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Das magische Viertel


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Cavallo - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 18.01.2023

15 MIN

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Bildquelle: Cavallo, Ausgabe 2/2023

Magic Moments: Um sie zu erleben, reicht eine Viertelstunde ? kleine Trainingseinheiten führen schnell zum Erfolg.

15 MIN

Acht für Alleskönner

A

B

MARIUS SCHNEIDER ist Meister der akademischen Reitkunst nach Bent Branderup. Er schätzt abwechslungsreiches Training und kombiniert Reiten und Bodenarbeit.

Aufs Training einstimmen: Zehn bis 15 Minuten nimmt sich Marius Schneider gerne Zeit, um sich und das Pferd aufzuwärmen und mental aufs Training einzustimmen. Schließt sich das Pferd dem Menschen bereits frei an, kann man gut vor dem eigentlichen Training ein paar Runden nebeneinander durch die Halle spazieren. Schneider baut Handwechsel ein und beobachtet, ob das Pferd bei ihm bleibt. „Ich trainiere jeden Tag mehrere Pferde, und so kann ich jedem einzelnen von ihnen gerecht werden. Ich nehme dadurch nicht zu sehr das Gefühl vom Pferd davor mit ins Training. So stelle ich mich besser auf den vielleicht ganz anderen Ausbildungsstand des Pferds ein“, schildert Schneider. Auch die Tagesform lässt ...

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... sich dabei gut beobachten: „Weil das Pferd in der Freiarbeit auch Nein sagen und weggehen kann, sehe ich genau, wie es an dem Tag drauf ist.“

„Wärmende Acht“ für 15 effektive Minuten: Marius Schneider gestaltet gerne kleine Übungsreihen, die sich je nach Ablauf sowohl als Aufwärmprogramm als auch für eine konzentrierte Arbeitsphase eignen. Die „wärmende Acht“ ist sein Favorit für die kalte Jahreszeit: „Oft ist man da ein bisschen festgefroren, und die Acht macht wunderbar mobil“, sagt der Ausbilder.

Der Aufwärm-Effekt ist für den Reiter besonders groß, wenn er am Boden startet. „Ich mixe für eine Aufwärm-Einheit gerne Bodenarbeit und Reiten“, so Schneider. Dazu starten Sie in normaler Führposition zwischen Kopf und Schulter des Pferds auf einem groß angelegten Mittelzirkel im Schritt. Dann legen Sie mit einem „Durch den Zirkel wechseln“ eine Acht an. „Der Handwechsel bedeutet dabei nicht, dass ich als Mensch die Seite wechseln muss“, erklärt Schneider. Bleibt der Führende immer auf der gleichen Seite des Pferds, ergibt sich durch die Handwechsel mal ein längerer Weg fürs Pferd, mal ein längerer für den Menschen – je nachdem wer gerade außen geht. Bei den Handwechseln entsteht daraus auch ein gutes Kommunikationstraining: Mal muss sich das Pferd dem Menschen in die Wendung hinein anschließen, mal ihm weichen. „Das Pferd lernt, auch, auf die Körpersprache und nicht auf den Zügel oder Führstrick hin abzuwenden.“

Klappt das mühelos, können Sie je nach Ausbildungsstand auch Trab und sogar Galopp einbauen, mit einfachen oder fliegenden Wechseln. Marius Schneiders Vorschlag: Die Acht dreimal links vom Pferd und dreimal rechts vom Pferd am Boden ausführen und danach in den Sattel wechseln.

DAS IDEALE WARM-UP-ZEITFENSTER

Mindestens 15, besser zwanzig Minuten Schritt zum Beginn eines Trainings bereiten Muskeln, Sehnen und Gelenke des Pferds auf die Arbeit vor. Am längsten brauchen Bänder und Gelenke, bis sie einsatzbereit sind – sie sind weniger stark durchblutet als die Muskeln, die schneller warm werden.

