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Das kann jeder!


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 13.04.2022

DIY WAFFE EINSCHIESSEN

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Im Frühjahr sollte bei jedem Jäger ein Kontrollschuss anstehen. Bevor es für uns wieder zur Bockjagd geht. Bei der Gelegenheit kann die Waffe beispielsweise nach einem Munitionswechsel eingeschossen werden.

Oder es wurde eine neue Büchse erworben, die es ebenso einzuschießen gilt. Auch wenn es für manchen eine Herausforderung darstellt, ist das Einschießen oder der Kontrollschuss eine wichtige Aufgabe! Wir wissen: Das kann jeder!

Hier geht es zur JÄGER Anschussscheibe zum ausdrucken.

„Das Einschießen der eigenen Waffe ist kein Hexenwerk und leicht zu erlernen.“

Alte Schule

Nun sieht man auf den Schießständen immer viele verschiedene Arten, wie Büchsen eingeschossen werden. Meist wird ein Schuss gemacht, dann korrigiert, dann wieder ein Schuss gemacht und wieder korrigiert und das so lange, bis man mit seinen Bemühungen in der Mitte der Scheibe angekommen ist. Dass dies meist nur ...

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... zufällige Treffer sind, ist vielen gar nicht bekannt. Wenn es nicht funktioniert, wird an den eigenen Fähigkeiten gezweifelt oder sogar die Technik der Waffe in Frage gestellt. Wohlgemerkt ist die Schützenstreuung gerade für Jäger, die sehr wenig schießen oder üben, ein nicht zu unterschätzender Fehler. Ein technischer Defekt an Waffe, Montage oder Zielfernrohr ist möglich, jedoch nicht sehr oft der Grund eines Fehlers. Deshalb: üben, üben, üben.

Was wir vorhaben

Bevor wir unsere Büchse ein-oder kontrollschießen, gilt es nochmals zu verdeutlichen, was wir technisch eigentlich vorhaben: Wir bringen den Treffpunkt und unser Absehen in eine Übereinstimmung, sodass sich das Absehen genau mittig an dem Punkt befindet, wo der Lauf unserer Waffe hinschießt. Wenn man diesen Umstand einmal verinnerlicht hat, muss man sich auch nicht mehr Fragen, ob man mit dem Uhrzeigersinn oder entgegengesetzt drehen muss. Zu der eigentlichen Technik folgt im weiteren Verlauf des Artikels eine ausführliche Anleitung.

Eine Basis schaffen

Zunächst gilt es, eine stabile Auflage für einen präzisen Schuss zu schaffen, um die eigene Schützenstreuung auf ein Minimum zu reduzieren. Alte Schießgestelle wie sie hier und da noch auf Schießständen zu finden sind, in denen die Waffen eingespannt oder eingelegt werden, sollten der Vergangenheit angehören. Da die Waffe nicht richtig in der Schulter liegt und auch der Blick durchs Glas meist nicht dem entspricht, wie die Waffe später geschossen wird. Somit können solche Gestelle zu Fehlerquellen führen, die man erst nach unzähligen Schüssen feststellen kann. Was wir brauchen, ist eine Vorderschaftauflage und eine Auflage für den Hinterschaft. Sandsäcke oder ein spezielles Set mit verstellbarer Vorderschaftauflage bieten sich an dieser Stelle an. Die Waffe kann frei in die Schulter gezogen werden und der Blick durch das Zielfernrohr entspricht der individuellen, natürlichen Schießhaltung.

Auf zwei Beinen

Ein Zweibein kann ebenfalls als Vorderschaftauflage dienen und ist besonders für den Kontrollschuss im Revier sehr hilfreich. Vorausgesetzt ist natürlich eine entsprechende Aufnahme am Vorderschaft für ein solches Zweibein. Der Markt hält hier verschiedene Lösungen bereit. Wir gehen davon aus, dass das Zielfernrohr neu montiert wurde und so alles von Grund auf neu eingestellt werden muss. Für das einfache Einschießen oder den Kontrollschuss entfallen natürlich die ersten folgenden Schritte, die nun aufgezeigt werden.

Mit dem bloßen Auge

Zunächst wird der Verschluss aus der Waffe genommen oder das Laufbündel ausgehakt und die Waffe mittels Vorderschaftauflage und Sandsack unter dem Hinterschaft so ausgerichtet, dass man durch den Lauf mittig die Zielscheibe sieht. Jetzt hebt man seinen Kopf und schaut durch das Zielfernrohr. Die Mitte des Absehens sollte sich circa in der Mitte der Scheibe befinden. Ist dies nicht der Fall, drehen wir an am Höhen-und Seitenverstellturm so lange, bis wir das Absehen in der gewünschten Position haben. Jetzt können wir davon ausgehen, dass der Schuss auf rund 100 Meter auch an der richtigen Stelle auf der Scheibe sitzt.

