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DAS KARPFENJAHR: KALTE FINGER, DICKE BROCKEN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

KarpfenexperteTobias Steinbrück kennt keine Angelpause. Er sitzt das gesamte Jahr über auf seinen Zielfisch an und weiß genau, mit welchen Methoden er wann den meisten Erfolg hat. Im ersten Teil seiner Serie geht er auf die Angelei in Herbst und Winter ein.


TEIL 1 HERBST & WINTER

Artikelbild für den Artikel "DAS KARPFENJAHR: KALTE FINGER, DICKE BROCKEN" aus der Ausgabe 120/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 120/2018

Dieser tolle Herbstspiegler nahm zwei Boilies von je 20 Millimetern Durchmesser.


Angeln Sie im Herbst in der natürlichen Speisekammer der Karpfen. Dreikantmuscheln zählen zur Lieblingsspeise der Fische.


Ich liebe Karpfenangeln. Es bietet mir zu jeder Jahreszeit an allen heimischen Gewässern, vom winzigen Bach bis zum großen ...

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... Stausee, eine breite Palette von Angelmethoden, mit denen ich meinen Zielfisch fangen kann. Die Köder reichen von Boilies über Mais und Brot bis zu Hundekuchen zum Angeln an der Oberfläche. Ich lade Sie ein, mich durch eine Saison zu begleiten.

KARPFENANGELN IM HERBST (SEPTEMBER–DEZEMBER)

STELLENWAHL

Im Herbst sinken die Wassertemperaturen. Nun sind die Karpfen bemüht, sich Vorräte anzufressen. Entsprechende Stellen sind schlammige Gewässerböden sowie Krautfelder und Muschelbänke. Ganz gleich, ob Sie an einer Kiesgrube oder einem Stausee angeln, finden Sie die natürliche Speisekammer der Karpfen! In Flüssen gibt es ruhigere Zonen, wo das Futter angespült wird. Muschelbänke an Spundwänden oder an der Fahrrinne können ebenfalls gute Fangchancen bieten.

TAKTIK

Bevor die Wassertemperatur unter zehn Grad fällt, füttere ich an den natürlichen Speisekammern der Karpfen an. Habe ich sie gefunden, heißt es „Futter marsch!“ – Boilies, gekochte Kartoffeln und Partikelmischungen sind geeignet, um den Tisch für die hungrigen Fische zu decken. Geangelt wird auf den Futterplätzen mit Lauf- oder Festbleimontage auf Grund. Im Herbst gibt es oft Stürme und unbehagliches Wetter. Wer will da schon dauerhaft auf eine Pose starren? Es ist mitunter nun effektiver, den bequemen Weg mit Rod-Pod und Zelt zu gehen. Eine Durchlaufmontage am Grund verrät, ob sich durch Zupfer Kleinfische oder Wasservögel am Angelfutter zu schaffen machen. Ist dies der Fall, muss nachgefüttert werden. Eine Durchlaufmontage fängt im Übrigen auch scheue Großkarpfen. Gerade im Herbst, wenn die Fische ein Jahr mit starkem Angeldruck hinter sich haben, kann eine solche Montage mehr Bisse bringen. Eine klassische Festbleimontage ist für die zweite Rute dennoch empfehlenswert. Legen Sie ruhig eine Montage mittig auf den Futterplatz und die andere Rute am Rand ab. Im Zentrum fangen Sie den verfressenen Fisch, am Rand eher den scheuen Einzelgänger – und gerade der bringt oft ein hohes Gewicht auf die Waage.

KÖDER UND FUTTER

Boilies, gekochte Kartoffeln und Tigernüsse sind gute Herbst-Köder. Mein Favorit sind hochwertige Boilies in 20 Millimeter Durchmesser und aufwärts. Oftmals sind jedoch große Futtermengen von bis zu zehn Kilo am Tag erforderlich. Daraus ergibt sich ein hoher finanzieller Aufwand. Mit Tigernüssen und gekochten Kartoffeln lässt sich das Futter kostengünstig „ strecken“, ohne an Attraktivität zu verlieren.

GERÄT

Ruten mit Testkurven von 3lb aufwärts sind nötig, um schwere Bleie und PVA-Beutel selbst auf größere Distanzen zu werfen. Schwere Bleie (90–140 Gramm) an Durchlauf- oder Festbleimontagen halten den Hakenköder auch bei heftigen Herbststürmen und Unterströmung sicher am Platz. Elektronische Bissanzeiger und Swinger geben zuverlässig Auskunft über Fischaktivitäten.

ANGELWETTER

Im Herbst ist das Wasser sauerstoffreicher als im Sommer. Die Karpfen fressen zuverlässig, solange die Wassertemperatur nicht unter zehn Grad fällt. In sommerlichen, windstillen Zeiten mit hohem Luftdruck bleiben die Erfolge meist aus. Fallender Luftdruck, ein bedeckter Himmel und Wind sind dagegen klare Zeichen für erfolgreiches Fangen. Und diese Witterungsverhältnisse treten im Herbst glücklicherweise recht häufig auf – bestes Karpfenwetter!

Um auch feinste Bisse zu erkennen, verwendet Tobias eine Durchlaufmontage.


Boilies und gekochte Kartoffeln gehören zu den Top-Ködern im Herbst.


Ein guter Platz muss nicht weit draußen liegen. Hinter der Krautkante fing Tobias bis zum Wintereinbruch große Karpfen.


