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Das Lipödem – eine verkannte Krankheit


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Frau im Spiegel - epaper ⋅ Ausgabe 22/2022 vom 25.05.2022

Zahl der Woche 3,8 Millionen Menschen leiden bei uns an einem Lipödem, meist sind es Frauen

Mimi Fiedler, 46

Ging offen damit um

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GESUNDE HALTUNG Mimi Fiedler hadert nicht mehr mit ihrem Körper

„Mit 40 fing es an“

Die Schauspielerin berichtete in einer Talk-Show, dass sie nicht nur seit ihrer Jugend Cellulite hat, die sie sogar operieren ließ. Sie bekannte zudem, dass sie seit ihrem 40. Lebensjahr auch an einem Lipödem leidet. „Das hat etwas mit meinem hormonellen Haushalt zu tun“, sagte sie. Die gebürtige Kroatin steht voll und ganz zu ihrem Körper. Sie schrieb auch in ihrem Buch „Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten“ offen darüber.

Man mag seinem Spiegelbild gar nicht glauben, wenn sich plötzlich an den Knöcheln seltsame Fettansammlungen zeigen. Beim Lipödem kann es mit der Zeit zum völlig unproportionalen Verhältnis der Körperteile zueinander kommen. Betroffene schämen sich oft. Dabei können sie nichts dafür. Sie leiden an einer Erkrankung, die ...

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... ärztlicher Hilfe bedarf.

Der Lymphfluss ist gestört: Immerhin rund 3,8 Millionen Deutsche leiden an einem Lipödem. Es sind überwiegend Frauen. Experten befürchten aber, dass es viel mehr Betroffene gibt. Denn selbst Ärzte verwechseln das Lipödem manchmal mit Übergewicht, weil es hier zu Fettansammlungen kommt – vor allem an Beinen, Hüfte, Gesäß und manchmal auch an den Armen. „Tatsächlich haben Übergewichtige so wie Lipödemerkrankte in der Regel mehr Fettgewebe“, erklärt Dr. Joachim Graf von Finckenstein, plastischer und ästhetischer Chirurg sowie Leiter der Praxisklinik in den Seearkaden Starnberg. „Der Unterschied besteht allerdings darin, dass die Fettzellen bei einem Lipödem den Lymphrückfluss behindern und sich Wasser anstaut, was zu Schmerzen führt.“ Akute Symptome sind zudem schwere geschwollene Beine, eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Haut und eine Neigung zu blauen Flecken.

Wie kommt’s dazu? Die Ursache ist bislang noch ungeklärt. „Wahrscheinlich spielt der weibliche Hormonspiegel eine Rolle, zusam-men mit einer anlagebedingten Veränderung der Fettzellen im Verbund mit Lymphbahnen“, weiß Dr. Graf von Finckenstein. Denn die Fettpolster bilden sich häufig während oder nach der Pubertät, einer Schwangerschaft und in den Wechseljahren. „Leiden Männer an einem Lipödem, steht es dagegen in Verbindung mit anderen Erkrankungen, etwa einem Testosteronmangel zum Beispiel durch einen Leberschaden“, so der Experte.

DominoKati, 25

Schon als Teenie ein Problem

„Ich litt wegen meiner Beine“

Bereits als Jugendliche war die YouTuberin wegen ihrer dicken Beine unglücklich. Sie probierte es mit vielen Diäten erfolglos. 2019 ließ sie sich nach der Diagnose „Lipödem“ Fettgewebe entfernen. „Meine Ärztin riet mir, die Ernährung umzustellen, um das Ergebnis zu halten“, verriet sie auf YouTube. Und das hat sie mit Erfolg getan.