Der optimalen Schritt-Zeit für gesunde Gelenke ging Tierarzt Dr. Kai Kreling in Untersuchungen nach: Er bestimmte die Viskosität der Gelenkschmiere bei Pferden nach zehn, 20 und 30 Minuten. Den höchsten Punkt erreichte sie nach 20 Minuten und stieg danach nicht weiter an. Das heißt: Nach 20 Minuten laufen die Gelenke wie geschmiert. Die Gelenkschmiere wird innerhalb von 20 Minuten flüssiger und verteilt sich besser, schützt so den Knorpel vor Abrieb und puffert Stöße. Die Gelenke werden außerdem beweglicher, je besser die Gelenkflüssigkeit verteilt ist. Ältere oder kranke Pferde mit arthrotischen Gelenken brauchen womöglich länger, bis sie sich eingelaufen haben.

Ein weiterer Pluspunkt fürs Warmreiten im Schritt: Gelenke, Muskeln und Sehnen werden nur gering belastet, die Bänder vorsichtig gedehnt. Im Trab ist die Belastung deutlich höher.

Einhändig Reiten: Im Sattel eignet sich ein kleines Zeitfenster wunderbar, um mal nicht alles zu machen wie gewohnt. „Nehmen Sie für die Acht die Zügel in eine Hand“, empfiehlt Schneider.

Zum Testen reiten Sie erstmal geradeaus und dann Schlangenlinien durch die Bahn – Sie können sich von drei auf vier, fünf oder sogar sechs Bogen steigern. Wendet das Pferd gut auf die Sitzhilfen hin, wechseln Sie wieder auf die Acht im Mittelzirkel. Die Wechsel von Stellung und Biegung sind für das Pferd tolles Stretching.

Einhändig zu lenken, ist gar nicht so einfach. „Meist fühlt man sich dabei erstmal wie ein Anfänger“, weiß Schneider. Seine Tipps:

• Auch bei einhändiger Führung das Zügelmaß anpassen: „Beim Handwechsel kann es sein, dass man den inneren Zügel verkürzen muss und den äußeren verlängern, je nachdem wie stark sich das Pferd biegt.“

• Im Oberkörper nicht zu stark überdrehen und nicht in der Hüfte einknicken.

• Die Hand nicht zu stark über den Mähnenkamm nach innen bringen. „Für das klassische Neck-Reining soll der äußere Zügel den Hals berühren. Wirkt er aber auf Maul oder Nase, zieht er das Pferd wieder aus der Wendung zurück.“

• Ein leichter Bügeltritt, also vermehrtes Durchtreten des Bügels in Bewegungsrichtung, kann beim Abwenden helfen.

• Mit der Gerte in der freien Hand unterstützen: Entweder außen damit begrenzen oder innen hinterm Reiterschenkel touchieren, damit sich das Pferd besser biegt.

15 MIN

Vielseitiges Fitness-Programm

JOSEFA SOMMER ist erfolgreiche Amateur-Vielseitigkeitsreiterin und Physiotherapeutin für Pferde.

In 15 Minuten fein am Bein: „Oft sehe ich Pferde, die nicht genug am Bein sind und sich auf den Zügel legen.“ Tipp: Schon zu Beginn einer Trainingseinheit darauf achten, dass das Pferd gut auf den Schenkel reagiert. Dazu lässt Sommer übertreten, reitet Schenkelweichen oder Travers. Im Trab lässt sie die Zügel aus der Hand kauen. „Wichtig ist mir, dass die Pferde dabei nicht auf die Vorhand schieben, sondern trotzdem vorne größer werden.“ Dabei helfen Übergänge: Das Pferd nimmt mehr Last mit der Hinterhand auf.

