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Das Leben lieben


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 04.08.2021

GRIECHENLAND

Artikelbild für den Artikel "Das Leben lieben" aus der Ausgabe 5/2021 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 5/2021

Spiegelglatt ist das Meer vor dem Kalogria-Strand. Nur einige sanft pulsierende Pilze auf der Oberfläche, mit drei bis vier Metern Durchmesser, stören die perfekte Symmetrie. Hoppla! Ausgeträumt! Die Pilze lassen das Kajak beim Überfahren ein wenig schaukeln, fordern sogar die schreckhafte Bereitschaft zu einer Paddelstütze und danach ein wenig Richtungskorrektur. Was ist da denn plötzlich los? Die etwas spöttisch lachenden Griechen am Strand wissen es: Unterseeische Quellen fördern hier eiskaltes Quellwasser aus den Bergen des nahen Taygetos-Gebirges zutage.

Im Fachsprech nennt sich das eine »submarine Karstquelle«. Diese bilden an der Meerwasseroberfläche kreisförmige Pilze, die weniger gekräuselt sind als die Umgebung. Daran ist der Austritt von Süßwasser (geringere Dichte als Meerwasser, also leichter) deutlich erkennbar. Na klar, jetzt wo das Wort »Karstgestein« fällt, tropft es ...

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... aus dem Gedächtnis wie salziges Wasser aus den Neoprenschuhen: Hier wimmelt es ja von Höhlen, erst vor Stoupa sind wir in einige von ihnen vom Meer aus hinein gepaddelt und geschwommen. Die unterseeischen Quellen in Stoupa sind nur eine von vielen Besonderheiten an der langen Südküste des Peloponnes. Wer mit dem Seekajak einen der drei südlichen Finger der griechischen Halbinsel entlang paddelt, stößt ständig auf Natur und Kultur. Hier am Kalogria-Strand kommt zum Naturwunder der Süßwassserquellen im Meer noch ein echter Klassiker der Literatur- und Filmgeschichte hinzu: 1946 schrieb der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis seinen vielfach preisgekrönten Roman »Alexis Sorbas«: Das Werk zählt zu den großen der Weltliteratur. Der auf dem Roman basierende Kinofilm »Alexis Sorbas« (Originaltitel: »Zorbas – The Greek«) aus dem Jahr 1964, in der Hauptrolle Anthony Quinn, wurde weltberühmt, für sieben Oscars nominiert und erhielt drei davon.

Die Geschichte um Sorbas, einen »echten Griechen« und Lebenskünstler, der seinen Gefühlen und Instinkten vertraut und in völligem Einklang mit sich und der Welt lebt, beruht auf wahren Begebenheiten: Roman und Film spielen zwar auf Kreta, tatsächlich haben die beiden Freunde Nikos Kazantzakis und Alexis Sorbas aber im Jahr 1917 hier in Stoupa gelebt.

Einer der Handlungsmittelpunkte aus Roman und Film, das Bergwerk der beiden, existierte wirklich und liegt im nahen Ort Neo Proastio. Wer am Kalogria-Strand eine Bade- und Paddel-Pause macht, sich wie Sorbas Zeit nimmt, das Leben Leben sein lässt und herum schlendert, wird die übergroßen Porträts von Kazantzakis und Sorbas auf eine nahe Hauswand gemalt finden.

Die Figur des Alexis Sorbas wird gerne als »typisch griechisch« instrumentalisiert: Sorbas lebt stets für den Augenblick, sein Lebensmotto manifestiert sich in dem kurzen Satz: »Das Leben lieben und den Tod nicht fürchten.« Der griechische Komponist Mikis Theodorakis schuf die Filmmusik, natürlich auch den »Sirtaki«, den legendären Tanz der Schlussszene.

DER HIMMEL FREI GEFEGT. DER KOPF AUCH.

