allenfalls moderne Götzen der Neuzeit, die uns dem alten Gott Bargeld nach dessen vollständiger Abschaffung wegen seiner Barmherzigkeit nachtrauern lassen werden.“

Funktionierende PLÄNE

Nach diesem Pro-Seminar über Literatur, Philosophie und angewandte Metaphysik geht es zurück in den Proberaum. Dort gründeten im Jahr 1984 ein paar Teenager eine Band Text und Data Mining gem. § 44 b UrhG) -Die Rechte liegen beim jeweiligen Verlag. Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über https://www.axelspringer-syndication.de/angebot/lizenzierung namens Lucifer’s Heritage, aus der drei Jahre später Blind Guardian werden sollte. André blickt 38 Jahre später wenig überrascht zurück. Denn genau so, wie es in den letzten vier Dekaden lief, hatten sie es auch geplant. „Für Hansi und mich war von Anfang an klar, dass wir diesen Weg gehen würden, und wir waren auch absolut davon überzeugt, dass dieser Weg erfolgreich werden würde. Es gab keinen Plan B oder irgendein Rettungsnetz. Für uns gab es nur den Weg nach vorne, und den sind wir bis heute Schritt für Schritt gegangen. Natürlich gab es auch viele Hindernisse in unserer Karriere. Aber ich denke, es gehört zu unseren Stärken, Probleme gemeinsam zu bewältigen. Deswegen mache ich mir auch für unsere Zukunft wenig Sorgen.“ Hansi sieht das ähnlich. „Zeit ist relativ. Für uns 18-Jährige, als André und ich Lucifer’s Heritage gegründet haben, war jemand mit 38 steinalt. Das waren vom damaligen Punkt zwanzig Jahre. Was in 38 Jahren sein würde, hat mich nicht die Bohne interessiert. Wir wollten berühmt werden, und wir hatten einen Plan. Der Plan sah so aus: gute Musik machen, Demos aufnehmen, einen Plattenvertrag bekommen und sich nicht abziehen lassen, die Platte machen, Interviews geben, große Konzerte spielen, und mit der nächsten Platte dann voll durchstarten. Nimm ein paar von den gerade genannten Sachen weg, und du hast den Plan, der auch heute noch aktuell ist. Alles, was an Konzepten und Sonstigem dazukommt, ist Chichi.“ Marcus Siepen stieß drei Jahre später hinzu, kurz vor der Umbenennung der Band. Er ist also Gründungsmitglied von Blind Guardian. Von außen betrachtet scheint seine Rolle so etwas wie das solide Rückgrat der Truppe zu sein. Mit dieser Rolle kann sich der Gitarrist anfreunden. „Ich glaube, die Beschreibung trifft es ziemlich gut, wobei die Tatsache, dass ich Gründungsmitglied bin, dabei eigentlich keine Rolle spielt. Auch wenn ich erst gestern in die Band gekommen wäre, würde sich mein Selbstverständnis für meine Rolle innerhalb der Band nicht ändern. Ich liefere in unseren Liedern das fette Fundament, die ,Wall of sound‘, auf die André dann seine Leads setzen kann. Frederik hält alles rhythmisch zusammen, ich liefere das fette Brett, André verziert alles mit den Leads und Melodien, und obendrüber steht Hansi. Diese Kombination ergibt am Ende den Blind Guardian-Sound.“ Frederik ist seit 17 Jahren mit an Bord und kann es manchmal selbst noch nicht fassen. „Wenn mir jemand 1993 gesagt hätte, dass ich dereinst als Teil meiner Lieblings-Band die Bühnen dieser Welt bespielen würde, wäre ich sicher tot umgefallen oder hätte demjenigen eine geschallert, damit er wieder zur Besinnung kommt. 17 Jahre sind aktuell fast Halbzeit und ich hoffe, dass es noch lange so weitergeht. Denn es macht Spaß und funktioniert. Ob die Fans gemeinsam mit uns alt werden wollen, weiß natürlich niemand.“

RENTE saugt

Damit sind wir beim letzten Punkt unseres langen Gesprächs angekommen. The Rolling Stones oder Kiss toben gerade zum wirklich letzten Mal durch die Hallen dieser Welt. Unterhalten sich Blind Guardian untereinander gelegentlich über die Frührente? Die Antwort sind erneut acht zuckende Schultern, bevor André das Wort ergreift. „Nein, darin sehe ich keine Notwendigkeit. Alle haben unglaublich viel Spaß an dem, was wir machen. Musik ist unsere Leidenschaft und es ist für alle klar, dass wir diese auch ausleben werden, solange wir es können. Das Einzige, was uns aufhalten könnte, sind Schicksalsschläge, und die kann man sowieso nicht planen, denn sie kommen, wann sie wollen. Ich würde sagen, in dieser Hinsicht sind The Rolling Stones unsere Vorbilder, und ich hoffe, dass wir ähnlich lange durchhalten werden.“ Auch Hansi hat noch keinen Bock auf den Schaukelstuhl. „Für uns ist das im klassischen Sinne keine Diskussion und auch kein Ziel. Aber wie sagt man so schön: Irgendwann geht auch die schönste Party zu Ende.“ Bis es so weit ist, werden hoffentlich noch einige Alben folgen, die textlich wie musikalisch mindestens die gleiche Intensität aufweisen wie THE GOD MACHINE.

„ICH HATTE NIE DEN ANSPRUCH, ZU DEN BESTEN SHREDDERN ZU GEHÖREN.“

André Olbrich