„Heiße Pferde muss ich erst recht an den Schenkel bekommen, ihnen hilft manchmal ein Galopp, um sich zu lösen – und Biegearbeit mit Achten, aus dem Zirkel wechseln und Volten. Auf den gebogenen Linien kann man auch gut Übertreten oder Schulterherein einbauen.“ Auf jeden Fall gilt: „Bevor das Pferd nicht am Schenkel ist, braucht man mit weiteren Anforderungen nicht anzufangen.“

Ausdauer in Intervallen: Alle fünf Tage geht es für Josefa Sommers Vielseitigkeitspferde an den Hang zum Konditionstraining. 24 Prozent Steigung hat die Wiese, auf der Sommer trainiert.

Zunächst im Trab geht es für mehr Kraft bergauf und auch wieder bergab, um das Gleichgewicht zu schulen. Mangelt es noch an der Balance und das Pferd tut sich schwer, schaltet die Vielseitigkeitsreiterin bergab einen Gang runter und reitet Übergänge zwischen Schritt und Halten – so muss das Pferd die Hanken beugen und bleibt leicht in der Hand.

Für die Galopparbeit schaut die Reiterin dann genau auf die Uhr: Hier ist Training in Intervallen von drei Minuten angesagt, anschließend gibt es zwei Minuten Schrittpause, dann wieder drei Minuten Galopp.

Die Gesamtdauer des Galopps orientiert sich an der Dauer der Prüfung, für die Josefa Sommer trainiert: Eine Geländestrecke in einer Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A dauert etwa vier Minuten, in Klasse S zwischen sieben und 10,5 Minuten. „Das Pferd sollte im Training etwa 1,5-mal so lange galoppieren wie in der Prüfung“, erklärt Josefa Sommer. Das ist schon in wenigen Minuten erledigt.

Durch die Steigung ist das Training besonders effektiv, „der Berg bringt Kraft und Kondition“, weiß die Vielseitigkeitsreiterin. Wer auf ebener Strecke oder in der Halle trainieren muss, muss für den gleichen Effekt länger galoppieren.

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Kurze Power-Walks

NATALIE STEINMANN ist Trainings-Redakteurin bei CAVALLO. Ihre Isländer-Stute hält sie im Gelände fit – und sich selbst gleich dazu.

Mein Power-Spaziergang: Für einen kleinen, aber nicht ganz unanstrengenden Spaziergang nutze ich gerne einen ansteigenden Waldweg, der fast direkt hinter unserem Stall beginnt. Beim Bergaufgehen muss meine Stute richtig mit der Hinterhand arbeiten, wölbt den Rücken schön auf und dehnt sich. Meist höre ich nach wenigen Metern schon ein zufriedenes Schnauben. Um das Muskeltraining noch effektiver zu machen, baue ich kleine Übergänge zum Trab ein: Richte ich mich mehr auf und mache ein Küsschen-Geräusch, wechselt meine Stute in den Trab, atme ich bewusst aus, pariert sie wieder durch. Die Trabphasen sind nur wenige Tritte lang – sonst komme ich selbst bei der Steigung ehrlich gesagt auch nicht mehr mit. Außerdem wird mein Pferd durch die häufigen Übergänge besonders aufmerksam und achtet noch besser auf mich.

Schonend bergab: Da der Weg eine Sackgasse ist, müssen wir oben wieder umdrehen. Ich achte auf ein ruhiges Tempo, auch wenn es nach Hause geht. Ich baue öfter Übergänge zum Halten ein, frage mal eine kleine Gewichtsverlagerung nach hinten oder auch ein, zwei Tritte rückwärts ab. So kommen wir fit wieder runter.

TRAB MACHT KRÄFTIG

Ausdauertraining macht tragkräftig: Mindestens 20 Minuten am Stück sollte ein Pferd problemlos traben können, bevor Sie in den Sattel steigen. Diese Kondition lässt sich prima vom Boden aus aufbauen, etwa mit Freilauf (siehe S. 30), Handpferdereiten oder abwechslungsreichem Longieren auf gebogenen und geraden Linien.