Apropos Sirtaki: Wer Musik liebt – und neben griechischer auch Jazz – paddelt rund um Stoupa am besten im Mai. Die benachbarte Stadt Kardamili ist der Sitz der Gemeinde Lefktro auf der Halbinsel Mani und einmal im Jahr Gastgeber eines feinen internationalen Jazz Festivals. Während der von Norwegern ins Leben gerufenen, internationalen »Kardamili Jazz Week« treten täglich viele hochrangige, internationale Jazzbands in den Tavernen und Bars in Kardamili auf. Die tollen Konzerte mit dem südlichen Flair, teilweise Open Air, bleiben unvergesslich (weitere Infos: www.sarpjazz.no/kardamili.html).

Krass, was hier alles los ist. Möglichkeiten gibt es viele, Langeweile kommt nicht auf: den »Sorbas« lesen, Jazzkonzerte erleben, baden, sonnen, schnorcheln, Höhlen entdecken, die Navarino-Bay erkunden, zu Wracks hinabtauchen, Muscheln sammeln, Burgen erklimmen, auf den Monopathies (alten, steingepflasterten Verbindungswegen der Mani) kurze Ausflüge unternehmen, zwischendurch in einem kleinen Fischerhafen einen Ouzu trinken, abends in griechischen Tavernen lecker speisen, über Nacht in schönen Hotels oder unter dem Sternenhimmel schlafen …

FILM UND BUCH ZUR STORY

»Alexis Sorbas« (Originaltitel: »Zorbas – The Greek«) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nikos Kazantzakis. Der Film, einer der erfolgreichsten der Kinogeschichte, entstand 1964 unter der Regie von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Hauptrolle. Am 26. März 1965 kam er in die deutschen Kinos und brach auch hier viele Kassenrekorde. Das Buch ist im Oktober 2008 im Anaconda-Verlag neu erschienen – und kostet in der gebundenen Ausgabe nur 6,95 Euro.

»Wenn das Leben sommerlich leicht ist, paddelt man einfach immer weiter, von Bucht zu Bucht, entlang idyllischer Strände und mächtiger Felswände.«

BLEIBT DA ÜBERHAUPT NOCH ZEIT ZUM PADDELN?

Klar! Massig! Wenn das Leben sommerlich leicht ist und man nur ein dünnes Shirt unter der Schwimmweste trägt, paddelt man einfach weiter, immer weiter: von Bucht zu Bucht, entlang idyllischer Strände und mächtiger Felswände, hinein in die endlose Weite des griechischen Meeres.

EMPFOHLENE TOUREN AM PELOPONNES

Mani – Kalamata bis Kap Tainaron: für fortgeschrittene Seekajaker, mit Kardamili Jazz Festival. Gesamtstrecke der Tour: 112 Kilometer in sechs Tagen. Die Tages-Etappen variieren von 15 bis 22 Kilometer.

Highlights: der Kalogria-Strand mit seinen Süßwasser-Quellen, die Meeres-Höhlen zwischen Stoupa und Agios Dimitrios, der Ort Kardamili, der kleine Fischerhafen von Agios Nikolaos, die Umrundung des mächtigen Cavo Grosso (Steilküste), die steinernen Turmhäuser von Vathia, der Leuchtturm des Kap Tainaron, die Bucht von Gerolimenas, Meeressalzgewinnung in Trachila, die Wunderwelt der Tropfsteinhöhlen von Pirgos Dirou, die endlosen Olivenhaine, die leckeren Kalamata-Oliven, der Pantazi-Strand und und und …

Explore Messinia: Einsteiger-Tour von Marothopoli bis Koroni. Gesamtstrecke der Tour: 93 Kilometer in sechs Tagen, Tagesetappen zwischen zehn und 20 Kilometern.

Highlights: die Navarino Bay, die Burg von Methoni, der Voidokilias Beach, die Lagunen von Gialova, der Ort Finikounda, Naturschutzgebiet und Strand der Insel Sapientza, der Mavrovouni-Strand, die Surfwellen am Golden Sand Beach, das Kap Akritas, das Felstor »Greek Azure Window«, Tsapi, Nestors Höhle und Ruine Palaiókastro, der Hafen von Koroni und vieles mehr.

