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„ Das ist mein Survival-Kit“


The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.12.2018

Filmstar FLORIAN DAVID FITZ zeigt die wichtigsten Dinge seines Lebens und erklärt, wie ihn Aufräumen rettet.


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Bildquelle: The Red Bulletin-Deutschland Ausgabe, Ausgabe 1/2019

Alle Hände voll: Fitz mit seinen liebsten Gegenständen


Hund und Kegel: Terrier Elmo begleitete Fitz zum Shooting.


„ Was ich wirklich brauche …


FLORIAN DAVID FITZ zeigt uns zehn Gegenstände, von denen er sich niemals trennen würde.

1. Kopfhörer

„Ich liebe es, unter Menschen zu sein, gleichzeitig brauche ich immer Raum, um mich zurückziehen zu können, sonst schwirrt mir irgendwann der Kopf. Deswegen kann ich mir kein Leben ohne Kopfhörer vorstellen. Sie sind mein Privatraum zum Mitnehmen. Wenn ich sie an ...

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... hektischen Orten aufsetze, kann ich die Außenwelt vergessen und fühle mich in einer Art akustischem Zelt.“

2. MacBook

„Mein Arbeitsgerät, die Drehbücher für meine Filme schreibe ich auf meinem Laptop . Viel zu oft ist es das Fenster, durch das ich die Welt betrachte, wenn ich etwa Filme schaue. Dafür mag ich, dass es ein schönes Gerät ist, das ich gerne anfasse.“

3. Hundefutter

„Das steht repräsentativ für meinen Hund, der ja keine Sache ist. Obwohl: Laut Gesetz ist Elmo ein Gegenstand, der mir gehört. Wenn jemand also meinen Hund tritt, dann ist das Sachbeschädigung. Finde ich lustig. Vor allem finde ich, dass jeder mit Tieren Kontakt haben sollte– es ist gut, ein Wesen um sich zu haben, für das deine Menschenprobleme unbedeutend sind. Das rückt die eigene Perspektive gerade und bringt dich runter.“

4. Tagebuch

„An der Schauspielschule mussten wir für eine Übung jeden Morgen drei Seiten über den vorherigen Tag schreiben. Der Clou: Wir sollten nicht lange nachdenken, sondern aufschreiben, was uns als Erstes einfällt. Ohne Denk-Bremse kommt zum Vorschein, was uns wirklich beschäftigt. Im Laufe der Jahre wurde ein normales Tagebuch draus. Das mache ich jetzt seit zwanzig Jahren, auch mal mit größeren Lücken. Wenn es mal schwierig wird, lese ich nach, wie es mir früher in ähnlichen Situationen ging, das hilft schon mal, die Sache einzuordnen. Wenn ich dann merke, wie läppisch mir die große Krise von damals mittlerweile vorkommt, kann ich die aktuellen Probleme entspannter sehen.“

5. Federmäppchen

„Schreiben ist für mich eine extrem persönliche Angelegenheit, deswegen habe ich immer mein eigenes Federmäppchen dabei. Wichtigster Inhalt: mein alter Kaweco-Minifüller aus unbehandeltem Messing, das immer mehr anläuft – wobei leider auch die Tinte immer wieder ausläuft. Dazu kommen Druckbleistift, Lineal, Radierer sowie Ersatzpatronen und -minen.“

6. Smartphone

„Ohne Handy wäre ich verloren, aber aus anderen Gründen, als du denkst. Außer zum Kommunizieren nutze ich mein Smartphone nur zu sehr speziellen Zwecken: Privat würde ich ohne die Erinnerungsfunktion jeden Geburtstag von Freunden vergessen. Beruflich praktisch ist die App ‚Sun Surveyor‘. Da kann man die Sonnenstände für jeden Tag des Jahres vorzeichnen, was für die Planung der Lichtverhältnisse irre praktisch ist. Habe ich von meinem Kameramann abgeguckt. Sonst versuche ich auch mal ohne das Ding auszukommen.“

7. Zahnbürste

„Wenn ich mich für ein Produkt zur Körperpflege entscheiden müsste, wäre das die Zahnbürste. Die Borsten sollten nicht zu weich sein. In der Zahnpasta mag ich Eukalyptus.“

8. Arbeitsbuch

„Wenn ich eine Idee für ein neues Drehbuch habe, wird es erst mal wild: Ich notiere ständig neue Einfälle, schreibe Rechercheergebnisse auf und fertige Storyboard-Skizzen an. Früher passierte das auf verschiedenen Zetteln, die dann alle rumflogen. Bei meinem Film ‚Der geilste Tag‘ vor ein paar Jahren wurde es mir zu viel – und ich kaufte mir ein großes Notizbuch. In so einem sammle ich nun bei jedem Film sämtliche Aufzeichnungen.“