Die ersten drei Schüsse

Wir überprüfen unsere Einstellung jetzt mit einem Schuss auf die Scheibe, indem wir einen Zielpunkt in der Mitte der Scheibe anvisieren. Sollte unsere Einstellung nicht allzu genau sein, haben wir so genug Spielraum nach allen Seiten. Zum Beispiel: Wir erhalten einen Treffer unten links auf der Scheibe. Zunächst einmal haben wir das Ziel erreicht, das Zielfernrohr mit einem Schuss auf die Scheibe einzustellen. Bevor wir uns jetzt weiter mit der Feinjustierung beschäftigen, gilt es zu überprüfen, wie gut unsere Waffe mit der ausgesuchten Munition harmoniert. Hierfür nehmen wir wieder denselben Zielpunkt wie beim ersten Schuss auf und wiederholen das ganze zweimal. Anschließend gilt es, den Treffersitz der abgegebenen Schüsse zu kontrollieren. Insgesamt sollten sich jetzt drei Schüsse auf der Scheibe befinden. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, liegen drei Schüsse unten links auf der Scheibe. Wer besonders genau sein möchte, kann auch fünf Schüsse abgeben. Drei Schüsse besitzen allerdings genügend Aussagekraft über die Präzision der gewählten Kombination aus Munition und Waffe. Maßgeblich ist jetzt, wie diese zueinander liegen. Erst wenn die Präzision passt wird verstellt.

Do-It-Yourself: Anschussscheibe selber bauen

Auch der Kontrollschuss im Revier sowie das Einschießen sind gesetzlich erlaubt. Ziel ist es zu überprüfen, ob die Waffe noch die voreingestellte Präzision aufweist und ggf. auch erneut einzuschießen. Besonders wichtig ist hier ein sicherer Kugelfang! Immer wieder sieht man, dass Kontrollschüsse, über die Motorhaube in die platte Feldmark auf einen Schuhkarton abgegeben werden. Schlimmer noch zu sehen ist, dass dies auch manchmal auf einem Feldweg geschieht. Kugelfang ist in jedem Fall nur der gewachsene Erdboden! Wege, Dickungsränder oder Bäume sind kein Kugelfang und nehmen die Kugeln nur bedingt oder gar nicht auf. Genauso ist es mit flachen Wiesen. Jedes Mal, wenn man einen Kugelriss findet, kann man davon ausgehen, dass die Kugel zumeist nicht im Erdreich verblieben ist. Am besten eignet sich also ein entsprechend hoher Erdhaufen oder ein Wall mit geeigneter Höhe im Gelände. Nur hier können wir sichergehen, dass die Kugel auch dort verbleibt. Der Schuss kann vom Boden aus erhöhter Position abgegeben werden, oder besser noch von einem Sitz aus.

Anleitung

● Als Scheibenhalter nutze ich eine einfache selbstgebaute Scheibe, auf der die Zielscheiben mit einem Tacker befestigt werden.

Konstruktion der Scheibe

● Die Anschussscheibe besteht aus einer 100 x 50 Zentimeter großen OSB-Platte, an der mit zwei Scharnieren zwei Dachlatten in den Maßen 100 x 6x 4 Zentimeter als Stützen befestigt sind. Die Dachlatten werden durch eine Querverstrebung zusätzlich stabilisiert.

Anschussscheibe

● Als Scheiben nutze ich Schussscheiben von Hornady oder sogenannte High Visible Targets. Diese Papierscheiben sind etwas dicker als herkömmliches Papier und bestehen aus zwei Lagen. Einschusslöcher werden durch einen weißen oder roten Ring um diese aufgezeigt und sind auch auf Entfernungen bis 200 Meter mit einer 12-fachen Vergrößerung gut sichtbar.

● Das Einschießen der eigenen Waffe ist kein Hexenwerk und sollte von jedem Jäger beherrscht werden. Mit wenigen Tricks geht es noch etwas schneller und munitionssparender. Mit nur sechs Schuss haben Sie die Waffe fertig eingeschossen und dabei den Streukreis der Munition überprüft. Nun wissen Sie, was die Waffe mit der Munition zusammen kann und können Ihrem Werkzeug vertrauen!