Weitere Infos: detaillierte »Day by day«-Beschreibungen auf www.ecuador-kajak.com.

WIE SORBAS: UNBESCHWERT UND SORGLOS.

Auch dann, wenn das spiegelglatte Meer einmal durch Wind und Wellen aufgewühlt wird. Die für Seekajak-Paddler entscheidenden Faktoren Wind und Welle werden am südwestlichen Finger (Messinien) und am mittleren Finger (der Mani) des Peloponnes vornehmlich vom aktuellen Wettergeschehen diktiert. Hier und da untermalt von thermischen Winden, die durch große, lokale Temperatur-Unterschiede zwischen Land und Meer hervorgerufen werden. Diese thermischen Winde kommen nur bei Sonnenschein, meist erst im Laufe des Nachmittags und sehr lokal zur Geltung. Und man muss sie kennen! In allgemeinen Wetter-Vorhersagen tauchen diese örtlich begrenzten Wind-Phänomene oft nicht oder nur in begrenztem Umfang auf. Meistens finden wir Paddler in dieser Region des Peloponnes (inklusive der Ionischen Inseln) jedoch sehr ruhige See, wenig Wind und wenig Wellen, einfach bestes Wetter für unsere Zunft vor.

An der Ostküste des östlichen Fingers (mit der beliebten Insel Elafonisos) bekommt man im Sommer die Ausläufer des legendären Meltemi zu spüren. Der Meltemi ist das dominierende Großwind-System der Sommermonate in der griechischen Ägäis. Er weht, grob gesagt, von Mai bis Oktober als Nordwind vom griechischen Festland entlang der türkischen Küste über die griechischen Inseln in Richtung Kreta. Dabei streift er den südöstlichen Peloponnes, mal mehr, mal weniger, und bringt dabei kühle, kontinentale Luft aus Süd-Russland mit sich. Neben meteorologischen Faktoren wird der Meltemi von den topografischen Merkmalen des Geländes beeinflusst. Die hohen Gebirgszüge auf dem griechischen Festland, dem südlichen Balkan und der Türkei bewirken einen Düseneffekt und beim Überqueren der Berge ein Austrocknen der Luft – was Griechenland den bekannt strahlend blauen, wolkenlosen Sommerhimmel beschert.

Der Meltemi wird als angenehm kühl und trocken empfunden und bringt heiteres, klares Wetter mit sich – aber eben auch krassen Wind: Ein Segen (oder manchmal auch ein Alptraum) für Segler, Windsurfer und Kitesurfer. Die Windstärken von 4 bis 7, in Böen mit 8 bis 9 Beaufort, sollten sehr erfahrenen Seekajak- Paddlern vorbehalten sein, die absolut wissen was sie tun. Im vermeintlich ruhigeren Lee steiler Küstenabschnitte oder Inseln können besonders starke Fallböen wüten. Wie gesagt, nur von Mai bis Oktober. Kernzeit Juni bis September, davor und danach abflauend. Es gibt Seekajak-Paddler, die würden für solch ein Meltemi-Abenteuer ohne Zögern Frau und Kinder zurück- lassen. Aber man muss es ja nicht wie Lebemann Sorbas handhaben. Sorbas-Zitat aus dem Film, auf die Frage, ob er jemals verheiratet war: »Bin ich etwa kein Mann? Natürlich war ich verheiratet. Frau, Haus, Kinder, alles – die volle Katastrophe!«

»Meist finden wir Paddler in dieser Region eine ruhige See, wenig Wind und Wellen, einfach bestes Wetter vor.«

Oh, diese Griechen! Besser, Mann reist zusammen mit Frau und Kindern zum Paddeln nach Griechenland – und die ganze Familie kehrt glücklich und voll schöner, gemeinsamer Erinnerungen zurück ins traute Heim. Wem das Traum-Seekajakrevier am südlichen Peloponnes dafür nicht genügt: Mit einer Gesamtlänge von rund 960Kilometern (die Angaben dazu schwanken) bietet die Küste des Peloponnes Paddel-Potential ohne Ende. Eine Umrundung ist für »Normalkanuten« sicher ein zu langwieriges Unterfangen. Es sei denn, man heißt Freya Hoffmeister und nicht Alexis Sorbas. Der wäre wahrscheinlich schon in der zweiten Bucht philosophierend in einer Taverne hängen geblieben und hätte Freya, die paddelnd am Horizont verschwindet, Sirtaki tanzend mit einem Ouzo zugeprostet.