Madlen Kaniuth, 47

Lange keine Diagnose

„Fühle mich endlich wohl im Körper“

Die Ärzte konnten ihre Beschwerden lange nicht richtig einordnen. Dann bekam die Schauspielerin im Sommer 2014 endlich eine Diagnose: Lipödem. Danach ließ sie sich zehn Liter krankes Fettgewebe entfernen. Madlen Kaniuth bezahlte den Eingriff selbst. Aber für sie hat sich jeder Cent gelohnt. Ihr Statement: „Danach konnte ich zum ersten Mal sagen, dass ich mich so richtig wohl in meinem Körper fühle.“

KRANKHEIT IN 3 STADIEN

Das Lipödem neigt zur Verschlimmerung. Ob es dazu kommt und wie stark, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und nicht vorhersagbar. Bei einigen Frauen stoppt die Zunahme des Fettgewebes ganz, wenn eine bestimmte Ausprägung erreicht ist.

Stadium 1 An den Beinen zeigt sich die Reithosen-Form. Die Unterhautschicht ist aber noch gleichmäßig verdickt.

Stadium 2 Ausgeprägte Reithosen-Form. Die Haut zeigt Dellen und Knoten. Das Unterhautgewebe ist aber noch weich.

Stadium 3 Die Beine nehmen einen extremen Umfang an. Das Unterhautgewebe zeigt sich stark verdickt und verhärtet.

Die Behandlungsoptionen: Zu den konservativen Methoden zur Linderung der Beschwerden eines Lipödems zählen etwa das Tragen von Kompressionsstrümpfen oder Lymphdrainagen. „Beides kann angestautes Wasser aus dem Gewebe abtransportieren und so die Schmerzen zumindest zeitweise mindern“, erläutert Dr. Joachim Graf von Finckenstein. „Für eine langfristige Besserung sorgt aber nur eine Fettabsaugung, bei der das krankhafte Gewebe dauerhaft entfernt wird“, betont der plastische und ästhetische Chirurg. „In fortgeschrittenen Stadien braucht es jedoch mehrere Sitzungen für einen nachhaltigen Erfolg.“ Sehr zum Nachteil der Betroffenen bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen diesen Eingriff nur, wenn es eigentlich schon zu spät ist: nämlich bei einem Lipödem in Stadium 3 (siehe Kasten S. 49).

Auf die Ernährung achten: Oft müssen sich die betroffenen Frauen Sätze wie „Iss die Hälfte“ von ihrem Umfeld anhören. „Doch das würde nicht helfen“, betont Dr. Graf von Finckenstein. Er rät betroffenen Frauen aber zu einer möglichst salzarmen Ernährung, da der Mineralstoff Wasser in den Zellen bindet. „Durch diese Einlagerungen werden betroffene Bereiche empfindlicher.“ Und weil Adipositas und Lipödem nahe beieinanderliegen, empfiehlt der plastische und ästhetische Chirurg zudem eine kalorienarme Ernährung – auch und vor allem nach einer Fettabsaugung, damit das Ergebnis bleibt.

Kann Sport helfen? „Regelmäßige Bewegung lindert die Symptome. Sie kann ein Lipödem aber nicht verhindern oder gar heilen, da sich das krankhafte Fettgewebe nicht wegtrainieren lässt“, sagt Dr. Graf von Finckenstein. Es gibt jedoch Sportarten, die die Schmerzen lindern – etwa Schwimmen oder auch Trampolinspringen. Denn sie regen das Lymphsystem an, schonen aber gleichzeitig die Gelenke. Auch nach der Fettabsaugung empfiehlt der Spezialist, regelmäßig Sport zu machen, um das erreichte Körperbild zu erhalten. Sehr gut geeignet sind Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Aqua-Jogging, Aqua-Aerobic oder Aqua-Spinning.

◼ ELLEN WARSTAT

Jenny Frankhauser, 29

Nach einem OP-Marathon

„Endlich schmerzfrei“

Das TV-Sternchen musste sich nach der Diagnose Lipödem gleich bei mehreren Eingriffen Fett an Armen und Beinen absaugen lassen. Zwischendurch schrieb sie auf Social Media: „Wenn ich am Ende nicht nur schmerzfrei sein werde, sondern auch noch ganz normale Arme und Beine habe, ist es mir jeden Cent und jede Kraft wert.“