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Das Imperium des Nordens


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 17.09.2021

Knut der Große

1. KAPITEL KREUZZEICHEN

Artikelbild für den Artikel "Das Imperium des Nordens" aus der Ausgabe 10/2021 von G Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 10/2021

Weiser Eroberer Knut herrscht ohne Tyrannei und kann so die Angelsachsen für sich gewinnen. Kirchenfenster in Canterbury, um 1500

Ostern 1027 in Rom. Heute krönt Papst Johannes XIX. Konrad II. zum Kaiser. Die Römer haben ja schon viele Kaiser gesehen, Päpste sowieso. Aber einen echten Wikinger, noch dazu in der Peterskirche? Viele drängeln, um einen Blick auf den Mann zu erhaschen, der gleich neben dem Kaiser steht: Knut der Große, Herr über England und Dänemark.

Der Nordseekönig ist einer der mächtigsten Männer seiner Zeit. Dabei sah Knuts Zukunft zunächst eher mau aus. Als zweitgeborener Sohn des dänischen Königs Sven Gabelbart würde er mal nichts erben, die Krone ist für seinen älteren Bruder Harald bestimmt. Schon früh ist klar: Wenn Knut herrschen will, muss er sich ein eigenes Reich erobern – zum Beispiel England.

Die Engländer müssen furchtbar gesündigt haben. Ja, die ganze Insel sei in der Hand des Teufels, wettert Bischof Wulfstan von York. Wie sonst wäre zu erklären, dass Gott ...

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... sie so straft? Seit 2 00 Jahren suchen plündernde Wikinger die Insel heim, doch so schlimm war es noch nie. Ab 980 beginnt eine neue Welle der Überfälle. Jeden Sommer spülen schnelle Schiffe eine Flut an schrecklichen Kriegern an Land.

Geplünderte englische Städte und ein teuer erkaufter Frieden

Dänische Warlords plündern Southampton und brennen Oxford nieder, verwüsten Kent und ermorden den Erzbischof von Canterbury. Einer der brutalen Räuber ist Sven Gabelbart.

Der angelsächsische König Aethelred hasst die Dänen, die ihn wie einen Schwächling dastehen lassen. Ein militärischer Misserfolg jagt den nächsten. Ihm bleibt nur, den Abzug zu erkaufen. Tausende Pfund englisches Silber, das sogenannte Danegeld, fließen in die Taschen der Dänen. Trotzdem kommen die Nordmänner jedes Jahr zurück. Auch im Sommer 1013 tauchen am Horizont wieder die gefürchteten Schiffe auf. An Bord sind der Dänenkönig Sven Gabelbart und sein Sohn Knut mit den besten Kämpfern ihres Landes. Diesmal wollen sie nicht nur plündern, sondern erobern. Sie treiben Aethelred ins Exil. Wenige Tage vor seiner Krönung zum englischen König stirbt Sven unerwartet. Die Angelsachsen rufen Aethelred zurück, und Knut flieht nach Dänemark, wo inzwischen sein Bruder herrscht. Aufgeben? Keine Option für Knut!

Der 20-Jährige schart Gefolgsleute um sich, knüpft ein Spinnennetz aus persönlichen Beziehungen und lauert auf eine günstige Gelegenheit. Kurz darauf kommt es zu einem heftigen Streit zwischen Aethelred und seinem Sohn Edmund Ironside.

»Innig mit dem Kaiser und vertraut mit dem Papst«

Ein Skaldengesang über König Knut

Die Engländer stehen am Rand eines Bürgerkrieges. Knut setzt die Segel. Die Invasion beginnt.

Die Dänen belagern Aethelred in London, wo dieser im April 1016 überraschend stirbt. Sein Nachfolger Edmund ist so verzweifelt, dass er sein eigenes Land verwüstet, um Truppen zu pressen. Bald laufen immer mehr Engländer zu Knut über. Als der Däne im Oktober in der Schlacht bei Assandun siegt, lässt sich Edmund auf Friedensgespräche ein. Knut erhält den Löwenanteil des Reiches, Edmund bleibt nur Wessex. Fünf Wochen später ist Edmund tot: Er soll nachts auf dem Abort erstochen worden sein.