Das Futter im Winter soll eher locken als sättigen, es empfiehlt sich also, eher wenig grobe Partikel zu verwenden.


KARPFENANGELN IM WINTER (DEZEMBER–MÄRZ)

Die Krönung im Winter sind solche Schuppis.


STELLENWAHL

Im Winter ist der Karpfenansitz mit vielen Entbehrungen verbunden. Jetzt ist die Gewässerwahl der wichtigste Punkt für den winterlichen Erfolg. In Flüssen herrscht Strömung – durch diese müssen Karpfen sich immer bewegen, demzufolge auch fressen, um die verloren gegangene Energiereserve wieder aufzufüllen. Strömungsarme Bereiche in Flüssen sind immer einen Versuch wert. In stehenden Gewässern wird es schwieriger. Hier empfehle ich gut besetzte, kleinere Parkteiche. Dort haben die Fische mehr Nahrungskonkurrenz untereinander und sind schneller auffindbar. Suchen Sie die tieferen Bereiche in Ihrem Gewässer ab (maximal 15 Meter). Alte Krautbetten, Totholz und Lehmbänke können neben Plateaus auch erfolgversprechend sein.

Karpfen stehen im Winter nicht immer direkt am Grund, sondern oftmals auch lethargisch im Mittelwasser, um in der Wintersonne zu „chillen“. Angeln Sie daher nicht zwingend nur mit Bodenködern.

TAKTIK

Bleiben Sie im Winter bei der Stellenwahl und der Köderpräsentation flexibel. Mit Zig-Rigs zum Beispiel können Sie im Mittelwasser den Köder wirkungsvoll präsentieren. Vom Blei aus ein langes Vorfach aus dün ner monofiler Schnur (0,20 Millimeter) mit einem winzigen, auftreibenden Hakenköder (Zig-Bugs, Mini-Pop-Ups oder einfach nur ein Stück Auftriebsschaum) kann für Bisse in kritischen Zeiten sorgen. PVA-Strümpfe, mit Maden und Dosenmais gefüllt, können am Grund die Fische ebenfalls zum Fressen verleiten.

Im Winter ist das Anfüttern mit Mini-Pellets im PVA-Beutel eine gute Taktik, wenn die Karpfen am Grund stehen.


KÖDER UND FUTTER

Kleine auffällige Happen sind ideal: Maden und Mistwürmer, Dosenmais und Zig-Bugs (Käferimitate), gedippter Foam (Auftriebsschaum) oder auch Miniboilies. Aromastoffe auf Ölbasis sind zwar sehr gut, aber nicht im kalten Wasser löslich. Suchen Sie sich also Aromen auf Alkoholbasis. Ein kleiner Schluck Whiskey ist zum Beispiel ein Geheimtipp – im Teig oder als Dip sehr geeignet. Nicht umsonst hatte Gary Bayes vor vielen Jahren den unschlagbaren Whiskeyboilie für Nash Bait entwickelt. Um die Fische an einem Angelplatz zum Fressen zu bringen, können Sie Grundfutter anfüttern. Dieses sättigt die Karpfen kaum. Ihr Hakenköder sollte mit wenigen anderen Ködern nur ein Leckerli darstellen.

GERÄT

Im Winter gilt es, so fein und leicht wie möglich zu angeln. Leichte Bleie (weniger Lärm beim Aufschlag auf die Wasseroberfläche), dünne Schnüre (kaum sichtbar bei klarem Winterwasser) und kleine

Futterkugeln mit Aromazusatz. So füttert man im Winter, ohne dass die Karpfen satt gemacht werden.


Kalte und trostlose Tage: Das ist Winterangeln. Der elektronische Bissanzeiger bleibt die meiste Zeit des Tages über still.


Mit Zig-Ködern aus Schaumstoff fängt man, wenn die Winterkarpfen im Mittelwasser stehen.


ANGELWETTER

Die Beißzeiten im Winter sind meist sehr kurz (teils unter einer Stunde) und die Karpfen fressen auch nicht jeden Tag. Sie müssen also Zeit investieren und Geduld aufbringen, um dieses Zeitfenster zu erwischen. In milden Phasen mit niedrigem Luftdruck konnte ich die meisten Winterkarpfen in stehenden Gewässern fangen, am Tag wie auch mitten in der Nacht. Winterkarpfen zu fangen, erfordert viel Fingerspitzengefühl und Durchhaltevermögen. Zu keiner anderen Jahreszeit sind Karpfen so schwer kalkulierbar wie jetzt.

TIPPS

► Senken Sie Ihre Schnüre ab, wenn Sie keine Hindernisse im Gewässer haben. Karpfen mögen es nicht, in Schnüre zu schwimmen.
► Setzen Sie nur hochwertiges und frisches Futter ein. Karpfen fressen nur, was ihnen wirklich gut schmeckt und auch bekommt.
► Zu oft sehe ich Angler mit stumpfen Haken. Nur wirklich spitze Haken können gut und sicher Halt im Maul des Fisches finden.
► Bleiben Sie mobil! Es ist keine Schande, am falschen Platz zu sitzen – zumindest solange man bereit ist, ihn zu verlassen. Vertrauen und Geduld in das eigene Tun sind sehr wichtige Faktoren.
► Reflektieren Sie Ihr Angeln selbstkritisch. Nur so können Sie die richtigen und wertvollen Rückschlüsse ziehen, um es beim nächsten Mal besser zu machen.


FOTOS: T. STEINBRÜCK