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Das Herz der Republik


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 01.04.2022

Seit1873 ist der Élysée-Palast Amtssitz der französischen Präsidenten

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 14/2022

EDEL Das Eingangsportal des Élysée-Palasts

Mitten in Paris, nur wenige Meter vom Prachtboulevard Champs-Élysées, befindet sich das Machtzentrum der französischen Politik. In der von Luxusboutiquen gesäumten Rue du Faubourg Saint-Honoré steht mit der Hausnummer 55 der Élysée-Palast (französisch: Palais de l’Élysée). Seit 1873 wohnen und arbeiten dort die französischen Präsidenten. Zurzeit residieren Emmanuel Macron und seine Ehefrau Brigitte in dem schwer bewachten und von Mauern umgebenen Bauwerk in klassizistischem Barock. Ob das Paar bald Umzugswagen ordern muss oder noch eine Weile bleibt, entscheiden die Franzosen bei der anstehenden Präsidentenwahl. Deren erster Wahlgang findet am 10. April statt. Ein guter Anlass, um das Gebäude zu betrachten, in dem die französische Politik maßgeblich gestaltet wird.

Der Élysée-Palast hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich, ...

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... zahlreiche schillernde und mächtige Figuren waren in seinen Räumen zu Hause. Errichten ließ ihn Henri-Louis de la Tour d’Auvergne, Graf von Évreux, zwischen 1718 und 1722. Der Graf entstammte altem Adel und hatte seinen Wohlstand unter anderem der Eheschließung mit der zwölfjährigen Marie-Anne Crozat zu verdanken. Sie war die Tochter des Bankiers Antoine Crozat, der zu den reichsten Franzosen seiner Zeit zählte. Er war als Sklavenhändler tätig und beteiligte sich wohl auch finanziell am Palastbau. Gestaltet wurde das Anwesen nach Plänen des Architekten Armand-Claude Mollet. Dieser galt zwar als durchschnittlich begabt, war also kein Meister seines Fachs – allerdings gehörte ihm das Areal, auf dem der Graf von Évreux sein neues Domizil errichten wollte. Mollet machte es zur Verkaufsbedingung, dass er den Auftrag für dessen Gestaltung bekommen würde.

Domizil des Königs und des Kaisers

Bei seiner Einweihung war das Palais eine Sensation. 90 Meter lang, 80 Meter breit, dazu ein großer Garten. Die Zimmer mit Edelholz gestaltet und mit Blattgold dekoriert. Das prachtvolle HÔtel d’Évreux, wie es zunächst hieß, galt als schönstes Haus von Paris und zog die feine Gesellschaft magisch an. Zur Eröffnung gab sich sogar Philipp II. die Ehre, der zu diesem Zeitpunkt die Regentschaft für den erst zwölf Jahre alten König Ludwig XV. ausübte.

Bis zu seinem Tod 1753 lebte der Graf von Évreux in seiner Luxusresidenz, danach erlebte diese eine verwirrende Vielzahl von Besitzerwechseln. So zog nach dem Tod des Grafen die Marquise de Pompadour ein, die legendäre Mätresse von König Ludwig XV. Nach ihrem Tod nutzte der König das Haus als Galerie und Gästehaus. Spätere bedeutende Bewohner waren unter anderem der Offizier Joachim Murat und dessen Gattin Caroline, eine Schwester von Napoleon Bonaparte. Später zog Kaiser Napoleon selbst in den Élysée-Palast ein. Dort plante er den Russlandfeldzug und unterzeichnete nach der Niederlage von Waterloo 1815 auch seine Abdankung. Im Folgenden spielte der Palast erst einmal keine herausragende Rolle mehr – bis er von der Nationalversammlung der Zweiten Republik 1848 zum offiziellen Sitz des Staatsoberhaupts erklärt wurde.

Allerdings machte man den Bock zum Gärtner: Louis Napoleon Bonaparte, ein Neffe des früheren Kaisers, gewann die Wahl und ernannte sich später durch einen Staatsstreich zum Kaiser. Erst ab 1873 war der Élysée-Palast mit der Wahl Adolphe Thiers zum ersten Präsidenten der Dritten Republik tatsächlich der Amtssitz eines republikanischen Staatsoberhaupts.