Knut hat sich sein Reich erobert, jetzt muss er es regieren. Die Eroberer gieren nach Beute. Die englischen Kollaborateure erwarten ihren Lohn, während die Anhänger des alten Königshauses ängstlich abwarten. Sie wünschen sich nur eines: Frieden.

Doch so unterschiedlich Dänen und Engländer sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie sind Christen, auch wenn viele Dänen noch ihrem alten Glauben anhängen. Knut leitet einen radikalen Kurswechsel ein. Dem Bischof von Canterbury schenkt er wertvolle Reliquien. Auf dem Schlachtfeld von Assandun lässt er zum Gedenken an die Toten eine Kirche weihen. Um seine Herrschaft zu legitimieren, heiratet Knut Aethelreds Witwe. 1018 erlässt er einen Gesetzeskodex, der »Frieden und Freundschaft« zwischen Dänen und Engländern sichern soll. Wer sich dennoch gegen ihn stellt, wird gnadenlos verfolgt. Zum letzten Mal erhebt er das Danegeld, zahlt seine Söldner aus und schickt sie zurück nach Dänemark.

England und Dänemark erstmals in friedlicher Koexistenz

Im selben Jahr stirbt überraschend Knuts Bruder. Plötzlich ist er auch König von Dänemark. Statt in die Heimat zurückzukehren, setzt er seinen Schwager Ulf als Regenten ein. Es scheint, Knut hat Geschmack am englischen way of life gefunden. Mehr denn je braucht er jetzt die Hilfe der Kirche, um seine beiden Reiche zu einen. In England klappt die Kooperation mit dem Klerus so gut, dass er englische Priester nach Dänemark schickt. Vielleicht zum ersten Mal seit 200 Jahren herrscht Frieden zwischen Wikingern und Briten. Englische Töpfer kommen nach Dänemark, und Steinmetze von der Insel bauen jetzt auch Kirchen auf der anderen Seite des Meeres.

Die geplante Romreise scheint der Höhepunkt in Knuts Karriere. Er ist ein mächtiger Mann geworden. Das ruft Feinde auf den Plan. Kurz bevor Knut in die Ewige Stadt aufbrechen will, greifen ihn Olav II. (später: »der Heilige«) von Norwegen und Anund Jakob von Schweden an. Bitter für Knut: Auch Schwager Ulf, der Dänemark regiert, ist unter den Gegnern. In der folgenden Seeschlacht auf der Flussmündung Helgea in Schweden gibt es zwar keinen klaren Sieger, allerdings blockieren Knuts Schiffe die norwegische Flotte. Als der Winter anbricht, bleibt den Feinden nur, ihre Schiffe zurückzulassen. Hungernd und frierend quälen sie sich über Land durch düstere Wälder in die Heimat zurück.

In Rom erwirkt Knut derweil vom Papst und den Fürsten Zollfreiheit und sicheres Geleit für Pilger und Kaufleute seines Reiches. Zurück in Dänemark, lässt er seinen illoyalen Schwager Ulf in der Kirche von Roskilde hinrichten. Als er mit 50 Schiffen an Norwegens Küste aufkreuzt, flieht Olav ins Exil. In einer modern anmutenden Propagandareise zieht Knut durch das Land, macht Versprechen, verschenkt Geld und Privilegien. Die Kampagne hat Erfolg: 1028 herrscht Knut auch über Norwegen. Der Nordseekönig ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Tochter Gunhild ist mittlerweile mit dem Sohn Kaiser Konrads verlobt, auch die Nachfolge scheint perfekt geregelt. Jeder seiner drei Söhne wird eine Krone erben. Doch als Knut 1035 mit nur 40 Jahren stirbt, kann sein Sohn Sven Norwegen nicht halten, Harald und Hardeknut führen einen erbitterten Bruderkrieg um England. Als Harald stirbt, lässt Hardeknut dessen Leiche exhumieren und in einen Sumpf werfen. Zwei Jahre später säuft er sich auf einer Hochzeit zu Tode. Das nordische Imperium ist mit Knut untergegangen.

LESETIPP

Timothy Bolton: »Cnut the Great«. Yale University Press 2017, ca. € 15,–