Ausdauertraining stabilisiert auch das Fasziengewebe inklusive Sehnen und Bändern. Durch Fitness-Training im Trab wird das Pferd also stabil fürs Reiten. Es baut Ganzkörpermuskulatur auf, das Herz-Kreislauf-System wird trainiert und die Lungenfunktion verbessert sich.

Steigungen bringen Power: Wer den gleichen Effekt auf flacher Strecke will, muss länger trainieren.

Gibt das Pferd Raum und reagiert auf Signale? 15 Minuten sind ideal für eine kommunikative Warm-up-Einheit.

LIEBER KURZ UND KNACKIG

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte eine Trainingseinheit nicht länger als 20 Minuten dauern – länger ausdehnen sollte man sie nur mit vielen Pausen. Und selbst wenn man im 20-Minuten-Rahmen bleibt, ist Durchpowern fehl am Platz: Pferdewissenschaftlerin Dr. Vivian Gabor fand heraus, dass die meisten Pferde sich nur etwa sieben Minuten konzentrieren können.

Wie lange Pferde dem Menschen zuhören, ist auch von ihrem Alter, Temperament und Trainingszustand abhängig. Bei Fohlen, jungen Pferden und Oldies ist oft schneller Schluss – ähnlich wie auch bei uns Menschen.

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Anfass-Training

NADINE SZYMANSKI ist CAVALLO-Redakteurin und geht seit vier Jahren mit ihrem Oldenburger-Wallach Callando durch dick und dünn.

Mein Aha-Erlebnis: Mein Pferd wollte sich nie ans linke Ohr fassen lassen und quittierte meine Versuche empört mit wildem Kopfschlagen. Der Tierarzt konnte keine Ursache feststellen. Dass ich Matschklumpen, die den Weg zum linken Pferdeohr gefunden haben, nicht entfernen konnte, hat mich schon gestört.

Außerdem blieb die Sorge im Hinterkopf, wie ich das Ohr behandeln soll, falls es mal nötig sein würde. Aber auch wenn ich immer mal wieder geübt habe, dass ich das Ohr berühren darf, konnte ich das Problem nie dauerhaft lösen. Bis ich eines Tages keine Lust auf Training oder irgendeine andere Action hatte und beschloss, mein Pferd nur ein bisschen zu kraulen. Dieses Ohr-Problem kam mir dabei wieder in den Sinn. Ich begann spontan, mich kraulenderweise immer näher ans linke Ohr heranzutasten. Wenn mein Pferd zappelte, hielt ich sanft Kontakt, wenn es stillhielt, nahm ich meine Hand weg.

Es hat keine zehn Minuten gedauert, bis ich das Ohr kraulen durfte. Weil ich mir endlich mal alleine dafür Zeit genommen habe und mich ganz auf diese eine Sache konzentriert habe. Der Effekt war nachhaltig. Ich kann das linke Ohr meines Pferds zwar nicht direkt greifen, aber ich darf mich langsam herantasten. Das ist für mich völlig okay – und für mein Pferd auch.

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Warm-up für alle Sinne

ANNE KRÜGER-DEGENER ist Tiertrainerin und kommuniziert mit Pferden und Hunden auf feinste Signale. anne-krueger-degener.de

Der Start ist entscheidend: „Die ersten 15 Minuten sind für mich die wichtigsten“, sagt Anne Krüger-Degener. Hier nimmt die Trainerin sehr viel am Pferd wahr: Sie beobachtet sein Ausdrucksverhalten und seine Reaktionen.

Emotionales Warm-up: In etwa 15 Minuten wärmt Krüger-Degener das Pferd auf drei Ebenen auf: emotional, kognitiv und körperlich. Um emotional das Eis zu brechen, macht die Tiertrainerin sich auf die Suche nach dem „Lachmuskel“ des Pferds – meist wird sie an Hals, Brustbein, unter der Ganasche oder an der Schweifrübe fündig. Zieht das Pferd eine genießerische Schnute, hebt den Schweif oder sendet andere „Wohligkeitssignale“, ist der erste Schritt gemacht. „Das kann durchaus einen Moment dauern“, weiß sie aus Erfahrung.