9. Barttrimmer

„Mein Bartwuchs ist alles andere als abendfüllend. Noch dazu wird er weiß, bevor er voll wird. Das ist, wie von Jugendakne direkt zu Haarausfall zu stolpern, man lässt einfach die guten Zeiten aus. Also: Barttrimmer.“

10. Buch

„Ich habe generell immer ein Buch dabei, aktuell lese ich ‚Stimmen‘ von Wolfgang Herrndorf, einem meiner großen Helden. Es ist schwer auszumachen, was einen tollen Autor von einem Genie unterscheidet. Bei Herrndorf ist es vermutlich das Eigenartige, seine unverwechselbare Art, die Welt zu betrachten. Ich bin immer wieder überrascht, wie bei ihm im Einfachen Wahrheiten auftauchen, die ich noch nie bemerkt habe. Als würde man die Welt noch mal neu erblicken.“


… und wie ich lernte, auszumisten“


Drehbücher schreiben, Regie führen, schauspielen: Wo die meisten von uns mit einem Job über ihre Work-Life-Balance klagen, jongliert Filmstar Florian David Fitz drei Berufe, ist Schirmherr zweier sozialer Initiativen und geht mehrmals am Tag Gassi mit seinem geliebten Hund Elmo. Das Verrückte: Florian David Fitz wirkt dennoch entspannt. Der Vierundvierzigjährige hat sein Leben im Griff, weil er sich auf die wichtigen Dinge konzentriert. Deswegen wollen wir mit ihm übers Aufräumen sprechen. Irgendwo muss man ja anfangen, wenn man sein Leben in Ordnung bringen will.

THE RED BULLETIN: Herr Fitz, in Ihrem Film „100 Dinge“ trennen sich zwei junge, konsumgeile Männer für eine Wette von ihrem kompletten Besitz, dürfen 100 Tage lang je einen Gegenstand zurückholen und lernen so, was ihnen wirklich wichtig ist. Wo liegt denn das große Problem, wenn jemand viele Dinge besitzt?
FLORIAN DAVID FITZ: Ob das ein Problem ist, weiß ich gar nicht. Die Frage ist, ob sie dich glücklich machen oder eher am Glücklichsein hindern. Jedes Ding will benutzt, bespielt, repariert werden. Wenn es dich glücklich macht, ist es diese Aufmerksamkeit wert. Wenn nicht, müllt es dir die Wohnung voll.

Sie übertreiben.
Überhaupt nicht. Kennt doch jeder, das Gefühl, wenn man ausgemistet hat. Den ganzen Kram, den man nie benutzt. Wenn wieder Luft in der Wohnung ist. Innen ist außen. Deine Außenwelt spiegelt dein Innenleben wider.

Und wie miste ich konsequent aus?
Damit es leichter fällt, halte ich mir eine Hintertür offen – und räume alles erst mal in den Keller. Was ich nach drei Jahren nicht vermisse, kann endgültig weg.

Wie entscheiden Sie, was in den Keller kommt?
Da halte ich mich an die japanische Aufräum-Expertin Marie Kondō, die sagt: „Nimm jedes Ding in die Hand und frage: ‚Benutze ich dich?‘ oder ‚Machst du mich glücklich?‘“ Auf 80 Prozent der Sachen, die wir so besitzen, trifft weder das eine noch das andere zu.

Andersherum gefragt: Können manche Dinge Sie wirklich glücklich machen?
Na klar! Es gibt Fundstücke, Erbsachen, die einem viel bedeuten. Bücher, die man immer wieder lesen mag. Und wenn ich das Buch später im Regal sehe, erinnere ich mich an das Gefühl, das die Geschichte in mir ausgelöst hat. Unabhängig vom Inhalt macht es mich auch schon glücklich, optisch schöne Bücher einfach nur anzuschauen. Und besonders freue ich mich, dass jetzt Leineneinbände zurückkommen, die überzogenen Umschläge fühlen sich einfach toll an.

Klingt das nicht nach einem eher oberflächlichen Glück?
Schönheit mit Oberflächlichkeit zu verwechseln ist jetzt aber ziemlich protestantisch.(Lacht.) Natürlich dürfen Dinge schön sein und gut in der Hand liegen. Ich habe ein schönes Fahrrad, das habe ich mir als Belohnung für ein Drehbuch geschenkt, da freue ich mich seit Jahren drüber. Und in meiner Wohnung liegt ein alter Berberteppich, der mehr haart als mein Hund und in dem sich unfassbar viel Dreck sammelt. Trotzdem würde ich ihn nie hergeben. Man kann gut auf ihm liegen, und er erinnert mich an die vielen Gespräche, die ich auf ihm schon mit Freunden geführt habe.


„Einfach mal konsequent Ordnung schaffen und darauf achten, wie sich der Geist beruhigt.“


Neues von Fitz und seinem Hund Elmo auf Instagram:@florian.david.fitz

Pro Jahr starten bis zu vier Fitz-Filme. Sein Durchbruch gelang ihm 2011 mit „Vincent will Meer“.


Fotos NORMAN KONRAD