Der perfekte Streukreis

Haben wir nun drei Schuss, die sich auf 100 Meter auf der Größe eines Bierdeckels verteilen, ist die Munition nicht zu gebrauchen. Das Einschießen erfolgt unter nahezu idealen Bedingungen. Das bedeutet, dass durch die Auflage und die entspannte Situation die Schützenstreuung extrem minimiert wird. Sollte doch einmal gemuckt werden, weiß der Schütze das in der Regel selber und kann den Schuss wiederholen. Haben wir nun einen Streukreis in der Größe eines Bierdeckels mit nur minimaler Schützenstreuung und bedenken, dass wir in einer jagdlichen Situation vielleicht nur eine unzureichende Waffenauflage und einen erhöhten Puls haben, kann sich jeder vorstellen, wie das die Streuung noch deutlich negativer beeinflusst. Ein Streukreis von 40 bis 35 Millimeter ist noch akzeptabel, wenn auch nicht optimal. Ein Streukreis von unter 20 Millimetern ist sehr gut. Im besten Fall berühren sich alle Einschusslöcher.

Zwei Wege führen zum Ziel

Die Mitte dieses Streukreises wird dann als der Punkt verwendet, zu welchem man das Absehen hinbewegen möchte. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten des Einschießens, um dies zu erreichen:

1. Man misst auf der Scheibe den Abstand von seinem Zielpunkt zu dem Mittelpunkt des Streukreises in der Vertikalen und Horizontalen und verstellt dann die Türme mit der entsprechenden Anzahl an Klicks. Ein Klick bedeutet hier üblicherweise eine Verstellung von einem Zentimeter auf 100 Meter.

2. Man schaut durch das Zielfernrohr, zielt auf denselben Punkt, wie bei den vorangegangenen drei Schüssen und verstellt nun das Fadenkreuz so, dass es von dem Haltepunkt zu dem Mittelpunkt des Streukreises wandert. In diesem Falle ist es besonders wichtig, die Waffe mittels Sandsack so zu fixieren, dass diese sich nicht mehr bewegt. Die erste Variante führt meistens zu dem Fehler, dass intuitiv in die falsche Richtung gedreht wird, was zu einem unnötigen Munitionsverbrauch führen kann, bis man die richtige Einstellung wiedergefunden hat. Die zweite Variante birgt einen ähnlichen Fehler, wenn die Waffe nicht richtig fixiert wurde und sich beim Drehen der Türme bewegen kann. Ich für meinen Teil nutze die zweite Variante am liebsten. Nun kontrolliert man das Ganze noch einmal durch einen Schuss und korrigiert gegebenenfalls nochmals ein wenig in der Höhe, um auf die Günstigste Einschießentfernung (GEE) zu kommen. Nun ist die Waffe fertig und neu eingeschossen.

Neue Sorten ausprobieren

Natürlich kann man auf diese Weise auch verschiedene Munitionssorten ausprobieren. Ohne irgendetwas zu verstellen, werden zunächst drei oder fünf Schüsse abgebeben. Dies kann ausgewertet werden und das Zielfernrohr anschließend gut auf die Gruppe der Munition eingestellt.

Ein paar Worte zum Schluss

Ein vorzeitiges Drehen der Verstelltürme bringt nichts außer Verwirrung und Zufallstreffer. Ist nicht bekannt, wie sehr die gewünschte Munition streut, kann man auch kein Zielfernrohr auf diese einstellen. Insbesondere bei härteren, monolithischen bleifreien Geschossen kann die Streuung in bestimmten Geschossgewichten aus bestimmten Waffen enorm hoch sein. Das macht die Geschosse in keinem Fall schlechter, doch man sollte es in jedem Fall ausprobieren! Das Einschießen oder auch das Kontrollschießen sollte immer und ausschließlich durch den Schützen, der später auch die Waffe führt, erfolgen. Zum einen schaut jeder anders durch ein Zielfernrohr, was besonders auf weitere Entfernungen zu Zielfehlern führen kann. Zum anderen trainiert jeder Schuss das Muskelgedächtnis des Abzugsfingers, gibt mehr Routine und schafft bei einem guten Trefferbild Vertrauen den eigenen Fähigkeiten und zum Werkzeug.

Patrik Bollrath

32 Jahre alt, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Nach seinem Masterstudium in Göttingen arbeitete er in der Jagdbranche und ist Förster in Schleswig-Holstein. Er ist leidenschaftlicher Reh-und Damwildjäger. Doch auch Rot-und Sikawild haben es ihm angetan. Er bewirtschaftet unter anderem ein großes Niederwildrevier und ist Experte für Lockjagd. Habitatverbesserung und Wildbiologie im Hoch-und Niederwildrevier gehören ebenso zu seiner Expertise.