Kopf und Körper aufwärmen: Danach kommt der Kopf dran: Krüger-Degener testet, ob das Pferd auf seinen Namen reagiert (diese „Ansprechbarkeit“ lernen bei ihr alle Pferde), ob es Raum freigibt und unmittelbar auf Signale reagiert.

Wichtig ist Krüger-Degener dabei, dass das Pferd mit der richtigen inneren Haltung antwortet – also freundlich und ohne Stress oder Abwehr. Tut es das nicht, hilft meist, anders anzufragen: oft langsamer, leiser, freundlicher – aber manchmal auch bestimmter. Mit kommunikativem Longieren und kleinen Übungen wie Seitwärtsweichen macht die Trainerin in den ersten 15 Minuten ganz nebenbei auch noch den Körper geschmeidig und warm.

Zwei Einheiten täglich sind ideal: Nach dem Warm-up fragt die Trainerin in einem Frage-Antwort-Spiel beispielsweise Lektionen ab oder erarbeitet Neues – nach 20 bis 30 Minuten inklusive Aufwärmen ist das Training dann auch schon wieder vorbei. „Der Lernprozess kommt über Erfolg, nicht über Dauer“, sagt sie. „Noch besser wäre es, das Pferd zweimal am Tag für 15 Minuten zu arbeiten“, meint Krüger-Degener.

Beim Muskel- und Ausdauertraining im Gelände ist die Trainerin dagegen schon mal eine bis 1,5 Stunden mit dem Pferd unterwegs – doch das Training gliedert sich dann in Intervalle. „Wir haben ein Warmup, erreichen eine Leistungsspitze, dann ein Cool-down – und danach beginnen wir im Prinzip fast wieder ganz neu.“ Das Training so zu portionieren, hilft auch dem Reiter: „In den Pausen kann man reflektieren und nimmt auch auf sich Rücksicht.“

Kurze Einheiten sind für Arbeit an der Hand ideal. Für manche Pferde ist die Nähe intensiv.

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Handarbeit mit Hand und Fuß

NICOLE KÜNZEL bildet Pferde und Reiter klassisch an der Hand und unter dem Sattel aus und ist Fachbuchautorin. evipo.de

Arbeit an der Hand in kleinen Dosen: Nicole Künzels Steckenpferd ist die Arbeit an der Hand. Die funktioniert in nicht zu langen Einheiten besonders gut. Fürs Pferd ist sie mental und körperlich anspruchsvoll, weil der Mensch nah dran ist. „Das begrenzt das innere Sehfeld recht stark und das Pferd muss jede unserer Schwankungen mitmachen.“ Selbst einen guten Blickfokus zu halten, auf genügend Abstand zu achten und immer wieder Führpausen einzulegen, ist darum wichtig.

Anfangs führen: Zu Beginn führt Nicole Künzel etwa zehn Minuten lang im Schritt, baut Handwechsel ein, hält an und geht wieder los oder richtet ein paar Tritte rückwärts „So kann man den Ist-Zustand erkennen und schon ein wenig die gemeinsame Beziehung scannen“, erklärt Künzel.

Übungseinheit an der Hand: Klappen die Führübungen gut, kann man danach zur Arbeit an der Hand übergehen. Künzel beginnt mit einem „Frage-Antwort-Spiel“ im Halten: Das Pferd steht am Hufschlag am Anfang der langen Seite auf der linken Hand, der Mensch positioniert sich auf Kopfhöhe mit so viel Abstand wie möglich neben dem Pferd und blickt gegen die Bewegungsrichtung des Pferds. Die linke Hand greift den inneren Zügel nah am Trensenring, die rechte den äußeren Zügel, der kurz vor dem Widerrist verläuft, auf Höhe des Buggelenks. Auf einen kurzen Impuls am äußeren Zügel sollte das Pferd reagieren, indem es sich leicht beizäumt. Hat das Pferd die Frage beantwortet, dreht man sich in Bewegungsrichtung und geht los. Künzels Lieblingselemente für eine Übungseinheit sind je nach Ausbildungsstand weitere und versammeltere Schritte, Seitengänge, Anhalten und Rückwärtsrichten.