Atombunker und Weinkeller

Nach Erweiterungen und Umbauten ist der Palast heute 11.000 Quadratmeter groß und hat 365 Zimmer. Der Wohnbereich für die Präsidenten liegt auf 300 Quadratmetern im Ostf lügel, im übrigen Gebäude befinden sich die Arbeitsräume des Präsidialamts. „Die Amtsinhaber können frei entscheiden, ob sie im Élysée-Palast nur arbeiten oder auch wohnen möchten“, sagt Prof. Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg gegenüber HÖRZU. „Bislang haben allerdings die meisten Präsidenten die üppigen Wohnmöglichkeiten genutzt, auch weil das für die tägliche Arbeit am praktischsten ist. Schon aus Sicherheitsgründen. Es ist für die Polizei viel einfacher, den Palast zu schützen als einen Präsidenten, der täglich zwischen Wohn-und Amtssitz durch Paris fährt. Und natürlich ist der Komfort nicht zu verachten. Die Präsidenten dürfen einen guten Koch einstellen, und ein Friseur ist bei Bedarf auch im Haus.“ Ein weiterer Aspekt sei relevant für die Wahl des Hauses als ständigen Sitz, sagt Baasner: „Im Élysée-Palast sind die wichtigsten Mitarbeiter des Präsidenten unter einem Dach versammelt. Auf diese Weise kann effizient regiert werden. So sitzen dort die spezialisierten Fachreferenten mit ihren Abteilungen, die Vertreter der Geheimdienste und des Sicherheitsapparats sowie die Kommunikationsexperten.“

Eine französische Besonderheit sei der große persönliche Beraterstab, den jeder Präsident auf baue: „Das sind bei Macron etwa 30 Vertraute. Nimmt man alle Abteilungen zusammen, arbeiten für den Präsidenten im Palast ständig etwa 200 Mitarbeiter. Zählt man alle dazu, die regelmäßig vor Ort zu tun haben, sind es um die 1000 Personen. Dazu gehört auch das Kabinett, das jeden Mittwoch gemeinsam mit dem Präsidenten tagt.“

Düster geht es unterhalb des Ostf lügels zu. In acht Metern Tiefe liegt ein 450 Quadratmeter großer Bunker. In diesem befindet sich auch das System, mit dem der Präsident die Atomwaffen starten kann. Ein weiteres Gewölbe löst deutlich angenehmere Gedanken aus: Zum Palast gehört nämlich, typisch Frankreich, ein Weinkeller, in dem etwa 12.000 Flaschen Wein und Champagner lagern. Eine kleine Auswahl ließ Präsident François Hollande 2013 versteigern. 1200 Flaschen erzielten einen Gesamterlös von 718.000 Euro. Ein Teil davon floss in die Staatskasse, vom Rest wurden deutlich günstigere Weine als bis dahin üblich gekauft. Aber der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin wird bestimmt trotzdem noch einen kostbaren Tropfen finden, mit dem sich auf den Wahlsieg anstoßen lässt. SVEN SAKOWITZ

SO 10.4. TV-TIPP

21.45 PHOENIX

DER ÉLYSÉE-PALAST DOKU „Pomp und Politik“: Ein Blick auf Historie und Bewohner des Bauwerks

WICHTIGE RÄUME IM

ÉLYSÉE-PALAST

ERDGESCHOSS

1. Salle des Fêtes Festsaal mit 600 Quadratmetern

2. Jardin d’Hiver Wintergarten

3. Salon Murat Von den Murats 1807 konzipierter Empfangsraum

4. Zugang zum Garten

5. Salon des Aidesde-Camp Empfangsraum, früher vor allem beim Besuch von Adjutanten

6.Salon des Ambassadeurs Jeden Mittwoch tagt hier der Ministerrat mit dem Präsidenten

7.Vestibule d’Honneur Eingangshalle

OBERGESCHOSS

15. Wohnbereich Private Räume der Präsidenten

16. Salon Doré Büro des Präsidenten, wichtigster Raum des Palasts

8. Salon Pompadour Zimmer für Audienzen

9. Salon des Portraits Ort für offizielle Essen

10. Salon Cléopâtre Einst das Ankleidezimmer der Marquise de Pompadour

11. Salon de la Cartographie Empfangszimmer

12. Salon des Fougères Arbeitszimmer von Brigitte Macron

13. Bibliotheque Napoléon III Von Napoleon III. eingerichtete Bibliothek

14. Le Boudoir d’Argent Ankleidezimmer von Caroline Murat

17. Salon Vert Vor allem für Besprechungen genutzt. Präsident Nicolas Sarkozy und Carla Bruni heirateten 2008 hier