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„Das kann uns alle treffen“


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Berliner Morgenpost - epaper ⋅ Ausgabe 321/2022 vom 23.11.2022

Mit seinem Netflix-Film „Army of Thieves“ im vergangenen Jahr (dem Prequel zu Zack Snyders Kultfilm „Army of the Dead“) hat Matthias Schweighöfer den größten Erfolg einer nicht-englischsprachigen Produktion auf der Streamingplattform erreicht. Längst kann sich der Schauspieler seine Rollen aussuchen. Nun ist er im Netflix-Film „Die Schwimmerinnen“ zu sehen, der ab diesem Mittwoch zu streamen ist: Das wahre Drama über die Schwestern Yusra und Sarah Mardini, die davon träumten, für Syrien bei den Olympischen Spielen zu schwimmen, sich dann auf eine schwierige Flucht in den Westen machten – und dann doch zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 kamen. Schweighöfer ist der Film so wichtig, dass er dafür eine Werbetour von Toronto, nach London, Zürich und New York hingelegt hat. Wir trafen ihn im Berliner Netflix-Büro in Friedrichshain.

Herr Schweighöfer, wie sind Sie in diesen Film gekommen? ...

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Bildquelle: Berliner Morgenpost, Ausgabe 321/2022

Seit dem spektakulären Erfolg seines Regiefilms ?Army of Thieves? ist Matthias Schweighöfer auch in den USA gefragt.
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Die Flüchtlingskrise wird in der Gesellschaft noch immer kontrovers diskutiert. Aber dabei wird gern das Elend ausgeblendet, weshalb Flüchtlinge gerade aus Syrien kommen. War das überfällig, einmal eine solche Odyssee in all ihren Details zu zeigen?

Flüchtlinge sind ganz normale Menschen. Das kann uns alle treffen. Wie wir ja gerade auch im Krieg in der Ukraine sehen. Die erste Schnittfassung des Films hatte eine Länge von dreieinhalb Stunden. Das war vermutlich noch viel schlimmer, was man da über die Flucht sah. Aber Sally, die Regisseurin, wollte trotz allem, dass es auch ein warmer Film mit Hoffnung wird. Dass die Geschichte auch noch mit dem Sport verknüpft ist und bis zu den Olympischen Spielen geht, gibt dem Ganzen noch eine andere Chance, auf diese Schicksale hinzuweisen.

Sie können sich Ihre Rollen längst aussuchen. In „Die Schwimmerinnen“ spielen Sie einen vergleichsweise kleinen Part. Aber das war in diesem Fall egal?

Genau. Ich kannte die Geschichte ja. Ich wollte mitmachen. Und wenn ich helfen kann, sie zu promoten, tue ich das gern. Für mich waren das nur 15 Drehtage. Aber das spielt keine Rolle, da geht es nur darum, dabei zu sein. Und diese Erfahrung zu teilen. Das war auch so bei Christopher Nolan ...

… der Regisseur der „Batman“-Filme und von „Tenet“, der Blockbuster produziert, aber immer mit intellektuellem Gehalt.

Da durfte ich in seinem neuen Film „Oppenheimer“ mitspielen, das waren nur ein, zwei Tage. Es ist einer meiner Lieblingsregisseure, und es war eine der krassesten Erfahrungen meines Lebens. Ich hatte ja schon mal ein Casting bei ihm. Weil John Papsidera, der unsere „Army of

Thieves“ gecastet hat, auch sein Caster ist. Das war damals bei „Tenet“. Aber ich habe es so richtig verkackt. Danach hätte ich mir am liebsten die Kugel gegeben. Das war so peinlich. Aber dann rief John noch mal wegen „Oppenheimer“ an. Und da haben sie zugesagt. Ich war total aufgeregt am Set. Aber Chris war total entspannt. Danach hat mir Zack Snyder, noch so ein absoluter Hero für mich, geschrieben: „Hab gerade mit Chris gesprochen, der fand dich großartig. Dicke Umarmung.“ Ich lerne vor allem so viel, wenn ich einem Nolan beim Drehen zuschauen kann. Die arbeiten in Hollywood auch nicht anders als wir, aber sie denken viel größer.