Bahnfiguren sinnvoll einbauen: Beim Wechseln aus dem Zirkel behält Künzel gerne die Stellung, die das Pferd vorher hatte, bei und geht in Außenstellung auf den neuen Zirkel. „Das ist eine schöne Übung für die Balance. Achten Sie darauf, dass die Hinterhand nicht ins Innere der Bahn schwenkt.“ Eine weitere Übung: Auf der Viertellinie zwischen Hufschlag und Mittellinie geradeaus gehen; das Pferd ist nach innen gestellt. „Daraus kann man schön Schenkelweichen zur Bande entwickeln: Immer ein paar Schritte seitwärts, ein paar geradeaus, wie bei einer Treppe.“ Die Vorhand soll dabei minimal führen.

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Clever kombinieren

BARBARA BÖKE ist bei CAVALLO für Gesundheitsthemen zuständig und hat einen 22-jährigen Wallach, den sie gezielt fithält.

Vielseitig lösen: Vor der Dressurarbeit reite ich mindestens 15, meist eher 20 Minuten Schritt. Die nutze ich gleich als Einstieg fürs Training: Nach ein paar Runden am langen Zügel baue ich immer wieder Übungen und Lektionen ein – wie Schulterherein, Schenkelweichen, Viereck verkleinern und vergrößern, halten und anreiten, Zirkel verkleinern und vergrößern. Dabei merke ich schon, wo es aktuell hakt, und kann gezielt darauf eingehen. Tut sich mein Pferd beispielsweise schwer, seine linke Seite aufzudehnen, dann baue ich etwa häufiger Schulterherein oder ein paar Volten auf der rechten Hand ein.

Clevere Kombi: Diese Aufwärmphase kann man auch prima vom Boden aus umsetzen; Handarbeit mache ich gelegentlich im Winter, um mich selbst aufzuwärmen. Auch vor dem Longieren mache ich das ab und zu: Trense und Kappzaum drauf, an der Trense zuerst Arbeit an der Hand machen und am Kappzaum anschließend longieren.

Gefühl schlägt Stechuhr

Ausbilderin Nicole Künzel erklärt, warum sie wenig von festen Zeitabläufen beim Pferdetraining hält – und warum unser Zeitgefühl uns oftmals täuscht.

CAVALLO: Sie entscheiden über die Trainingsdauer spontan und individuell?

NICOLE KÜNZEL: Ja, ich bin tatsächlich keine Freundin von ganz festen zeitlichen Abläufen im Pferdetraining. Habe ich zum Beispiel nach wenigen Minuten schon einen tollen Erfolg, gibt es für mich keinen Grund noch weiterzumachen. Angenommen, ein junges Pferd tat sich am Vortag noch schwer damit, bei der Arbeit an der Hand im Halten auf einen Zügelimpuls nachzugeben, aber heute nickt es sofort auf einen kleinen Impuls und kaut ab. Dann ist für mich die Arbeitsphase schon beendet.

Schauen SIe nie auf die Uhr im Training?

Eigentlich sollte die Uhr im Zusammensein mit dem Pferd meiner Ansicht nach keine Rolle spielen. Vielmehr sollten Reiter genauer hinfühlen, wann es für diese Trainingseinheit gut ist. Ich selbst gucke nicht auf die Uhr, wenn ich meine Pferde und Ausbildungspferde arbeite. Erfolge, aber auch kleine Ermüdungsanzeichen wie ein Kopfschütteln sind für mich Signale, das Training zu beenden. Nur für die Aufwärmphase und beim Intervalltraining im Gelände habe ich die Uhr im Blick.

Welche Rolle spielt das Zeitgefühl für das Training mit dem Pferd?