INFO PELOPONNES / GRIECHENLAND

Allgemeines/Anreise: Griechenland ist Teil der Europäischen Union, die Hauptstadt Athen, die Währung der Euro. Die Zeitverschiebung zu Deutschland, Österreich und der Schweiz beträgt eine Stunde. Viele der jüngeren Griechen sprechen gut Englisch, so mancher Ältere Deutsch. Für Seekajak-Touren am südlichen Peloponnes bietet sich ein Flug zum Airport Kalamata an: entweder im Direktflug (Dauer circa drei Stunden), zum Beispiel ab München, Düsseldorf, Zürich und Wien, oder mit Zwischenlandung in Athen. Wahlweise kann man mit dem eigenen Auto/Wohnmobil die Fähre von Venedig oder Ancona (Italien) nach Patras (Griechenland) nehmen und dann die circa vier Stunden auf den Süd-Peloponnes fahren.

Beste Paddel-Zeit: Im Herbst sind die Touristen weg, das Meer ist schön warm und das Wetter immer noch sommerlich. Im Frühjahr ist es im Prinzip genauso, nur das Meer ist etwas kühler, dafür die Landschaft grüner. Die Monate der ersten Wahl sind April und Mai, außerdem die zweite Septemberhälfte und der goldene Oktober. Januar, Februar und März können windig bis stürmisch, regnerisch und kalt sein. Die Monate Juli und August sind heiß, teuer und nervig. Eine zuverlässige Vorhersage bezüglich Wetter, Wind und Wellen bietet die Handy-App »Windy«.

Organisierte Touren/Buchung: Seekajak-Touren in der Region bietet unter anderem Autor Norbert Blank von www.Ecuador-Kajak.com an (Paddelreisen ab/bis Kalamata Airport). Mit Übernachtungen in schönen Hotels, ortskundigen Kanuguides, Fahrzeug-Begleitung am Ufer mit Gepäcktransport sowie kompletter Leihausrüstung. Termin 2021: 25. September bis 2. Oktober. Neu dazu kommen ab 2021 Seekajaktouren vom Segelboot aus auf den Ionischen Inseln. Weitere Infos: www.ecuadorkajak.com Weitere Anbieter: www.club-aktiv.de, www.outdoordirekt.de, www.wasserfest.net

Ausrüstung: Neben Kajak und Paddel wird die Standard-Seekajak-Ausrüstung für küstennahe Fahrten benötigt: Schwimmweste, Spritzdecke, Abschleppleine, Paddelfloat, Lenzpumpe, Paddelleash, teilbares Ersatzpaddel, Kompass, Karte, Erste-Hilfe-Set, wasserdicht verpacktes Telefon und eventuell ein GPS-Notfallsender. Bekleidung: kurze Neoprenhose und für den Fall der Fälle eine Paddeljacke (die aber ziemlich sicher meist im Boot bleiben kann).

Gesundheit: Besondere Gefahren drohen in Griechenland keine. Sollte es zu einer Erkrankung kommen, ist die medizinische Versorgung gut – sofern eine Stadt angesteuert wird. Notfallrufnummer: 112, einheitlich in Europa vom Mobiltelefon.

Unbedingt einpacken: reichlich Sonnencreme, Sonnenbrille, Sonnenhut, langärmliges Lycra- oder Funktions-Shirt und alles, was vor der Sonne schützt.

Essen und Trinken: Absoluter Geheimtipp ist die Taverne von »Christo« im Bergdorf Nomitsi oberhalb von Agios Nikolaos (Seekajak-Touren entlang der Mani).