Nach dem enormen Erfolg mit „Army of Thieves“, nach Nolans „Oppenheimer“ und Tom Harpers Thriller „Heart of Stone“ – gehen Sie dem deutschen Film damit verloren? Leben Sie überhaupt noch in Berlin oder schon ganz drüben?

Ich bin total happy, dass das gerade so läuft und ich all diese Erfahrungen machen darf. Wir wohnen in Los Angeles. Ich wollte das unbedingt, wir haben uns dort ein Haus gemietet, damit wir etwas haben, wo wir eine Verantwortung haben. Meine Tochter hat sich dort ihr Zimmer selbst eingerichtet, das ist ganz süß. Wir fliegen viel hin und her. Aber der Lebensmittelpunkt bleibt Berlin. Und interessant finde ich gerade, dass man die Energie von dort mit herbringt. Ich habe gerade den Milli-Vanilli-Film gedreht, was wieder eine deutsche Produktion ist, aber auf

Englisch gedreht. Und im nächsten Jahr werde ich hier auch wieder einen eigenen Regie-Film drehen.

Und worum wird es da gehen?

Darin wird es um meine Herkunft, um meine Zeit im Osten gehen. Dazu will ich noch nicht viel verraten. Aber verloren bin ich jedenfalls nicht. Das Schöne ist, dass man drüben viel offener ist. Hier steckt man doch immer irgendwie in Schubladen, hier habe ich auch oft von den Kritiken eins auf die Mütze bekommen.

Hat man als Filmemacher bei Netflix eigentlich andere Freiheiten als bei einem herkömmlichen Kinofilm?

Auf dem deutschen Markt heißt es immer gleich, dies oder das funktioniert hier nicht. Da bräuchte man mit einem Film über Zombies gar nicht erst kommen. Bei Netflix kannst du auch in Nischen arbeiten und erreichst trotzdem weltweit ein großes Publikum. Vor allem ist diese Belastung des ersten Kinowochenendes weg. Ein Kinofilm muss gleich in den ersten Tagen Publikum machen. Sonst gilt er als Flop. „Army of Thieves“ ist ein kleiner 16-Millionen-Film, aber er ist der größte Hit aus Europa, den es je bei Netflix gab.

Könnte das das Ende des klassischen Kinos sein? Werden die Zuschauer künftig nur noch daheim auf dem Sofa streamen?

Nein. Das wird nie aussterben. Das gemeinschaftliche Erleben eines Films, zusammen zu lachen, zusammen zu weinen, zusammen gebannt vor Spannung in den Sitz gedrückt zu werden, das ist nach wie vor das Größte. Das haben wir doch gerade im Lockdown schmerzlich vermisst. Ich glaube eher, dass sich das gegenseitig befruchtet. Und dass auch das Kino durch die Streaming-Konkurrenz wieder mutiger wird.

Der Milli-Vanilli-Film „Girl, You Know It’s True“ ist auch schon abgedreht. Wie war es, Frank Farian zu spielen?

Als ich letzte Woche bei Jimmy Fallon war, habe ich ihm gesagt, dass ich gerade in einem Film über Milli Vanilli mitgespielt habe. Und Jimmy fing an, alle Songs von denen zu singen! Das zeigt mir, jeder kennt die Musik und diese Geschichte, jeder verknüpft was mit ihr. Mit Frank Farian habe ich mich nur einmal getroffen. Zu der Geschichte gibt es ja viele Wahrheiten, da will ich mich auch etwas heraushalten. Und dann mag ich es auch gar nicht, Personen zu treffen, die man spielt. Das engt zu sehr ein im Spiel. Ich will lieber meinen eigenen Kosmos anhand einer solchen Figur kreieren. Und das Spannende ist, er hat ja immer so einen leichten Singsang, mit seinem Saarländischen, auch im Englischen. Ich habe das mit einem Dialect Coach geübt. Mal schauen, ob man das nicht als Parodie missversteht. Mein Assistent meinte, das sei bisher die coolste Rolle gewesen, die ich gespielt habe.

„Die Schwimmerinnen“ ab heute auf Netflix.