Zeit kann sich mal länger, mal kürzer anfühlen – das kommt ganz darauf an, was wir gerade tun. Für uns Reiter fliegt die Zeit im Pferdetraining oft gefühlt und wir neigen dazu, eins nach dem anderen abzufragen. Daher sollte man Pausen bewusst mehr ausdehnen und lieber mal etwas früher sagen: Das war es jetzt, wir hören auf. Wichtig ist auch, einen roten Faden zu haben, dann weiß man, wann das Ziel erreicht ist. Beim Loben ist das richtige Timing ganz entscheidend.

Warum ist es sinnvoll, das Training in verschiedene Abschnitte einzuteilen, also beispielsweise erst an der Hand zu arbeiten und dann zu reiten?

Ich erfahre bei der Arbeit an der Hand schon sehr viel über das Pferd, das ist eine schöne Einstimmung fürs Reiten. Kann sich das Pferd gut beizäumen? Gerät es hinter die Senkrechte? Kann es sich zu beiden Seiten gleich gut stellen? Das lässt viele Rückschlüsse auf die Losgelassenheit zu. Gerade für die hypermobilen modernen Pferde ist eine Aufwärmphase an der Hand außerdem weniger verschleißend, als lange Schritt zu reiten. So kann man unterm Sattel zügiger mit der Trab- oder Galopparbeit beginnen.

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Equikinetic für jedes Pferd

CATHRIN FLÖSSER ist Geitner-Trainerin und CAVALLO-Autorin. SIe schwört auf die blau-gelbe Trainingsmethode. pferdetraining-floesser.de

Muskel-Macher: Bei der Equikinetic wird das Pferd in der Arbeitsphase auf einer 8-Meter-Volte in Biegung eine Minute lang am Kappzaum longiert, bevor eine Pause von 30 bis 45 Sekunden sowie ein Handwechsel folgt. Nach acht bis höchstens zwölf Arbeitsphasen endet das Training. Das Intervalltraining baut im Schritt und Trab die Muskeln im Rumpf-Trage-Apparat schonend und effektiv auf.

Auch für Senioren und junge Hüpfer: Für meine 31-jährige Pferdeseniorin Pandora wirkt es wie wahres Anti-Aging, meinen fünfjährigen Wallach Coffee habe ich vor zwei Jahren mit diesem Training auf sein Reitpferdeleben vorbereitet. Gerade wenn es mal schnell gehen muss, liebe ich dieses Programm, da es mir eine klare Struktur vorgibt und ich mir keine großen Gedanken fürs Training machen muss. Da der Reiter bei diesem geführten Longieren viel mitläuft, bringt es ihn in Schwung und lässt im Winter kalte Füße schnell wieder warm werden.

Mental-Effekt: Der Pieps des Timers zur Pause sorgt für mehr Motivation, denn er aktiviert die Belohnungszentren im Gehirn. Durch die Farbreize der blau-gelben Gassen wirkt Equikinetic zudem wie ein Gehirnjogging. Meine introvertierte Stute liebt es, wenn sie genau weiß, was auf sie zukommt und sie das Gefühl hat, es schaffen zu können. Mein extrovertierter Wallach schätzt die Abwechslung.

ANLEITUNG ZUM GEITNER-TRAINING:

LEICHTER LERNEN

Eine kurze Bewegungseinheit vor dem Training macht nicht nur den Körper geschmeidig, sondern weckt auch das Köpfchen auf. Das zeigt eine aktuelle Studie, in der 41 Pferde vor eine Lernaufgabe gestellt wurden. Die Forscher bildeten drei Gruppen: Eine absolvierte vor der Aufgabe ein lockeres Bewegungsprogramm von 20 Minuten, eine stand 15 Minuten angebunden herum; die dritte wurde 20 Minuten lang im Roundpen mit einem Stressor (Gummiball) konfrontiert.

Das Ergebnis: Die Pferde aus der Bewegungsgruppe lernten am schnellsten und brauchten die wenigsten Versuche. Bei den anderen beiden Gruppen war die Lernleistung identisch. Außerdem nahm die Konzentration des Stresshormons Cortisol bei der Bewegungsgruppe während des Lernens ab, bei den anderen nahm sie zu. Stress hindert am Lernen.

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Balance auf Pads

LINDA KRÜGER ist CAVALLO-Chefredakteurin. Sie hat zwei ältere Quarter-Stuten (24 und 25) sowie einen zwölfjährigen Vollblut-Wallach von der Rennbahn.

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Mit minimalem Aufwand trainieren Pferde auf Balance-Pads Gleichgewicht, Koordination, Trittsicherheit und ihre Tiefenmuskulatur. Dank der Pads unter den Hufen ist das besonders konzentriert, effektiv – und gelingt einfach nur im Stehen. Oder vielmehr im Schwanken. Denn tatsächlich sieht es bei einigen Pferden aus, als hätte die Stallgasse zumindest leichten Seegang.

Schwanken zum Entspannen: Stabiler wird auch die Psyche. Eine unserer Stuten entspannt sich sofort auf den Pads, lässt den Hals fallen, die Unterlippe hängen und scheint mit halbgeschlossen Augen regelrecht in sich hineinzuhören.

Je weicher, desto wackeliger: Ich persönlich nutze zwei verschiedene Balance-Pads-Paare, die blauen und die grünen Stabilitäts-Trainer von TheraBand, die unterschiedlich nachgiebig sind. Es gibt inzwischen aber eine große Auswahl verschiedener Pads, auch im Reitsporthandel. Stets gilt: je weicher, desto herausfordernder.

Das Pferd soll selbst entscheiden, ob es auf den Pads stehen möchte und wenn ja, wie lange. Ich biete ihm die Pads nur an, stelle also die Hufe drauf. Bleibt es nicht darauf stehen, gibt es einen zweiten Versuch – und danach ist Schluss. In der Regel nehmen meine Pferde das Angebot allerdings sehr gerne an – und trainieren meist zehn bis 15 Minuten auf den Pads.

Ideale Intervalle: Sogar Energiesparer geben in der Quadratvolte alles, weil der zeitliche Rahmen begrenzt ist.

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Stretchen und joggen

UTE STABINGIES besitzt seit zwei Jahren einen 17-jährigen Appaloosa-Wallach und schwört auf Yoga als Ausgleichssport.

Mit Yoga gegen die Kältestarre: Die erste Kältewelle hat uns ja schon erwischt. Klirrend kalte Ställe und steife Muskeln stellen Pferd und Reiter vor ganz besondere Aufgaben. Bevor ich in den Stall fahre, mache ich gerne erst einmal meinen Body-Check, sprich: gibt es gerade Problempunkte zum Beispiel in der Hüftmuskulatur, kann das Becken rotieren? Dabei helfen mir ein paar Yoga-Übungen wie der Krieger oder die Froschstellung (siehe CAVALLO 11/2021). Einfach auf die Yoga-Matte und ein bisschen dehnen, dabei kann man sich prima auch mental auf das Reiten vorbereiten.

Lockeres Joggen und Stretching fürs Pferd: Fast wie Yoga wirken Stretch-Übungen fürs Pferd, zum Beispiel eine Dehnübung für den Schulterbereich. Dazu greife ich ein Vorderbein und ziehe es vorsichtig mit leicht vibrierenden Bewegungen nach vorne, mein Pferd verlagert sein Gewicht dann gerne auf die Hinterhand und streckt sich. So weiß ich, dass es guttut.

In der Halle hilft uns gerade im Winter ein kurzes Warm-up. An der Hand nach dem Schrittführen einfach schon mal ein paar Runden gemeinsam joggen. Dabei merkt man auch schnell, mit wie viel Dampf das Pferd unterwegs ist – und ich steige aufgewärmt in den Sattel.